Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr. 2. (15.1.1875)
- Date
- 1875-01-15
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5367336-5990816-5990943--0412-5367488- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gleichfalls bekannt, aber Hannina liebt anch ihren Bräutigam nnt jüdischer Innigkeit, und dieser Gedanke führt die Eminenz zur Raserei. Darum muß ein zweiter Bruder Morteira aus dem Wege räumen. Morteira ist indes; vorsichtig und zurückhaltend, er geht nicht in die Schlinge, die ma» ihm gelegt, sondern stößt den Jesuiten in die selbst gegrabene Grube. Da ist der Kammerdiener viel geschickter; dieser findet in Salum, einem ehemaligen Jünger des Rabbi, einen Verbündeten, der ik»m gute Dienste leistet. Salum, der einst durch Hannina's .^and der Nachfolger seines Meisters iin Lehramte zil werden gehofft, ist durch den gewandten Morteira aits dem Tvctbc geschlagen worden, und um seine Niederlage zu rächen, sinnt er auf ein Mittel, Alle, die seine Erniedrigung mit angesebn, ins Verderben zu stürzen. Da erfährt er zu seiner Freude, daß der Rabbi heimlich juni Pater Domeniko des Klosters gerllfen worden, daß er auch dem Sterbenden, der ihm beim Glück seiner einzigen Tochter beschworen, die letzte Bitte gewähren will. Das ist ein Lichtstrahl für seine von den finstersten Rachegedanken erfüllte Seele, er bleibt auf der Lauer, und in derselden ׳Nacht, da Hannina iin festen Schlummer betäubt/ aus ihrem Hause entführt wird, sieht Salum, wie sein Lehrer mit Hilse eines Bruders das kaum verschüttete Grab öffnet und die Leiche des Paters aus einen! Kahne nach der Zudenstadt bringt. Nun kann er frohlocken, schon liegen sie Alle, die ihni wehgethan, in Feffel geschlagen im fiitsteril Kerker, und er ifi gerächt. Während Salum in seiner Freude ausjauchzt, erwacht und erfährt zu ihrem nicht geringen Schrecken ans den von glühender Sinnenlust eingegebenen Worten des Bischofs die ihr angethane, und noch mehr die ihr Hugemurhete Schmach. Sie kämpft mit allen Waffen einer reinen, kensHeü Mädchens'eele; keine Schmeichelei, keine List, keine Drohung vermag sie zu erschüttern^ bevor 'sie sich und ihrem Verlobten untreu ivird, will sie sich lieber das Herz durchbohren. Da greift der Vertreter Roms zu dem letzten Mittel, er droht ihr, den eigenen Vater, ihre ganze Familie, ja die ganze Gemeinde für ihre Sprödigkeit büße» zu lassen; doch zum Glück giebt er ihr einige Minuten Bedenkzeit, und während er das Zimmer verläßt, sprülgt Hannina znm Fenster in die Tiefe hinqb und wird wunderbarer Weise gerettet. Pun sind sie Beide, Braut und Bräutigaul, der Gefahr entronnen. Da tritt unerwartet Lalum äls Denunciant beim Bischof ein. Mit Entsetzen hört Hannina, was ihrem Vater bevorstehe, wenn man die Leiche äeS Paters auf dem ״guten Orte" finden sollte. Das darf nicht geschehen, sie nimmt Gift, auf daß man ihre Leiche anstatt der des Paters in die Gruft lege. Doch zu spät, denn schon dringen die Jesuiten in die Altneuschul, um die dort versam- Hielten Juden uiederzumctzeln; wohl erscheint Moneira mit Thurn's Soldaten noch früh genug״ um die Katholiken zu vertreiben, aber er tödtet blos den Erzbischof, seine Braut kann er nicht ins Leben zurückrufen. Unser Autor, dem man sicherlich keine Begabung absprechcn kann, hat sich etwas spät daran erinnert, daß mau in einenl Drama die tragische Schuld nicht vermiffen