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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-09-01 · 9 (1.9.1911) · p. Seite 8

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
9 (1.9.1911)
Date
1911-09-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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weiligen Aussprachen günstigere Erfahrungen gemacht zu ha ben. Diesem Umstande trug man auf der letzten Verbandstagung in Hannover Rechnung, indem man zu der Resolution kam, daß derartige Erörterungen mit dem Prinzips der Neutralität sich vertrügen und daher den Verbandsvereinen nicht verwehrt sein sollten. Für jeden, der das Wesen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine, seine Auffassung von „Neutralität" aber auch nur einigermaßen kennt, kann es auch nicht dem leisesten Zweifel unterliegen, daß der Verband jede Verquickung von parteipolitischer oder «religiöser Propaganda mit solchen Diskussionen nicht nur verpönt, sondern als eine Verletzung des die Wahrung der „Neutralität" heischenden Verbandsstatutes erachten und ahnden würde. Nach diesen Erwägungen wird man es verstehen, daß wir die „Neutralität" der im „Verbände der jüdischen Jugendvereine" zusammengeschloffenen Jugendorganisationen nicht als etwas Entbehrliches oder gar als Stagnation und Schwächlichkeit betrachten, daß wir vielmehr in ihr eine Kraft sehen, die imstande sein wird, die große, heute noch recht zerrissen anmutende Masse der jüdischen Jugend Deutschlands zu einer gewaltigen Phalanx zusammenzuschließen. In einer Fußnote zu diesen meinen Ausführungen bemerkt die Redaktion des „Familienblattes", sie sehe trotzdem nicht ein, was sich gegen ihren Vorschlag, auch Vereine mit bestimmter religiöser oder politischer Tendenz „im Verbände" aufzunehmen, einwenden lasse. Wenn Berbandsleitung und Tagung neutral bleiben, wo sollten die Kämpfe entstehen? Demgegenüber ist unseres Erachtens in aller Kürze nur das noch zu vermerken, daß — von allem anderen abgesehen, was ich eingehend erörterte, — ein Verband von Vereinen undenkbar ist, die in der Auffassung von den Aufgaben der jüdischen Jugend vereine völlig von einander divergieren. Wir wollen Bildungsstätte vorurteilsfreier, reifer junger Juden sein und können daher keine gemeinsame Basis mit Vereinen finden, die entweder in ihren Reihen den Kampf der verschiedenen Parteien sich austoben lassen oder qber — wenn alle Mitglieder einer Richtung angehören, — Propaganda für ihre einseitige Parteiaussaffung betreiben wollen. Ausschließlich der zweifelsohne allen jüdischen Jugendorganisationen eignende Wille, die jungen Leute zu guten, bewußten Juden zu erziehen. — kann als einigendes Band nicht ausreichen, wo die einzelnen Glieder über den W e g zu diesem Ziele grundverschiedener Meinung sind. Das wäre eine zu schmale Einigungsbasts, — es wäre denn, daß der Verband nichts sein wollte als eine rein repräsentative Institution. Dazu bedürft« es jedoch nicht des großen Apparates eines jüdischen Jugendverbandes mit seinem reichen, positiven Programme. Jeder Verbandsverein hat die Pflicht, die Namen derjenigen Mitglieder, die aus dem Orte seines Bereinssitzes wegziehen, der Geschäftsstelle des Verbandes unter gleichzeitiger Angabe des netten Wohnortes und der neuen Wohnung des Wegziehenden mitzuteilen. Der Berbandsverein des neuen Wohnsitzes hat die Pflicht, den neu Hiiizugezogenen zum Eintritt zu bewegen und etwaige finanzielle Boransleistungen in den Vereinen des früheren Wohnsitzes in angenieffcilcr Weise in Anrechnung zu bringen. Von der Mitteilung an die Geschäftsstelle ist jedoch dann abzusehen, wenn der Verein des bisherigen Wohnsitzes die Überzeugung gewonnen hat, daß das ausscheidende Mitglied wegen persönlicher Nnehrenhaftigkeit deni Verbände nicht zur Zierde gereicht. sBorstandsbeschluß von 4. Dezember 1910.1 Presseschau. (Makertalsammluna rar Frage der jüdischen Jugendbewegung.) Zusanlmengestellt und