Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 2 (1873)
- Issue
- Nr. 8. (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 32 — nnstreute. Er schildert da? milde Laos, di« menschlich« Behandlung, di« dein Sllaven, oder richtiger Arbeiter, nach dem mos. Gesetze zu Theii werdrn mußte, und mi« aus Alles, wag daS Selbstbewußtsein, selbst des Aermsten, zu heben im Stande war, Rücksicht geno,innen wurde. Der Verfasser hebt besonders die Achtung der Person, der Freiheit und der Arbeit nach der Bibel hervor — zur Erklärung des bibl. Gebots des Ohrdurchbokrens bei dein freiwilligen Sklave» citirt er passend de» Dichtervers: ״der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wellte keine Knechte" —; zur Hervorhebung des hohen Werthes der Arbeit hätte er jedoch viel schlagendere biblische und nachbiblisch« Verse und Sprüche anführcn können. Es werden hierauf die Grundzüqe der agrarischen Gesetzgebung nach dem Mosaisnius dargelegt. die ja ganz offenbar der ungleichmäßigen Nertheilung der Güter zu steuern bezweckte, wodurch der socialen Frage von vornherein die Spitze abgebrochen war; serner das palästinensische Schulden- und Armengesetz, das Zinsverbot und die vielen von Milde und Zartsinn durchwehten Einrichtungen, den! von der Ungunst des Schicksals Betroffenen auszuhelsen. Man gewinnt aus dem ganzen Vortrage die Ueberzeugung, daß es der mosaischen Gesrtzgebung gelang, dadurch, daß sie alle sittlichen Triebfedern des Menschen in Anspruch ninnnt, die sociale Frage in» Keime zu ersticken, oder richtiger gar nicht auskeimen zu lassen. Wir lenken di« Aufmerksainkeit der Männer, die bestrebt sind, durch Belehrung und Vorträge in Arbeiterkreiscn die social« Frage einer sriedlichen Lösung entgegenzusühren, auf diesen sehr instruirenden Vortrag, der auch manche in unserer Zeit praktisch zu verwerthenbe Winke enthält <Der Vortrag ist auch direct vom Verfasser gegen Einsendung von 4'/, Sgr. [16 Kr ] in Reichspostmarken zu beziehen; ebenso der vorjährige ״Mos Mendelssohn, «in Lebensbild" für 4 Sgr. [14 Kr.) Der unter 2 genannte Vortrag gehört seinem Inhalte nach nicht gerade in ein jüdisches Literaturblatt, wir erwähnen seiner hier nur des Vortragenden wegen. ES ist iinmerhin erfreulich zu sehen, daß jüdische Lehrer von größeren Vereinen init derartigen Festvorträgen betraut werden. Der Redner hat seine Ausgabe auch vortrefflich gelöst. Es werdm nicht nur die Lebensschicksale des berühmten Mannes in blühender Sprache frisch geschildert, sondern es wird auch sein System recht anschaulich dargelegt. Wir entnehmen der Brochllre di« Notiz, daß in der Annenkirche zu Krakau sich eine eherne Büste des Copernikus befindet, daneben der Himmelsglobus mit der Unterschrist: 801 sta, ne inovear«! (Sonne steh« still, beweg' dich nicht!) Wir schließen hieran eine kurze Besprechung zweier Gelegenheitspredigten: 1) Die Sprache eines Denkmals, von llr. F. Lohn, Prediger in Oels, 1873. Diese Predigt wurde am Tage der Enthüllung einer Friedenssäule in Oels gehalten; sie hat zun» Text di« Psalinivorte (120, 7) ״Ich bin Friede, doch »venn ich rede, gedenken sie des Krieges," die der Versasser sehr ent- und ansprechend behändest, indem er den Gedanken entwickelt, daß di« Säule zivar an den Krieg erinnere, aber kein Sieges-, sondern Fr jedensdenkmal sei Der Reinertrag ist für di« Invaliden resp. für die Hinterbliebenen gefallener Krieger bestimnit. — 2) Die schöpferischen Ziele unserer religiösen Bewegung, zwei Predigten an dei» ersten Tagen des Peßachsestes, geyaltei» von vr. Neubürger bei Gelegenheit der Ausstellung einer Orgel in der Hauptsynagoge zu Fürth, 1873. Beiden Predigten ist derselbe Text untergelegt, Jejaj. 