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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1912-05-01 · 5 (1.5.1912) · p. Seite 1

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
3 (1912)
Issue
5 (1.5.1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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Monatsschrift Prei» pro Quartal SO Pfennig. öinzcworkauf 20 Pfennig. Erscheint am 1. jeden Monats. iHittriliiiujni Anzeigen die viergefp. Petitzeile SO Pf. Reklamen BO Pf. pro Zeile. «efchäfttstelle: Berlin W., Kleiststraße 12. ^-TT—TT ■ ■ . : if des Uerdandes der jüdische« Illgendverme Deutschlands. Nummer 8. Berlin. 1. Mat 1912. Jahrgang 3. Sommerarbeit in den Jugendvereinen. — Zur Organisation der weiblichen jüdischen Jugend. — Sephardisch oder Aschkenasisch? — Bücherbesprechungen. >— Verbands-Nachrichten: Der zweite Westdeutsche Berbandstag. — Mitteilungen der Geschäftsstelle. — Aus unseren Vereinen: Frankfurt a M.; Kraudenz; Katiowitz; Stargard i. P. — Notizen. — Anzeigen. Sornrnrrarbrit in den Iugendvrrrinen. (Bgl. Nr. 7/8 des Jahrg. ll dieser Zeitschrift.) Die Arbeit eines langen Winters liegt wieder hinter, uns; das bedeutet für die meisten unserer Jugendvereine ein Versinken in einen langen Sommerschlaf. Hörte ich doch erst kürzlich vom Vorsitzenden eines größeren, im Winter vorzüglich arbeitenden Vereins, daß es ihm nicht möglich sei, nach Ostern die Mitglieder — auch nicht zu den interessantesten Themen — zusammenzubekommen. Schon einmal wies ich an dieser Stelle auf die mannigfachen Schäden hin, die unserem Vereinsleben durch ein solches zeitweises Aufhören jeder Betätigung erwüchsen. Wie ich aus einer Reihe von Vereinen vernommen habe, ist erfreulicher Weise inzwischen manches getan, das als eine „'S ommera r b e it" der Jugendvereine angesprochen iverden darf. Vor allem hat man erheblicheren Wert auf die Gründung von Wandergruppen gelegt und hat in der freien Natur gesellige Zusammenkünfte mit Spiel und Tanz veranstaltet. - Ferner hörte ich, daß der „Montefiore-Verein" in Frankfurt mit großem Erfolge versucht hat, die Vereinsmitglieder allwöchentlich in einem Gartenlokal zu ernsten Diskussionen zu vereinigen. Und doch möchte ich gerade im Hinblick hierauf ein Bedenken wagen, ohne damit selbstverständlich irgendwie diese hocherfreuliche neue Frankfurter Institution bemängeln zu wollen. So freudig es auch zu begrüßen ist, daß auch in den Sommermonaten das geistige Leben in unseren Vereinen nicht völlig erlischt und das „Wintersemester möglichst lange ausgedehnt >vird, scheint es mir doch wünschenswert, daß wir im Sommer versuchen, allmählich ein anderes, spezielles Programm in den Jugendvereinen zur Durchführung zu bringen. Insbesondere aus zwei Gründen: In den ersten Monaten unserer Wintertätigkeit können wir immer wieder die Beobachtung machen, daß unsere Veranstaltungen eine große ^Anziehungskraft auch dann ausüben, wenn nichts Außergewöhnliches an Rednern und Vorträgen geboten wird; unsere Mitglieder sehnen sich eben nach einer längeren Pause wieder nach geistiger Ko,st, die Vortragsveranstaltungen üben wieder den Reiz des Neuen aus. Weit mehr aber muß uns ein zweiter, tieferer Grund zur Spezialisierung unserer Sommerarbeit bestimmen. Es muß immer wieder betont werden, wie sehr sich unsere jüdischen Jugendvereine der körperlichen Ausbildung ihrer Mitglieder widmen müssen. Die Bezirkstagüng der westdeutschen Jugendvereine hat in überaus dankenswerter Weise die Frage der Körperpflege und insbesondere die Pflege des Turnens in den Jugendvereinen als einen besonderen Verhandlungsgegenstand auf die Tagesordnung gesetzt. Mögen von dort nachhaltige Wirkungen ausgehen. Denn leider muß berechtigte Klage darüber geführt werden, daß unsere jüdische Jugend in dieser Beziehung ein ungemein schwieriges Material ist. Theoretisch freilich sehen unsere jungen Mitglieder längst ein, wie notwendig ihnen eine bessere körperliche Ausbildung, vor allen! für die Erfüllung ihrer Wehrpflicht ist, in der Praxis aber leiden die Wanderungen an einer erschreckend geringen Beteiligung, steht der Gesuch der Spiel- und Turnplätze in keinem, auch nur annäherndem Verhältnis zu der Frequenz unserer Vorträge. Gerade den Somnrer, der körperliche Uebungen, vor allem den Sport so besonders begünstigt, sollten deshalb die Leiter unserer Jugendvereine dazu benutzen, auf diesem Gebiete unserer Aufgaben eine rege Tätigkeit zu entfalten, so schwer die Arbeit auch sein mag, und so geringe Erfolge vielleicht auch zunächst zu verzeichnen sein iverden. Aber steter Tropfen muß den Stein höhlen. Denn solange wir nicht in unserer jüdischen Jugend Liebe, ja Begeisterung für die Pflege des Sports und des Turnens geweckt haben, wird unsere Arbeit stets nur halb getan sein. Geistige und körperliche Regeneration ist erst die volle Lösung unserer großen Aufgabe der Erziehung eines neuen, besseren, aufrechten jüdischen Geschlechtes. Möge der kommende Sommer uns diesem Ziele ein gutes Wegstück näher bringen! •) Hannover, im März 1912. A. Lichtenberg. •*) Vgl. ferner in dieser Nummer: Der zweite Westdeutsche Bezirkstag, die Referate des Dr. Ist K a h u (Praktische Arbeitsmethoden) und Dr. Schuster, Aachen (Die Turnfrage).' D.R.

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