dürfe, und da er numnehr sich nicht mehr anders zu Helsen weiß, muß Hannina in aller Eile Gisl nehmen und diese Hast mit dem Tode büßen. Die Heldin stirbt, nicht iveil sie init sich selbst in Eonflict geraihen, nicht weil ihre Sittlichkeit mit der Situation in Eollision gekonimen, sondern einzig und allein, weil Herr Roienthal eine Tragödie zu Stande bringen wollte. Zn einem Drama mutz der Anfang die Mitte und diese das Ende erklären; von einer solchen Einheit ist bei der in Rede stehenden Tragödie nichts zu merke». Denrl warum Hannina, nachdem sie glücklich der Gefahr entkommen, denn dach sterben müffe, weiß man nmsoweniger, als ihr eigentlicher Feind, der Verräther Salum, bisher gar keine Rolle gespielt hat. Der Dichker har seine Heldin viel zu früh aus dem Fenster springen lassen, und das ist seine tragische Schuld. Sonst sind die Charaktere angemeffe» und consequent gezeichnet, namentlich ist die Charakteristik des im tahbalistischen Aberglauben lebenden Rabbi eine gelungene zu nennen. An der äußern Form des Stückes habe!! wir das Eine zu tadeln, daß es iu Versen die zuweilen auf Stelzen einherschreiten, geschrieben ist. Wohl findet man Stärke und Schönheit des Ausdruckes sowohl in den Dialogen als auch in den etwas zahlreichen Monologen, aber es fehlt auch nicht an störenden Ausdrücken. Nichtsdestoweniger ist ״Hannina" schon wegen der Wärme, mit welcher der Dichter es geschrieben, lesenswerth, — und können wir es jedem gebildeten Israeliten auf's beste empfehlen. —rz. Briefkasten »er Redactton. —IN— m. Kai» sür Dieje Nr, zu spät i also in nächster. — Herr Rabb. S. in B. Wir könncn aus die gestellten Bedingungen nicht ein׳ gehen. Brieflich Näheres. — Hr. Rabb. S. in A Ä. Wir kieinen nicht für eine oder mehrere zugejandte Predigten einen ganzen Jahrgang als Freiexemplar bewilligen, sondern nur etliche Exemplare des Hestes, in welchem die betr. Predigt Aufnahme findet. LITERARISCHE ANZEIGEN. Das soeben erschiene dritte Heft des isr. Predigt Magazins enthält: 1) Kurze Betrachtungen zu den Wochenabschnilten von Rabbiner vr. A Treuenfels. 2) Recht glaube»! Predigt von Rabbiner vr Stein in Prag. A) Predigt zu Wajera von Rabbiner vr. G ü d e m a n n in.Wien. 4) Eine Ergbrede von Rabbiner vr. M Rahm er. £jie jüdische Kanzel: Nec'iisioneii und Anzeigen. Man abonnirt ans das Predigt-Magazin bei allen Postanstalten mit A Mark KV Ps. sür 6 Heile, oder mit 6 Mark für einen ganzen Jahrgang von 12 Heflen bei Hlosert Aries« in Leipzig. Die 3 ersten Hefte iverden gegen Einsendtlug von 2 Mark franco versandt durch die Expedition der Israelit. Wochenschrift in Magdeburg. tssür Lehrergesuch. eine hüt>>re L׳hra»st>>>l wiid >,« April 1875 ein schen, gesucht. Gehalt Pr. Crt. 550 jährlich Reflectantln, jedoch nur solche, welche bereits an anderen Lehranstalten wirksam gewesen, wollen sich unter Bei- Fügung eines Lebenstauies und einer Abschrift ihrer Zeugniffe 8ud 8. öl. 10 mittelst der Exped. d. B>. melden. Inserat. Lehrer, der namentlich tüchtig im Heb rä i iche» ist, eoent. anch im Denl - Zu dem ״samacitaniichen Targum zum Pentateuch", herausgegeben von vr Ad. Br ult, ist nunmehr ats!. Anhang erschienen: Kritische Studie« über Oxsorder Mannjcripl-Fragmente. Preis der erschienenen 5 Hefte 8 Mark. Wilhelm Vrras i« Frankfurt a. M. Verantwortlicher Redacteur: t>r. M Rahm er. Druck u. Vertag von <£. Scharnte in Barby.