68, 12., den der Redner in sehr freier Anwendung in Beziehung mit dein auf dein Titel angedeureten Zwecke bringt, der aber gar keine Beziehung mit dem Peßachseste hat. Herr Neubürger bekundet in diesen Predigten, von der Tendenz derselben abgesehen, entschieden rheiorisches Talent und Geschick in der Anwendung von Bibel und Midraschoersen; als G «lege »he ilspredigten erfüllen sie ihren Zweck, aber da sie zugleich F e st predigten waren, so ist es entschieden ein Mangel derselben, daß die Festidcc, die nur sehr leis« ii» den einleitenden Worten (in der ersten Predigt auch gegen Schluß) berührt wird, so wenig zum Ausdruck koinmt Redner hätte aus den Festgcdanken selbst und einem diesen entsprechenden Texte seine Ideen entwickeln niüsje», wozu gerade das Peßachfest Anknüpfungspunkte in Fülle darbietet. Schulprogrannne. 1) Eiuladungsschrift zur öffentlichen Prüfung dcr Neligious-Schule der Gemeinde Adas Jisroöl, von Nadbiuer Vr. Hildesheimer. Voran geht: Ueder jüdische» Fortbildungsunterricht nach den! Austritt aus der Schule — von I. H. Lö o. 2) Jahresbericht über die Neligious-Uuterrichts Anstatt der Syuagogen-Geineinde zu BreSlan, von I),-. Samuelsohn. Voran geht: Ueber das Verhälluis; des Flavius Joscphus zur Zeloteupartei beim Ausbruch des jüdischen Krieges. Von I. Prager. 3) Siebenter Bericht über die ReligionSschnle dcr Synagoge». Gern»iilde zu Königsberg, von Nubbiucr I)r. Bamberger. 4) (Sr ft et Jahresbericht über die jüdische Ncligiousschule in Schrimm, vou De. H. Tietz. Es ist immer ein Beweis sür die gute Organisation einer Schule, wenn sie von Zeit zu Zeit mit einem ״Berichte" in die Ocistnllichleit tritt, Ncchenschait über ihre Leistunaen adlegt und Dadurch zugleich eiuen Einblick in ihre Bestrebungen und Einrichtungen im Allgemeinen, wie über die Fortschritte und Pensa im Einzelnen gewährt. Der Einblick in den Bericht der unter 1. genannten Berliner Religionsschule der Adas Jisroöl ist ein wohlthuenoer. Es ist geradezu das höchste Maaß dessen, was eine Religionsschule unserer Zeit erinöglichen kann, was dies« Schule anstredt und, wie der Bericht zeigt, auch erreicht. Sie verdankt dieses günstige Resultat der besonder» Gunst der Umstände, die ihr eine größere Anzahl lern- und lehrbegieriger für di« jüdische Religion begeisterter Rabdinatscandidaten als Lehrkrästc zur Verfügung stellt, so daß der Hauptübelstand, an den! die jüdische Religionsschule der Gegenwart laborirt, der Mangel an verfügbarer Unterrichtszeit, durch die ermöglichte Gleichzeitigkeit der Unterrichtsstunden in den verschiedenen Klaffen gehoben ist. Es erübrigt sogar Zeit, in der 1. und 2. Mädchenklass« neben Religion, biblischer Geschichte und Gcbetübersetzen auch noch je 2 Stunden Bibelübersetzen und 1 Stund« Hebr. Grammatik zu lehren. Daß die Mädchen auch deutsch« Pensa in'S Hebräische übertragen lernen, heißt denn doch des Guten zu viel thun. Den ״Schulnachrichten" geht ein gut geschriebener Aufsatz von Herrn Löb: ״Ueber jüdischen Fortbildungsunterricht nach dem Austritt aus der Schule" voran, der unsere ganze Zustimmung hat. Die unter der