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Der Jugendbund · 1930-01-10 · 1 (10.1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
1 (10.1.1930)
Date
1930-01-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Tschornicki erklärt sich mit diesem Programm durchaus einverstanden, wünscht nur, daß auch der Tätigkeitsbericht in Kurzreferate aufgelöst wird, um den Verband in der Vielseitigkeit seiner Erscheinungen zutage treten zu lassen. Goldschmidt und Israel erklären sich mit den Vorschlägen der Vcrbandsleitung einverstanden und wünschen nur, daß die Vorbereitungen so bald getroffen werden, daß die Kommissionen rechtzeitig in den Besitz des von ihnen zu bearbeitenden Materials kommen können. Hahn stellt fest, daß der Vorstand mit den Vorschlägen der Verbandsleitung einverstanden ist. Aufgabe der Verbandsleitung muß es jetzt sein, die Tagung in dei besprochenen Weise vorzubereiten. Schluß der Vorstandssitzung 20.20 Uhr. O Tagungs-Tribüne o Tribunal? Uon JaKoü Jacobs. Wrnn in der Geschiente des Verbandes von Wellenbergen und Wellentälern gesprochen Warden i-t. >n muß ich feststellen, daß in diesem Augenblick der Verband-Rieh in einem Tile befindet, das tief und gefährlich ist. Diese Erkenntnis [gl offenbar, und man verrät kein Geheimnis, wenn man dies niederschreibt und kann auch nicht einer die Verbandsdisziplin störenden Handlung bezichtigt werden. Die Situation der meisten Bünde ist schwach, der Führernachwtichs qualitativ und quantitativ gering, eine Erziehungslinie kaum, und eine politische I ihie in der Realität Überhaupt nicht erkennbar. Die Wechselwirkung Verband — Bünde ist in dnr Wirklichkeit nur Form, und daher ist wenig mehr als die Stimme der Bünde das, was man Verband nennt. Es ist zugegeben, daß die Zeit und ihre Tendenz unserer Arbeit nicht besonders günstig ist: d.iß Wirtschaftsnot und oberflächliche Leichtfertigkeit vereint. Feinde unserer Arbeit darstellen. Es ist aber festzustellen, daß keine Gesetzmäßigkeit dem Absteigen in ein Wellental zugrunde liegt, daß hier kein tiesetz waltet, daß aus der ewigen Wiederkehr des '•Dieben immer neue Krisen unseres gemeinsamen Schaffens ■1 zwingt. l>ie Tribüne ,muß zum Tribunal werden, wenn »ie ihre Aufgabe recht erkennt, ZU einem Tribunal, das Material z.usammentrfigt: zu einem Untersuchungstribunal. Die in Dresden gewählte Verbandsleitung hat eine Betriebsamkeit entfaltet, die jeder ehrliche Mensch anerkennt. Rundbriefe, Vortragstourneen und in bescheidenem Maße Anregungen sind von ihr ausgegangen und haben in den Künden gevirkt. I eider aber hat sich in dieser Betriebsamkeit ihr ganzes Wirken erschöpft. War sie zu schwach, um in zwei Jähren Kl.irung über den Gesinnungsparagraphen zu schaffen, der nunmehr endlich Gegenstand der Auseinandersetzung ist? War sie zu lau, Stellung zu nehmen zu entscheidenden Fragen jugendlichen Leben.-:' Glich sie der Leitung einer Sekte, die Forderungen ihrer Seele predigen und leben wollte, ohne Zusammenhang mit der sozialen Wirklichkeit, and die, wenn sie schon einmal die soziale Gegebenheil zum Vorwurf nahm, predigthaft an der Oberfläche hangen blieb, die es jedem Menschen möglich machte, zu dem Gesagten ja zu sagen? Das ist das Bedauerliche, daß, wenn man diese Fragen stellt, es auf alle nur eine Antwort gibt: Ja. Autoritäten innerhalb der Verbandsleitung haben es offen zugegeben; daß die finanzielle Abhängigkeit von passiven Mitgliedern und Gönnern den Fuß auf dem Wege und den Flügel des Gedankens lahmen. Es scheint fast, als ob auch für uns das Wort richtig sei: yui mange du pape en meurt! In der praktischen Politik des Tages kumnit ein bedeutender Einfluß inbezug auf Orientierung und Information dem zu, was man mit Couloirgesprächen bezeichnet. Und es hat sich innerhalb der vielen und winkligen Couloirs des Verbundes schon durchgesprochen, daß es eine Opposition gibt. Menschen, die ZU der'Leitung eine, ablehnende Stellung einnehmen. Weil sie das, was geschieht, nicht für richtig oder genügend halten. Eine Opposition, deren Stellung gefährlich ist, weil sie Zulauf von Menschen sehr leicht bekommen kann die aus irgendeinem nebensächlichen Grunde oder gar per- -i-nlichen Erlebnis irgendwie verärgert sind. In allen Gesellschaften gibt es Ventile für die einmalig oder ewig UnZTU. Iriedonen, und dieses Ventil besteht in, Wesen des Verbandes nicht: am allerwenigsten sind die Gedanken, die die Grundlage zu der oppositionellen Haltung einer zahlenmäßig, kleinen Zahl von Menschen bilden, als Ventil geeignet. F.