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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-01-01 · 1 (1.1.1911) · p. Seite 15

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
1 (1.1.1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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dem letzteren Vortrag schloß sich eine sehr lebhafte, vielseitige Diskussion an. Die Versammlungen sind sonst leidlich gut besucht; es ist zu hoffen, daß das Interesse für jüdische Dinge auch in Stettin gute Fortschritte machen wird. Am 21. Nov. fuhren 3 Mitglieder nach Stargard i. P., und nahmen tätigen Anteil an der Gründung des dortigen Jüd. Jugendbundes. Das Gedeihen des dortigen Vereins scheint unbedingt gesichert zu sein. Bereits am Gründungsabend meldeten 22 Herren und 9 Damen ihre Mitgliedschaft an. Halberstadt. Der Beread Lehmann-Verein zur Förderung der idealen Interessen jüdischer junger Kaufleute in Halberstadt hat bei den im Dezember stattgesundenen Wahlen zu den Kausmannsgerichten wieder eine wirksame Agitation entfaltet. Es handelte sich, wie in früheren Fällen, wieder darum, zu verhindern, daß der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband die Zahl seiner Sitze bei dem Kaufmannsgericht vermehrt, und dies ist auch vollkommen gelungen. Es gelang uns, von den zehn Beisitzern zwei Mitglieder unseres Vereins durckzubringen, nämlich die Herren Alex Gros; i. H. Willh Cohn und Jsak Rothenberg i. H. Aron Hirsch & Sohn. — Von den übrigen Mandaten erhielten der Deutschnationale Handlungsgehilsenverband drei, der Verband Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig ebenfalls drei und der Verein der Handlungskommis vom Jahre 1858 (zu Hamburg) zwei. Thor». Am G. v. M hielt unser Verein seinen ersten diesjährigen Gesellschaftsabend mit Damen ab. Er war sehr stark besucht und nahm einen recht angeregten Verlauf. Eröffnet wurde der Abend durch einen Vortrag über „Detlev v. Liliencron", an den sich Rezitationen Liliencronscher Dichningen anschlossen. Musikalische, deklamatorische und gesangliche Darbietungen wechselten dann in bunter Reihenfolge ab. Die erste Operettensängerin des hiesigen Stadttheaters, Frl. Joseph», hatte der an sie ergangenen Einladung Folge geleistet und errang durch den prächtigen Vortrag Schumannscher Lieder lebhaftesten Beifall. Der außerordentliche Anklang, den diese Veranstaltung allseitig gefunden hat, führte zu dem Entschluß, in demselben Rahmen auch die Chanukka-Feier zu veranstalten. Erwin Salomon. Königshütte. Unser Jüdischer Jugend-Verein, der sich der Sympathie der Michael Sachs-Loge und weiter Kreise in msterer Gemeinde erfreut und sich recht günstig entwickelt, veranstaltete am 18. Dezember einen Liederabend, für den es uns gelungen war, Herrn Dr. Pinczower-Kattowitz zu gcwinnen. Herr Dr. Pinczower, dessen Vortrag hier vor einigen Jahren noch in bestem Gedenken ist, brachte auch diesmal in geradezu klassischer Art und unter dem größten Beifall der Anwesenden „Jargonlicder" ernsten und heiteren Inhalts aus dem östlichen Milieu unserer Glaubensgenossen zum Vortrag. — Die Veranstaltung erfreute sich eines recht regen Besuches und hielt alle Anwesenden in angeregtester Stimmung bis um Mitternacht zusanimen. — Am 1. Januar veranstalten wir unsere diesjährige Makkabäerfeier. — Am 13. Januar findet dann unsere erste große Frettagabendveranstaltung statt, zu der die Vorbereitungen im besten Gange sind. Es ist ein reichhaltiges Programm vorgesehen. Herr Alfred Krotowsky wird dabei ein Referat über das Wirken Sir Moses Montestore's halten. Die Veranstaltung beginnt um 9 Uhr abends. Ostrowo. Der weibliche jüdische Jugendbund eröffnete das Winterjemester mit einem Vortrag des Ehrenvorsitzenden, des Herrn Rabbiner Dr. Neuhaus, über das Wesen des Talmuds, woran sich eine kurze Diskussion anknüpfte. — Die Mitgliederzahl des Jugendbundes hat sich aus 35 erhöht, Vorsitzende des Vereins ist, wie im Vorjahre, Fräulein Maria Hirsch. — In der zweiten Sitzung des neuen Semesters jand ein gemüllicher Teeabend statt, an dem alle Mitglieder tetlnahmen. Klaviervorträge, launige Gesellschaftsspiele wechselten mit einander ab. — Rach jeder Sitzung sindet, was hervorgehoben sei, ein hebräischer Sprachkursus