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Der Jugendbund · 1930-05-01 · 5 (5.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
5 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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werden sich vielleicht freuen, im Anhang dieser äußerlich unscheinbaren Schrift den Wortlaut der 14 Punkte \\,'-,.ii= und den vollständigen Text der Völkerbund wrfassong und des Kelloggpaktes zu finden. f'ie Lesebuch-Misere in den Schulen einigermaßen zu iiiilil.'rn, dafür eignet sich das von dem bekannten Professor Ii. Werneke, Kehl, herausgebrachte „Lesebuch ,1 - V ö 1 k e r f r i ed p n s" (im eigenen Verlag H. Werneke, — Preis brosch. l.-fiO Mark, bei Mehrabnahme 50 Prozent j .,tt!). Das Buch bringt einen Querschnitt der Frieden» i it aller Zeiten, sozusagen die Quintessenz des geistigen . l.'iiiL'en» um die Friedensidee in der weiten Spanne von iii. Micha, Laotse, Konfuzius, Euripidcs über Erasmus Rotterdam, Luther, Cervantes bis in unsere Wirklichkeil, -ich in Briand, Stresemann, Förster, Tagore spiegelt. Stücke sind ganz unparteiisch zusammengestellt, allorgefallen mir diese tiedichte in der Tonart Gottfried rir, I.ongfellow, Gabriel v. Seidl nicht besonders. Es gibt ter den Nachkriegsprodukten weit Besseres! Auch die :-trationen sind zum Teil reichlich naiv, zum Teil.vielleicht inz überflüssig. Trotz dieser Mangel ist die Schrift von ronlentlich erzieherischer Kraft, und in dieser Hinsicht man überhaupt die Schriften des unermüdlichen Vorra grundsätzlich hervorhoben! — Ein Heft, das nur 20 Pf. kostet: Kindergedan k e n r Krieg und Frieden! Gemeinsam herausgegeben ■ ■rund der Resultate eines Preisausschreibens in Wiener Schulen von der Frauenliga für Frieden und Freiheit und ili!, Hund der Kriegsdionstgegner Oesterreichs (/Wien. Star- rsrerstr. 47). Die mit den Kindersinnen aufgefaßten, g. »ebenen, erdachten Szenen sind geeignet, an unseren Schulen, .■liirionsunterricht, in .lunggruppen ähnliche Arbeiten ZU \ i inlassen! — So. und weiter will ich Ihre Lektüre nicht unterbrechen! : grübeln Sie bitte mal ein wenig über diese Unter- Innig! J. H a p h a e I. „Des Kaisers Kulis". Theodor Plivier (Malik-Verlag). Kulis sind die Aermsten der Armen in China. Bei uns ist tLi die Bezeichnung für den Matrosen geworden. — — — et Kaisers Kulis", waren sie wirklich die Aermsten der rmen? Bedeutet der Krieg mehr Härte für sie. als für den ' :indsoldaten? Waren ihre Entbehrungen größer, ihre Gefechte oiahrvoller, ihr Leben noch primitiver? Verteufelt ja!! Plivier rmittelt uns das in seinem Buch „Des Kaisers Kulis" mit ner Sprache gleich Hammerschlägen. — — Kohlentrimmen, 'eckwaschen, neue Schornsteine als Attrappen aufbauen .•indervolles Soldatenspielen), Exerzieren, Vorpostengeplän- Schiffe kapern, in Schlachten um sein Leben ringen--— n Krach---SchiH versauft und mit ihm einige hundert an! Was tut's? Die Nächsten! Wozu sind sie denn da, ere lieben blauen Jungens" von S. M. S. Y oder S. M. S. Z? unsere Ehre, für Kaiser und Reich". Durch die Explosion Kessel in die Luft geschleudert, im Wasser zu versaufen, - ist Heldentod, das ist ruhmreich! Und die Lebenden? >chenlang auf Wasser, — Mannelade, — verfaultes Essen,— Knochen ohne Mark — in übeldtinstende enge Schlafkabinen ptercht — wissend und hörend, daß wenige Meter von ihnen Ilernt in der Messe Offiziere prassen, Zoten und nach Siejf- ' ieden schreienl — Vier Jahre steigert es sich: „So ein Offizier, der sein Gehalt einsteckt, eine Wohnung ■ i Land hat und niemals etwas entbehrt, wenn ich so eine 'aurasierte Fresse und das glatte Genick sehe..... .... Zupacken und die Luft abdrücken .... Die Offiziere alleine sind es ja auch nicht. Da sind e Kriegslieferanten, die Industrie: Stahl, Eisen, Leder! Egal .'is, alle verdienen sie und alle haben ihre Dividende erhöht. Dafür schuften wir! Dafür hungern wir! Dafür gehen wir kaputt!" In Pliviers Buch erleben wir noch, was Krieg in seinem vfsten Abgrund ist: ein Schinden und ein Schänden. — Warum t dieses Buch so eindrucksvoll? Weil alle Tragik, alle Fessemg, jede Geste zur Freiheit hin sich abspielt m der Mitte "er Menschenmasse, die zusammengedrängt ist auf dem hiff, einem schmalen unabwendbar begrenzten Raum. Hier rd das Denken über die Sinnlosigkeit des Krieges vertieft ■ nd der Wille zur menschenwürdigen Freiheit verstärkt bis ir Tat. _ Kurt Engelbert. Wert Inber: Der Platz an der Sonne. Malik-Verlag, Berlin. l'ieses Buch will Wirklichkeit darstellen, nicht deuten oder