Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- N° 18. (25.9.1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
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72 Der Salomonische Tempel in der Wiener Weltausstellung. - Aus Kaaden wird der Bohemia geschrieben: Franz langer, Bildhauer, geboren zu Wcipert, schnitzte aus Lindcnholz Len Tempel Saiomo's nach den Auszrichnuilgcit des Joscphns Klavius. Dreißig Jahre arbeitete Langer ununtcrbrachen an dem mühsamen Kunstwerke, bis er 1850 im 72stcn Lebensjahre starb. Er hinterließ das unvollendete Werk seinem Sohne, der gleichfalls daran arbeitete und 1658 starb. Die zwei Kaadencr Bürger Philipp Hicknrann und Franz Langhammer übernahmen das Kunstwerk, arbeiteten daran khcils selbst, theils ließen sie von Andern nach den hinterlassenen Schriften und dem Plane Lanzers fortarbeitcn, tvas abermals einen Zeitraum von 2 Jahren erforderte. 'Nun steht dieses Werk fertig da und braucht zur Uuterbringung einen Rauin von 225 Duadratfuß. Die jetzigen Besitzer fragten bei dem Generoldireetor der Wiener Welt- Ausstellung, Baron Schwarz -Senborn an, ob sie dieses Kunstwerk ausstelle» können und erhielten eine bejahende Antwort. So wird denn die Arbeit jahrelangen Fleißes, in 28 Kisten verpackt, die Wanderung nach Wien zur Ausstellung antrcten. | Ein solches Kunstwerk, bemerkt der Red. des ״Hcbr. Lead." hierzu, bewahrte einst ein Pavillon des berühmten Zwingcrganens in Dresden, das der Kuriositätcnfreund August der Starke in Hamburg aus dem Nachlaß eines reichen Senators kaufen ließ. Mit diesem Kunstwerk ließ auch August zur Anschauung eine Synagoge verbinden, welche alle dazu gehörigen Utensilien enthielt, sogar der cigcnthümliche Hamanklopfer fehlte nicht darin. Wohin dieses Dresdener Kunstwerk mit seinem Anhängsel gekommen ist, wistcn wir nicht, f (Ganz unten steht: Samuel BarnckRosa.) Ueber den drei ersten Titelworten befindet sich eine von zwei Engelchcn gehaltene Krone mit der Rundschrift: עטרת תפארת :־:ביגנך Der übrige Theil des Titels steht zwischen vier mir Kronm (כתר תורה ׳הכהונה ב־ מלכות -בשם טוב) gezierten Abbildungen, zur Jllustrirung der darunter gedruckten Bibeloerse 2. Sam «>, 14. 1. Kün. 18,37. 1. Sam. 16,12. und 1. Kön. 3, 28. — Die Haphtarots haben einen besondern (typographischen) Titel. Niemals sah ich Ercmplarc dieser Ausgabe mit anderem Titel, bis vor Kurzem mein Freund, Herr D. R. Montezinos, Besitzer einer schönen Sammlung gedruckter und handschriftlicher hcbr. und. jüd.-spanischer Werke, mir mitthcilte, daß er eine kleine, nieisi aus lose» Blattern bestehende Sammlung von gedruckten und handschriftlichen Sachen käuflich erworben hätte, worunter sich mehrere solche Pcntateuch-Eremplare niit im Wortlaut, zu»! Theil auch in der Zeichnung, abweichenden Titeln befinden. Interessant ist das gestochene Titelblatt zu den Haphtaroth. Das Ganze ist von einem Blumenrande umgeben, oben vcrbunden durch eine Krone mit der Rundschrift: עטרת בבי darunter: שבתי צבי מלך־ ישראל משיח אלה* יעקב Dann folgt der Titel: טהר הפטרות.... בשנת אשריך ישראל מ* במוך עט נושע בי*. היא השנה הראשונה לחרוש הנבואה Lin Urtheil über die serbischen Lude». Ein Mitarbeiter der ״Neuen freien Presse," welcher jüngst zur Großjährigkiitsfeier des Fürsten nach Belgrad gesandt wurde, schreibt über die dortigen Juden Folgendes: Die serbischer Juden stammen aus Spanien und führe» trotz ihres RcichthumS ein einfaches, abgcschloflenes Leben. Die Männer haben ihre Geschäfte in der Stadt,sic verkehren mit aller Welt, handeln und wandeln mit Türken, Arabern, Engländern und Franzosen, ihr Haus aber ist abgcschlvsie», und keiner, der nicht fränkischer Jude ist, darf in dasselbe kommen. Auch ein Jude aus andern Ländern wird als Fremder betrachtet. Sobald als eine serbische Judenfrau oder ein Mädchen einen fremden Juden sieht, läuft ne vor ihm davon, wie vor einem Ehristen. Niemals wird ein fränkischer Jude einem nichtfränkischcn Juden seine Tochter geben, Ihre Sitte» erinnern vielfach an Spanien und ihre Sprache ist dem Spanier noch verständlich. Als vor mehreren Jahren der spairische Gesandte Belgrad besuchte, konnte er sich mit den dortigen Israeliten recht gut verständigen. Literaturbericht. NiötiograpHische Hlotizer» von M. Roest. 