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Der Jugendbund · 1929-11-01 · 11 (1.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
11 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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seine Kräfte, seine Ideon, seine Menschen und .«eine Zukunftshoffnungen in ein gemeinsames Werk zu ergießen: die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Palästina ist für alle Teile des Judentums, für alle Schichten und Gruppen, das Symbol seiner Einheit geworden, und schon durch diese Tatsache hat Palästina in diesem Augenblick das beste für das Judentum geleistet, was in "diesem Stadium seiner auseinanderstrebenden Entwicklung geleistet werden konnte. Auf der Estrade von Zürich waren die besten Geister des Judentums versammelt, waren die .ludcnheitcn aller Nationen vertreten, alle Schichten und Partien, die es heute innerhalb der zionistischen und nichtzionistischen Welt gibt, waren dort repräsentiert. Und unergeßlich wird uns das Wort von Weizmann bleiben, daß die Versammlung der Agency „ein Spektruni der Judenhcit iiildete, das von Rabbi Lipschitz icchts bis zu Leon Blum links hinüberleitet und das Palästina diese farbigen Strahlen in einer Linie vereinigt und sie dann wieder zum hellen Lichtstrahl bündelt, der in die Welt ausstrahlen wird". III. Die Konstituierung der Agency ist nicht nur bedeutsam als eine innerjiidische Tat. So bedeutsam sie für die Einigung des Judentums, für seine Produktivierung und für seine zukünftige Entwicklung heute schon geworden ist, so darf man nie vergessen, daß die Agency entscheidend ist als Träger einer jüdischen Außenpolitik. Artikel 4 des Palästina-Mandats bestimmt, daß „die Agency als öffentliche Körperschaft anerkannt werden soll für die Aufgabe, der Verwaltung Palästinas in solchen wirtschaftlichen, sozialen und anderen Angelegenheiten Rat und Mitarbeit zu gewähren, die die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte und die Interessen der jüdischen Bevölkerung in Palästina betreffen, und immer, vorbehaltlich der Kontrolle durch die Verwaltung, bei der Entwicklung des Landes zu helfen und teilzunehmen". Die Jewish Agency hat somit gegenüber dem Völkerbund un^l der Öffentlichen Meinung der Welt eine politische Verpflichtung von größtem Ausmaß übernommen. Damit ist der Charakter der Agency als einer Tatgemeinschaft eindeutig festgelegt. Es kommt nicht nur darauf an, bestimmte Meinungen zu erzeugen und zu verbreiten, sondern das Gesamtjudentum durch das Medium der Jewish Agency zu konkreten politischen und wirtschaftlichen Handlungen aufzurufen. Für diese realen politischen Aufgaben hat die Tagung in Zürich zwei wesentliche Leistungen vollbracht: 1. Die Agency hat sich eine Verfassung gegeben, die feierlichst von den Vertretern aller Judenheiten und von der Zionistischen Organisation unterzeichnet worden ist. Durch diese Verfassung wird der Arbeitsmodus der Agency bis ins einzelne geregelt, und es ist dafür Sorge getragen, daß das Gleichgewicht der beiden Partner garantiert ist und daß keinerlei zufällige Majoritätsbeschlüsse zustande kommen können, an die dann der überstimmte Partner nicht gebunden ist. Wenn man die Vorgeschichte dor Agency kennt, wenn man weiß, mit wieviel Bedenken und Vorbehalten beide Partner in diesen Bund eintraten, so muß man es als eine Tat von größter Bedeutung empfinden, daß es gelungen ist, über alle widerstrebenden Interessen hinweg zu einer Verfassung zu kommen, die es der Agency ermöglicht, praktische Arbeit zu leisten. 2. Die Tagung der Agency hat ein Budget in Höhe von 750 000 L verabschiedet, das für den Keren Hajessod, den Kolonisationsfonds der Agency, aufgebracht werden soll. Mit der Verabschiedung dieses Budgets hat die Jewish Agency eine reale Verpflichtung übernommen. Es werden in Zukunft nicht mehr Zionisten zu Xichtzionisten kommen, um sie zu bitten, sich am Keren Hajessod zu beteiligen, sondern auf allen in der Agency vertretenen Teilen der Judenhcit lastet nun gemeinsame Verpflichtung, für die Aufbringung dieses Budgets zu sorgen. Der Keren Hajessod hat durch seine Stellung als Kolonisationsfonds der Agency den Charakter eines Fonds gewonnen, dem alle Juden ihren Beitrag als eine Steuerleistung für das werdende Gemeinwesen in Palästina zu geben haben. Der erzieherische und moralische Wert dieser Steuer beruht darin, daß es eine freiwillig übernommene Verpflichtung ist, hinter der nicht die Autorität eines Staates, sondern die mahnende Stimme unseres jüdischen Verantwortungsbewußtseins steht. IV. Gerade in diesen Tagen anläßlich der furchtbaren Ereignisse in Palästina hatte die Jewish Agency zum ersten Male Gelegenheit, sichtbar als Träger der