Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 2 (1873)
- Issue
- Nr. 9. (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ZUM Wlctnliitblnlt. Zur Beleuchtung allrr Judenthum u. Juden betreffenden litrrarischen Erscheinungen auf dem Gebiet: der pßitosopßic.Geschichte, Eli>nograpi>ie,Lhrotogit, ipricntalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner vr. M. Rahmer in Dtagdeburg. [ Bücher der einschlägigen Li.'e-! ralur, welche der Ned de» ״Jüd. I Kteraturdlatt" in Magdeburg (oder der ״Jorael. Wochenschr." in Stettin);ugrsandt werden,! finden in diesem Platte eingehende Besprechung. Nr. S. Erscheint 1—2mal monatlich. Preis pro Jahrgang 1 Thlr. Für die Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschritt" gratis. Zu beziehen durch alle Postonstaltcn ».Buchhandlungen;in Leipzig durch Robert Friese. Jahrgang. Ueber den Ursprung des Karäerthums. Von I)r. W- Landsberg, Rabbiner in Pasemalk. (Schluß von Nr. 6.) Was aber gleichfalls ein wichtiges Moineirt ist für die Erforschung des Ursprungs des Karäerlhnms und was nicht niinder zur Erleichterung seines Entstehens beitrug, das detrifft die in dieser Zeit in allen Provinzen des mohamedanischen Reiches ausgebrochenen Empörungen gegen die Omejaden, denen von den Abaffiden die Herrschaft entrissen murde. Es war ein heißer Kampf, der gegen den letzten Chalisen ans dein Hanse der Omejaden geführt wurde, ein Kampf, der sogar religiösen Schwärmern Veranlaffung gab, eine Aenderung in der Weltordnung zu erwarten. Wir besitzen noch eine merkwürdige Schrift aus dieser Zeit, deren Tendeirz offenbar die ist, Hoffnungen zu erwecken auf baldige Erlöiung durch das Anstreten des wahren Messias. Diese Schrift führt den. Titel נסתרות דד שמעון ק יוחאי und ist in Gractz' Geschichte V. Nor. 15. ausführlich behandelt; er zeigt deutlich, daß sie nicht, wie Jellinek gemeint hat, auf die Geschichte des ersten Kreuzzuges anspielt. Mußte es nicht bei solchen Vorgängen politischer Natur, die in den Köpfen fanatischer Schwärmer Gedanken erzeugten an eine baldige auch auf religiösem Gebiete eintretende Aenderung und die offenbar einen ge:aichligen Eindruck auf die Menge zu machen nicht verfehle», konnten, — niußte es sich nicht über kurz oder lang endlich entscheiden, in welcher Form und auf welcher Basis das Judenthum sich weiter erhalten sollte? Wir haben ohne Zweifel in allen oben geschilderten Ereigniffen die Vorläufer des späteren Karäerthums zu suchen, und mag inan ihnen noch so geringe Bedeutung beiinessen und sie vielleicht für augenblickliche, spurlos dakiiigehende Erscheinungen halten, — so viel steht fest, daß sie zum Mindesten den Gedanken erzeugten: die Bibel, die in Folge deS ausschließ-׳ sichen Studiums des Talmuds, jener alleinigen Autorität, ihrem Inhalte nach fast abhanden gekoninien ivar, wieder in ihr altes Recht cinzus.tzen. Und dieser Gedanke ist in der That auch das bezeichnende Charakleristikon des späteren Karäerthums, das sein religiöses Leben mit Verwerfung der talmndischen Normen aus biblische Basis ausbanle und das allerdings von Anan, jenem Sohn des Exilssürste», ausge-!)"»gen, keineswegs aber als ausschließliches Kind Anan's an- «»sehen ist. Als Beweis dafür führe ich die hierin am meisteil lehrreiche Stelle aus Pinsker'S Werk an: ובמלכות הרביעית נתגלה ענן והעיר לבות האנשים ופתח עיניהם והתאוו לתורת ד במרת מה שהשתדלו בה לפי שהיה מנהג הרבנים והתעסקותם בגמרא כבר משכיחים אותם תורת ד׳ והבנת האמתיות ממנה אח״כ m tat•*■«» wLki ירחמהו אל ־ ננרר בהם אהר מנהג הרבנים אח״כ נתגלו אחרי בנימין הקראים והוסיפו נדרים במצות ד וכו Das sind Worte eines Karäers selbst, und sie enthalten in Kurzem die ganze Geschichte des Karäerthums. Wir sehen daraus, daß das Karäecthnm nicht Alles auf Anan zurückführt; ja daß eine große Kluft besteht zwischen Anan's Lehre und dem späteren Karäerthum, das drei Entwickelungen durchgemacht hat; — das ananitische, welches den Talmud nicht ganz und gar verworfeil hat, das talmudfeindliche von Benjamin und endlich das eigentlich spätere Karäerthum. Worin die Differenz int Schisma, das diese verschiedene» Zweige des Kaiäerthums aufgestellt, bestanden, — hier zu besprechen würde zu weit führen und gehört auch nicht hierher. Ich begnüge mich, hier nur eine Stelle aus Pinsler anzuführen, aus der die dogmatische Verschiedenheit zwischen dem Stifter des Karäerthums und den späteren Karäern ersichtlich ist, eine Stelle, die die Frage, ob das Schächten der Vögel ein Abkneipen am Hintcrkopfe sein soll, vcntilirt und also lautet. חכמים נחלקו בענין המליקה לשלוש רעות.הרעת הא' היא דעת רבנו ענן שאמר שאין שחיטה בעוף כלל אלא במליקה.... והחכם ר׳ ישועה״אמר שתלמידי ענן שהיו נקראים עננים שבו מזאת בראותם שפשוטי הכתוב עומדים כנגדם והדעת הב׳ היא דעת קצת מן החכמים שאומרים שהמליקה היא השחיטה. - Doch die Anführung aller von Anan ausgegangenen, tief eingreifenden Veränderungen, worüber wir übrigens nur wenig unterrichtet sind, beweisen nichts für die Frage über die Entstehung des KaraerthninS. Nur eine R.form deS Karäerthums, die zweifelsohne van Anan herrührt, weil alle Karüer daran festhalten, müffen wir bei unserer Frage näher in's Auge fassen, da sie Veranlassung geben kann und auch gegeben hat, die Entstehung des Karäerthums auf eine Zeit zurückznsühren, in der ähnliche Divergenzen in religiösen ׳Normen zum Ausbruch gekommen sind. Ich ineine die Neuerung in Bezug auf das ״Wochensest" und die irrige Ansicht, daß das Karäerthum nichts weiter sei als ein Znrückgehen a»f das Sadducäerlhnm. Diese letztere Ansicht, die den Ausgangspunkt der Fürst'schen ״Geschichte des Karäerthums" bildet, wollen wir nur noch in Folgende»» zil widerleg n versuchen. Wenn wir nämlich kurz den charakleristischen Unterschied der beiden zur Zeit Hyrkan's bestehenden Parteien der Pharisäcr und Sadbucäer augeben wollen, so müssen wir sagen, daß jene ursprünglich nur vom religiöseil Gesichtspunkt unsgingen, daß die Erhaltung des JudenlhumS ihnen die eigentlichste und angelegentlichste Lebensaufgabe bildete, »mb daß darum alle politischen Fragen dem religiösen Interesse ihnen untergeordnet waren; wahrend diese grave den politische»