Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1930-01-10 · 1 (10.1.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
1 (10.1.1930)
Date
1930-01-10
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492456-6352311-6352562--0895-4929044
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE JUNGGRUPPE Alle Einsendungen sind an Herbert Felsenlhal. Düsseldorf. Graf-Adolt-Strafee 14. zu richten. Haben wir das Recht zu erziehen? Diese Frage bedeutet eigentlich das Sein oder Nichtsein der gesamten Jugendbewegung, also auch unseres Bunde«. Wir müssen uns klar werden, ob wir es verantworten können, wir, die Führer, die uns angeschlossenen jungen Menschen nach den von uns aufgestellten Maximen zu leiten! Die Tat, das bisherige Durchführen unserer Erziehungsarbeit trägt keine Berechtigung in sich! Da man von zwei Uebeln stets das kleinere wählt, müssen wir zuerst erkennen, welches das minimalere ist! Was bedeutet es für das Judentum, denn dessen Erhaltung jrilt ja ausschließlich unsere Arbeit, wenn die-iungiüdische Masse nicht erfaßt wird? Ist die Erfassung der Masse ohne Beeinflussung möglich? Denn ich setze Erziehung gleich Beeinflussung im wahrsten Sinne des Wortes! Die Indifferenz gegenüber der Masse und dem Judentum als solchem hat vor uns und neben uns schon betrübende Resultate gezeitigt, also erkennen wird, daß diesem dolce far niente ein Ende gemacht werden muß! Die zweite Frage, ist die Subiektivität des Führers auszuschalten?, berührt sich nah mit der Kernfrage, haben wir, die heutige Führergeneration, das Recht, zu erziehen? Damit stelle ich die grundlegende Frage an alle Bundesführer, die sich jeder zur Sclbstbeantwortung eingehend durch den Kopf gehn lassen soll! Erziehen wollen heißt doch, von seinem geistigen, menschlichen V ermögen andere zu einem Idealtyp hinführen zu v/ollen! Der wirkliche Führer muß also menschliches Vorbild und geistiger Ratgeber seiner Gruppe sein können. Sind wir in der Gesamtheit imstande, zu sagen, wir sind unseren Gruppen Fuhrer nach obigem Prinzip? Die ehrliche Antwort ist: Nein! Also haben wir de jure das Amt des Führers verwirkt! De facto aber müssen wir uns sagen, daß sich niemand findet, der im Augenblick geeigneter wäre als wir, bitte, alles generell gesagt! Folglich müssen wir „faute de mieux" unsere selbstgewählten Posten ausfüllen, soweit es in unseren Kräften steht. Aber es ergibt sich aus den oben angeführten Gründen für uns die Verpflichtung, die nach uns kommende Generation, also die heute von uns erzogene, morgige Führerschaft zu diesem Idealtyp des Führers hinzuleiten. Zusammenfassend möchte ich sagen: Alle unsere Führer müssen sich klar werden, daß sie nur ,.Aushüfspcrsonal" sind und von sich aus erkennen müssen, wann geeignetere, jilngere Kräfte herangewachsen sind, um diesen dann, auf Grund der „faute-de-mieux"-E»kenntnis.. Platz zu machen. Denn wenn wir das, was Schule, Elternhaus und Gottesdienst in den jungen Menschen nicht ausbilden konnten, von uns aus ändern wollen, so müssen w:ir sorgen, daß vir die richtigen Leute an die gegebenen Stellen setzen, um auch wirklich unserer freiwillig gewählter Erziehungsaufgabe gerecht zu werden! Elsbeth C a p 111 Wir fordern den lunolehrer .Wir. ilcr Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands« leiten unsere Existenzberechtigung von <I<t Tatsache .ib. daß die grofce Masse indischer Jugend dem Judentum in katastrophalem Malte entfremdet ist.- Wir haben uns, da andere Erziehungsfaktoren, wie Schule und Elternhaus, versagt haben, die Aufgabe gestellt, dieser Entwicklung durch intensive indische Erziehung Halt zu gebieten. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir erkennen. daC der praktische Erfolg inservr jüdischen Arbeit trotz allen Bemühens unbedeutend i-t..daß er im Verhältnis zu der unaussprechlichen indischen Not unserer Jugend fast gar nichts ausmacht, fassen wir uns doch nicht durch Freitagabendfeiern, gelegentliches Rjhcltesen, Heimabende jüdischen . Inhaltes u. ä. darüber hinwegtäuschen, daß das alles nur an der Oberfläche bleibt ■ •hinirgendwie gestaltenden Einfluß auf den einzelnen zu gewinnen. Diese Erkenntnis darf uns nicht entmutigen, Sönnern muß uns vielmehr zu einschneidenden Konsequenzen führen. Die Gründe, daß unsere ganze jüd'«che Arbeit zur ziem* liehen Erfolglosigkeit verurteilt war, sind zwiefacher Natur. Das eine Mal ist es (Ke Tatsache, daß wir in der langen Zeit des Besteliens des VJJD. nicht verstanden haben, das erzieherische Moment in den Vordergrund zu rücken. 