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Der Jugendbund · 1930-05-01 · 5 (5.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
5 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Tätigkeitsbericht der Verbandsleitung für tlie Zeit vom 28. Mai 1928 bis 6. Juni 1030. Der glänzende äußere Verlauf der Dresdner Tagung war ireh zwei Faktoren maßgebend liestimmt. Kine neue Veruidsgonerntion fand Bber; die regionalen Zusammenhänge lonflns menschlichen Kontakt und die Notwendigkeit einer , leinheitliehung der Erziehungsarbeit der Hunde kam allen /.Hin Bewußtsein. Der Verband irarde durch die lebendigen Eindrücke dieser Tagung aus einem unklaren Begriff zu »ijier Wirklichkeit, ilie zu gest.ill -u Aufgabe der tatkräftigen Mitwirkung -jedes Einzelnen war. Die entsebiodeneu Meinungsäußerungen der Dresdner faguug zu ganz konkreten Fragen dejüdischen Lebens •..■wiesen die Veränderung der. Stellung, unserer Bünde in der jüdischen Oeffentlicbkeit und „der Weg in die Wirklichkeit" maßte in den kommenden Jahren der Arbeit fortgesetzt werden. Die bereits früher in Angriff genommene Umstellung der \rbeit unserer Bünde auf die intensiven Metboden der Erziehungsarbeft' im kleinen Kreis irarde durch die Stellung von V er band sth em eil energisch gefördert. Im Winter 1928/29 wurde die Behandlung des Themas .,die Not der | Idischen Jugend" und 1929/30 ,.Wirtsehaftskaiii|if und Lebens- ■_''-staltung" unseren Bünden zur Pflicht gemacht. Der größten Anzahl unserer Bünde wurde die Bearbeitung dieser Themen durch eine sorgfältige Vorbereitung des Verbandes ermöglicht imd überraschend stark sind die Rundbriefe, Vortrags- und Il. iinabenddispositionen zu-dicscii Themen angefordert worden. I >ie Vcrschieilenartigkeit unserer Bünde stellte von vornherein der Verbandsleitung die Aufgabe, über diese Pflichtthemen hinaus Anregung Tür weitere Arbeit zu geben. Dnreb die Vermehrung und Neubearbeitung der Rundbriefe, die jeweils ein ganz bestimmtes Thema, von Fachkeunern sorgfältig bearbeitet, Übersichtlich geordnet und mit nisführlicben. Materialaniraben versehen für Gemeinschaft- . .rbeit vorbereiteten, wurde dieerreicht. Im letzten Winter konnten wir jlfegesamt 21 solcher Rundbriefe zur Verfügung stellen; duaußerordentlich oft angefordet wurden und. wie aus den Programmen und Berichten ersichtlich, die Arbeit der meisten Bünde beherrschten. 632 Exemplare dieser Rundbriefe würden im Winter 1929/30 verlangt und zur Vertilgung gestellt. Weiterhin konnten wir unseren Bünden Programm- Beginn dieses Jahres zu einer erheblichen Einschränkung ..iischläge für die Ausgestaltung von Freitagabendreiern und Festen und eine il Namen unifassende Redner liste mit über 200 Themen von \ Crbandsf reunden vorlegen, die ohne Honorar gegen Spesenvergiitung sieb bereit stellten. Den kleineren Bünden, denen hinsichtlich der Führung 'Tiimer'besondere Schwierigkeiten erwuchsen, boten wir in den 111 ä t t e r n j ü d i s c Ii e n W i s s e n s der Großloge eine gern benutzte Möglichkeit, ihre Heimabende planmäßig vorzubereiten und befriedigend durch/.iifUhren.; Eine besondere Veranstaltung im September und Oktober 1929 mit dem Motto „die jüdische Jugend für den Frieden", die eine ähnliche, besonders sorgfältige Vorbereitung wie die W intorthemen fand, diente dem ausnahmslos von allen Bünden erfüllten Zweck, unsere Jugendbümller mit den wichtigen Fragen der Friedensarbeit in Verbindung zu bringen. Seit dieser Zeit könneti wir das wachsende Interesse an diesen politischen Fragen deutlich beobachten. Der in einer Auflage von rund SO0O Exemplaren erscheinende „Jugendbund" ist weiterhin ein starkes Bindeglied des Verbandes geblieben. Es kann mit Befriedigung festgestellt werden, daß die Mitarbeit weiter Verbandskreise uns eine begrüßte Verlebendigung lies Inhaltes ermöglichte. Außer der Tagungsnummer erwähnen wir besonders die „Friedensnummer" (November 1928). „Soziale Fragen" (Dezember 1928), „Junggruppennuinmcr" (Februar 1929). die Fe-tnummcr zum 20jährigen Bestehen des Verbandes (März 1929), „Jewish Agcncy" (Mai und Juli 1929), „Lörflernuinnier" (Juli 1929), „Friedensnummer" (September 1929). Die schwierigen finanziellen Verhältnisse zwangen uns zum des äußeren Umfanges der Zeitung, die natürlich die inhaltliche Ausgestaltung sehr beeinflußte. Die Werbung in der jüdi.