- ist falsch von der Vcrbandsleitung, zu behaupten, die Opposition lichte sich nur gegen sie; sie richtet sich auch gegen sie, aber in gleichem Maße gegen die Mehrheit jlcs Verbandes in seinem Wirken. Die Ursache der Oppostion ist eine andere Einstellung zu den politischen Dingen und ein volles Eintreten für die Präambel der Vorbanilssatzung, die in ihrer jetzigen Formulierung wesentlich von Oppositionellen mitgesebaffen worden i-t. „Gcsnnitiüdiscbes Denken und Wollen" ist uns keine leere Deklaration und Proklamation; es ist uns auch mehr als ein Aufruf; es ist für uns der Schlüssel zu der politischen Erziehung der uns erreichbaren jungen Menschen, es ist für uns die Grundlage der Haltung aller zu dem Verband sich bekennenden Menschen in Dingen der jüdischen Politik. Der Ausdruck dieses Wollens müßte das Verbandsorgafl sein, das zum großen Teil durch die mangelhafte Mitarbeit aus Verbandskassen so unvollkommen — ja manchmal akademisch, und das Ist kein Kompliment, wirkt. Aber auch bei intensivster Mitarbeit von Verbaudsf relinden WÄ*e das nicht zum Ausdruck gekommen, was ich vom „Jugendbund" fordern muß: Propaganda für unseren politischen Willen. Sie wäre nicht zum Ausdruck gekommen, weil die Redaktion versagt. Es ist eine große Verantwortung, die die Herausgabe einer eigenen Publikation, die Anspruch darauf macht, nicht nur intern zu wirken (weite Kreise des I'OBB. sind abonniert), auf die Schultern der Beteiligten-lädt: ein weiteres Organ; dessen Färbung aus nichts anderem als aus Druckerschwärze bestöbt, zu anderen, gleichartigen, hinzuzufügen, ist sinnlos: es ist die Aufgabe der Redaktion einer Publikation, in jeder Nummer die Haltung des Organs zum Ausdruck zu bringen, die Aufsätze, wenn sie nicht von selbst 'kommen, mit Nennung des Themas zu erbitten und anzufordern. Auf diese Art und nicht du i ch zufällige Eingänge kummeu wertvolle Publikationen zustande. Diese Methode ist in einzelnen Ausnahmefällen auch im „Jngendbund" ver- -ueht worden, und diese Hefte lieben sich wertvoll aus den underen heraus. Der Zug des Erkennens des Wertvollen, Notwendigen; Neuen. Kritischen und Schöpferischen, muß der Wind sein, der durch die Redaktionestube auch des ,..Iugendbund" weht* hier ist der Leitung unseres „Mitteilungsblattes" (wie es sich Ix scheiden nennt), der Vorwurf nicht zu ersparen, daß sie -ich dem gesperrt hat. v Sei es. daß sie unfähig war. sei es. daß sie nicht die richtigen Aufsätze bekommen konnte: kritische Aeußerungen sind in wiederholten Malen abgelohnt wurden, und noch im Augjeublick mußte ein grundlegender, kritischer Artikel zur sexuellen Not an die Zeitschrift des .Indischen Frauenbundes gehen, weil die Redaktion des ...Jugendbuml" diese Dingo für picht wesentlich genug hielt.-in breiter Form vor unseren Menschen publiziert zu werden. Hatte die Verbandsleitung an Stelle platonischer Liebeserklärungen das offizielle Sprachrohr de- „.Jugendbund" dazu benutzt, unverzüglich nach der politischen Tat der Mitarbeit au der Jewish Agency. darzulegen, wie diese Entscheidung ins der Gesinnung und Haltung des Verbandes und den vorliegenden Beschlüssen früherer Tagungen herauswachsen mußte, dann würde Klarheit, wenigstens im engen Kreisen über die Motive herrschen, die Ernst Holzer und mich veranlaßt haben, anläßlich der „Erklärung deutscher .luden", den bekannten Brief an den Verbandsvorsitzenden zu schreiben. und ihn der ' hen Öffentlichkeit bekanntzugeben (siebe Protokoll f .ig). Deie Agency als einem fortschrittlichen rojgte in Form der Erklärung deutscher Ju«? .i drei ehemaligen Landesverbandsvor- .i-iclmet worden ist.

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