Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 12. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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48 ipn ■IM HWWW^tzl ^יייייוי Wo fand der Gxvdus der Israeliten statt? Herr v. Brugsch, der berühmte Aegyptologe, hat in Cairo vor einer philanthropischen G.sellschast für die Schulen eine Vorlesung über das 2. Buch Moses gcbalten, welche bestimmt ist, Sensation zu machen. Marielte Bey hat seinen ganzen Beifall den Ansichten des Herrn Brugsch gezollt. Herr v. Brugsch behandelt zunächst die Frage: Von wo smd die Israeliten ausgegangen? Wo liegen Roinses, Succoth, Pithom, Migdol? Wo hat der berühmte Durchzug durch das rothe Meer stattgefunden? Die Einen (und daS ist die größte Anzahl) betrachten Memphis als den Aufenthalt Pharao's, des Zeitgenossen des Moses. Zn Memphis versammeln sich die Israeliten; in Memphis beginnen sic die mühsame und lange Reise, welche mit der Eroberung von Palästina endet. Hiernach hätte der Durchzug durch das rothe Meer an! äußersten Ende des Meerbusen von Suez stattgesundcn. Rach Anderen ist Helwxolis der Ort gewesen, von wo aus die Hebräer ihren Weg nahmen, und die Katastrophe, welche der ägyptischen Armee so unbcilbringcnd wurde, hätte zum Schauplatz entweder denselben Meerbusen, oder einen von den Engpässen gehabt, wo die Gewässer sich ehemals vcre nigten, um die bitteren Seen und das rothe Meer zu verbinden. Diese Hypothesen und noch andere, befriedigen Herrn v. Brugsch nicht. Nicht in Memphis, auch nicht in Hcliopolis haben sich die Israeliten versammelt. Herr v. Brugsch meint, daß der Durchzug nicht im Süden sondern im Norden der Landenge von Suez stattgefunden hätte, und nicht von Memphis oder Hcliopolis, sondern von Tanis wären die Hebräer ausgegangen. Dairk den hieroglyphischen Täfelchen, welche so viel Licht aus verschiedcne dunkle Punkte der alten ägyptischen Geographie werfen, ist dieser Gelehrte dahin gelangt, zu bewerfen, daß oie Stadt Tanis auch RainseS genannt wurde. Herr v. Brugsch hat sich überzeugt, daß der Pharao, unter welchem MoseS gelebt hat, Ramses II. ivar, und daß sein Sohn und Nachfolger, Menephtah, oer Pharao des 2. Buch s Moses war. Nichts hat bisher die Eommentare der Bibel mehr in Verlegenheit gesetzt, als die Ucbereinjtimmung zivischen den Marschtagen und den Ortschäften sesuustellen, welche sie nach und nach auf ihrem Wege fanden. Alle diese Namen, Tanis, Ramses, Migvol, Pithom, oas eand Go scheu, hatten bis jetzt für die Exeget n etwas Verzweifelndes; mit Herrn o. Brugsch »iinnit Alles seinen Platz ohne Anstrengung e», und oie Städte kommen in ihrer Zeit uno an ihren Ort, ohne daß in irgend einem Text Moses und die berührten Ortschaften sich widersprechen. Selbst der Durchzug durchs rothe Meer ivird nach der Angabe des Herrn von Brugsch zu einem, den andern blnzuzufügendcn Beweise. Bei dein Berg« Lassius nämlich, im Rordosten vqn Egypten, existirte ehemals der See Serbonis, dessen Gewässer, angeschwoUe» durch die des Meeres, unter dein Einfluß gewisser Winde, starke Ueberschivemmnngen verursachten. Das ist ein gefährlicher Ort voller Fallstricke. Die Fabel erzählt, daß Typhon auf dein Grunde dieses Sees liegt, und Plutarch nennt ihn ״das Luftloch des Tyvhon." Da sollte die Armee des Artaxcrxes, Königs von Persien, auf dieselbe Weise umgekoinmen sein, als die des Pharao, indem er die Israeliten verfolgte. Dahin verlegt Herr v. Brugsch den berühmten Durchzug. Was die Bezeichnung ״rothes Meer" betrisst, so findet sie sich nur in dem Gesänge Moses, welcher, nach diesem Gelehrten, lange nach diesem Ereigniß componirt worden ist, während in der wirklichen historischen Erzählung, der des 2. Buches Moses, man nur von dem ״Meere" spricht, welches kein anderes, als . as Mittelländische Meer ist. Aus diese Theorie gestützt bringt Herr v. Brugsch zivar nicht zahlreiche und kurze, aber unverwerfliche Beweise; wir kennen noch die Gründe nicht, welche den berühmten Egqptologen bestimmt haben, in dem Gesang Moses ein rein literarisches Werk zu sch>n, lange Zeit »ach dem Durchzuge durchs Meer versaßt: wir find auch ebensoivenig überzeugt, als die ״Times", daß die von Herrn v. Brugsch gelieferte Erklärun > ali e Schwierigkeiten au,hebt: aber seine Erklärung ist zu geistreich, um mit Still-! schweigen übergangen zu werben. sNach Arch. ISr.) s Literaturbericht. Bücherauzrigc מתק שפריס• Hebräische Sprachlehre mit prak- Irschen Ausgaben zum Gebrauche beim Unterrichte in der hebr. Sprache, von