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Der Jugendbund · 1930-04-01 · 4 (4.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
4 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜG€ D€P Probleme deT Bfaegestaltung von Dr. Agnes Waldstein. Esset». — Tagnngs-Tribüne: Lebensgestai- ■tnebsninkeit von Hocker, Berlin. — Opposition—iO|iponeiiten von Krim Kiippenlieiinor. Kin neuer Weg v»n l'nnl Strauß. Pirmasens. <— Unser Ziel von Rani rfaunemann, Berlin — FrtthUngsfesi - Ods dem Inhalt:, Rastatt Hefreiungsfest von Hr. S. Klein, Düsseldorf. — TachliS; von Alfretl Rosentlial. Schneidemühl. — Die Arbeit der Gilde von Manfred Vöhl, Düsseldorf. — Hie jagend "» Jüdischen Friedenshand von J. Raphael, Beckum. — Die Jonggrappen. - Büchenchau. -- Aus dem Leben des Verbandes Mitteilungen d<y- VerbaifcUleitpuig. - Stcllenvvrmittlufegsnothilfe._ Probleme der Ehegestaltung uon Dr. Agnes waidstein Essen s< iiiutt) Die drei besprochenen Bücher fragen alle nach dem Sinn des Liebeserlebnisses und der daraus entstandenen Form dauernder ehelicher Gemeinschaft. Es werden von den einzelnen Verfassern die historischen, die naturhaften und die geistig-metaphysischen Voraussetzungen untersucht, und die Ergebnisse sind in den drei Büchern so olfensichtlich widerspruchsvoll, daß man gar nicht wagen darf, hier Verbindung - linien zu ziehen. Es wird aus solcher Nebeneinanderstellung, zu der man auch andere Schriften aus dem jeweiligen Weltanschauungskreis hätte wählen können, doch ganz deutlich: wie sehr wir noch im Suchen und Ringen um die Neuorientierung des ganzen Eheproblems sind. Daß das geschehen wird, scheint mir fast das wichtigste. Denn schließlich eignet all diesen Büchern eins, daß sie mit einem ungeheuren Ernsl und im Willen zu tiefster Gründlichkeit an die Fragen herangehen und versuchen, auch der uns bedrängenden Gegenwart gerecht zu werden. Dieses Ringen der Gegenwart zeigt sich aber noch deutlicher an zwei Büchern, die nicht so sehr von der Grundfrage: Was ist Liebe und Ehe? ausgehen, sondern die vielmehr die Auflösungserscheinungen unserer Tage im Auge haben — Da ist zunächst der ganz lebendige Bericht über eine sexualclhische Konferenz, die die Freunde der bekannten Sozialen Arbeitsgemeinschaft, Berlin-Ost, mit namhaften Menschen des öffentlichen Lebens und Jugendführern abgehalten haben: ..Um ein neues Sexualethos" (Bericht über die Elgersburgcr Konlerenz zur Beratung sexualethischeT Fragen vom 5. bis 12. Oktober 1926, herausgegeben im Auftrage des Elgersburger Arbeiterkreises von F. Sigmund-Schultze im Furche-Verlag, Berlin). Der Bericht gibt fortlaufend die Verhandlungen, Referate und Aussprachen wieder, so daß auch der Lesende die Atmosphäre iener Tagung mit iljrer menschlichen Offenheit und ihrem ernsten Suclien nacherlebt. Hier kommen Angehörige der verschiedensten Gruppen zu Worte, strenge Katholiken, philosophische Idealisten, Marxisten und Sozialisten, ebenso wie suchende Protestanten und strenge Wissenschaftler, die nur von ihrer Forschung sprechen, ganz gleich, ob deren Ergebnis zu frohen Hoffnungen oder zu trüber Stimmung im Hinblick auf das Volksganze berechtigen. — So läßt sich von diesem Buch auch kein einheitlicher Grundgedanke herausschälen, aber es bleibt der viel stärkere und tiefere Eindruck zurück, daß es heute immer noch möglich