Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 15. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
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Formen, und;war sowohl in der Einzahl, als der Mehrzahl, unberecht'gt (so 2ל2הו S. 123.נפשהן S. 124, בניהו ׳ימוהו S. 133); ebenso die ohne Noth gebrauchte verlängerte Form des Futurum (יחישה e. 121, 32< יתנה ,27< ת2חרה). Falsch m ייאתו stau ״3) יאוu■ 107), zum mindesten sonderbar אץ יש statt לא יש oder אין o. 174. Entschieden zu tadeln ist das ungemein oft als Flickwort gebrauchte י2לה da man längst aufgchört hat, demselben die Bedeutung ״immerdar" zu vindiciren, cs vielmehr als nicht in den Context gehöriges Wort ansieht, welches eine Pause zu bezeichnen hat. ES findet sich z. B. S. 10, 18, 100, 107, 134!c.) Auch in der Wiedergabe deS Sinnes haben sich einzelne Unrichtigleiten eingcschlichen, z. B. S. >41 22 ממני ויאמרH 22" ל22א אל 2יום ההוא: ל2ו לשלום• Der Doppelpunkt ist einem Mißvcrständ nitz des Uedersctzers entsprungen. Im Original steht ein Punkt und das schneidende ״Geht!" sagt nicht der weisere Mann der Zukunst, sondern der Richter selbst zu den Brüdern. Ebenso luißvcrslanocn ist daü Avis Lessinqs ״desgleichen" (Akt III, Scene 2), was Ö. so umschreibt (5. 113) ׳גם היא מת2וננת וצוללת פמזמותיה 2מוד,ו woran der Dichter gar nicht gedacht hat, was auch mit dem Eharaktcr der unbefangenen Recha nicht übereinstimmt. DaS ״Desgleichen" geht vielmehr auf das staunende Verlorensein des Tempelherrn. Unbegreiflich ist, warum H. Nathan auf dem Seewege heimlehrcn!atzt:הנותן 2ים לך דרך ארחות 2< י®,) ימים), wovon bei Lessing keine Spur. Dazu hat, wie zu manchem Andern, die biblische Phrase verlockt ähnlich wie zu der Bezeichnung מדו 2ד קדש für den ״weißen Mantel" des Tempelherrn (S. 13), oder z»l de», Ausdrucke ׳הפחד .• - משנה פני נ2ר doch von de»! Schreck die Rede ist, welcher Recha ״entstellt" hat. S. lö macht W. Ealadin gegen die Intentionen deS Dichters zu einen! keinen besängencn, verschonenden Tyrannen. Nathan sagte nur: ״Denn wer hat je gehört, dah Saladin je eines Tempelherrn verschont." Tie Ucbers. xaraphrasirt:2* מ־ דאה ומי שמע כאלה ׳בי יקרא סלדין לשבויי חרב דרור ולפרש היכל אסיר פקח קוח• — unrichtig!!< יי« Transskribirung von Alhafi, dem Derwisch, mit ׳אלהפי weil der Name soviel bedeutet, als ״der Barfüßer" und dem Arabischen entsprechend אלחאפי geschrieben werden muh (vegl. hebr.?יחן>- sitta wäre besser mit םתה (nicht סתא) wiedergegcben. Die Bezeichnung 12נער המקל für Ulosterbruder leide an Unverständlichkeit. — Sollen wir nach diesen Einzelheiten die Uebersetzung iin Allgemeinen kennzeichnen, so gebietet cs sich von selbst, einen vergleichenden Blick auf die acht Fahre früher erschienen« erste Uebersetzung deS Lessing'schcn Meisterwerkes׳) zu werfen. Herr G. selbst hat eine eigene Art der Entsagung geübt, inven! er, ivie er in der Borrede (S. XVI) versichert, die Arbeit seines Vorgänger» nicht gelesen hat. Er verließ sich au einzelne absprechende Urtheile über dieselbe, ohne den überiviegenden Beifall zu berücksichtigen, welchen dieselbe seiner Zeit von der Kritik erntete Eine Vergleichung der Bacherschen Uebersetzung hätte Herrn 0S. vielte.cht doch zu einigen nolhiveudigen Aenderungen uno Verbesserungen seiner eigenen veranlaßt, besonders da dieselbe schon serlig war, als jene erschien, und Herr lg. eine tiesergehenve Beeinflussung nicht zu fürchten hatte. - Nennen wir nun die Vergleichung beider Uebertragungen vor, so zeigt sich bald ein tiefgehender Un tcrschied in den! llebersetzungsprinzipe. 