Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 7/8 (7.1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/6492456-6352311-6352569--0965-4929108- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1. Die Errichtung eines Dezernats für diese Fragen ist vorzunehmen. Die bestehende Stellenvermittlung geht auf dieses Dezernat über. 2. Die Arbeit im Verbände hat derart zu erfolgen, daß jeder Bezirksverband einen Dezernenten wählt, der die Verbindung mit den einzelnen Bünden unterhält; diese haben ihrerseits die Zwecke des Derentals örtlich zu erfüllen. 3. Zwecks vereinfachter Geschäftsführung schließen sich die süddeutschen, westdeutschen und mitteldeutschen Bezirksterbände zu drei Gruppenverbänden zusammen, die jeweils eine für die Arbeit verantwortliche Person bestimmen. Nur diese hält die Arbeit mit dem Verbandsdezernat aufrecht. 1. Das Verbandsdezernat hat die Aufgabe, eine Zusammenarbeit mit dem Rcichsausschuß der jüdischen Jugendverbände anzustreben und die jüdische Oeffentlichkcit für diese Fragen zu interessieren. Eine organisierte Zusammenarbeit mit den bestehenden gesetzlich anerkannten Stellen ist unbedingt erforderlich. oer neue Vorstand Leitung. Iteehtaanwalt Herbert FeUenthal. Düsseldorf, KßntgBallco 06 (229 Ift). I'.i i'li Aftmann, H unhorn. Wilhelms! r.iße 1:1. hVferendat Erwin Seegall, /.. Zt. Berlin SW 68; Alexandrinen- -iraßo 24, bei Frini Direktor Barr. LanaVHVPrfamdävorM tscende, Ilm- ('antor. I llbeckj Breite Straße '.'V ( Sorddt ut~< hl.iml). Richard ('••Im. Hille a. d. Saab. Magdeburger Straße 68 I Mitteldeutschland). ■■' trvin |»•—'«•»•'- Sjiarbrftckert, IVior-berirstralie :io (PTnti-Saar). Albert r.olilselnniilt. Berlin (' % Siraljiiier Straße 1.1 (liorlia- Brandenburg). Dr. Julias Hcrzfeld, Hamm i. \\'.. Uri XVestströße-39, bei Rggcbrecnl ( Rh« iiilainl-Wost Talen). loe Israel. Hannover, I I.iiiiniir-t fi n^t r 11^- \i l Xordweütdentnehland). ' »itei tehrer l>r. hu-ßler. Müm heu Wanmüllor-t r. 2(1 (Bayern). Rabbiner l'r. Alfred Philipp; Elberfeld. Adersstraße 20 ( \\ e-l.lelll-rlil lud). Rabbiner, l'r. Rbseiizwelg, SchnofdeiiiUhl, BtoinarcIcstraBe. •*> (Grenzmark). Max Seliwplßholnicr, Chemnitz, Morit/.-iralie 12 (Sachsen). I.Vl .rendar Erwin Soegall, zur Zeit Berlin S\V Uh. Alex iiidrlnem>traße 21. bei Frau Direktur Baer (l'oiiiinerii). Lutz Thcmal. Pforzliein», G4ltoTHttaße 21 (Baden). Keclitsanvall Max TscBörnieki, Main/., Große Bleiche 66 (Hessen). Rabbiner Dr. N. W.ahrmahii, Oela i. Schletdeih, Große l-YUI-tr. (Schlesien).; >in rsckrct.ir \luliu- Wißniaim. Stuttgart, ltein-i>ui^er-ir. 19 i Württemberg')'. Faehbearbeiter. k.i—e: Alfred Roiinin. Bielefeld, Gehreuhcr*; ..'Ml. Sozial*! Arbeit: Waldemar Straiiß. Berlin S\V 0.S, Bittersir. 52, Zeitung: Rabbiner Dr. Alf ml Philipp. Biberfeld, Äderet r. 36. Junggruppen, i' in- Abraham,- Freiburg,\ Hr., Albortst raßo H). Beirat.!.'e« h1saiiwalt Dr. Waller Kin-li-in. Stuttgart, Aiimisloiist r. PI. Karl Goeritz, Chemnitz. Zwickauer Straße fc06/& Rabbiner Dr. Hugo Halm. IN-en. Kmilicii-t ruße .V.l. Kabbiner l'r. Hetlbrono, Nürnberg'. Wurzel ha uor-t raßo 2. Klsa Hirschel, Dresden, Wiener Straße 86. l'r, Alfred llirxeliberg, Berlin SW 88, Liudoustraßo I i. I'echtannwall llorovitz, Frankfurt a. M., Bockenhelmer tiwwlst falle IS. Kabbiner Dr. Siegfried Klein. DttiseWorf, Graf-Adolf-Straße I. I.''< liisanwalt Dr. David- Krombach, Ks-t n. Gutenbergatr. 16Ö. Rabbiner Dr. Paul Lazarus, Wiesbaden, TaunusstruSe "-. Dt. meil. (iustav l.öHler, Frankfurt a. M.. Obei'iuaimudas;e IS. '^rsUandesgerichtsrat Dr. A. Neuhfeyer, München, Heßstr. in. I i-hrer Jack Raphael, Beckum i. AVestf., N'onlstraße. Fritz SchwarsscMld, Berlin W!t. Fricilrich-Khert-St raße 2/3. Lehrer Gustav Spier. Ilaigerlorh (Ilohenzollerii). Dr. Josef Spier, Frankfurt a. M.