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Das jüdische Literaturblatt · 1875-02-01 · Nr. 3. (1.2.1875) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 3. (1.2.1875)
Date
1875-02-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische LilcratiMtt Zur Beleuchtung aller Judenthum «. Juden betreffenden titerarischen Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie,Gtschichte,Ethnographie,Lheoiogie, -reentati«, Eregesr, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahme». Magdeburg, I. Februar 1873. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Red. de» ״Jüd.?iteralurblatt" in Magdeburg (oder der,,Israel. Wochenschr." in Stettin)!»gesandt werden, finden in diesem Platte eingehende Besvrrckuna. I ' J Nr. Erscheint zweimal monatlich. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israelitischen Kochen- J schrift" (die jährl. 9 Mark kostet) g r a t i s. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. יי• l Heinrich Heine s Verwandte mütterlicherfeits. Adolf Strodtmann, der gewissenhafte und fleißige Biograph Heine's, scheint vergeblich nach besondern Daten über die mütterliche Verwandtschaft des Dichters, die van Geldern's, geforscht zu haben*). Dennoch würde er hierüber Vieles in der jüdischen Literatur gefunden haben; denn nach der jüdischen Zeitschrift Sulamith, welche in dem 5. Jahrgang, Th. 2 einen ausführlichen Artikel über die Familie van Geldern enthält, standen bereits im Anfang des vorigen Jahrhunderts die van Geldern^ in hohem Aufehen, sowohl bei Juden wie bei Nichtjuden. Ferner hat Carinoly, ehemaliger Grand-Rabbin von Brüssel und Nedacteur der Revue Orientale in seiner ״Histoire des M6decins Juifs“ 1844 der beiden verdienstvollen und berühmten Aerzte G. L. und I. G. van Geldern Erwähnung gethan. Ja, sogar schon im Jahre 1818, als noch Niemand an den Ruhm Heine's dachte, erschien eine Brochüre über die Familie van Geldern in Düsseldorf. Diesen verschiedenen Quellen und andern deutschen Biographieen über Aerzte entnehnie ich folgende Mittheilung, welche, nebstdem ste über die Vorfahren des Dichters mütterlicherseits handeln, als Beitrag zur Culturgeschichte des Judenthums wisienswerth sind. Der Stammvater der Familie van Geldern, Isaak van Geldern, der ungefähr um's Jahr 1700 von Holland nach dem Herzogthum Jülich-Berg übersiedelte, war weder Baron noch Freiherr. Was Strodtmann für den Adel der van Geldern anführt, beweist nichts. Er erzählt nämlich, daß nach einer Familientradition ein Kurfürst von Jülich-Cleve-Berg den Großvater der Betty van Geldern in den Adelsland erhob, weiß aber den Namen desselben nicht anzugeben und anerkennt, daß der Adelbrief verloren gegangen ist. Auch der Gewährsmann des Biographen, ein Kaufmann Michael SimonS, besten Schwiegermutter eine geborene van Geldern war, kann durchaus nicht als Autorität anerkannt werden. Während *) Ueber ״die Mutter Heine's, mit bisher ungedruckten Briefen derselben" verspricht Ad. Strodtmann in der ״Deutschen Rundschau" von I. Rodenburg nächstens Nittheilungen zu machen; wir werden alsdann nicht ermangeln, obige Mittbeilungen, di« zum größten Theile dem holländischen ״Weekblad voor Israeliten" entnommen find, darnach zu ergänzen. Red. Strodtmann sagt, daß die niännlichen Nachkonimen des Geadelten ausgestorben sind, kann ich mittheilen, daß noch gegenwärtig in Cöln eine Familie van Geldern wohnt, die ihre bescheidene Existenz in dem Ein- und Verkauf von alten Kleidern findet. Der Name ״van Geldern" bedeutet nichts anderes, als daß er ״aus" Geldern gebürtig war. Aus demselben Grunde nannten sich andere Familien ״van Emden, van Utrecht, van Holland, van Jwol." Der Adel Jsaak's war sein ekler Charakter, seine beispiellose Wohlthätigkeit gegen seine verfolgten und unterdrückten Stammesgenosten in Deutschland. Er war sehr reich: Freund und Correspondent des berühmten jüdischen Bünquiers Oppenheim itt Wien, war er, ׳wie dieser, bestrebt, das traurige Geschick der Juden zu mildern. * ׳ Was er begonnen, wurde von seinein Sohn Lazarus fortgesetzt. Dieser war verheirathet mit der Tochter des am Kaiserlichen Hof in Wien hochgeachteten Simon Presburger, und wurde für einen aufgeklärten und gebildeten Mann gehalten. Ueberhaupt standen die Juden in Düsteldorf, wo Lazarus wohnte, in Bezug auf Bildung und Rechtlichkeit auf einer hö- Hern Stufe als die im übrigen Deutschland. Das war die Folge ihrer religiösen und sittlichen Erziehung. Sie beschäftigten sich nicht ausschließlich mit Handel und Industrie, sondern viele widmeten sich auch mit besonderer Lust und regem Eifer den Künsten und Wissenschaften, und Düsteldorf ist die Vaterstadt vieler Israeliten, die eine Zierde unter den Gelehrten wurden. Lazarus van Geldern hatte zwei Söhne, Simon und Gottschalk. Der erste wurde am 11. Nov. in Wien geboren, als seine Mutter dorthin gereist war, um ihre Eltern zu besuchen. Simon, der schon in frühster Jugend große Liebe für die Wistenschaft an den Tag legte, wiomete sich später dem Studium der Philosophie und der Philologie. Er kannte und sprach nicht allein Latein, Griechisch und Hebräisch, sowie die meisten lebenden Sprachen Europa'?, sondern war auch ein gründlicher Kenner der orientalischen Sprachen. Er starb im Jahre 1774 in Forbach, das damals schon zu Frankreich gehörte. In Druck erschien von ihm: The Israelites on mount Horeb, an üratorio Frencli and Englisch from Doctor de Geldern, London 1773 and 1774. Zweimal besuchte er Palästina und lebte mehrere Jahre in Jerusalem. Verschiedene Schriftsteller erwähnen seine Verdicine mit befänderer Anerkennung. Der berühnite Reisende Gregoire spricht

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