umgestalten. Es schildert Lebensausschnitte aus dem l'ußland der Revolution, aus tiefer Verbundenheit mit dein Land, seinem politischen Schicksal und seiner Kultur. Aus den Ereignissen des politischen und des alltäglichen Lebens wächst ein starkes, bejahendes Lebensgefühl, gefestigt durch das Verstehen der Not und des Leids in der Merischenseole und in der Natur. Der Rhythmus der russischen Landschaft' und ein feines Verstehen der großen Naturkräfte gibt dem Buch einen warmen Ton. Der tiefen Einsamkeit des Ichs in der gegenwärtigen Uebergangszeit steht der große Z:ikunftswille zu dem Wir der wahren Gemeinschaft gegenüber. Diese Sehnsucht adelt das Leid und läßt einen kräftigen Lebenswillen siegen. E. I. Gumbel: „Verräter verfallen der Feme!" (Opfer - Mörder — Richter 1919—1029.) Malik-Verlag, Berlin. Mit diesem fast 1<K) Seiten starken Buch schließt Gumb"l seine Darstellung der politischen Geheimorgauisationen und ihrer Mordtaten ab. Wenn auch solche Werke für unsereinen nur eine externe und mehr periphere Bedeutung haben, so bieten sie doch dem politisch Interessierten manches Wissenswerte über dio neudeutsche Feme, die O. C, die schwarze Reichswehr und ähnliche Nachkriegserscheinungen. Darüber hinaus haben .wir deutschen Juden noch immer alle Veranlassung, uns mit der Psychose des Landknechtstuuis und des besoldeten Meuchelmordes zu befassen. Handelt es sich doch um die Kreise der heutigen Grüber- und Synagogenschänder, sozusagen um deren ältere Brüder. Zwar kann man in Einzelheiten dem radikalen Gumbel nicht immer zustimmen, wohl aber der Quintessenz (S. 2:5 a. a. O.) seiner — auch stilistisch wirksamen — Ausführungen: „Die zentrale I'rsache der politischen Morde von rechts war das Schutzbeilürfnis des Großkap"'als, dessen Herrschaft während kurzer Zeit aussetzte und auf längere Zeit erschüttert schien. Die psychischen Voraussetzungen für die Anwendung dieser politischen Waffe lieferten Krieg und Inflation; die Garantie dafür, daß die Methode gefahrlos angewandt werden konnte, bot die deutsche Justiz." Ernst Reiser, Schleusingen. Magnus Hirschfeld und Ewald Böhm: Sexualerzichung. Universitas-Verlngs-A.-G., Berlin. Preis: brosch. 4,50 M.. Leinen 7 M. Es ist kein Rezeptbuch für Liebe, Ehe oder Geschlecht-- \ erkehr. Dies Wort zur Legitimation, zur notwendigen Hervorhebung aus dem Wust der Sexuallektüre von Van de Velde bis Franz Blei. Das Bedeutende an diesem konsequenten Buch scheint mir: daß es die neue Sittlichkeit, um die wir uns durch Versuche, wie Kameradschaftsehe usw. bemühen, zur Lebcnsgrundlage macht. Lud daß es von dieser freien, glücklicheren Basis aus fragt: Was nun? W:ic wollen wir Menschen erziehen, die nach uns kommen? Wie die Fehler vermeiden, die an uns begangen wurden''' Hier setzt das Buch ein und gibt Auskunft; entrollt den Gesamtkomplex der Erziehung unter Berücksichtiguug der nicht länger zu verheimlichenden Tatsache, daß der Mensch auch ein Geschlechtswesen ist. Lest es! Es will heute gelesen und verstanden werden von uns, wie es morgen erfüllt werden wird von uns. Erziehen wir-uns Erzieher, aus uns — für uns! Mit seinein Ideal des „weltsichcren Menschen" dient es unserem Ziel, dem Menschen, der gleichberechtigt neben sein Schicksal tritt und sein Leben gestaltet. Harry L. Drucker, Schneideiiiühl. Her junge Tag. Eine Auswahl aus dem Schrifttum der Gegenwart. Band 6—10. Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung, Hamburg. In dieser Summlung erscheinen weitere fünf Bändchen. Binding, Eulenberg, Hans Grimm, Schaeffer und Kadi Röttger sind die Dichter, mit denen der Leser bekannt gemacht wird. Sehr glücklich wird die Aufgabe gelöst, den Leser die Sonderheit, das Wesentliche am Werk des einzelnen Dichters erkennen zu lassen. So erfüllt die Sammlung den Zweck, sich mit dem Schrifttum der Gegenwart, „dem jungen Tag", bekannt zu machen und für es zu werben. Es ist zu hoffen, daß die Reihe weitergeführt wird, daß die Bändchen in viele Hände gelangen. Der Wunsch aber soll nicht unterdrückt werden: es mögen auch jüdische Dichter deutscher Zunge zu Worte kommen, die nuffallenderweisc in der Sammlung bisher völlig fehlen. t - I Erich Ebermaier: Kampf um Udilienbcrg. Paul-Zsolnay- Verlag. ü,50 Mark. Eij£ neues Jugendbuch! Von einem jungen Dichter über die „Jugend von heute". Also. waQuns alle sehr interessiert! Dieses Buch gibt ein Bild Uber die heutige Jugend, wie sio wirklich ist. Nicht verächtlich, nichts beschönigend.! Man

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