Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 3 (1912)
- Issue
- 6 (1.6.1912)
- Date
- 1912-06-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Posen. Vorsitzender: Referendar Krombach, Briefadreffe: M. Zerkowski, Dominikanerstr. 7. Schneide mühl. Vorsitzender und Briefadreffe: Apotheker Bernstein. Marburg. Vorsitzender und Briefadreffe: Joseph Berg bei Herrn Meinhard Berg, Langestr. 24. Wesel. Briefadreffe: Frl. Frieda Marx, Gr. Markt 3. Aachen. lMädckenverein). Vorsitzende und Briefadreffe: Frl. Änne Strauß, Lagerhausstr. 29. Nordhausen. (Mädchenverein). Rabbiner Dr. Alfred Levy. _ Wir machen unsere Leser auf den Artikel „Adolf Stöcker" in dieser Nummer besonders aufmerksam, den wir mit Genehmigung der Redaktion der K. 0 -Blätter und des Verfassers gebracht haben. Die Mitglieder der Jugendvereine, die die antisemitischen Kämpfe selbst nicht miterlebt haben, werden aus diesem Artikel viel lernen. Spenden für die Müdchenorganifntton. Max Schönenberg.M. 5.— Edmund Levy.M. 3.— Aus unseren Vereinen. Kattowitz. (Jüdischer Jugendbund.) In der Mitgliederversammlung vom 13. 6. cr. erstattete der Vorsitzende, Herr Siegm. Rappaport, Bericht über die Tätigkeit im Wintersemester. Seinen Ausführungen ist folgendes zu entnehmen: „Die Verhältniffe zu Beginn des Vereinsjahres seien ziemlich unerfreuliche gewesen: Zahlreiche Mitgliederaustritte infolge der Spaltung, Desorg anisalion im Innern, schlechte Finanzlage, Schädigung des Renommees des Vereins infolge der tumultuösen Vorgänge in den außerordentlichen General- Versammlungen. Die Aufgabe im neuen Vereinsjahr war es nun, die Ordnung wiederherzustellen, die innere Organisation zu befestigen und durch Aufstellung eines Positiven Programms dem Verein neue Werbekraft zu verleihen. Vor allem aber sollte durch die Schaffung eines einbeitlichen Geistes unter den Mitgliedern eine stetige und gesunde Entwicklung des Vereins sichergestellt werden. Es wurde der Beschluß gefaßt und durchgeführt, daß Mitglieder vom jüdischen Jugendbunde gleichzeitig nicht dem n eubcgründeten Verein angehören dürfen. Die Tätigkeit erstreckte sich in erster Linie aus Abhaltung der regelmäßigen Wochenversammlungen mit Vortrag. Diskussion und geselligem Teil. Der Besuch war fast durchweg so stark, daß die Räume nicht ausretchten. Eine Ueberstcht über das Vortragsprogramm zeigt das erfolgreiche Bestreben nach Systematisierung der darzubietenden Stoffe. Es sprachen über jüdisch-wissenschaftliche Themen: Rabb. Dr. Dienemann-Ratibor: Der Talmud, sein Wesen und seine Bedeutung; Lehrer Eiscnberg-Beuthen: Die soziale Idee in Bibel und Talmud. Jüdisch-aktuelle Probleme: Dr. Walter Steinitz-Breslau: Die Bedeutung dos Raffenfaktors für die Kultur. Rabb. Dr. Goldmann-Oppeln: Die Berufswahl der jüdischen Jugend. Frau Edith Lachmann-Königshütte: Die sozialen Aufgaben der modernen Jüdin. Dr. Greifenhagen-Stettin: Die Bedeutung von Turnen und Sport für di« Juden. Jüdische Tagesfragen wurden behandelt in den Referaten von R eserendar Ehrlich-Kattowitz: WaS lehrt uns der Metternich -Prozeß? Dr. Schutz und Siegmund Rappaport- Kattowitz: Revue der jüdischen Presse. Die Wirksamkeit der großen jüdischen Organisationen wurde gewürdigt in Vorträgen der Herren Rechtsanwalt Lachmann-Königshütle: Die Arbeit des Hilfsvereins der deutschen Juden, und Arnold Wiener: Bericht über den Judentag und die Alliancetagung. U e b e r die Richtungen im deutschen Judentum sprachen in einem zusammenhängenden Zyklus: Rabb. Dr. Goldmann-Oppeln : Liberales Judentum, Rabb. Dr. Königsberger-Pleschen: Orthodoxie, und Parteisekretär