ist, sich von Mensch zu Mensch rückhaltlos offen auszusprechen. .Daß ein Verstehen der Position anderer gegeben werden kann, von wo aus letztlich auch nur eine in der Oeffentlichkeit oder im Staat sichtbar werdende Erneuerung der gesamten Ehefrage ihren Ausgang nehmen kann. — Das ist auch der Sinn, weshalb dieser Tagungsbericht, über den Kreis der Teilnehmer, die sich meist im Religiösen gebunden wissen, dann in Buchform öffentlich zugänglich gemacht worden ist. Zur Neugestaltung aufrufen will schließlich auch das Büchlein von Karl Mennicke, das sich mit seinem Titel: „'Schicksal und Aufgabe der Frau in der Gegenwart" (Alfred-Protte-Verlag, Potsdam) in erster Linie an die Frauen wendet, weil sie nach Mennickes Meinung in der Gestaltung der erotischen Kultur und der Ehe die Führung haben müssen, weil sie in ihrem Erleben klarer und deutlicher bestimmt sind als der Mann. Mennicke bekennt'sich dabei als Sozialist, dem diese ganze Frage nur lösbar ist im Zusammenhang einer radikalen Wirtschaflsänderung, wie ja auch das ganze Problem der Sexualnot seine heutige Zuspitzung erfahren hat durch die wirtschaftliche und schließlich kulturelle Verselbständigung der Frau. Als Sozialist ist für .Mennicke, bei dem gleichwohl immer das religiöse Moment als der Aufruf zur Entscheidung des Menschen durchbricht, auch die MonogamieTein Ergebnis gesellschaftlicher Formbildung aus der Herrschaft des Mannes über die Frau, keine dem Liebeserlebnis an sich innewohnende metaphysische Forderung. Damit glaubt Mennicke der doppelten Moral einen Todesstreich zu versetzen, weil in seiner sozialistischen Welt ein Herrschertum des Mannes auf sexuellem Gebiet' nicht mehr wie bisher möglich sein wird. Es ist aber sehr interessant, daß in einer ausführlichen Besprechung des Buches, die Claudia Bader in „Die christliche Welt", Nr. 1 und 2 1930, gibt, nachgewiesen wird, daß eben in der Forderung, die Frau sei Führerin auf erotischem Gebiet, weil sie dabei in ihrer Lebenssubstanz tiefer getroffen ist als der; Mann, daß damit eben doch wieder der doppelten Moral ein Pförtchen geöffnet wird. Aber wenn man sich auch mit Mennickes Buch so intensiv auseinandersetzt, wie es Claudia Bader tut, so scheint mir irolzdem eine recht positive Wertung hier zu bleiben. Der- Veriasser berichtet nämlich von seinem Leben mit jungen Be-- liner Proletariern, in deren Kreis sich sehr rasch erolischsexuelle Beziehungen bemerkbar machten, die eine Weile hin- und. herschwankten, bis sich überall die zwei Menschen fanden, die das Leben miteinander im Ganzen und auf Dauer wagen wollten. Hier entstand also aus Formen freien Sichauslebens, aus Unabhängigkeit von jeder äußeren Bindung doch wieder der Sinn für dauernde Zusammengehörigkeit und Treu-'. Mit anderen Worten: Aus aller theoretisch-gedanklich , n Erörterung werden wir zurückgeführt ins Leben selber. A is allen heutigen Nöten, aus Wirtschaftsbedrängnis, aus Persönlichkeitsanspruch, aus Kampf um die Gesetzgebung kann nur dann etwas Neues und allgemein Verbindliches wieder wachsen, wenn der Mensch in seiner Verantwortung gegenüber dem Mitmenschen und dem Schicksal — ganz gleich, ob es gottgegeben ist oder nicht — treu bleibt und nicht in einet) noch so feinen Egoismus abbiegt. Deshalb muß hier am Schluß noch von

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