Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 12. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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T *׳■ יי■*-‘ €6־ Das ■Uill^J- PUl N |HMP ,IfL» ■* » M'w.' 1 WW LitcmtiiMitt. Zur Beleuchtung alter Zudrnlfium u Juden betreffenden literarischen Erscheinungen auf dem Eebiete derPhit»sophie,Geschichte,Sthn»graphie,Lht»t»gie, Drientatia. Exegese, HomUetik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. M. Rahmer in Magdeburg. Bücher der einschlägig«« Literatur. weiche der Red de» ״Iud. KiteraturdtaN" In Magdeburg (»der »er ״Z,r»et. Wochenschr.- in Stettin) zugesandt «erden, finden in diesem Matte eingehende Besprechung. Nr. 12. Erscheint 1 —2mal monatlich. Preis pro Jahrgang 1 Thlr. Für die Abonnenten der ״Israelitische« Wochenschrift" gratis. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. 3. Jahrgang. Benennung und succefstve Entstehung der drei Theile des Kanon. Von I. S. Bloch, Prediger der israelitischen Gemeinde zu Rendsburg. (Schluß.) Im Sinne dcr alten Hebräer war Daniel eben so prophetisch wie alle andere Schriften des Propheten- und Hagiographen-Kanons. Josephus Antiq. XI, 2. 7. X, 10, 1—6 nennt nicht blos Daniel den größten und beglaubigtesten Propheten, er berichtet auch, daß sei» Volk ihn ebenso hoch schätzt. Damit übereinstimmend erscheint Daniel auch bei den neutestameutlichen Schriststelle. ,1 im Glanze eines hehren Propheten, Matth. 24, 15; Marc. 13, 14; 14, 63. Jeder Einsichtige wird zugesteheu, daß auch Esra, Nehemia, Esther, Chronik mit den historischen Büchern des zweiten Kanons auf einer Linie stehen. Derselbe theokralische Geist durchweht sie alle; wenn dem Buche Josua, der Richter, Samuel, der Könige, derprophe! Character zuerkannt wurde, so war kein Grund da, ihn den historischen Schriften der Hagiographen abzusprechen. Daß auch der poetische Theil der Hagiographen als rein prophetisch angesehen wurde, läßt sich durch zahlreiche Stellen aus dem R. T., den Talmuden und der Midrasch-Literatur Nachweisen. Nach Matth. 22, 43 Ap-Gejch. 4, 25, Hebr. Brief. 4, 7 spricht Gott durch David; A.-G. 2, 30 wird in Uebereinstimmung mit Seder olam 20, 21 David als Prophet, während Lucc. 12, 26, Matth. 22, 43. A.-G. 1, 16., wie Targum zu Ps. 14, 1; 18, I; 103, 1,') ihm die Jnspiration des heiligen Geistes zugeschrieben wird. Der Vers, des Ps. 78, Asaf, wird Matth. 13,35 (2. Chron. 29, 30) Prop h e t genannt, oesgl. auch Targum zu Ps. 45, 1; 46, 1; 79, 1; Bereschilh rabba 65, Wajikra rabba 13, Jalkut II, 5, 771 Seder olam 20, 21, 4. Macc. 18 werde» Psalm 34, 20, Sprüche 3, 18 als Stellen aus dem Propheten cilirt. Ebenso erkennt Targum zu Ps. 22. 1; 72, 1 zu Kohel 3, 17 den salamonischen Schriften die Prophetie zu. Vgl. Baba B. 15 b. Baulidbar r. 19. Jalkut 2, 302. Siphri par. Debarim, Tanchuma 81, a. — Targum z H L. 1, 1. z. Koh. 1, 1. z. Hiob 37, 1. z. Sprüche 30, 1; 31, 31, 1-. Aus diesen Stücken gehl hervor, daß die Vers, der Hag als Propheten bezeichnet wurden. Lucc. 24, 25. Röm. I, 2; 16, 26; Hebr. Hebr. 1, 1 werden die Vers, aller biblischen Schritten ״Pro- Pheten" genannt. Diese vollständige Uebercinstiinmung der neutestameutlichen mit den rabbinisch-lalmudischen Schriftstellern beweist, wie grundlos und unkritisch der Zweifel Bretichucider'sנ) ist, ״ob die Apostel die Wirksamkeit des heil. Geistes auch 1) Vergleiche auch Jonathan 2. Sam. 22, 1; 23, 1 Sucea 52, a Philo I, 3U«. 