Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 12 (1.12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Mitteilungen des 7 ' der Wschen ZMNdnkrmk Dentschtnnds. Kummer 12. Berlin, 1. Dezember 1911. , Jahrgang 2. , <,— Monatsschrift Prei» »ro Quartal SO Pfennig. Einzelverlauf 20 Pfennig. Erscheint am 1. jeden Monats. i""i — Anzeigen die viergefp. Petitzeile 20 Pf. Rellamen 50 Pf. pro Zeile. Geschäftsstelle: Berlin W., Kleiftstraße 12. ♦ Die unvergängliche Bedeutung der Makkabäerkämpfe. — Drei wichtige jüdische Kongresse. — Parteigeist! — Gedanken ♦ über die Tätigkeit der Jngendvereine. — Feuilleton: Das fremde Haus. — Zum Chanukkafcst. — Berbands- Nachrichten: Mitteilungen der Geschäftsstelle. — Aus unseren Bereinen: Bezirksverband der jüdischen Jugendvereine Westdeutschlands. — Berlin. — Cölu. — Emden. — Kattowitz. — Kempen i. P. — Briefkasten. — Anzeigen. Die «rmergüngliche Bedeutung der MakkadüerkSmpfe. Von Rabbiner Dr. Hochfeld. Das Chanukka fest läßt uns in dankbarer Erinnerung jener großen Zeit gedenken, da unsere Väter begeistert und heldenmütig sich erhoben gegen heidnische Gewaltherrschaft und in siegreichem Kampfe die Freiheit ihres Glaubens sich erstritten. Es sind Gestalten, hundertmal geschildert, Vorgänge, jedem jüdischen Kinde vertraut, die in diesen Tagen uns wieder vor die Seele treten. Da ist der finstere Tyrann Anliochus Epiphanes, der die Söhne Israels zu willenlosen Sklaven machen wollte dadurch, daß er die Axt legte an ihre Religion und diese an der Wurzel abzuschneiden suchte. Wir wissen, wie er die heiligen Schriften zu vernichten trachtete, jede Ausübung einer religiösen Handlung strengstens untersagte, gottesdienstliche Versammlungen, gemeinsames Gebet, die Heilighaltung des Sabbats mit dem Tode bedrohte — wie er zugleich die Bekenner des Einig-Einzigen zwingen wollte, Bildern aus Holz und Stein göttliche Verehrung zu erweisen, an heidnischen Opfcrmahlzeiten sich zu beteiligen und alle schamlosen Bräuche des Götzendienstes zu beobachten. Wir wissen, wie der Tyrann mit Feuer und Schwert wütete, um seinen Willen durchzusetzen, aber wir kennen auch die Erhebung der Geister, an der der Zorn des heidnischen Königs ohnmächtig sich brach. In Modin war's, wo zuerst ein Priester und Held die Anmaßung des syrischen Gewaltherrn mit dem Schwerte in der Hand zurückwies; in Modin flammte das Feuer der Begeisterung auf und ' entfachte bald das ganze Land zur hellen Lohe. Man scharte sich um die Makkabäerfahne, um die alte Losung: „Wer ist wie Du unter den Mächten, Ewiger!" — todesmutig stritt das kleine Häuflein gegen die Heeresmassen, die der König entsandte, in kühnem Kampfe gewann man Schlacht auf Schlacht. Rach dreijährigem heißen Ringen konnten die tapferen Krieger wieder in Jerusalem einziehen und den Tempel reinigen von Götzendienst und Heidentum. Eine achttägige Feier krönte das herrliche Werk, das Inda und seine Brüder vollbracht hatten; das Fest der Tempelweihe, es wurde von da ab gefeiert von Geschlecht zu Geschlecht als ein Fest der Freiheit und des Heiles, ein Fest des Trostes und der Erhebung. Ja, es ist ein Fest der Glaubensfreiheit, das wir in diesen Tagen begehen, ein Fest der Geistes- und Gewissensfreiheit! Denn nicht der Heldenmut der Makkabäer ist es allein, der uns heute noch erhebt und froh macht', nicht der glänzende Waffensteg, ja nicht einmal die gänzliche Abwertung des fremden Joches und die Wiederaufrichtuug der staatlichen Selbständigkeit. Wohl habe» die Makkabäer gestritten wie die Löwen, wohl haben sie gezeigt, daß sie trotz jahrhundertelanger Fremdherrschaft für die heilige Sache das Schwert zu führen verstanden, aber wir wissen cö heute, „nicht durch Stärke sieget der Mann", nicht durch Waffenstege groß zu werden war die Aufgabe Israels. Wohl machten die Hasmonäerkämpfe das Land unserer Väter wieder vollständig frei, es gab sogar von neuem unabhängige Könige in Israel, aber die Geschichte lehrt uns, das war nur von kurzer Dauer: bald rieb sich das Königsgeschlecht im Bruderzwist auf, und Rom kam und legte seine eiserne Faust auf Juda und Jerusalem; der Tempel sank in Trümmer, und Israel trat seine mühselige Wanderung an durch die Jahrhunderte der Verfolgung und Verhetzung. Die unvergängliche Bedeutung der Makkabäerkämpfe aber liegt einmal darin, daß sie den gefährlichsten Feind, der dem Judentum je entgegengetreten ist, dauernd abwiesen, dann aber darin, daß sie Israel für alle Zeiten stark gemacht haben gegen Unterdrückung u n d G e w a l t, wie g e g e n L o ck u n g u n d V e r f ü h r n n g. Der gefährlichste Feind wurde damals znrückgewiesen, das war nicht sowohl Antiochus mit seinen blutgierigen Scharen, als vielmehr das Heidentum in seiner v e r f ü h r e ri f ch ste n G e st a l t, das feine, gebildete, aber lockere und unsittliche Griechentum. Um das genauer zu verstehen, müssen wir ein wenig rückwärtsschauen in die früheren Jahrhunderte der Geschichte, in die Zeit, da zum ersten Mal das Griechentum nach Asien getragen wurde. Das. ganze Bild des Orients, wie wir es aus den Erzählungen der Bibel kennen, wurde mit einem Schlage verändert durch den ruhmvollen Zug, den Alexander der Große gegen das altersschwache Perserreich unternahm. In wenigen Jahren hatten die griechischen Waffen Vorderasten unterjocht, Palästina und Aegypten, «|| * »■ für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verband der jüd. Jugendvereine ^liv 0 i _ Deutschlands z. H. d. Herrn Dr. E. Kinkel, Berlin W. 62, Kleiststr. 12, zu richten. St«cktu. Unlv. -01b). Frankfurt/Witln D+0C 317933