-chen Oefrentlicbkeit für den Vcrbandsgcdnnkcn wurde uns durch die verständnisvolle I nterstützung der jüdischen Presse ermöglicht, die unsere ausführlichen Berichte veröffentlichte und ihr von uns zur Verfügung gestellte Werbeartikel über die Pflichtthemen des Verbandes an wirksamer Stelle zum Abdruck brachte. Die große Mehrzahl der Gemeindeblätter bringt die örtlichen .Nachrichten unserer Bünde unter dem Verbandsabzeichen. Die Wichtigkeit unserer Arbeit in den Klcingcmeinden bat uns zu einer Reihe von Maßnahmen veranlaßt, zu denen uns der Lnndarbeitsfonds des Preußischen Landesverbandes die materiellen Mittel bot. Wir stellten für die Grenzmark, Schlesien, Norddeutschland (Schleswig-Holstein und Mecklenburg), West-Westralen und Pfalz-Saar je 10 wertvolle Bücher als Grundstock für B c z i r k s h i h I i o t h c k e n zur Verfügung. Der weitere Ausbau dieser Bibliotheken ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Die Gilde hat in Westdeutschland durch die Veranstaltung von Vortrags- und Heimabenden . in Klcingemeinden die praktische Fnterstützungsarbeit fortgesetzt. Besonders hervorzuheben ist die außerordentlich wirksame, rege, Tätigkeit in dem Bezirk West- Westfalen, der nur aus kleinen Vereinen zusammengesetzt ist. Bei den Rednerrundreisen des Vorbandes wurden die Kleingemeinden vorzugsweise berücksichtigt,_ Besonders erfreulich ist die Entwicklung der Jungg r u ji p e n. In Dresden wurde das Junggruppen-Dezornat des Verbandes zum erstenmal praktisch wirksam und sein Leiter Jack Raphael verstand es, .durch einen regen Gedankenaustausch und Anknüpfung persönlicher Beziehungen die Voraussetzung für den Junggruppen-Führertag Weihnachten 1928 in Gelsenkirchen zu schaffen. Diese außerordentlich befriedigend und erfolgreich verlaufene Veranstaltung wurde von der Verbandsleitung vorbereitet und durchgeführt (Bericht „Der Jagendbund Februar 1929). Eine dreigliedrige, ans Junggrupplern bestehende Rundcslcitüng wurde gewählt, Arbeitsrichtlinü n aufgestellt und eine Gaueinteilung, etwa* den Bczirksverbänden des Verbandes entsprechend, vorgenommen und damit der „Bund der Junggruppon" offiziell konstituiert. Der Bundestag Pfingsten 1929 in Gaimühle, an dem etwa 35(1 Junggi uppler teilnahmen, hatte nicht das erwartete Ergebnis. Ein Vertreter der Verbandsleitung trat in die Junggruppenleitung ein. In vielen ('■autreffen wurde allmählich eine Klärung der Anschauungen innerhalb der Junggruppen über Idee und Arbeit herbeigeführt und in drei sehr befriedigend verlaufenen Bezirk-- lreffen in Düsseldorf, Frankfurt und Leipzig die Richtlinien Tür die Winterarbeit in einem Minimalprogramm festgestellt. Einige aus jugendlicher Psyche erklärliche Austritte können den Gesamteiiidruck eines sicheren Fortschreitens der Junggruppenarbeit nicht beeinträchtigen. Besonders, befriedigt uns die Tatsache, daß an vielen Orten das allmähliche Hineinwachsen der älteren Junggruppier in die Arbeit der .Tugendbünde und ihre Mitwirkung an führender Stelle zu beobachten ist. Es bestehen zur Zeit 53 Junggruppen mit zirka 1000 Mitgliedern. Die-besonders schwierigen Wirtsehaftsverhältnisse führten uns im Interesse der vielen betroffenen Jugendlichen zur Einrichtung der S t e 11 e n v c r m i 111 u n g s n o t hilf ei Waldemar Strauß hat den Landesverbänden folgenden Bericht zur Verfügung gestellt: „Wenn ich heute einen Berieht über die in der Tätigkeit der Stellenvermittlungsnothilfe geleisteten Arbeit gebe, so muß man, um sich von der Arbeit ein richtiges Bild zu machen, sich zuerst vergegenwärtigen, in welcher Weise und unter welchen Umständen mit dieser Arbeit begonnen wurde. Unser Verband beabsichtigte seit längerer Zeit, in irgend einer Form sich um seine stellungslosen Mitglieder zu kümmern und eine entsprechende Tätigkeit aufzunehmen. Man war am Anfang der Ansicht, daß es besser wäre, diese Arbeit gemeinsam mit einer anderen bekannten jüdischen Organisation zur Durchführung zu bringen. Als dieses Projekt scheiterte, bekam ich von der Verbandsleitung den 'Auftrag, von Verbands wegen diese Arbeit aufzunehmen. 'Ich hatte bei Beginn der Arbeit folgende Punkte zu berücksichtigen: 1. Es durfte nur in kleinem Rahmen ehrenamtliche Arbeit geleistet werden, denn die Ausübung der Stellenvermittlung als Berufsorganisation bedarf der behördlichen Genehmigung, die unter, den obwaltenden Verhaltnissen niemals erteilt worden wäre; 2. konnte die Tätigkeit vorläufig nur eine engbegrenzte sein, da erst später nach einer strafferen Durchorganisation des ganzen Dezernates, innerhalb des Vei-bandsganzen Meldungen über freie Stellen usw. in größerer Anzahl zu erhalten waren. Es ist wohl selbstverständlich, daß der Beginn der Arbeit recht schwierig war und es erst einer niehrmnnatlichen Tätigkeit bedurfte, um bestimmtes Material an Arbeitsuchenden in 5

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