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Das jüdische Literaturblatt · 1872-01-01 · N° 24. (18.12.1872) · p. Seite 96

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 24. (18.12.1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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96 und zu heben. Seine Energie lieh ihm ferner die Schlagfertigkeit in der sarkastischen Rede, wenn es galt, die selbstgefällige Welkeit und scheinheilige Selbstsucht zu geißeln; sie endlich rüstete ihn mit rascher Entschlossenheit ans, sobald es darauf ankim, durch eine kühne That eine drohende Gefahr von deni Volke für inimer abzuwende». Wenn es nun Samuel ferner verstand, dein Willen eines noch nicht politisch reisen Volkes Rechnung;>׳ tragen, ohne die hohen Staatszivccke preis zu geben, so hat er dadurch auch eine nicht zu unterschätzende Probe staatsinännischer Weisheit abgelegt. So haben wir in dem Propheten Samuel einen jener Bevorzugten in der Geschichte kennen gelernt, die von der Vorsehung berufen sind, der spätesten Nachwelt als erhabenes Muster vorzuleuchten. Wenn dies entweder mißkannt oder mißbraucht wurde, ja wenn sich in diesem Augenolicke wiederum einer jener Stürme zu erheben droht, der Iahrhundele verheerend die Länder durchtobte und deren Ursprung, wie eben dargehan wurde, sich ans Samuel zurückdatiren läßt, so darf uns das in unserem festen Glauben an den planvollen Gang weltgeschichtticher Entwickelung nicht erschüttern. Es wird der schon so sehr gebrochenen Gewalt des drohenden SlurnieS schwerlich gelingen, irgend ein wesentliches Unheil anzurichten. Wohl aber wird er dazu beitragen, die Atmosphäre des Menschenthums immer mehr zu reinigen und zu klären und uns so wiederum ein gutes Stück dem Erhabensten der menschlichen Ziele näher zu bringen, das kein anderes ist, als die Aussöhnung der sich jetzt noch immer feindselig einander gegenüberstehenden Gegen sätze, der religiösen wie der socialen. Rakel. K. I>. Hossirrer Literaturbericht. Äset, Dr. M. Isr. Gebetbuch für die öffentliche Andacht re. Mit Benutzung des . . Geiger'schen Buches neu bearbeitet. 2 Theile. Berlin 1872. (Schluß.) Das Deutsche betreffend, so hat auch hier I. fast überall Neues geboten. Eine Uebcrsctznng giebr er eben so wenig wie G-, abgesehen von den biblische» Stücken, aber die Paraphrase ist bis auf äußerst wenige Stellen neu. Es würde viel zu weitläufig sein, wenn wir auch nur an einigen Stellen die Differenz darlegen wollten, cs genüg: da »ich:, wie beim Hebräischen, ein Schlagwork zu ciiircn. Viele Pijuiskückc Und neu metrisch über: seht, mililnler rcchl gur; dagegen Und drei neue wieder zur Einlcitung für die Festtag Abende ziemlich nüchtern. Noch wäre wohl etwas über die eingelegten deutschen Gebete, welche ebenfalls, einschließlich die kleinen Easualgebcte, sämiutlich neu sind, zu sagen; doch würde» ivir damil das Maaß einer Anzeige überschreiten. Die Sprache ist zumeist corrckt und würdig, aber nicht ganz frei von Seltsamkeiten, z. B. Störniß, Herzcnsstellung, ״die nieder,׳ Kümmernisse nehmen sich kleiner aus," ist ein mißrathener Ausdruck, ״,m Vorbeigehen möchten wir aber noch fragen, warum Hr. Dr. I. Bedenken getragen hat, die Worte חרב ורעב im Abendgebete deutsch wicdcrzugcben. Haben sic ihm etwas zu Leide gnhan, oder fühlt man sich in BreSIau in dieser Beziehung so absolut sicher? Als Anhang bcrichicn wir hier noch, daß auch Herr Dr. Geiger eine neue Austage seines Gebetbuches, und zwar eine Neubearbeitung, berausgegeben har. (18? 