bewährten Leitung des Hrn. l)r. Samuelsohn stehend« Neligionsschule zu Breslau, über welche der sud 2 ausgesührte ״Jahresbericht" uns Kunde giebt, gehört zu den ältesten, besteingerichtetm Religions-Unterrichts-Anstalten. Sie besteht aus 8 Klaffen, in denen im abgelaufenen Schuljahr« 263 Zöglinge unterrichtet wurden. Der Diri, gcnt sührt darüber Klage, daß man die Kinder zu spät (meist erst nach überschrittenem 10 Lebensjahre) der Anstalt zusühre. Wir haben in der Besprechung der Schulxrogramme im vor. Jahr« die Rachtheile solch verspäteten Beginnens des hebräischen Unterrichts nachgewiesen, und das siebente Lebensjahr als das Normalalter sür die unterste Klaffe einer ReligionSschnle bezeichnet. In der dem Berichte vorangehenden wiffenschaftlichen Arbeit weist Hr. I. Prager überzeugend nach, ״daß Josephus beim Ausbruch« des jüdischen Krieges als entschiedener RevolutionSniann und Anhänger der später von ihm so sehr verleunideten Zeloten ausgetreten und bis kurze Zeit nach der Assaire der Dabariter Jünglinge (-los. 8. jud II 21,3. Vita 26.) auch dieser Gesinnung gemäß th ätig gewesen sei." Die Beweissührung ist als vollständig gelungen zu betrachten. Di« durch Hrn. Rabbiner 0r. Bamberger neuorganisirtr Religionsschule zu Königsberg hat ihren ersten (siebenjährigen) Cyclus beendet, und steht in vollster Blüthe. Sie wird von 24S Zöglingen besucht; an ihr wirken außer dem Rabbiner noch 3 Lehrer. Die Pensa sind angenieffcn vertheilt. (Daß in der elften Mädchenklaffe nur^l Stunde Hebräisch wöchentlich stattfindct, wie der Lectionsplan (S. 4) angiebt, ist wohl nach S. 8 nur ein Druckfehler). Eine ״Abhandlung" fehlt diesmal, ״äußerer Verhältnisse" wegen. Es werden dies, wie wir verinuthen, dieselben sein, die auch hier (in Magdeburg) in diese», Jahre den Druck des Jahresberichts verhinderten, nämlich die inißlichen Druckerverhültniffe (Setzer-Strike). Den» Jahresbericht ist ein ״RechcnschastSbericht des Bekleidungsvercins sür arme Zöglinge der Religionsschule" beigesügt. Dieser wohlthätig wirkcnde Verein besteht aus 118 Mitgliedern, ,neist Frauen (103). Auch hier begegnen wir de»» Conuncrzienrath M. Simon'schen Ehepaare, das dein Vereine 20« Thlr. überwiesen. Die Religionsschule in Schrimm wurde im Mai v. I. eröffnct. Ihr Dirigent ist Hr. Dr. Tietz. ״eben dem ״och Hr. Wolf und Hr. Pichlcr alS Lehrer wirken. Dcr ״erste Bericht" enthält außer einigen Gcdichtci» (vom Dirigenten), die bei dcr Prüsung vorgetragen wurden, nur ״Statistisches" und ״Benachrichtigungen;" auS ersterem entnehmen wir, daß die Schule von 62 Knaben und 20 Mädchen besucht wird, aus de» letzteren, daß ״der Unterricht mit den Elementen beginnt und sich bis zu», Talmud erstreckt." Wir hoffen im nächsten Berichte einer spezieller» Darlegung über Vcrlhcilung der Pensa zu begegne». Briefkasten der Redaktion. ״Fortsetzung" resp. ״Schluß" der begonnenen Aufsätze: ״Ueber den Ursprung Marümt)um$״ und ״Ufbev das Zeitalter der Propheten Joel, Autos. Oöadja" rönnen der größeren dann vorkommenven l,edr. Eitat« ivegen erst »» nächster Nr. zu!» Abdruck gelange», weil die neue Olficiu m!t hebr. Typen noch mcht genügend versorgt war. Tas,elde gilt vou den ״literarischen Notizen" der gesch Mitaebeiier HH. Rabbiner 1)1)1• F. in I-, 11. in S., A. C. in P. u. M. K. i» A. Arrnnnvor׳,,!,»;«,: wrimiiviir; ijr. 11(. 31 a 1) mev. uruck u. Vertag von Scharnte <k Euppers in Barby.