2) Vgl. auch Harimann, die Verbindung des A. T. mit dem 'Jt. p. 32 Hamburg 1832, Bretschneider Handbuch der Dogmatik 1. p. 258. aus jede einzelne historische und didaktische Schrift des A. T. ausgedehnt wisien wollen" — eine Behauptung, die ihm vielfach gedankenlos uachgeschriebeu wird. An dcr bekannten Stelle des Josephus gegen Apion erklärt der jüd. Historiker, daß nur solche Schriften im Kanon Ausnahme gefunden, welche noch jener Zeit ungehörten, da eine ordentl. Folge der Prophetie vorhanden gewesen. Wenn daher in! N. T. (Matth. 5, 17; 7, 12; 22, 40 Lucc. 16, 16; 29, 31. AG. 13, 15; 23, 23) öfter bloS von Thora und Nebiim die Rede ist, so beweist das nicht, ״für eine verschiedenartige Heiligschatzung des dritte» Theiles", sondern gegen dieselbe. Die Bezeichnung Nebiim schließt eben in sich auch die Hagiographen, so in Tosista Megilla 3, Baba M. 11. Baba B. 8. Tractat Sepher thora 1, 2; 2, 3. 4; Tractat Sopherim 4, Anfang Megilla Jer. 73, ck. ä« Llaooabüis 18. Von dem Vormund heißt es, daß er für sein Mündel, wie überhaupt nur was nolhwendig ist, so auch nur Thora und Nebiim kaufen dürfe — da aber das Studium des Ketubim ebenso gesetzlich vorgeschriebe» war, als das der übrigen Bücher, so ist es klar, daß auch hier unter Nebiim der zweite und dritte Kanon verstanden wurden. Na- »lentlich die ältere Tosiphtah pflegt sich eines solchen Sprachgebrauches zu bedienen, die jüngere Halacha, überhaupt äugstticher und genauer, sagt, um Mißverständnisse zu vermeiden, ausdrücklich: der Vornlund soll auch Ketubim kaufen. Hätten die Talmusisten die Tosiftah anders verstanden, eine eigenmächtige Aenderung würde» sie sich nicht gegen die alte Auivriiät erlaubt haben. So heißt es auch an der citirten Tosiftah Megill-, daß es nicht schicklich ist, Nebiim auf Thora zu legen/ worunter die Hagiographen nicht minder als di« Propheten inilinbegriffen waren. Desgleichen wird dort vorgeschrieben, die Umhüllung, den Umschlag der Thora nicht als Einband oder Uiuschlag für Nebiiin zu benutzen. Geradezu absurd wäre es, zu behaupten, hier sei nur an Nebiiin, und nicht auch an Ketubim gedacht, Megilla 27 a ist der Halachifl auch hier genauer, er sagt ausdrücklich: מניחין חומשץ על גב ני׳כ אבל לא נ״ב עי׳ג חומשין Erwähneuswerth ist die Benlerkung des Tosaphisten Baba b. 16, daß man derartige Rücksichten mit Bezug aus Nebiim und Ketubim unterelnandsr gar nicht auempfohlen; man darf die ersten ebenso auf die letztgenannten lege», wie uiugekehr:, oder wie ein Prophetenbuch auf das andere. Aus all' dem erhellt, baß Nebiim auch die dritte Aktheilung in sich uiufasseu kann, wen» »tan nämlich das Wort in seiner eigentlichen Bedeutung uimnit; Nebiim ist also durchaus nicht geelguet als Kennzeichen oder als Namen speciell des zweiten Kanons zu dienen. Ein gleiches Bewandtniß hat es mit der Bezeichnung des dritten Theiles als Ketubim, welches Woit weder ״neueingetragene Bücher", noch ״schriftliche Auioritäten". etwa ähnlich der Eitirformel: ׳ לכתיב noch auch ״Theile der Schrift"