-IIöchst. (ierlachatrallc 80. Kommerzieiirat Maximilian Stein, Berlin W., Rauchst raße Ii. Lehrer M. Steinhardt. Magdeburg, I hlnnilst raßo. Studifnral Lery AV«.irr. Köln, Ricbard-\V«gner-Straße 87; Im Vorstand vertretene Organisationen. Gross-LogC: Dr. B. Walter, Berlin SW 68, Ziniiiieivt r. ft2 Kabbuierverbantl: Rabbiner Dr.v \\'teuer. Berlin W 311. Neue Wiliterfeld-t ratio SS. Fraiieiibund: Hauuali Karmin-ki, Berlin N 24, Monbijoupl.it/. in III. Lehrnrverbdnd: t Stefan Zweig an den Düsseldorfer Sprechchor Salzburg, Kapuzinergasse 5, am 14. Juni 1930. Liebe Freunde! Ich möchte Euch noch einmal auf das herzlichste danken i'iir die große und schöpferische Mühe, die Ihr Euch mit der Aufführung des „Jeremias" genommen habt ich weiß wohl, unter welchen physischen und materiellen Opfern und mit welcher selbstlos freudigen Hingabe. Eben dadurch wurde mir jener Abend aber zum eindringlichen Erlebnis und zjj einer moralischen Lektion. Wenn wir alle manchmal am Thei^er irre werden, so geschieht es, weil wir unbewußt spüren, wie -.ehr Spielplan und Aufführung das massiv Wirkungshafte suchen müssen, um bei den ungünstigen Zeiten von heute bestehen zu' können, wie das Materielle unsichtbar und doch fühlbar, sei es als Angst, sei es als Hoffnung den Bühnenleiter bestimmt, denn nur die Serie entscheidet heute den Erfolg. Hier aber bei Euch war Furcht und Hoffnung jenes Abends einzig auf den inneren Erfolg, auf das künstlerische Gelingen gestellt, alles mußtet Ihr aus Euch holen, keine kostbaren Kostüme, heine berauschenden Bühnenbilder, nichts von den Effekten, mit denen sonst ein Publikum gewonnen wird, stanJ Euch zur Verfügung. Ihr hattet nur die Urelemcnte des menschlichen Ausdrucks, das lebendige Wort, die leidenschaftliche Geste und die innere, die schöpferische Leidenschaft. Ihr habt alles das durch Hingabc ersetzen müssen, was das reguläre Theater mit technischem Aufwand und eingespielter Praxis mechanisch bereitstellt und dennoch sieghaft über- Iroffen. denn welches reguläre Theater verfügt über Schauspieler, die unzählige Proben, ohne zu ermüden, in immer gleicher Intensität durchhalten, bis jede einzelne Geste, jede Bewegung und Szene ihre endgültige Form erlangt? Wie tedes Bild auf der einfachen Treppe im schmucklosen Raum durch Zusammenspiel und die ordnende Kraft des Regisseurs zur plastischen Szene ward, wie das Ruhige und ebenso das Bewegte mit gleicher Musikalität in dramatischer Ebbs und Flut zum Ausdruck kam, das habe ich selten reiner gesehen und danke auch diesem künstlerischen Eindruck die erneute Ueberzcugung, daß nur Aufopferung an ideelle Arbeit im Geistigen wie im Künstlerischen wirklich schöpferisch wird. Mir ist es leid, daß eine Darbietung wie die Eure nicht öffentlich vor Kritik und Publikum stattfand, und doch, es ist mir gleichzeitig lieb, weil das Zeugnis und der Opfermut auf diese Art noch ungetrübter zutage tritt. Ich glaube, keiner von den jüngeren Menschen, keiner von denen auch, die innerlich jung geblieben sind, wird diesen Abend vergessen1, und ich selbst vor allem gestehe Euch redlich, daß keine der öffentlichen Bühnenaufführungen mir bisher so sehr mein Werk dargestellt haL Als ich es schrieb, hatte ich es mit dem Gefühl des Aussichtslosen geschrieben und seine zeitliche Ausdehnung hinderte auch tatsächlich eine Aufführung aller neun Bilder. Aber gerade um dieser Aussichtslosigkeit ist es mir lieber geblieben als die äußerlich erfolgreicheren .meiner Bücher und Theaterstücke und Ihr könnt Euch meine Freude denken, gerade durch junge Menschen, durch eine Generation, deren Sinn es ja ist, das zu verwirklichen, was wir versucht, meine Dichtung durch Wort und Gestalt verlebendigt zu sehen. Innigsten Dank also Euch allen und jedem einzelnen, dem Spielleiter und jedem einzelnen Mitspielenden, den sichtbaren und unsichtbaren Helfern, und Dank vor allem für den hingebenden Geist, der in Euch waltet und der hoffentlich noch in wichtigeren und weitreichenderen Werken sich erproben wird, als an diesem Eures aufrichitg erkenntlichen Stefan Zweig. 13