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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-09-01 · 9 (1.9.1911) · p. Seite 19

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
9 (1.9.1911)
Date
1911-09-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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Herr Referendar Kahn, Köln: «Grundlagen und Grundfragen des 19. Jahrhunderts"; Herr Referendar Dr. Regensburger und Herr Plaut, hier: „Die Tagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands in Hannover". An die Vorträge schloß sich meist eine angereite Diskussion und ein gemütliches Beisammensein, das, häufig durch musikalische und deklamatorische Darbietungen verschönt, fast intmer erst nach Mitternacht sein Ende erreichte. Außerdem wurden unsere Mitglieder zu einzelnen, besonders geeigneten Vorträgen des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur eingeladen, dessen reichhaltige Bibliothek uns auf Grund eines mit diesem Verein getroffenen Abkommens zur Benutzung fceisteht. Es waren folgende Vorträge: Herr Arthur Schweriner, Berlin: „Wie stellen sich in Deutschland Regierung, Parlament und Presse zum Judentum?"; Herr Prof. Dr. G o l d st e i n , Darmstadt: „Die geistige Lage der Gegenwart und das Judentum"; Herr Dr. R o s e n t h a l, Berlin: „Tolstoi und die Lehre des Lebens"; Herr Dr. Hirschberg, Berlin: „Die Bibel in der Musik" (mit Erläuterungen am Klavier und durch Gesang). Ferner wäre noch zu berichten, daß wir allgemeine Sederabende eingerichtet haben, die sich einer äußerst zahlreichen Teilnahme erfreuen. Ilm nicht in den Fehler zu verfallen, einen Bericht durchaus schönfärberisch zu gestalten, wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß sich die Idee der Einrichtung von Stenographie- und Sprachkursen — wohl infolge der anderweiten, zahlreichen Gelegenheit — nicht bewährt hat. Nebrigens scheint sich damit die für mittlere Vereine maßgebende Erfahrung zu bestätigen, daß für Gruppenbildungen zu besonderen Zwecken wenig Neigung vorhanden ist. Die reine Geselligkeit kam in unserem Stiftungsfest und einem llnterhaltungsabend, sowie in der von über 200 Personen besuchten Ehanukkaseier zu ihrem Recht. Letztere, eine alljährliche Institution unseres Vereins, ist zur größten und beliebtesten jüdischen Veranstaltung hier geworden. Bei den Vorträgen waren wir wegen der geringen Größe unserer Gemeinde und des in ihr herrschenden erheblichen Mangels an geeigneten Rednern zum Teil aus auswärtige Herren angewiesen. Unsere Mitgliederzahl beträgt (bei einer Gemeinde von ca. 900 Seelen) 87 ordentliche und 83 außerordentliche Mitglieder. Dabei hatten wir im Berichtsjahre unter starkem Fortzuge — ohne entsprechenden Ersatz — zu leiden. Konnten wir daher auch im Rahmen unserer kleinen und schwierigen Verhältnisse nur bescheidene Arbeit verrichten, so hoffen wir doch, etwas an der Hebung jüdischen Fühlens und Denkens, gepaart mit reger Anteilnahme an der allgemeinen vaterländischen Kultur mitgewirkt zu haben, einem Ziel, das uns auch künftig voranleuchten soll. - Alfred Plaut, 1. Schriftführer. brcseld. Jüdischer I u g e n d v e r e i n Moses Di ende! ssohn z u E r e f e l d. Den Bericht über das zweite Jahr unseres Bestehens müssen wir leider mit dem Bekenntnis beginnen, daß sich die Erwartungen, die an die Tätigkeit des Vereins geknüpft worden sind, nicht ganz erfüllt haben. Wenn auch die Arbeit nn Verein eine fortdauernde und