0). hält sich meist an die Satz- und Periodcnsolge de» Originals sehr genau, sua)t die Kürze der Messingschen Diktion treu iviederzugebcn, freilich nicht ohne Ausnahmen, scheut nicht das schon gerügte Brechen der Sätze durch Versschlüsse und verfallt so häufig einer etwas schleppenden Dunkelheit, ivelche da» Verstiindniß ohne Einsicht ins Original erschivert. B. hingegen dentt zunächst daran, eine ohne Mühe lesbare hebräische Einkleidung des Lessing'schcn Gedankeninhalts zu liefern, scheut nicht die längere Paraphrase, ivenn sie nur gut wiedergiebl, was der Dichter meint uno achter daraus, dem hebr. NbytmuS Rechnung zu tragen Dadurch gehl zwar häufig die epigranimatische Zngespitztheit des Dialog» verloren, wofür man aber durch andere dem gewandten .Hebraisten ■!! Gebote stehende Redemittel, wie Antithesen u. dgl. entschädigt ivird. Man sieht, dem eigentlichen Zwecke einer liebersetzung entspricht die Bacher'schc m.hr, während G. mehr Mühe angeivendct hat, um das Original treu wiederzuspiegeln, freilich aus .üoue» der Deutlichkeit. Der Raum dieser Blätter gestattet nicht, da» Gesagte durch Auszüge zu erweisen; wer sich die Mühe nimnit, selbst zu ver leichen, wird daS Urthcil bestätigt finden. Indessen, wie schon erwähnt, erlaubt sich auch G. Abweichungen von seinem Princip und läßt;. B. S. 107 Recha über die .Heimar>,slicde >4 Zeilen lang sprechen statt der 7 der Originals. — Es ist eben schwer ober vielmehr uiunö lich, bei eines Uebersetzung des gedrungenen Lapidarstqls Lessings in das syntaktisch so beschränkte Hebräisch treu und verständlich zugleich z» sein, und die Mangel ver Goltlober'schen Arbeit waren sozusagen nicht zu umgehen. Ihre Vorzüge noch besonders hervorzuheden, ist bei den! langst begründeten Ruse, welchen Herr G. als hebr. Stylist genießt, überflüssig. Sie bestehen in einer edlen, den! Masivstyle nicht zu viel nachgebenden Diktion, in einer sletßigen Hingabe an das Original, uno in dem gleichniäßigti! Tone, in welchem die Arbeit gehalten ist. So manche glücklich inspirirte ') Nathan der Weise. Ucbers. von Sinion Bacher, Wien. Schloßberg 1800, Uebersetzung einzelner Stellen erfreut den Leser, und aus dem Herzen gewinnt man die Ueberzcugung, daß die tadclnSwerthcn Seiten mehr eine Folge der großen Schwierigkeit der Aufgabe und de» anqcivandten zu «inseitigen Principe» als der Leistungsfähigkeit des Uebers« ers sind. 8. Berliner, Dr. A. ׳יסוד עולם das älteste Mannte dramatiicbe Gedicht in hebr. Zprache, uon Maie Sacut, z!l׳n crftenmalc nach drei Handschrislen edirt ilitd mit einer Einleiknng verleben Berlin. Benzian, 1874. Herr Dr. Berliner gibt hier die erste, als selbstständige Schrift er» scheinende Frucht seiner bekannten Entdeckungsreise nach Ftulicn. Wie mit der wirklich prächt gen Au«stattung, so können ivir auch mit den! Werke selbst, den! Drama an sich und den Zugaben des Herausgebers, sehr zufrieden sein. Fn der deutschen Einleitung erhalten wir l) ״Beiträge zur Geschichte des jüdischen Drama." Nachdem erörtert worben, daß und warum die Fuden im Alterthum von Widerwillen gegen Theater und dramatische Dichtung erfüllt war, und baß wir daher nur ein Drama von einen! alt-jüdischen Dichter, E.zekiel, kennen und besitzen, wird nachgewicsen, daß Fuden zuerst im 10. Fahrt). Dramen in spanischer Sprache zu dichten begonnen haben. Als Vas älteste in hebräischer Sprache verfaßte Drama galt bisher אסירי חתקוה von Fos. Pardo, beendet l068, gedruckt in Auisterdaul 1073. Da» hier vorliegende ist jedoch von dein »m 1023 in Amsterdam geborenen M. Sacut im FünglingSalter geschrieben, »,ithin älter als jenes. Es folgt eine, aus Vollstündigkeit keinen Anspruch machendt Aufzählung der seitdem erschienenen oder bekannten hebräischen Dramen und einiger ״jüdischen Dramen" von niodernen jüdischen Dichtern. Da der