Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 3 (3.1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜG€ Den BUND jümscHen juöenDV£ß€in€ DeurscHLflnos 16. Jahrgang Düsseldorf, März 1930 Nummer 3 AtlC dPIfi Inhalt' Probleme der Ehegesta'tung. — Tagungstribüne: a) Unterbilanz; b) Rechnungsüberprüfung. — Berichti- UUO UCIII lllllflll. gung. — Aus dem Leben des Verbandes. — Junggruppen. — Stellenvermittlungsnothilfe. — Mitteilungen der Verbandsleitung. — Spendenliste. — Adressenänderungen und Neugründungen. Probleme der Ehegestaltung von Dr. Agnes uialdstein. Essen Die Bücher Bon Lindscys haben illtrch dir Aufdeckung sexueller Jugcndnnt in vielen Kreisen Deutschlands die Di? kussfon über Khef ragen in .ein leidenschaftliches Tempil ^«bracht; doch leider hat man sich von der zweifellos hilfsbereiten, aber über liefere Kusammenh&nge völlig alinunglesen Persönlichkeit ihres Verfasser« einreden lassen. < - gäbe gar keine anderen Lösungen cler Khcprohlcmc in -ozialer und psychologischer Beziehung, als seine Vorschlüge der. Kameradschaftlichkeil und Zcitohe. — Geblendöi von 'liesen all/u primitiven Vorschlägen über-ah man. daß in den letzten Jahren List in allen europäischen Völkern ivieleieht mit Ausnahnie England-) eine umfang reiche Literatur entstanden ist. die mit viel lieferen Argumenten.-mit größerer Fachkenntnis und mit gewaltigerem Knist als er an die! 'mm heranging. So groß ist die Zahl der erschienen tn Utlc.her, Schriften und Aufsätze, daß hier nur ein kleiner Bezirk zur Besprechung neraüsgegriffen worden kann, die deutsche reiglöse und idealistische Literatur zu anderem l'hema. Neben ihr stehen viele wichtige Bünde sozialistischer Betrachtungen, kommunistischer Versuche zur. Neugestaltung Äff Ebelehens, ärztliche Untersuchungen und jurlstiscb- -tatistisches Material. Wenn also hier von einer kleinen Gruppe gesprochen «ciden soll, so scheidet auch in ihr von vornherein all das in-, was nur eine Wiederherstellung der Eheverliilltnisse will, wie sie in der „guten, alten Zeit" geherrscht haben Die Situation ist aber beute eine so veränderte. Wirtschaft - liche Nöte, iler Kampf des Liiizelmenscheii um die Anerkennung seiner Persönlichkeit sind so scharf geworden; daß eine Rückkehr zu rrhheren Bedingungen unmöglich «cilcinJ und auch —.religiös betrachtet — Ungehorsam gegen den Willen Gottes fn der Geschichte ist. Deshalb muß aar rlftcher wie den Sammelband ..Der-Kampf um die Ehe" v.-r ziehtet werden. Ks werden uns drei Bücher he.-chäft igen., die nach dum W esen der Ehe — von verschiedenen Gesichtspunkten aus — fragen, und weiter zwei Bände, die von der heutigen Situation ansgehend «las Problem erörtern: Wie ist Ehe unter <!•■" heutigen Verhältnissen überhaupt noch möglich? ödet müssen wir zu anderen Formen kommen? — Lins ist aber ill diesen Werken gemeinsam, daß sie als den Kern der -Miellen Not nicht die Situation der unverheirateten Jugend m-ehen. sondern die Gestaltung der Ehe scltist. — I nd das scheint da; nllerwichtigstc zu sein bei den heutigen Erörterungen, Jugend ist in Not gekommen, weil clie Ehe der ■ reifen Menschen nicht mehr in Ordnung ist. Wer also die Verhältnisse der mann-weiblichen Gemeinschaft wieder regeln oder neu gestalten will, muß hier anknüpfen. Alle Sexual ithit r z i e Ii ii ii e ii 'Ii Freigabe lies Liebesiel hingen noch abgesehen kurieren au -Symptomen auch da. wo es -ich lue dann lugend in '.TUfgel der I 'aller und die Stutstl soziidsfrIschen und päd; leider nicht etngcheni Se'xunlfrage bis zu ihrem tiefsten Punkt durchdenkt, wird immer wieder oinseheu, liehe Ehe handelt, dh werden kann. Lud daunter den deut-< hon E Freilich die besonders -cliw« legung der Ehe als irgendeine Neuorientierung, u fraktinn im Reichstag ist von^duhcr be-l i mint. ■in. -n wichtig -ic is|. — oder alle der -lugend (hier sei von \\'er-. Ixileutel iloch nur ein Hexiun- H ih uiet ein Belasten der Jugend •hoinbaii - Befreien handelt, weil i ii in lloden ohne da- Fnndamenl er Aellen n hauen -oll. Ober die gogieclien /.ii-aiiimeiihänge kann hier r sprochen werden. ' Wer die daß nur da, no i- KU h um die wirk- Enfseheiduugssehliicht ausgekämpft heweiseu .im h gerade die Radika-l-ta lerel'ormern. Unisse liegen geuülc in Deutschland il liruppen verschiedenster Weltiii-i hauung mit heson lerer Heftigkeit aufeinander tfoßon'.' Der Katholizismus wehrt sich .111seiiiei dogmatischen Fest Ines Sakraments ganz bewußt gegen lie Haltung der Zelilruini der Neuregelung der Ehescheidung — Seinen schroffsten Gegner findet er im sozialistischen ijager. dem Ehe ein Lehensziistand i-'. der nur von der wirtschaftlichen Voraussetzung nbhiingt d, h. ein Zusammengehören von Mann und Frau bzw. Kindern, das heute der kapitalistischen Ausbeutung anheimgefallen ist und durch sie zerst Ehe; daher Aufhebun St.-G.fB> und Anerkenn Mutter durch die (lese örl wird. Klassenkampf. auch um die r deso viel genannten 45 218 «h- 111g des Unehelichen Kindes und -ein'.-i ISchaft. — Line dritte, lange nicht -1 'entschiedene Gruppe wie die beiden ersten bildet der deutsch" Protestantismus, der zwischen der Erkenntnis des Eigen wertes einer Liebesbe siehnng, der Teilnahme am Schöpferischen durch den Menschen und der Zweckbestimmtheit zur Killderzeugung hin- und hergerissen wink de* bei -einen Mangel einer bestimmenden Instanz sich so auf der GewisSeilSfreiheit des einzelnen aufbaut und der doch wiederum in Erinnerung an die StaatSkirchenzeit nur zu gern die religiöse Betrachtung der Ehe-., Liebes- und Nabhwuchsprobleiue von der vermeintlichen Staat «not wendigkeit her beginnt-. Mer Protestantismus ist nicht frei von einer gewissen Aengsl- I ichkell vor der sexue hüngern der IdeaUstisi Neues an seine Stellf griffe der Freiheit, de len Frage. un<l das wird ihm von AniciL Philosophie, zu der eine Kelhc der bekanntesten Frauenfi hrorinnen gehören, reichlich vertlbeh. Mit Kecht: «loch weiß ijiuch der Idealismus nichts entscheidend zu setzen. Die philosophischen Bcfreiwilligen Hingabe führen zu einem Nalurreeht. das in selbem Kern ähnlich der protestantischen Auffassung ist. aber letzthin UOCh fern von den Bahnen liegt, in denen sieh heute Lpben vollzieht, so daß der Vorwurf der Weltfrenidlieit. den der Idealismus gegen den Protestant i-mi|s erhebt, auf ihn selbst zurückfällt.