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Das jüdische Literaturblatt · 1872-09-11 · N° 17. (11.9.1872) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 17. (11.9.1872)
Date
1872-09-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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zur Israelitischen Wochenschrift Rr. SO ■ *ä Erscheint zweimal monatlich Redigirt von Zu beziehen für 1 Thlr. jihrl. als Gratisbeilage zur israelitischen Wochenschrift. Rabbiner vr. JK. Lahmer in Magdeburg. durch die Exp«ditto». r־ Inhalt Wiffrnschaftliche Aufsätzer Die Darwinsche Theorie und die Religion. (Schluß). - Joursal-Skevuer Dt« Jiraelire» von Salonichi. (Schluß- — Sulturhisiorilche Rückblicke auf Rumänien. — Sin Seitenstück. — Literaturbertchtr Bibliographisch« Noljzen von M Roest. - Bemerkung von Stark. WiffenschastUche Aufsätze. Vie Varwiu'sche Theorie und die Leligiou. (Schluß.) Eine dritte Grundlehre der Neligion ist die von dem Geiste im Menschen und von der Fortdauer desselben, der Unsterblichkeit. Diese steht mit dem Darwinismus, der bloß die Leiblichkeit des Menschen in Betracht zieht, in gar keiner Berührung. Wir tuenden uns also zu einem vierten Lehrsatze, einer Kernlehre für die praktische Religiosität, d. h. die Humanität; zu der Lehre von der Einheit des MenschengeschlechtS. Sie wissen, wie viel in neuerer Zeit darüber gestritten worden ist, und wie viele Forscher, aus Gründen, welche verschiedenen Wissenschaften entlehnt sind, es für ganz unmöglich erklärt haben, daß alle Menschen von einem Paare abstammen könnten. Nach Darwin sind alle Einwendungen hinfällig,' und die Bibellehre ist wieder festgestellt; wenn Mensch und Asse, Mensch und Säugethier, Vogel, Frosch, von einem Urtypus abstammen sollen, dann kann die Ableitung von Weißen und Negern von einem Urmenschen gar keine Schwierigkeit bieten. Ganz dem Geiste der Religion entsprechend ist ferner das die Darwinsche Lehre erfüllende und durchdringende Princip der fortschreitenden Entwickelung. Sie Kielet uns eine sehr annehmbare Hülfe gegen das Ueberhandnehmen der der Religion so feindseligen Anschauungen des Pessimismus. Wie, nach Darwin, immer vollkommenere Organismen sich entwickelt haben, wie aus dem affenähnlichen und geistig noch ganz brutalen Stammvater die heutigen civilisirten Menschen hervorgegangen sind, die doch immerhin behaupten dürfen, daß sie es ״schon herrlich weit gebracht haben" — wie also Darwin in die Vergangenheit zurückgreift, um für Fortschritt zu zeugen, so weist die Religion vorwärts in die mcssiam'sche Ankunft, in der aus der heutigen Menschheit ein an Zntelligenz und Humanität fortgcschriitenes Geschlecht heroorgrgangrn sein und das Reich der Wahrheit, des Rechtes, der Liebe und deS Friedens gründen wird. Freilich soll nach den Lehren der Religion, die Vorsehung, das Walten Gottes in der Weltgeschichte, die fortschreitende Entivickelung leite», mährend diese, nach Danvin, vom Spiele des Zufalls, den Kampf um das I Dasein und den übrigen Factoren seines Systems abhängt, auch ist es sehr fraglich, ob die von ihm couftruirte Ent- Wickelung zu dem ängedenteten Ziele führen würdeck iAkchsdnu eshandelt sich bei der Parallele nur im allgemeinen um Jmmerbesser- oder Immerschlechterwerdea; Religion und Darwinismus sprechen sich für ersteres aus. Bis hierher, sehen Sie, können wir mit der Darwinsche« Theorie uns verständigen, ihr uianches einräumen, mancheauS ihr lernen und benutzen, ohne mit den Prtncipien der Religion in Conflict zu gerathen; anders wird die Sache, wenn wir an die Grundlehren kommen, auf denen sich die praktische Neligion, die Sittenlehre, erbaut. Da zeigt sich, wie wir alle unsere bisherigen Anschauungen und Begriffe von Recht und Pflicht, Recht und Unrecht, Gut und Böse dem Darwinismus zu Liebe preisgeben müßten, wir werden, wie ich im Eingang״ angedeutet habe, vor die Wahl gestellt zwischen diesen und jenen; wir erkennen, daß der Darwinimus, mögen seine Verfechter noch soviel scheinbar wissenschaftliche Gründe anführen, eine Unmöglichkeit ist. Da steht voran die Lehre, daß der Mensch Freiheit des Willens besitzt, und daß sein Thun uud Lassen ihm zngerechnet wird. Ich brauche wohl nicht ausführlich darzulegeu. ׳ daß sowenig im Danvinismus, wie in irgend einem anderen materialistischen Systeme, für Willensfteiheit und moralische Zurechnung Raum. ist. Ich will aber gar nicht bei diese theoretischen Fragen verweilen, will nicht fragen, wie Darwin zu den Grundbegriffen von Recht, Pflicht, Tugend, Sittlichkeit gelangen wolle, denn auch dies trifft die materialistischen Systeme insgesammt. Der Materialismus kennt keine anbert Pflicht als Selbsterhaltung und Beförderung des eigenen Lebenszenusses. Da nun die menschliche Natur sich gegen ein solches Princip, als Gegensatz zu allem, waS menschlich in uns ist, empört, so hat man freilich schon vor Jahrtausenden versucht, eine materialistische Morallehre mit Hülfe der Erwägung und Abwägung des wirklich, nicht bloß augenblicklich Angenehmen und Nützlichen zu erbauen Epicur und seine Vorgänger und Nachfolger haben ihr Möglichstes gethan, um zu zeigen, daß allerdings Lust und Genuß die höchsten Güter seien, daß man aber mit Mäßigung genießen und auch Andere» Wollust und Besitz gönnen müssr^,Arü Alleingenießen doch kein rechtes Vergnügen und im beständigen Streit mit Anderen leben das Gegentheil von ruhigen! Wohlleben gewähren müsse. Aber die unveräußerliche sittliche Natur des Menschen hat all: jene Künsteleien stets von M. gestoßen. Beim Darwinismus steht jedoch die Sache noch vier schlimmcr, wir sehen ein, daß wir ihn in der That bekäPpsen müssen. gsflmn nn iirfi ist der Satz von der Berechtigung» dks Kainpfts dWd>D»stjn gefährlich, nicht mir für den Einzeloen, I -y Frankfurt/Mal /

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