anregende war, so ist der äußerliche Erfolg, der in der Ausbreitung des Vereins bestehen soll, doch ein kleiner geblieben, indem sich die Mitgliederzahl nur um ein Geringes erhöhte. Bedauerlich bleibt hierbei, baß gerade die hier in Stellung bkfindlichen, von auswärts zugezogenen jungen Leute (Damen nehmen wir noch nicht als Mitglieder auf) wenig Interesse für die Jugendvereinssache zeigen, obwohl nichts versäumt worden ist, auch sie heranzuziehen. Dagegen haben wir erfreulicherweise eine ausreichende Unterstützung von seiten außerordentlicher Mitglieder zu verzeichnen, deren Zahl derjenigen der aktiven die Wage hält. Aus der Vereinstätigkeit ist zu erwähnen, daß wir von Ansang November 1910 bis Anfang April 1911 8 große Vortragsabende veranstalteten, in welchen teils aus' wärtige, teils einheimische Redner zu Wort kamen. Hierbei darf heivorgehoben werden, daß sich sämtliche Herren unentgeltlich in den Dienst der Jugendbewegung gestellt haben, wofür ihnen auch an dieser Stelle Dank und Anerkennung ausgesprochen sei. Ferner fanden statt: fünf Heimabende, die Referate aktiver Mitglieder brachten und nachfolgende Diskussionen. Außerdem veranstalteten wir einen Rezitationsabend mit Herrn Fritz Richard aus Berlin, einen musikalisch-dekla matorischen Vortrag Sabend mit zweit Mitgliedern des hiesigen Stadttheaters und ein-Wint e rf e st, das überaus gut gelungen ist. Nicht unerwähnt lassen wollen wir, daß ber hiesige Verein für jüdische Geschichte und Literatur auch in diesem Jahre unsern Mitgliedern den Besuch seiner Borträge unentgeltlich gestattete, wodurch unsere Mitglieder vorzüglicheDarbietungen an fünfAb enden genießen konnten. Außerdem beteiligte sich unser Verein durch Entsendung eines Delegierten an der Gründung des westdeutschen Bezirksverbandes, dem er sich sofort angeschlossen hat. Aus obigem ist zu ersehen, daß nichts versäumt worden ist. auch in unserer Stadt für die jüdische Jugendbewegung Propaganda zu machen und wenn auch der Erfolg den Erwartungen nicht ganz entspricht, so wird dieser Umstand den Vorstand erst recht anspornen, seine Tätigkeit noch intensiver äu gestalten. Wir beabsichtigen für ven kommenden H.wbit und Winter noch mehr zu bieten, und die Darbietungen noch sorgfältiger zu wählen, so daß auch Crefeld bald den Platz in ber indischen Jugendbewegung eivn mmt, den es in Anbetracht seiner großen Gemeinde einnehmen muß. S. Moser, 2. Vorsitzender. Uachrrrf! Unser Verein ist von einem entsetzlichen Unglück betroffen morden; die Freude über einen gelungenen Ausflug in schmerzliche Trauer verwandelt. Am Mittwoch den 16. August cc. verschied infolge der beim Zusammenstoß unseres Ausslugsautomobils nlit der Straßenbahn erlittenen Wunden unser treu bewährtes Vorstandsmitglied Frl. Olga Rosentmnb. Ein tragisches Geschick riß sie jäh aus unserer Mitte. Ausgestattet mit glänzenden Gaben des Herzens und Geistes erwarb sie sich durch ihr Wirken große Verdienste um das Wachslunr unseres Vereins, wie sie uns stets ein leuchtendes Vorbild von Pflichterfüllung gewesen. Ihr heiteres Gemüt hat viel zum Gelingen unserer Veranstaltungen beigetragen. So stehen wir jammernd an der Bahre der so früh Heimgegangenen. Ihr Andenken wird in unseren Herzen dauernd festgehalten werden, unsere Dankbarkeit ist ihr gesichert weit über das Grab hinaus. Der Vorstand der« Indischen Jngendvereins Königshütte. Krotowskt», Vorsitzender. 19

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