Begriss jüdisches Drama ein sehr unbestimaiter ist — die Mosenthal'jchen ״Debora" ist z. B. alles eher als jüdisch — und da nicht abzusehen ist, warum die bibliographische ü'otiz sich auf Dramen in deutscher Sprache beschränken soll, so Hütte dieser Thcil lieber ganz wegbleiben soll n. 2) bespricht die Ein» leitung das Leben und die Werke des M. Sacut, das Z-ßod Olau! und gibt Sann eine Reihe von Workerklär»nae11 für solche, die im Lesen unpunktir.cr Texte von neu-hebr. Stilisten nicht dcivandert sind, sowie Varianten. Eine nähere Besprechung des Drama selbst ivird man hier nicht erwarten; wir beaierken nur, daß es die Sage von Abraham und Nimrod zmn Äorivurs hat und nach Fnhalt und Form unbedingt den besten Werfei! seiner Art angereiht werden kann. WaS nun die Textausgabe detrifft, jo hat der Herausgeber drei Manuscripte benutzt. Ader sehr correkt sind diese insgesammt nicht! Hr. l)r. B. gibt in der Einl. an, daß da» Gedicht in verschiedenen Metren, meist eilfsilbig geschrieben sei. Aber wäre cs denn möglich, daß er nicht gesehen haben sollte, daß Sacut — hier wie in seinem bekannt.n ־־־ ת2תה ערוך nicht etiva bloS Silben zählt, sondern daß strenges Metrum (משקל) herrscht?! Also nicht die Silbenzählunz und Reimerei der deutschen und polnischen ״Dichter", deren Produkte s a st o h n e A u » n a h m e das Ohr zerreißen und einem Fedcn, der richtig hebräisch lesen kann und sür Versmaß und Tonfall da» geringste Gefiihl besitzt, den Einrruck machen, den man wohl m.t dem ״Fahren V •r einen Knüppeldamm" zu vergleichen pflegt. Sonach hätte der Herausgeber zuvörderst das Gedicht genau skanbirend durchgehen müssen, dann würde er eine ziemlich große Anzahl falscher Verse gefunden haben uno hakte diese entweder zu verbessern oder Verbesserung vorzuschlag.n oder wenigstens als ohne Zweifel in der Handschrift corrupt zu bezeichnen. Wir sichre!! al» Beispiel gleich den fünften Vers an. Derselbe lautet bei B. (erste Hälfte: הסבת והשקם אדוני נא שמע Die folgenden enlspcechenden Halbverse') zeigen, daß es so nicht heißen k a!! n und die Eorrektur gibt sich vvn selbst so: הסבת והשקם נא אדוני ושמע Und so haben wir bei bloßer Durchsicht noch manchen falschen Ver» gesuuden. Ein Recensent im Vessil. Fsr, welcher angibt, daß er ein Mannscript des Drama besitze, welches besser als die von 1)1־. B. benutzten sei, bemerkt, daß gleich der c r st e Vers heißen müsse: מי היא ואילה היא Er sagt nicht, ob es so in seinem Mscr. stehe, sonst kann es auch heißen: ׳מי לה ואילה הוא aber aus keinen Fall ימי הוא לה ואילה הוא wie bei B. steht.י) Woher der Fehler stammt, brauchen wir ja nicht zu fragen, aber Lac. kann da» sowenig geschrieben haben, wie etwa Schiller geschrieben haben könnte: Die schönen Tage in Aranjue;! Sind zu End״ — wenn da» auch etwa in den Ausgaben stände. Die deutsch-polnischen Juden sind freilich von Fugend an an gräulich corrupte Aussprache des Hebräischen so gewöhnt, daß sie — wie der sel. Luzzatto einmal beklagt und verspottet hat — von Wohlklang und Rhytmus gar keine Ahnung haben. Es ist daher erklärlich, daß der erwähnte italienische Recensent, der auch ein Ogr hat, in Zorn gerät!) uns geradezu sagt, ״man hätte von dem gelehrten Bibliographen etwas Besseres erwarten sollen, nach den vielen fehlerhaften Versen müßte man ja Sacut sür einen Poelaster halten". — Wir sind jedoch nicht so streng, die Fehler der Hand« schristen dem Herausgeber auszubürden; der Fnhalt der Dichtung leidct auch nicht darunter. T. ') Z. B. der nächstfolgende HalvverS: דע 2י תמול 2אה 2חדרי האליל ג) Hier heißt der nächst.־ HalbverS: מי העליל וצר Verantwortlicher Nedacteur: llr. M. Rahmcr. Druck u. Verlag von E. Scharnke in Barby.