1). Die Gelehrten sind nicht einig darüber, ob ne der Iocl'schcn Bearbeitung das Plävenire spielen, oder einem absoluten Bedürfniß abkielsen sollte, dem Bedürfniß, ״daß unser Gebet nur Wahrheit sei, daß Wort und Gedanke durchaus einander decken." Es ist hier nicht der Crt, auch dieses Buch zu besprechen. Wenn wir dasselbe wie ein deutsches aufschlagen, so komme» wir zuerst an Neklah. Da finden wE den» am Schluffe die Bemerkung: ,,in manchen Gemtl.lden wird hier noch Maariw gebetet." ״Das Ende zeugt für den Aiisang," für den Manu, ״der Lüge haßt und Wahrheit liebt!" P. Aestätiguage« öibk. Berichte 1) Ein in Keilschrift auf assvrischen Denkmälern beiinStiche» ulid von Herrn George Smith, Beamter am Britischen Museum, antiziffcrter, langer und ausführlicher Bericht über die Sündfluth macht uns mit der Version der Sage bekannt, ivie sie in einer früheren chaldäischcn Periode in der Stadt Ereh, einer der Städte Nimrod's (jetzt die Ruinen von Werks), erzählt wurde. .I'isuthrus oder Noah berichtet von der Verruchtheit der Welt, dem Befehle, eine Arche zn bauen, der AufLauung und Bewohnung derselben, der Sündstuth, dem Ruhen der Arche aus einem Berge, dem Ausscnden eines Vogels und dgl. mehr. Die Erzählung ist indcß ähnlicher der durch die Griechen gekannten Sage von Berosus, dem chaldäischcn Geschichtsschreiber, als der von der Bibel überlieferten. Tic Hauptuntcrschiede beziehen sich auf die Dauer der Sündfluth und den Namen des Berges, auf dem die Arche geruht haben soll. Der durch Keilschrift überlieferte Bericht ist ausführlicher, als der des Berosus und enthält Einzel- Heiken, die in der Heiligen Schrift sowol als auch von dem chaldäischen Schriftsteller übergangen sind. Außerdem enthält derselbe manche andere auf die chaldäische Geschichte bezügliche intcreffante und wichtige 'Nachrichten. Wie Herr George Smith hervorhebt, ist dies der erste Fall, daß eine Inschrift ausgesundcn worden ist, in welcher ein in der ״G enesi s" erwähnter Vorfall berichtet wird. 2) Auch in Bezug auf den ״Erodus" der Israeliten auS Aegypten ist jüngst eine Schrift von dem Aegyptologcn Georg Ebers erschienen: ״Durch Gosen zum Sinai," in welcher die Hauptfragen über den ״Auszug" auf Grund einen zu diesem Zwecke unternommenen Reise von Suez nach dem Sinai einer neuen topographischen Untersuchung unterzogen werben, deren Resultate meistens in voller Uebereinstimmung mit dem biblischen Berichte stehen. Pithom (bei Herodol Patumos) findet sich auf den In schriften als Paatum. Der Pharao der Bedrückung, ״der den Joseph nicht kannte" ist kein anderer als Ramses II. (Sesostris). Ziegel mit geschnittenem Stroh gemengt, von jüdischen Händen gestrichen, sind noch heute auf einem Granitdenkmale mit Ram scS, II Namen bei Maschnta zu sehen. Der hieroglyphische Name für die Arbeiter lautet ״Apuriu" (Hebräer), und die Denkmäler lassen uns nicht mehr in, Zweifel, daß erstens die Zwangsarbeiten von einem ״Gendarmriecorps" überwacht ' wurven, und zweitens die Prügelstrafe jeden« Säumigen drohte. (Vergl. Erodus 5, 14). Der Pharao endlich, welcher die Bedrückung ins Unerträgliche, oder, in der Sprache der heutige» Strikc-Agitatoren, bis zu einem ״menschenunwürdigen Dasein" steigerte und die Jsraelitcn schließlich zur Arbeitseinstellung trieb, ist dagegen des Sesostris schwächerer Sohn Mcrneptah. Ein Denkmal (jetzt in Berlin) berichtet von ihm, daß er seinen Sohn bei Lebzeiten verloren habe; dieser würde vielleicht der Erstgeborene gewesen sein, von besten Tod uns die Bibel" berichtet. (Erod. I I, 5.) 1 tloti) zu Gen. 20, 16. Wie ich nachträglich sehe, übersetzen auch die LXX. die Schlußworte dieses Verses meinem ״Erklärungsversuch" in vorig. Nr. entsprechend: xa't roma äXTjdeoaov ״und Alles wird sich bewahrheiten" oder nach meiner Erkärung ״was die Andern betrifft, so ist die Wahrheit offenkundig." Dr. 2. Berichtigungen: Nr. 22. S. 83, b. Z. 16 lies Grad ft. Grund C. 86 a. Z. 14 daß st. das; Z. 23 ihm st. ihn; Z. 36 1161 st. 1261 . Z. 2 v u. Pentz;st. -Pantz; b. Z. 26 lies: an mehreren Stellen! Z. 31 der 8. des - Nr. 23 S. 91 a. Z. 30 l. Argen st. Organ, B. Zeile 26 l. Ritter st. Juden. Z. 3 v u. ergänze: nun S. 92. a. Z 3 I, Ausflüchte st. Auislüch« Truck und Verlag der Hofbuchdruckeni von Carl Friese in Magdeburg.

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