Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 11 (1.11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Uittfiliiiiip des Uerdlmdes der jüdislhen ILgendoerme DellWKnds. Nummer 11. Berlin, 1. November 1911. Jahrgang 2. Anzeigen die viergesp. Petitzeile 20 Pf. Reklamen 50 Pf. pro Zeile. GefchSftSstelle: Berlin W., Kleiststrabe 12. - —4 Monatsschrift Preis pro Quartal 00 Pfennig. Einzelverlauf 20 Pfennig. Erscheint am 1. jeden Monats. CVltflrtlf-* Das Friedensideal des Judentums. — Ein Jubiläum. — Jüdische Erziehungsprobleme. — Zur Frage der Beteiliguug au den Kaufmannsgerichtswahlen. — Presseschau. — Bücherbesprechungen. — Briefkasten. — Bervands- Nachrichten: Mitteilungen der Geschäftsstelle. — Aus unseren Vereinen: Protokoll der dritten Vorstandssitzung des Bezirksvervandes der Jüdischen Jugendvereine Nordwestdeutschlands. — Protokoll der ersten Vorstandssttzung des Bezirksverhandes der jüdischen Jugendvereine Westdeutschlands. — Berlin. — Heidelberg. — Solingen. — Cöln. — Mitteilungen des Nordwestdeutschen Bezirksverbandes (II. Delegicrtentag). — Anzeigen. Das Friedensideal des Judentums.*) Ansprache des Rabbiners Dr. Warschauer - Berlin, auf Veranlassung der Deutschen Friedensgesellschaft gehalten in Berlin am 5. April 1911. Neber das Problem, das uns hier beschäftigt, hat einer der besten Männer des neuzeitlichen Judentums, zugleich ein anerkannter deutscher Forscher und Denker, vom Standpunkt wissenschaftlicher, Herbartischer Ethik aus folgendes gesagt (Steinthal, Allg. Ethik, S. 229 Anm.): „. . . . Eine Ethik des Krieges kenne ich nicht — nicht als ob ich leugnete, daß es Kriege gegeben hat und noch geben könne, welche nach der einen Seite als pflichtmäßig anerkannt werden müssen, und daß der Krieg zur llebung vieler Privattugenden Veranlassung gebe. Daraus aber auf die Notwendigkeit der Kriege für ewige Zeiten als eine an sich sittliche Einrichtung, als ein Moment in den Ordnungen Gottes zu schließen, scheint mir eine Sophistik, die der Widerlegung nicht wert ist." Mit der in sittlichen Fragen ihm eigenen Schärfe hat hier unser Ethiker den Standpunkt zum Ausdruck gebracht, den auch das Judentum in dieser hochbedeutsamen, dieser Menschheits - Angelegenheit einnimmt. Mit ihm erkennt auch das Judentuni an, daß es geschichtliche und politische Situationen gibt, in denen der Krieg, für die eine der Parteien mindestens, eine Notwendigkeit, ja eine sittliche Pflicht sein kann. In den Zeiten ihrer selbständigen nationalen Existenz *> Aus dem „Korrespondenzblalt" des Verbandes der deutschen Juden Nr. 9. Alle Zusendungen hat die jüdische Gemeinschaft selber solche Kriege führen müssen. Den Makkabäern, die mit dem Schwerte das Recht der religiösen Wahrheit verteidigten, wird ewig die Menschheit in Dankbarkeit Ruhmeskränze winden. Den heldenmütigen Verteidigern Judäas gegen das völkerverschlingende Rom wird niemand das Zeugnis versagen, daß sie ihren tapferen Arm einer großen, heiligen Sache geliehen haben. Der unvermeidlich gewordene Kampf für das Recht einer großen Idee oder für die nationale Selbstbehauptung, wie er hier geführt ward, kann von keiner Ethik und von keiner Religion mißbilligt werden. Desgleichen müssen beide den hohen Wert der Selbstaufopferung des einzelnen für eine Idee oder eine Gesamtheit anerkennen. Ja, ich möchte nicht verfehlen, auch dies auszusprechen: Daß das Judentum seinen Bekennern besonders die Hingebung für das Vaterland im Kriege zur strengsten, heiligen Pflicht macht und von jedem seiner Söhne, der unter der Fahne steht, im Frieden wie im Kriege die Erfüllung seiner Soldatenpflicht bis in den Tod unbedingt fordert. Dies sind die Zugeständnisse, die unsere Religion dem Beweger des Menschengeschlechts zu machen hat. Aber als eine ewige Notwendigkeit und als ein Moment der sittlichen und göttlichen Weltordnung kann sie ihn nicht gelten lassen. Das Judentum müßte sich sonst mit sich selbst in den tiefsten Widerspruch setzen, sein innerstes Wesen verleugnen, aus dem heraus es die Ueberwindung der Völkerfeindschaft, die Herstellung einer sittlichen Ordnung, die sind an die Adresse: Berband der jüd. Jngendvereine °. E. Finkel, Berlin W„62, Kleiststr, 12, zu richten» Stadtu. Unlv. -llbt. Frankfurt/Main J