Rosenbaum- Borlin: Nalionaljudentum. Von diversen Veranstaltungen sind noch zu nennen: der Vortrag von Rabb. Dr. Goldschmidt-Köntgshütte: Ein Tag in Kairo, Oberlehrer Dr. Unna: Shakespeares Shylock, vor allem aber die öffentliche, von über 400 Personen besnchte Versammlung, in welcher der Verbandsprästdent Herr Rechtsanwalt Dr. Apfel über „Jugend und Judentum" sprach. Wie alljährlich wurden unter Leitung von Dr. Pinczower öffentliche Sederabende von uns abgehalten, die sich einer steigenden Anteilnahme erfrenen. Durch Vertrag mit der Direktion des Savoy-Hotels sicherten wir uns ein sehr schönes Versammlungslokal und eigenes Bibliothekszimmer, in welchem an unseren Versammlungsabenden die uns vom Literaturverein zur Verfügung gestellte Bibliothek an unsere Mitglieder und diejenigen der die Bibliothek mitbenutzenden Vereine ausgegeben wird. Vorsitzender unserer Bibliothekskommission ist Herr Joachim Koppler. Die Bestrebungen auf Schaffung eines eigenen Vereinslokals werden von uns mit größter Energie weiterverfolgt. In chronologischer Reihenfolge fanden von geselligen Veranstaltungen statt: Simchas-Tvvrafeicr (Festrede: Rabb. Dr. Winter-Myslowitz), Fünfuhrtee zu Ehren der Anwesenheit von Dr. Apfel, Ehanukafeier mit Festrede (Dr. Dobrczinsky- Beuthen), Winterspaziergang nach Ochojetz, Lag-beaumer- Kränzchen, Mai-Morgenspaziergang nach Wilhelmstal und etliche Kommerse und Ausflüge der Turnabteiluug. Die Einrichtung der Kindernachmittage konnte im letzten Winter nicht mehr aufrechterhalten werden, weil uns der benötigte Saal im Gemeindehaus trotz der Befürwortung seitens des Vorstandes von der Repräsentantenversammlung nicht zur Beringung gestellt wurde. Unter Leitung von Frau Golda Wiener veranstalteten wir zwei Chanuka-Kinderfeiern, an denen fast 200 Kinder von Gemeindemitgliedern teilnahmen. Zu den Veranstaltungen des Literaturvereins und der zionistischen Ortsgruppe waren wir regelmäßig eingeladen. In der Erkenntnis, daß die wertvollste und erfolgversprechendste Arbeit eines Jugendvereines in der Pflege von Turnen und Sport liegt, haben wir uns die Ausgestaltung unserer Turnabteilungen mit größter Energie angelegen sein lassen. Dieselben umsaffen jetzt 70 Mitglieder/ die sich bis auf einen verschwindenden Prozentsatz regelmäßig aktiv am Turnen beteiligen. Für den Sommer ist Angliederung von Sport-, Spiel- und Wandergruppen geplant. Der Erfolg der Arbeit des Wintersemesters befriedigt uns in höchstem Maße. Es ist uns nicht nur gelungen, die durch die Spaltung und die Wirrungen des vorigen Sommers hervorgerufenen Mitgliederaustritte wieder weit zu machen, sondern auch eine Konsolidierung des Mitgliederbestandes herbeizuführen, der uns für die Entwickelung des Vereins zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Wir verfügen bereits jetzt über einen großen Stamm arbeitsfreudiger, für die Ziele unseres Vereins begeisterter Kräfte und sind auf dem besten Wege, ein für das Leben der hiesigen Gemeinde unentbehrlicher Faktor zu werden " Im Anschluß an diesen mit lebhafter Zustimmung aufgenommenen Bericht referierte Herr Referendar Ehrlich über die Aufgaben des Soimners. Es wurde eine Kommission, bestehend aus den Herren Apotheker Rosenthal. Kurt Juliusberger, Hugo Kochmann, Leo Kaplan, Josef Lachmann und Hans R. Zweig, zur Vorbereitung von Wanderungen, volkstümlichen Spielen und Ausflügen eingesetzt. Die Einrichtungen für sportliche Betätigung (Schwimmkurse, Luft-, Licht- und Sonnenbad, Tennis) wurden den Mitgliedern zur Benutzung dringend empfohlen. Der 1. Schriftführer: Joachim K ö p p l e r. 13