Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 10 (1.10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Ulitlriliiiiijni des Uklbandes der jüilWen iMiijniiiurrriiif Hrutldihuiii*.. Nummer 10. Berlin, 1. Oktober 1911. Jahrgang 2. * 3°äef Israels. — Liberaler Sozialismus. — Gedanken über die Tätigkeit der .Jugendvereine. — Jugend und Partei. _ Die Partei eine Gefahr für die Jugend? — Jugendverein und Junglehrerschaft. — Bücherbesprechungen. — Verbands-Nachrichten: Mitteilungen der Geschäftsstelle. — Rednerliste. — Aus unseren Vereinen: Aus dem Rheinisch- Westfälischen Bezirksverbande. — Emden. — Duisburg. — Jüdischer Jugendverein Stargard i. P. — Anzeigen. — Kunstbcilagc: Ein Sohn des alten Volkes. Von Jozcf Israels. Anzeigen die viergesp. Petitzeile 20 Ps. Rellamen 50 Ps. pro Zeile. Geschäftsstelle: Berlin W., Kleiststraße 12. Monatsschrift Preis pro Quartal so Pfennig. Einzelverlaus 20 Pfennig. Erscheint am 1. jeden Monats. Iozef Israels. Von Karl Schwarz. Am 12. August ist Iozef Israels im siebenundachtzigsten Lebensjahre gestorben. Der ehrwürdige Altmeister hat die Augen geschloffen; die greisen Hände, die bis zuletzt den Pinsel und den Stift sicher führten, sind erlahmt. Einer der Größten im Reiche der Kunst ist von uns gegangen. Wem jedoch ein solches Leben bis in die höchsten Tage beschieden war, weit hinaus über die Grenzen des biblischen Alters, wer einen so sonnigen Lebensabend genießen konnte, geliebt und verehrt von Abertausende», ja, von der gesamten kunstliebenden Menschheit, und dem dabei die Beschwerden des Alters erspart geblieben waren, der rüstig bis zum letzten Atemzuge schaffen konnte, — den soll man nicht mit Klagen und Weinen bestatten, sondern mit Preis und Dank. Denn nur wenigen ist es vergönnt, des Lebens Bahn so lange zu beschreiten und auf dem langen Wege segenspendend für die gesamte Menschheit zu wirken. Wir können uns Israels nur als Greis denken, für uns ist die kleine vornübergebeugte Gestalt mit der Brille ein fester Begriff geworden. Und seine Tage schienen uns zurückzugehen bis auf Rembrandt, dessen Geist er wieder zu neuem Leben brachte. Die grau-dämmernde holländische Atmosphäre wußte er wieder in ihrem weichen malerischen Reiz zu geben, Natur und Mensch wurden zu einem organischen Ganzen, die Liebe zum Sein verband sie, eine zarte Lyrik umwehte sie. Aber diese Lyrik ist frei von jeder Sentimentalität, nichts Weichliches oder Süßliches finden wir in ihr, tief hinein in die menschliche Seele leitet sie mit aller Konzentration direkt an die Quelle unseres Empfindens und Denkens. Israels' Bilder wirken wie ein starkes Selbsterleben auf den Beschauer. Die alltäglichen Vorgänge werden zu gewaltigen Dokumenten der Menschheit, die arme Hütte weitet sich zum dunklen Dom, alles gewinnt Leben. Des Meisters Werke sind die Künder seiner Empfindung. Ernst ist er durchs Leben geschritten, mitleidig hat er das geplagte Volk betrachtet, sich in seine Seele vertieft und es in aller Innerlichkeit geschildert. Dort, wo sich das Leben am einfachsten abspielt, bei den Armen und Geplagten, hat er am liebsten geweilt. Er verstand die Sorgen und Leiden dieser Menschen, da er selbst in früher Jugend unter ähnlichen Verhältnissen gelebt hatte, und da er mit inniger Liebe an seinem Volke hing, dessen Geschick es durch Jahrhunderte gewesen, Leid und Mühsal zu ertragen. So hat der große Meister auch sein bedeutendstes Werk seinem Volke geweiht; in dem „Sohn des alten Volkes" hat er sein Fühlen und Denken, sein ganzes Können und seine tiefe Bewunderung für Israels Geschichte zum Ausdruck gebracht und für ewige Zeiten Zeugnis dafür abgelegt, daß er unser war, unser Israels, der jüdischste Künstler, den unser Volk hervorgebracht hat. Und dieser Mann, der am königlichen Hofe mit derselben Achtung und Verehrung begrüßt wurde wie in der Hütte des armen Fischers, dessen Popularität unbegrenzt war, und den Jung und Alt ehrerbietig grüßten, wenn er in den Straßen des Haag spazieren ging, den die gesamte Künstlerwelt als ihren „Altmeister" schätzte, dieser kleine Mann war ein Jude, der stolz auf sein Judentum war. Iozef Israels war am 27. Januar 1824 in Groningen geboren und entstammte einem streng orthodoxen Hause. Der Vater nahm ihn in sein kleines Effektengeschäft, erkannte jedoch bald das künstlerische Talent des Sohnes und gab ihn 1840 zu Jan Krusemann in Alle Mndilnsk« für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verband der jüd. Jugendvercine Deutschlands z.H.d. Herrn Dr. E. Kinkel, Berlin W. 62, Kleiststr. 13, zn richten. — 1 3tadt* u. Unlv.-»lbl. Frankfurt/NUIn