2. Die Pentateuch-Ausgabe von Samuel Baruch Skosa. Amsterdam, 1665 — 66. 12°. Diese Ausgabe, die außerhalb Amsterdam sehr selten vorkommt, ist von Steinschneider (c<tta1. Bodl. Addenda col LXX11I 11’.), einige Ilngenauigkeitrn ausgenommen,*) richtig beschrieben. Dieselbe enthält den Pentateuch und die Hastaroth ohne Eommcntar, nebst dcni Ealcndario von S. de Oliocra. Der Pentateuch hat zwei Titel, einen in Kupfer gestochenen und einen typographischen. Jener lautet wie folgt: חמשה חומשי תורה תקין סופרים ספיר נו־תו יקר מפנינים חמדתו נחקר ונדרש מכל ספר כתוב ביושר בדקדוקי ודיוקי הטופר מהיר בתורת משה באמשטידדם בבית איש מהיר במלאכתו דוד די קראשתו תארתם יצ״ו בשנת והגית בו יומם ולילה׳ במצות הנביר שמואל בן יצחק ברוך רוזא יצ״ו• •) Die Pagmirung ist z. B. nicht genau angegeben u. a. m. ומלבות. Dieses Titelkupfer scheint den Eremplaren dieser Pentateuch- Ausgabe nicht beigelegt zu sein; aus der Beschaffenheit wenigstens von zehn mir vorliegenden Eremplaren geht nicht hervor, daß man denselben etwa entfernt hätte. Warum er sortgelassen wurde, ist mir »icl't klar. Daß dies aus Furcht geschehen sein sollte, oder um Andersdenkenden keinen Anstoß zu geben, kann ich mir kaum denken, da derselbe Drucker und andere in Amsterdam sich nicht schcuetcn, in demselben Jahre Selichoth und Tikkun erscheinen zu lassen, die das sabbatianischc Gepräge ganz unzweideutig zur Schau trugen. (Siehe Steinschneider, Eatal. Bodl. Nr, 2917, 3033—37; Zedner's Eatal, Brit. Mus. S. 452 und 492.) Ueber den Monotheismus der Inden. Gegenüber dem ״inonotheistischen Instinkte der Semiten," den lernest Ronan zu entdecken glaubte, mögen hier die Worte eines unitarischcn Professors über die Gorteslehre des Judenthiims Platz finden, die selbst aus dem Mnnde eines jüdischen Geistlichen kaum begeisterter erklingen können, und jedenfalls ein schönes Zeugniß gerechter Würdigung des Judenihvins abgeben. Die Stelle findet sich in der, in ung, Sprache erschienenen ״Geschichte des Ursprungs und der Entivickelung des DreiheiligkcitSdoguras" von Dominicus 8imv». (Pest, 1872. Petrik. S. 52.) Nachdem der Verfasser gründlich nachgcwicscn hat, daß sich in den Schriften des alten Bundes von der Dreifaltigkeit keine Spur vorfindct, fährt er also fort: ״Es ist unnörhig, diese meine Behauptungen weiter zu entwickeln, denn die in allen Thcilen der Erde zerstreuten Juden sind lebende Zeugnisse dafür, daß das Grundprincip ihrer heiligen Bücher nicht die Dreifaltigkeit, sondern der Unitarismus sei. Daran haben sic gleichmäßig fest gehalten im Glücke und Mißgeschicke. Treu haben die Juden dieses Grundprincip bewahrt, trotz Grausamkeiten und Quälereien, welchdie Christen an ihnen verübten, weil sie treu anhingen dem Gott ihrer Väter, de»» einzig lebenden und wahren Gotte. Nie war, ist und wird ein TrinitätSgläubiger unter denjenigen sein, die als Mcßschnur ihres Glaubens dos alle Testament anerkennen." ״Wenn die Juden eine besondere Mission seitens der Vorsehung haben, war es gewiß die der Aufrcchihaltung der Idee von einem Gotte. Und sie babcn diesen Beruf auch erfüllt, denn sie bewahrten und hinterließen der Menschheit die herrliche Idee des Monotheimus, unbeschadet und rein von dm falsifikatorischen Bestrebungen des ChristenthumS." Baja. Joseph E. Schmidt. Druck unb Verlag der Hofbuchdruckern von 6art Friese m Magdeburg.