mit einigen persönlichen Anmerkungen versehen von vr. Alfred Apfel. In der Monatsschrift „Liberales Judentum" (Nr. 6 und 7) lesen wir: „Wir jungen liberalen Juden. Bon Adolf Philippsborn-Berlin. In Nr. 3 dieser Monatsschrift sucht Max Alkan den Nachweis zu führen, daß der „Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands", der die Parität der einzelnen Verbandsvereine zum Prinzip erhoben hat, sich damit auf einer Phrase aufgebaut hat, einer Phrase, die darum so gefährlich ist, weil sie die Aufmerksamkeit ihrer begeisterten Verfechter von dem gefährlichsten Feind der jüdischen Jugend ablenkt, der den herrlichen Bau der jüdischen Religion zu unterwühlen droht, und dieser Feind ist der Z i o n i s m u s. Welche nicht zu unterschätzende Gefahr diese Bewegung für das Judentum bildet, das müssen dem. der es noch nicht gewußt hat, die Ausführungen unseres Freundes Goldmann- Oppeln über „Zionismus oder Liberalismus — Atheismus oder Religion" mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt haben, und wie richtig die Goldmannsche Theorie von der Entj u d u n g d es I u d e n t u ms durch denZionismus ist, davon zeugt die Erklärung des Herrn Rabbiner Dr. Joseph. Stolp, eines von seinen Gesinnungsgenossen begeistert umjubelten Zionisten. Was das Schwerwiegende an Josephs Ausführungen ist, das ist nicht die Tatsache, daß irgendein Zionist von untergeordneter Bedeutung der Ansicht ist, man könne sich in religiöser Hinsicht zum Christentum bekennen und doch ein guter Nationaljude sein; wäre das der Fall, man könnte über diese Meinung mit einem Lächeln des Mitleids für ihren Vertreter zur Tagesordnung übergehen. Aber Joseph ist ein Mann, dessen Namen unter seinen Freunden mit Achtung genannt wird, er ist «der Verfasser des von zionistischer Seite anerkannten Baches „Das Judentum am Scheidewege", ist einer der geistigen Führer seiner Partei, er ist Rabbineri Bisher war es die Aufgabe des Rabbiners, für den Fortbestand unserer Religion zu sorgen, bisher glaubte man, daß das Bekenntnis zum Schma Jisroöl Grundlage allen Judentums sei, und nun wird uns liberalen Juden, die wir doch „religionslos", „antijüdisch", ja sogar antisemitisch gesinnt sein sollen, von einem berufenen Vertreter unserer Religion gesagt — so kann man doch nur die Erklärung des Herrn Dr. Joseph interpretieren — wir bekämpfen euch, weil ihr an der jüdischen Religion festhaltet, weil ihr für die sittlichen Ideen der heiligen Schrift eintretet. Seid religionslos, leugnet das Dasein Gottes, ihr seid doch gute Juden, wenn ihr nur an die Existenz des jüdischen Volkes glaubt. Es mag scheinen, als ob ich mit diesen Ausführungen von dem Thema, das ich mir gestellt habe, abgewichen bin, aber diese kurze Betrachtung ist nötig zur Erklärung der Stellung, die der „Jüdisch-liberale Jugendverein Berlin", der auf einer religiösen Basis beruht, dem Zionismus gegenüber einnehmen muß. Sie gehört auch hierher, weil sonst dem Leser, der die Sachlage nicht kennt, meine nächsten Ausführungen teilweise unverständlich bleiben. Denn der eingangs erwähnte Verband, der bisher wenigstens dem äußeren Anschein nach sich noch „neutral" nennen und daher vielleicht von seinem Standpunkte aus mit einem kleinen Schein — ich sage Schein — von Berechtigung die liberale Jugendbewegung bekämpfen durfte, hat seit seiner letzten Delegiertenversammlung im März d. I. dieses Recht vollkommen verwirkt, wurde doch dort folgender, von zionistischer Seite gestellter Antrag angenommen: „Die Delegiertenversammlung fordert die Verbandsvereine, in deren Statuten noch der Passus enthalten ist, daß religiöse und politische Themata nicht diskutiert werden dürfen, aus, diesen Absatz zu streichen, da er sich mit dem Wesen der jüdischen Jugendbewegung nicht verträgt. Die Delegtertenversammlung gibt der Hoffnung Ausdruck, daß keinerlei Befürchtungen oder Bedenken einen Verein hindern 8

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