statt, an dem 14 Mitglieder teilnehme» ilnd den, wie im Vorjahre, unser Rabbiner, Herr Dr. Ne uh aus, leitet. — Für die Folge sind bereits einige Vorträge seitens der Mitglieder aber „Zionismus" und „Wesen des Judentums" angemeldet. Ostrowo. Der israelitische Fortbildungsverein eröffnete das neue Semester mit einem Vortrag des Herrn Callomon über den Zionismus, der allseitigen Beifall durch die Objektivität der Ausführungen fand. Eine längere Diskussion schloß sich an. Der Verein zählt ca. 2b Mitglieder (es werden nur junge Leute bis zum 28. Lebensjahre ausgenommen) und hat an jedem Mittwoch Sitzung in den Räumen der Egerloge, die diese sreundlichst zur Verfügung gestellt hat. Es sollen in diesem Semester besondere Kurse eingerichtet werden, so in Stenographie, hebräischer Sprache usw., die teilweise bereits begonnen haben. Briefkasten. BreSlau. Herr Felix Meyer in Frankfurt a. M., wo solche Freitagabende seit längerer Zeit vom Verein Montesiore veranstaltet werden, hatte die Freundlichkeit, ihre Fragen folgendermaßen zu beantworten: 1. Sie fragen: Wird den Verreinsmitgliedern in den Vereinen, in denen „Freitagabende" bereits eingeführt sind, Gelegenheit geboten, vor Beginn des eigentlichen Vereinsabends gemeinschastlich die Abendmahlzeit einzunehmen? — Er antwortet darauf: Gemeinschaftliches Abendessen ist bei uns nicht eingeführt, da unsere Vereinsräume noch keinen größeren Restaurationsbetrieb haben. Wo sich aber ein solcher ermöglichen läßt, wäre ein gemeinsames Soltper durchaus zu begrüßen. — Ihre weitere Frage: Nehmen auch in den Vereinen. welche Damen als Mitglieder nicht aufnehmen, Damen an den Freitagabenden teil? beantwortet er dahin: Gegen die Teilnahme von Damen, auch Nichtmitgliedern, ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil, die Gemütlichkeit und die Stimmung könnte dadurch sicherlich gehoben werden, wenn vielleicht einige junge Damen das Servieren von Tee ec. übernehmen würden. Auch würde de» jungen Leuten damit besser die Häuslichkeit ersetzt, die bekanntlich gerade an den Freitagabenden am schmerzlichsten vermißt wird. Ob diese Abende durchgängig dem Zwecke der Belehrung dienen oder nicht vielmehr in erster Linie erstrebt werden soll, den jungen Leuten den Freitagabend als einen Ersatz für die Häuslichkeit zu bieten und zu edler Geselligkeit zu vereinen? kann nur dahin beantwortet werden, daß unser Verein, im Gegensatz zu Cöln, cs vermeidet, zu viel Belehrung an den Freitagabenden zu bieten; er ist gerade bemüht, im Sinne Ihrer Anfrage, gesellige und gemütliche Stimmung durch Einzclvorträge junger Leute, durch Lieder usw. hervorzurufen. Allerdings dürste es angebracht sein, zu Beginn der Abende durch geeignete Herren in einer Ansprache von höchstens 15 bis 20 Minuten einmal auf die Bedeutung des Sabbathgedankens, dann vielleicht ein anderes Mal über die Sidrah sprechen zu lassen. Sonst ist aber durchaus für zwanglose Geselligkeit Raum und Zeit zu lassen. Wenn Sie dann schließlich weiter fragen, ob von orthodoxer Seite irgend wie Anstoß an der religionsgesetzlich wohl zulässigen Einrichtung in der Hinsicht genommen worden ist, daß Kiddusch gemacht wird, ohne daß eine eigentliche Mahlzeit sich daran auschließt, so ist darauf zu erwidern, daß gegen das Kidduschmachen zum Beginne der Freitagabende nichts einzuwenden ist, lvie von orthodoxer Seite bestätigt wird. Eine direkte Notwendigkeit zu dieser Einrichtung liegt allerdings wohl kaum vor; sie ist z. B. hier bei uns nicht eingeführt. (Wir würden jedoch in jedem Falle empfehlen, über die Zulässigkeit erst den Herrn Ortsrabbiner zu befragen. Redaktion). A. E. in M. Sie haben recht; die Artikel unseres Verbandsorgans sollen nicht blos gelesen, sondern eingehend in den Vereinen besprochen werden. Denn die Aufsätze in unseren „Mitteilungen" sind init Absicht jo gehalten und gewählt, um die Vereinsmitglieder über Erscheinungen im jüd. Leben zu informieren, insbesondere aber die jungen Juden zum Nachdenken über die einzelnen Materien anzuregen. — Werden die Artikel der „Mitteilungen" im Referate regelmäßig verwendet werden, so werden selbst die kleinsten Vereine über Stoffmangel sich nicht beklagen können. — 15

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