Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 1 (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Den IUG6r\f}BUND miTTfeaunGen Des vecBAnoes oep JÜDlSCHCn JUG6nOV£ß€in€ 0eUT5CM«-flnD5 18. Jahrganq Düsseldorf, Februar 1932 Nummer 1 Rückblick Am 11. Februar d. J. findet in Frankfurt a. M.. Eschersheimer Landstraße 65, vormittags 9 Uhr, die Hauptvorstnndssitzung des Verbandes der Jüdischen Jugendvoreine Deutschlands statt, welche in diesem Jahr öffentlich Ist. Wir bitton alle Vereine, denen es möglich ist, «•inen Vertreter nach Frankfurt zu entsenden. Wir werden in der nächsten Nummer des „Jugonrtbund" ausführlich über die Sitzung berichten. Es ist bedauerlich, daß gerade in einer Zeit wie der unseren die Abhaltung einer Delegiertentagung unmöglich ist. Die heutige Situation verlangt geradezu nach einer Auseinandersetzung auf breitester Basis. Die verschiedenen Meinungsäußerungen der Verbands'reunde im letzten Jahr in unserer Zeitschrift haben gezeigt, wie sehr man sich mit den Fragen der Zeit, vernehmlich mit den politischen Fragen, abmüht. Die politische Frage ist aber nicht nur eine Frage des einzelnen, sie ist in nicht zu unterschätzendem Maße eine Frage der Gesamtheit, der jüdischen Gesamtheit. Deshalb ist. es bei' uns jungen Juden nicht allein damit getan, zu fragen, wie lehne ich aus meiner persönlichen Haltung diese oder jene Partei ab, um mich zu jener anderen zu bekennen, sondern wir müssen, wenn es. .uns ernst um unser Judentum als Zukunftsgemeinschaft ist, werter fragen: Wie gibt uns die Partei, zu der wir uns menschlich hingezogen fühlen, Raum, unsere jüdischen Ideen zu verwirklichen? Drei wesentliche Richtungen sind es, die dem deutschen Menschen heute entgegentreten, zu denen er Stellung nehmen muß: die nationalsozialistische, die kommunistische und neuerdings die „Eiserne Front". Unsere Haltung zum Nationalsozialismus ist natürlicherweise durch seine Haltung zu ans Juden bestimmt, wir fühlen uns im Falle eines Sieges dieser Richtung in unserer materiellen Existenz bedroht und setzen uns mit ebensolcher Naturnotwendigkeit gegen sie zur Wehr. Hingegen sind viele unserer Menschen auf der kommunistischen Seite, da sowohl das wirtschaftliche als auch das soziale Ziel des Kommunismus dieser Gruppe jüdischer Menschen durchaus zusagt. Diese jüdischen Menschen stehen jedoch leider den jüdischen Fragen der Zeit wie denen der Zukunft uninteressiert gegenüber, sie glauben, daß mit der Lösung der Wirtschaftsfragen die Judenfrage von selbst gelöst werde. Sie sehen nicht, daß es abseits von der objektiven Judenfrage noch eine subjektive innerjüdische Judeafrage gibt. Die Gefahr der Aufgabe unserer Besonderheit zugunsten des Proletariats ist nicht minder groß wie die Aufgabe lüdischer Eigenart und jüdischer Werte der alten Generation zugunsten des Bürgertums. Es ist nur eine Verschiebung der Fronten der Assimilation, es bleibt aber Assimilation. Der heutige praktische, will sagen parteidoktrinäre Kommunismus erfordert die Preisgabe des Judentums, während der Kommunismus in seiner Idee der Assimilation vollkommen neutral gegenübersteht. Wenn wir also hier auf eine Gefahr für die jüdische Gemeinschaft und ihren Fortbestand aufmerksam machen, so nur unter dem Gesichtspunkt rein praktischer Erwägungen, nicht wegen grundsätzlicher Erwägungen über irgendeinen -ismus. Bleibt nur die „Eiserne Front", die gerade erst sich gebildet, über die man also noch keine gültige Aussage machen kann. Soviel steht aber ohne Frage fest, daß die Kieise, die zu ihrer Bildung aufgerufen haben, ernst, sehr ernst zu nehmen sind und sich ungefähr mit den Kreisen decken, in denen diejenigen unserer Menschen tätig sind, die bei bewußter Betonung ihrer jüdischen Interessen den Drang haben, sich politisch zu betätigen. Das innerjüdische Leben scheint sich uns im Augenblick viel zu stark um die Abwehrfrage zu kümmern. Diese Frage ist sicher nicht unwichtig. Sie bleibt aber trotz allem eine negative Betätigung. Die Gefahr ist wieder einmal groß, in unseren Menschen den Glauben zu erwecken, daß sie gute Juden schon deshalb sind, weil sie den Nationalsozialismus bekämpfen. Es wird in den jüdischen Reihen zu wenig von echter jüdischer Problematik, von pesitiv-jüdischen Inhalten gesprochen. Ein kleiner Ansatz zum Positiven ist da in dem allmählich laut werdenden Ruf nach einem jüdischen Kongreß, der in einer Einheitsfront der deutschen Juden die brennendsten Fragen der Not der deutseben Judenheit besprechen soll. Der Gedanke ist nicht neu. Er wurde vor etwa 12 Jahren mit großem Eifer, vor allem auch in den Reihen unseres Verbandes, besprochen, jedoch ohne daß er verwirklicht wurde. Das heutige Stadium der Diskussion läßt leider vermuten, daß die Angelegenheit dieses Mal wieder im Sande verläuft. Die tiefere Ursache dafür scheint uns der mangelnde Gemeinwille der deutschen Juden für ihre jüdische Zukunft zu sein. Nur auf diesen Gemeinwillen läßt sich Zukünftiges aufbauen. Dieser Gemeinwille fehlt bei den kommunistisch eingestellten Juden vollkommen, er ist bei den übrigen deutschen Juden uneinheitlich. Die Gegensätze, die im innerjüdischen Tageskampf immer mehr zurückgetreten sind, tauchen hier wieder auf. Unsere Verbandsidee von der gesamtjüdischen Haltung hat noch nicht weite Kreise genug gezogen. Vielleicht wird das, was wir am wenigsten wünschen, eine gute Frucht zeitigen, vielleicht wird die wirtschaftliche Not gerade der jüdischen Kreise die jüdisch« Einheitsfront schaffen helfen, die ans not tut A. Ph.