I. M. Jap he t. Erste Ablheilniig, drilte verbesserte Allstage. Zrantiurt a. M. I. Kaussmann, 1874. > Hebräische Grammatik ge.!Lrl zu den Unterrichtsgegenstänven, die aus deal .celionsplane der jüd. Reiigionsschuie sehe stiefmütterlich behandelt iverden. Die Neligionsschule hat nur über eine sehr geringe Stundenanzahl zu verfügen, uno da ist es die ״trockene" Grammatik, die zuerst entweder ganz zui» Opfer fällt, oder man sucht sie mir de»! Gebet- und Bibelüderjeyen zu verschmelze». Letzteres ließe sich von einem geschickten Lehrer recht gut machen, doch muß er dann uaisouiehr dafür Verantwortlicher Reoaeteur: Dr. M. :)lat) ui er. Sorge tragen, daß di« Schüler eine« guten Leitfaden der hebr. Grammattk in Händen haben. Durch bloße mündliche Mittheilung ohne praktische Uebung wird selbst das Rothwendigste von der hebr. Grammatik den Schülern nicht beigebracht. Die darauf verwendete Zeit ist keine verloren., sic bringt sich später beim llebersetzen, das dem Schüler dadurch erleichtert wird, rasch wieder ein. Die oben angezeigte Sprachlehre des Hrn. Iaphct ist als solcher Leitfaden recht sehr zu empfehlen. Die Aufgaben sind recht praktisch gewählt und geordnet. Doch äre eine kurze, leichtsaßlich ausgedrückte Angabe der Regel wenigstens bei den ersten Ausgaben nöthig gewesen So vcrmisfen wir z. B. zu Aufgabe 3 eine Bemerkung über die verschiedene Punctation des verbindenden W&w. Wir haben dein Büchlein die einem Schulbuchc nöthige genaue Durchsicyt gewidmet, und wollen manches, was bei einer nächsten Auflage zu berücksichtigen wäre, hier notiren. Beim persönlichen Fürwortc (Ausgabe 4) vermissen wir אנו neben אנחנו - Unter den anoinalcn Pluralbildungen (Aufgabe 8) fehlt 3ת (Nl)2>! unter Aufgabe 3! die Erklärung des Dual. Ob ein Schüler im Stande, oie Abbreviatur ם"פ beim Zahl wort אחת (Ausgabe 33) auszulöjen, ist nicht blos zu bezweifeln. Die durch Buchstaben ausgevrückie» Zahlen (Ausg. 34) müßten aus leicht degreisiichen ihrünben bis f"!2 fortgesührt sein. Mit der llebersctzung der Hophalsormen (S. 46) können wir uns nicht einverstanden erklären; ״man hat (wird)!»ich hüten lassen" involvirt eine Zweideutigkeit und läßt den Anfänger die passive Bedeutung nicht erkennen. Das Vocabulariuiit zuin ersten Buch Moses ist eine willkommene Beigabe, aber statt nach Len Sidra'S vielleicht besser nach den Eapi:eln zu ordnen. Von Druckfehlern haben wir nur S. 3 statt gesunden. Die Ausstattung ist eine sehr gute. R. Rabbinowtcz. r. דהדוהי סופרים Vd. 6. Peßachim. Meinchen 1874. 1 1 sNach dem früher wiederholt Gesagten können wir nur unsre hohe Befriedigt»!, über das nach Verhältniß sehr rasche Aortschrntcn dieses Riesenwerkes aussprechen. ES scheint doch, daß demselben die so wohlverdiente Theilnahme und Förderung nicht ganz fehlt, und wünschen wir nun, daß sich recht viel Mäccnaten finden, damit keine Stockung eintrete.) חומש עם עשרה פירושים Wilna; Rom»! 1874. 5 Bve. 8° Text und Onkclos, dazu 6 allbekannte Eomm.ntare: Raschi, I. Esr. Nachmau., Raschb,, B. Haiur., Ssorno uno 4 theils noch selten oder gar nicht gedruckte: l, Masoreth Hatargum und 2., ׳ פתשנן erstcres von Luzatto in altem seltenstem Druck, letzteres im Msr. vo>u Jahr gesunoeu, daher von ihm auch אר' 'D fl«n«nnt, 3., 2 ׳אביעזךיupercommentar zu Ibn Esra von Lat. Eohn aus Lissa. Endlich .., (!?׳נח לגר־ sorilausender Commentar zum Onkezos mit Einleitung über Zeit und Beschaffenheit der Ueberjeyung von Dr. :!!, Adler in London. De. Jul. Landsberger דברי אמעח Worte des Glaubens. Zweite Sammlung gottesdienstl. Vorträge enthaltend: Festpredigten, Confirmations- und Traureo>n. Berlin, Gerschel, 187 i. 8. Nauinbourg אגדת שירים• Rec-neil de Cliants Religieux et popnlaires des Israelites des temps les plus reenies jusqn'i nos jours partilions transerites pimr piano 011 orgue harmoniuin. Precede d'tme 1'tude historique sur la musique des Hebreux: (Prix 15 fres. netto.) Paris cliez l’auteur 8 Rite Beranger. W Zu den bevorstehenden Festtagen V yf empfehle bas aUteitig mit so vielem Beifall anfgenommene Andnchlebnch Kottesflamme. II. Bano. Religiöse Reden über die jüdischen Aejttage und Wochenabschniite von I. Dtern, tlabdinats-verweser in Mühringe» bei Horb. 1285] Preis 3 'Start. Diese ansgezeichnelen Rede» eignen sich fnr Jsrnelilen ganz desoilbrrs »iS Haiispostillk, sowie zum Borlrse» oder Bortragen in Synagogen wie Bernnett. Zu beziehen direct oder durch jede Buchhaudluug. Oskar Leiner in Leipzig. Druck 11. Verlag von C. Scharnke in Barby.