jüdischen Außenpolitik in der Frage des Palästinaaufbaus aufzutreten. Unmittelbar nach den Vorfüllen in Palästina intervenierten führende Männer der, Agency bei der Regierung in London und riefen die öffentliche Meinung der Welt als Bundesgenossen in unserem Kampfe für unser Recht auf. Das Administrative Committee der Jewish Agency tagte ' in I undon und faßte eine Reihe von Resolutionen, in denen feierlichst erklärt wird, daß d,is jüdische Volk entschlossen ist, „mit erneuter Energie das Werk des Wiederaufbaus in Palästina zu vollenden". In Ausführung seiner eigentlichsten Aufgabe, die Regierung der M.uidntarmacht zu beraten, wendet sich auch eine Resolution des Administrative Committee an die Regierung, in der eine Reihe von Forderungen erhoben werden, die man für die Beilegung des gegenwärtigen Konfliktes und für die Fortführung unserer Aufbauarbeit in Palästina im Sinne der Balfour-Doklaration und des Mandats für notwendig hält. Die Jewish Agency hat in diesen so kritischen Wochen bewiesen, daß sie zu handeln versteht. Der Führung ihrer leitenden Männer ist es zu danken, daß das Judentum mit so viel männlicher Festigkeit, mit so großem Ernst und so starker Entschlossenheit auf die Ereignisse in Paliistina reagiert hat. Ihrem politischen Gewicht ist es zu danken, daß der englischen Regierung bei diesem Anlaß stärker als je zuvor die Bedeutung ""und die Kraft des Palästinawillens des Judentums deutlich wurde. Das erste Kapitel der Geschichte der Jewish Agency ist erfüllt von schmerzlichen Ereignissen in Palästina, ist aber auch erfüllt von großen politischen Leistungen, durch die die Agency ihre Bedeutung und Existenzberechtigung stärker noch bewiesen hat als durch feierliche Reden und Bekenntnisse. V. Die Konstituierung der Agency war ein Ausdruck desstarken Paliistinawillens, der im Weltjudentum, besonders aber in der jüdischen Jugend in den letzten Jahren deutlich geworden ist. Die Agency ist heute der Rahmen, In dem alles, "was es an lebendigen Aufbaukräften im Judentum gibt, zusammengefaßt ist. Sie wird in Zukunft das sein, was die nachfolgenden Generationen aus ihr machen werden, und darum ist es von entscheidender Wichtigkeit, wie heute die jüdische Jugend zu dieser Agency steht. Sieht sie in ihr nur ein organisatorisches Gebilde, dem man ohne große Konflikte Angehören kann, da sie ja die Billigung aller jüdischen Gruppen und Richtungen gefunden hat, oder sieht sie in der Agency eine große und heilige Aufgabe, die unsere besten Kräfte erfordert. Die Agency wird ohne tiefgreifende Wirkungen im Judentum bleiben, wenn die junge Generation glaubt, daß es schon genügt, nicht gegen Paliistina zii sein und daß schon diese Einstellung genügt, um die Zugehörigkeit zur Agency zu rechtfertigen und zu begründen. Wir untersuchen nicht, welche Gesinnungen und Vorstellungen die Generation in die Agency hineinträgt, die jetzt dieses Werk— vollzogen hat. Wichtig ist aber, was die jüdische Jugend von Palästina denkt._ Die alte Generntion ist in ihrer Stellung zu Palästina noch vielfach an alte Formeln und Begriffe gebunden. Die Frage der Terminologie spielt dort eine entscheidende Rolle und richtet zwischen den Menschen unnatürliche Grenzwälle auf. Die jüdische Jugend sollte die Kraft haben, das jüdische Problem von Grund auf neu zu durchdenken und zu Resultaten zu kommen, die vielleicht von dem konservativen Schema unserer Terminologie abweichen. Daß das jüdische Volk eine Realität ist, sollte man freudigen Herzens anerkennen und bejahen, nachdem man ja durch den Beitritt zur Agency bereits juristisch den Begriff " des jüdischen Volkes akzeptiert hat. Daß in Palästina eine Heimstätte dieses jüdischen Volkes geschaffen wird, in der es zu einer vollen Realisierung aller seiner Kräfte und zu einem Leben in äußerer und innerer Freiheit, zu einer Sicherung seines überall bedrohten Volkstums gelangen kann, müßte ebenfalls Bestandteil unseres jüdischen Denkens und Handelns werden. Wir halten es nicht für unsere Aufgabe. Normen für das jüdische Denken aufzustellen, glauben aber, daß für eine junge jüdische Generation der Eintritt in die Agency begleitet sein muß von bestimmten Entwicklungen, wenn er überhaupt als erzieherischer und politischer Faktor für sie irgendeinen Wert haben soll. Die alte Generation hat ein Recht, darauf Wert zu legen, daß es sich hier nur um eine Tatgemeinschaft handelt. Die junge Generation muß fordern, daß die Tatgemeinschaft in kommenden Geschlechtern immer mehr und mehr zu einer Gesinnungsgemeinschaft wird, woil unsere schöpferischen Kräfte sich nur da voll entfalten können, wo es" keine Inkongruenz zwischen Denken und Tun gibt. .• 3

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