Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 8. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ZU« LitnMMM Zur Beleuchtung aller Judenihum u Juden detrrffenden literarischen Erscheinungen «uf dem Gebiete derPhitasaphic.Geschichte, Sty»ographie,Lhe»logie, Drientati«, Exegese, Hmmtetik, Liturgik, Pädagogik. v___y . Herausgegeben von Rabbiner Di׳. M. -lahmer in Magdeburg. Bücher der einschtigigrn Literatur, weiche der Red de« ״Iük. Bteraiurdiatt" in Magdeburg («der der,Liraei. Wochenschr." in Stettin)!ugrsandt werden, finden in diesem Matte eingehende Besprechung. Nr. 8. Erscheint 1—2mai »wnatiich. Preis pro Jahrgang 1 Thir. Für die Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift" gratis. Au beziehen durch all« Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Fries«. 3. Jahrgang. Kalony,nos bei» Kalonymos und seine satyrischen Schrift«. (Fortsetzung) Von den Werken unseres .stalonymos ist, was Selbstständigkeil betrifft, unstreitig sein Ewen Bochan das Be venlenbste, bas aus zwei, an Ausdehnung ziemlich gleichen Theilen besteht, von denen aber der zweite der bei Weitem wichtigere ist und auch von ihm selbst als solcher betrachtet wird, weil er eigentlich die Grundgedanken des Buches in sich tragt. Wie bereits i»! Eingänge erwähnt, versucht der Versaffer zu seiner eigenen Beruhigung die schwierige Frage zu beantworten, wie es zu erklären ser, daß ver Fromme leiden muffe, während es dem Sünder wohl ergehe; da er durch die jüngsten Ereignisse unwillkürlich zum Nachdenken hierüber angeregt und gedrängt werde. Es ist nicht gottlose Zweifelsucht, die sich da äußert, um alles dem Menschen von jeher Heilige in Frage zu stellen und den Glauben an die Gerechtigkeit der göttlichen Anordnungen zu untergraben, noch kleinlicher Echwachmuth, der sich zu dem Gedanken einer allwaltenden Vorsehung nicht erheben kan», vielmehr zeigt sich darin das reinste Goltesbewußtseiu und das Streben, jenen Glauben zu befestigen. Darum sucht er auch vor Allem seiner unbegrenzten Ehrfurcht vor dem Allerhöchsten Ausdruck z» geben, er beugt sich in Demulh vor der Allmacht des Schöpfers, dessen Wunderwerke zu ersaffen, er sich für viel zu niedrig u״d unwür vig hält. Gr preist den Urheber des Weltalls, der die Wesen in ihrer Gesammtheil zu Nutz und Vorlheil des Menschen hervorgebracht hat, welcher mit einer Seele begabt sei, mit einem göttlichen Lichte, zu leuchten nach Innen und Außen. Doch der Mensch in seinem Undanke und seiner Verkehrtheit sucht bas Licht zu verdunkeln, indem er den Verführungen des Unverstandes und der Falschheit die ihm anvertraute Vernunst hinlaujetzt. In Stolz und Hochmuth wandelt er nach den Eingebungen seines Herzens und setzt auf irdische Güter sein Vertrauen, ohne zu bedenken, daß die Welt, ein niorschcs Gebäude, ihn unversehens unter seinen Trümmern begrabe» kann So ist das Leben, in steter Angst und Bekümnierniß verbracht, wcrthlos, und deshalb muß der Mensch erwägen, daß kein Unterschied herrscht zwischen Mächtig und Niedrig, daß Alle zusammen dahinschwinden und dem Wurm des Grabes zur Nahrung dienen müffen. Auch der Reichthum hat feinen Werth, wenn bas Erdeuleben sein Ende erreicht hat, denn kauin ist der Verblichene beigesctzt, so fallen die Hinterbliebenen über das Erbe her, ja sie erwarte» mit Ungeduld die Stunde, da er das Zeitliche segnen wird, um sich dann in die ganze Habe zu theilen. Aber der Mensch sei unzugänglich für solche Mahnungen, er jage trotzdem dem irdischen Gewinne nach, ohne zu bedenken, daß ein Tag Alles in gleicher Weise als Trugbild erscheinen läßt, wenn der Vornehme und der Letzte int Volke zum Staube zurückkehrt. Er setzt auf ein schwaches Rohr seine Zuversicht, das beim leichtesten Stoße in Trümmer geht, aus den Reichlhnm, der ihm unversehens entriffen und er in Mangel und .stummer versetz: werden kann. Gar Mancher, der im Glücke gelebt hat. verliert seine Habe mitten in. Vollgenuffe und sieht sich der Nolh und dem Elende preisgegeben, ohne daß er ein so hartes Schicksal verschuldet hätte. Aber noch betrübender ist, daß verdicnstlose Menschen sicher und gefahrlos leben und diese glücklichen Umstände sich selbst und ihrer eigenen Bemühung zuschreiben. Dadurch verleiten sie zur Gottesleugnung, da sie behaupten, der Mensch könne nach eigenem Belieben sich durch Fleiß sein Glück erschwingen; und dennoch giebt cs gar viele Fleißige, die vergebens sich bemühen, das Leben zu fristen, während Andere in Unthäligkeit sich des Ueberflusses erfreuen. ״Der Herr allein ist es also, der Reichlhnm verleiht und nimmt, das Streben deS Menschen ist nur dann erfolgreich, wenn der Segen des Himmels darauf ruht " — Doch das ist eben ein ungemein proßes llebel, daß dieser Segen dem Frommen und Tugendbaften versagt bleibe, die Lasterhaften dagegen ihn in reichem Maße empfangen, ja daß de! Rechtliche gemeinhin mit Unglück zu kämpfen habe und auch nicht einmal de« Vorzug vor dem Bösen besitze, daß er die Ereignisie vorher zu erwägen wüßte. Es sei daher zweifelhaft, weil» der Verehrer der Tugend in seiner Frömmigkeit untergeht, ob er darob das Himmelreich erbt; wenn Geradsinn nicht von dem Sturinc zu retten vermag, >ver sichert das jenseitige Leben? Diese Zweifel, die ihil lange Zeit hindurch gefangen hielten, fänden ihre Lösung in der übereinstimmenden Ansicht aller Weisen, daß es eine doppelte Vergeltung gebe, das irdische Wohlergehen für die Bösewichter, «m ihre wenigen Verdienste zu belohnen, wogegen sie aber im künftigen Leben endlose Qual erleiden würden Die Krominen jedoch seien der himmlischen Seligkeit sicher, die Plagen und Mühseligteilen auf Erden dienett nur als Prüfungen, um ihnen desto glänzendern Lohn angedeihen zu lassen Demuach ist die Verstocktheit der Jrreitden, die das ewige Heil um vergänglichen Geldgewinn aufopsern, nur io zu erklären, daß sie ihren Jrrthum nicht einsehen und trotz der Veränderlichkeit des Schicksals sich nicht zu der Ueberzengung zu erheben vermögen, sie bedürfen zur wahren Glückseligkeit höherer Güter, als der irdische Besitz zu sichern vermag; der Gouessürchlige dagegen ist in steter Furcht vor der Süirde, damit nicht bei Unfällen ihn auch noch die Reue plage. Das erprobteste Mittel gegen die Uebermacht böser Gelüste sei der Gedanke au den Tod und das göttliche Gericht Wenn der Herr z Gerichte sitzt, so werdeir die Thalen der Gerechten gewogei», und