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Der Jugendbund · 1930-02-01 · 2 (2.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
2 (2.1930)
Date
1930-02-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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DCR JUG€lYf>BUNP miTTfeiLunGcn D€S vecBflnofcs D€p JÜDISCH6D JU6enDV6B€in€ D€UTSCHLflnDS 16. Jahrgang Düsseldorf, Februar 1930 Nummer 2 UlK riPIII Inhalt' ,anZ Rosenzwe'g- — Der heutige Wirtschaftskampf, von Philipp. — Tagungstribüne: a) Entwicklung uum »■"«»• oder Rückschritt, von Voß; b) Sinnvolle Opposition, von Reinhardt. — Berichtigung. — Bücherschau.— lunggruppen. — Aus dem Leben des Verbandes. — Stellenvermittlungsnothilfe. — Spendenliste. — Adressenänderungen und Neugründungen. | Geboren: 25. Dezember 1886. Gestorben: 10. Dezember 1929. I. In der Woche, in der Franz Rosenzweig von uns genommen wurde, wurde aus der Heiligen Schrift folgendes verlesen: \ .laakob zog aus von Ber-Schaba und wanderte nach Charan. Da betrat er die Stätte. Kr mußte dort nächtigen, denn die Sonne war gegangen. So nahm er von den Steinen der Stätte und richtete draus ein Lager für sein Haupt und legte sich schlafen an jener Stätte. Und ihm träumte: Gr sah, eine Leiter gestellt auf die Erde, ihr Haupt an den Himmel rührend, und sah, Boten Gottes steigen auf ihr empor, hernieder. Sieh. da stand Er über ihm und sprach: Ich bins, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott .lizchaks. Das Land, auf dem du jetzt schlafend liegst, dir gebe ich es und deinem Samen. (Aus: „Die Schrift", 1. Teil: „Das Buch im Anfang". Verdeutscht von Martin Buber, gemeinsam mit Franz Rosenzweig, Berlin, Verlag Lambert Schneiders.) II. Während einer siebenjährigen furchtbaren, mit unendlicher Geduld ertragenen Krankheit, hat Franz Rosenzweig seine reichsten Werke geschaffen. Er durfte das folgende Gedicht übersetzen und kommentieren: .Der kranke Arzt. Heile mich Du, mein Gott, so bin ich heil, Nicht brenn' mich Deines Zornes Feuerkeil. Extrakt und Medizin sind Dein, ob gut ob bös, ob stark ob schwach sie tun. Dieweil Du es, der auserwählt, Du, nicht ich, und Dein Allwissen lenkt, lenkt nicht zum Ziel den Pfeil. Nicht setz' auf meinen Heiltrank ich Vertrauen, Nur Deines Heiltranks werde mir zuteil. Dazu Anmerkung: Jehuda Halevi war Arzt. Deshalb ist er frei von jenem Wunderglauben an die Macht der ärztlichen Kunst, dem auch, wer in gesunden Tagen nicht genug über „Die Aerzte" spotten kann, rettungslos verfällt, wenn er erst selber krank geworden ist. Und deshalb kann er, frei von jenem Aberglauben, um so stärker den Zusammenhang zwischen Heilung und Heil spüren, den im Deutschen schon die Sprache anzeigt, und den das Jeremiaswort (17,14) meint. (Aus: Franz Rosenzweig: Sechzig Hymnen und Gedichte des Jehuda Halevi, Konstanz, Oskar-Wöhrle-Verlag.) III. Bei der Beerdigung Franz Rosenzweigs las Martin Buber nur folgende Verse des 73. Psalms vor. die in Zukunft auch auf dem Grabstein stehen werden: Ich bleibe doch stets bei Dir: Meine rechte Hand hast Du erfaßt. Mit Deinem Rat geleitest Du mich, Danach nimmst Du mich in die Herrlichkeit auf. Wen habe ich im Himmel?! Aber bei Dir begehr ich auch nicht nach der Erde. Ist mein Leib, mein Herz alldahin. Der Fels meines Herzens, mein Teil Bleibt Gott in Ewigkeit. (Uebersetzt von Martin Buber.| Der heutige Wirtschaftskampf und die Lebensgestaltung des jungen luden von Alfred Philipp-Elberfeld Wenn die Verbaridsleitung dieses Thema als das Pflichtthema dieses Winters aufgestellt hat, so ist das weder ein Zufall noch etwas Gewolltes, sondern ein Notwendiges aui dem Wege von Dresden nach München. Stand doch unsere Dresdener Tagung unter dem Leitsatz: Der Gang in die Wirklichkeit! Sollte dieses Wort nicht nur ein Wort sein, sondern in irgendeiner Form in die Tat umgesetzt werden, so mußten die vielerlei, sicherlich sehr interessanten und auch bildenden Themen, die wir in unseren Bünden zu behandeln pflegten, einem Thema Platz machen, das alle unsere Menschen im tiefsten angeht, das sie alle aufwühlt, das sie alle zur Stellungnahme zwingt, die Frage nach unserm Dasein und nach der Möglichkeit des Wie unseres Daseins in der heutigen Zeit wirtschaftlicher Umformungen. Jeder, der nicht in fruchtlosem Notschreien, wie herzlich schlecht es uns jungen Juden doch gehe, sein Genüge finden kann, muß einen Schritt weiter gehen, muß versuchen, seine Notlage in ihrer Verursachung zu erkennen, um Mittel und Wege zu finden, ihr abzuhelfen. Deshalb geht der Plan, den die Verbandsleitung mit der Aufgabe des Pflichtthemas an die Bünde gesandt hat davon aus, die heutige Wirtschaft in ihrem Werden vor uns hinzustellen, zu zeigen,, welche Kräfte am Werke waren, um das zu schaffen, was wir heute als eine komplizierte Wirtschaftsorganisation uns gegenübersehen. Es gilt, dieses Studium mit der größtmöglichen Unvoreingenommenheit zu betreiben, und für eine Zeitlang alle Ismen, die es gegen diese Form der Wirtschaft gibt, zu vergessen; denn wir trüben uns das Bild, wenn wir gleich in Feindschaft an seine Betrachtung herangehen. Da in der Entwicklung der heutigen wirtschaftlichen Organisationsformen die Juden einen besonderen Platz einnehmen — die Gründe sind für unsere gesamte Betrachtung unwesentlich — ist es gut, diesen Platz des Juden genau zu bestimmen. Es wird sich zeigen, daß die Linie der Entwicklung für die

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