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Das jüdische Literaturblatt · 1872-01-01 · N° 24. (18.12.1872) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 24. (18.12.1872)
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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«.24 1872 W Zsraetitifchen Wochenschrift Nr. ZI. Erscheim;wkiiNLl inonatlich Redigirl von Zu beziehen für l Lhtr. jührl. -uz Gratisbeilage Rabbiner vr. M. Nahmer in Magdeburg. durch di.Expedit». zur is-aelitisch«! L-ochcnsch:i't. Einzelnummern ä 2 Sgr. ^»hal>. Wissenschaftliche Aufsätze: Eine Eharakterisiik des Propheten Samuel nach seiner pädagogische» Entwickelung und weltgejchicht-?.-&«»* TOaS•״.,״*״ a ■Ts /ö-rr:. vivuuHHjj, ywU|1up j *Jim C. «:'׳uutitu• Bestätigungen biblischer Berichte. — Berichtigungen. _1. ... /T7... (V» * f* ll.'i ״t...; X x . CO -. .״r... (V . . f yfi.t.jt.. Jt .ÄJtf..C י* JUU0 ju s^ycji. 4u1 ׳y. —*;Iicc1uucuci:tu>i4 juvcimuiicii. ^3 w c t, vf'ivttvuty. (Otylüp.j Eine Lharakterikik des Propheten Kamuel »ach seiner pädagogischen Entwickelung und weltgeschichtlichen Bedeutung. eSchlich.) II. Der eben erwähnle Wendepunkt tral, wie uns mitgetheilt wird, dadurch in das israeHtische Versassungslcben ein, weil Samnel seinen Söhnen dag Richtcraml übertrug, diese sich aber dieses hohen Amtes unwürdig zeigten. Diese Thatsache isl allerdings iu der einfachen Darstellung danach augethan, einen Schallen aus den makellosen Charakter Samnels zu werscn und ihn des, unter der mittelalterlichen Priesterherrschast so berüchtigten Nepotismus zu bezichtigen. Bei näherer Beleuchtung muß sich jedoch auch dieser dunkle Fleck in ein Nichts austöseu, wo nicht gar in einen Lichtpunkt verwandeln. Da näwlich seine Söhne von seiner Lehre und seinem Beispiel am unniitlelbai steil, also am nachhaltigsten beeinflußt waren, so hielt er sie auch für die Würdigsten und Befähigsten zur Ver׳ waltung eines so hochwichtigen Amtes, wie das richterliche. Hätte er nur geahnt, daß sic sich der Rechtsverletzung schuldig gemacht haben, die man ihnen zur Last legte, so würde er, der es erlebt und wohl auch tief initempfunden hat, welch' eine schwere, kaum zu sühnende Schuld ein Vater durch seine Nachsicht mit mißrathenen Kindern aus sich ladet, so würde kr, sage ich, sicherlich der Erste geivesen sein, der sie von ihrem Posten entfernt hätte. In der Thltt wissen die Aeltesten auch keine namhaften Thatsachen anzuführeii; sie sagen blos im Allgcmeine»: .,Deine Söhne wandeln nicht in deinen Wegen," was wohl heißen kann, daß sie nicht mit derselben Hingebung, wie der Pater ihren Pflichten oblagen. Aber selbst iin schlimmsten Falle gab die Unzufriedenheit mit der richterlichen Verwaltung doch nur einen Grund ab zu einem Personenwechsel, keines- Weges aber׳ zu einer Lerfassungsverändcrung. Es war dies auch wirklich nur. ein Borwand, und sie machen aus dein eigentlichen Grund ihres Verlangens hinterher gar kein Hehl. Sie wollen einen König, wie die übrigen Böller. Also eitle Nachahmungssucht war die Triebfeder ihres Wunsches, — nicht erwägend, daß sie ihrem weltgeschichtlichen Beruf gemäß, der ein ganz anderer war, als der anderer Völker, unter unmittelbarer Herrschaft Gottes stehen, der den Würdigsten sich zum Verkünder seines Willens auserfieht. Diese gänzliche Verkennung ihres göttlichen Berufes kann wohl nicht treffender bezeichnet werden, als durch die Worte: ״Nicht dich, sondern mich haben sie verworfen." Samuel überzeugt« sich bald, daß von diesem idealen Standpunkte aus keine Sinnesänderung bei diesem Volke zu erzielen sei. Er stellte sich daher auf realen Boden und entwarf ein so meisterhaftes, der Wirklichfeit der dr maligen, wie auch der späteren Zeiten entsprechendes Bild von den Vorrechten eines Königs, daß es wohl Zedem einleuchten mußte, welch' tiefer Erniedrigung sie anheim fallen und welch' maßlosem Steuerdrücke sie ausgesetzt sei» würden, wenn ihr Vorhaben zur Ausführung käme. — Aber Nationensind, wie Individuen. So empfindlich man sonst im Punkte der Ehre, oft blos der sogenannten Ehre, zu sein pflegt und eine so entschiedene Antipathie man gegen Steuern hegt; sobald es sich darum handelt, nach Außen zu glänzen, da ist uns keine Zurücksetzung, die nicht selten damit verbunden ist, zu dcmüthigend, da ist uns kein Geldopser zu drückend. Belege dafür im alltäglichen Leben liefert ja der gesellige -Verkehr in Hülle und Fülle. Um aber auch aus dem großen Völkerleben ein eklatantes Beispiel dafür anzusühren, bedarf cs ja nur eines Hinblickes auf unser Nachbarvolk. War es nicht dieses Volk, das am Ende des vorigen Jahrhunderts die Fessel der königlichen Prärogative, die dieser Prophet hier mit einer Treue schilderte, als hätte sein durchdringendes Seheräuge in die fernen Jahrtausende geschaut, hat nun dieses Volk nicht jene Fesseln mit einer Kraft gesprengt, daß sich I von dem Aicderhall derselben auch die vieler anderer Völker ' lösten und mit der Zeit ganz fielen? Und was sehen wir! ein halbes Jahrhundert später? Dasselbe Volk beugt feinen Nacken und läßt sich dieselben schmachvollen, wenn nicht noch schmachvolleren Ketten auflegen und trägt sie willig an zwei Jahrzehnte. — Und warum? Weil der, der sie ihm gefchmiel dcl, ein Meister in der Kunst war, den Geknechteten ,Moire"! nach Außen vorzugaukeln. (Man wird mir wohl diese kleine ' Abschweifung zu gute Hallen. Zn einer Zeit, wie die unsrige, l wo die kulturhistorischen Strömungen auf uns so gewaltig; cinstürmcn, da wird man von dem Wirbel der sich begegnenj den Gedanken aus Vergangenheit und Gegenwart fortgerisfcn, 1 und wir vermögen uns kaum der Aufuhrung so naheliegender i Analogicen zu enthalten.) — Wie also das einst so mächtige! Frankreich des eitlen Ruhmesschimmers nicht satt werden konnte! und um den nichttgeil Preis dieses Phantoms Alles über sich ergehen ließ, so vermochte auch kein Schreckbild aus dem bethörten Herzen des winzigen Völkleins in Kanaan die Begierde nach ähnlichem Flittrrscheine zu bannen. Wollte also Samuel sein Vaterland vor Verwirrung und Unheil bewahren, so mußte er dem Willen deS Volkes willfahren. Es kam nur

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