6 Erst in den allerletzten Jahren beginnt sich auf Einfluß der neuen Veib.inilsführersehaft das Bündische und damit das Erzieherische zu entwickeln. Eine erfolgreiche „Judaisierung". d Ir. ein in neuer Form Wieder-Jude-Werden, wird zunächst also davon abhängen, inwieweit wir ein erzieherischer Faktor überhaupt im Leben der jüdischen Jugend werden. Der zweite Grund ist wichtigere weil hier noch gar nichts unternommen worden ist. Unsete jüdische Arbeit zeiti"t auch darum keine positiven Resultate, weil die Führer, die diese Arbeit beute leisten, meist selbst nicht dns nötige JfaA von indischem Wissen und den nötigen Schwung 'jüdischen Geistes in sieh tragen; denn sie seihet sind nicht soweit wirkliebe Jaden, um am'oro zu Juden zu machen. Sie haben den AVillen, aber nicht die Kraft!- End warum nicht? Weil sie die Kinder eines dativassimilierten, eines entseelten ..i'dischen" Milieus, aus wirtschaftlichen Gegebenheiten heraus nicht die Muße, und nicht die Energien aufbringen können, um sieh soweit in das Judentum zu vertiefen, wie es für 1'ebermittler. für l ehrer. unerläßlich ist. Würden wir eine Prüfung elementarsten jüdischen Wissens bei den Yoiviiisvorständon vornehmen, so würde uns das Resultat den Mißstand in seiner ganzen Tragik zeigen. Das Gros nnserer Führer wie aller, die sieh um indische Erziehun" in unseren Reihen bemühen, leisten Dilettantenarbeit. Hier licet die Wurzel unserer I'nfähigkeit. wahrhaft jüdisch zu erziehen. I"s gibt nur eine Möglichkeit in diesem Zusammenhang, Wenn es uns um die 1 ösung westindischer Fragen ernst ist. Wir inf;ssen Mich mit großen Opfern einem Teil der Unseren die Möglichkeit geben, sich mit Judentum intensiver zu beschäftigen und ihr ganzes leben in den Dienst jüdischer Erziehung zu stellen. Die ersten Jahre ihrer Tätigkeit sollen in den Rahmen unserer Verbandsarbeit fallen. Dann haben . wir Menschen, die zunächst einmal ft'r die Bundesarbeit viel Zeit haben. Das ist schon unermeßlich viel wert. Und dann sind es junge Juden, die selbst durch das völlige Hineinleben in das Judentum eine so starke Atmosphäre vön J'"'dischkeit :im sich herum schaffen können, daß die jüdische Erziehung nicht nur eine Sache des Intellekts, sondern eine Sache des Gefühls, des Gemüts werden wird. Im Verband gibt es mehr als genug junge Menschen, die mit Freuden den hier geüieinten Reruf des jüdischen Lehrers ergreifen würden und auch wirklieh dazu prädestiniert wären. Wenn wir ihnen nur die Voraussetzungen geben, dann verfügen wir über eine starke Führerschicht. die berufen ist. das jüdische I eben der einzelnen zu vertiefen und zu intensivieren. Die wicht festen Vorbedingungen sind die Möglichkeit kostenloser Ausbildung, ausreichende Besoldung. Ruhestandsaussicht und vollkommene geistige Unabhängigkeit. I'nsere Aufgabe ist demnach, einmal in der jüdischen Oeffentlichkeit in aller Schärfe die Forderung nach dem Junglehrer und den genannten Vorbedingungen zu erheben und andererseits selbst durch einen Fonds für Stipendien zwecks Ausbildung an der I isung mitzuwirken. Ich weiß, daß sich mit dieser Forderung eine Anzahl wichtiger Probleme ergeben, auf die ich in diesen knappen Zeilen nicht eingehen kann. Nur einem Mißverständnis möchte ich vorbeugen. Der geforderte Junglehrer soll keinesfalls den örtlichen längst angestellten alteren 1 ehrer verdrängen. Die Gemeinden müssen sich aber daran gewöhnen, größere Summen in den Etat für die Erziehung zu stellen. Auch wird der Junglehrer, wenn er zum Führer im -Tugendbund zu alt geworden ist, nicht überflüssig sem. Er wird dann eben den Religionsunterricht der schulpflichtigen Jugend übernehmen, ein Gebiet voll großer Entwicklungsmögliclikeiten. Das Judentum ist in Gefahr. Es gilt die Erhaltung und vielmehr noch die Erneuerung. Ein Weg dazu ist. die Führerschaft unserer Bünde mit Junglehrern zu durchsetzen. Sorgen wir. daß er rechzeitig beschritten wird ,., ... Martin Seligmann. Kltcrnuhcml der Duisburger Junggriippc. Am 17. November veranstaltete die Duisburger Junggrujipe ihren ersten Elternabend. I m es vorweg zu nehmen: Es war ein Erfolg, — wenn man bedenkt, daß die Gruppe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.