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Der Jugendbund · 1929-07-01 · 7 (1.7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
7 (1.7.1929)
Date
1929-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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miTTfetiunGcn Des vegBQnpes Dep jüDiscHen juGenoveßcine DeurscmanDs 15. Jahrgang Düsseldorf, den 1. Juli 1929 Nummer 7 AIIQ Hpni Inhfllt* Je™sh Aäency. — Weltkonferenz der jüdischen Frauen, von Aenne Hahn, Essen. — Die Junggruppen. uwu ■»"«"• — Bücherschau. — Aus dem Leben des Verbandes. — Aufruf. — Mitteilungen der Verbandsleitung. — Adressenänderungen. — Spendenliste. — Anzeigen. Jewish flgency (Wir verweisen auf die Ausführungen in der Mainuramer.) Kurt Von. Jülich Es ist erfreulich, daß die Schriftleitung unseres „Jugendbundes" in seiner vorletzten Nummer die Meinung eines Vorstandsmitglieds unseres Verbandes und die AeuOerungen von Führern fast aller jüdischen Jugendbünde, zu der Frage der Jewish Agency aufrollt. Hoffentlich hat dieser Schritt weitere AeuOerungen unserer Führer und nicht zuletzt eine Stellungnahme unseres gesamten Verbandes im Gefolge. Aufgabe dieses Artikels ist, sich mit der Meinung von Fritz Schwarzschild auseinanderzusetzen, die, wenn auch privatim geäußert, Gedankengänge enthält, die aus der Ideologie des Verbandes stammen und somit wenigstens in dieser Beziehung allgemeine Gültigkeit haben dürften. I. Die Meinung Schwarzschilds ist anscheinend einerseits von einem starken Wohlwollen gegenüber dem Palästinawerke und von der Vorstellung der „gesamtjüdischen" Idee aus diktiert. „Der zionistischen Organisation ist es gelungen, ihre Sache in den Mittelpunkt des jüdischen Denkens unserer Tage zu rücken", die Teilnahme an der J. A. ist für uns „eine der vielen praktischen Fragen" geworden. Andererseits ist aber der spezifiische Pflichtenkreis des deutschen Judentums nicht zu vergessen; Fritz Schwarzschild mahnt gewissermaßen und fordert sogar von den zionistischen Partnern in der J. A., daß sie sich über die Frage des Palästinaaufbaues hinaus um deutschjüdische Dinge zu kümmern hätten. Leider hat er nicht klar genug hervorgehoben, in welcher Beziehung er sich eine aktive Unterstützung der deutschen Juden durch die J. A. vorstellt. Wenn er dann meint, daß die zionistischen Partner der J. A. sich künftighin auch der Galutharbeit mehr zuwenden sollen, so ist das m. E. eine cura posterior. Es kann gar kein Zweifel sein, daß auch die Zionisten die Galutharbeit bejahen. Die Frage ist nur die, was im Augenblick wichtiger ist: Der Aufbau Palästinas oder die Pflege des Judentums im Galuth? Der Zionist gibt die eindeutige Antwort: Palästina. Damit verneint er nicht die Existenz des Galuthjudentums. Unter Galuthverneinung wird gemeinhin verstanden, daß das Judentum ohne Kraftzentrum in Palästina keinen Bestand mehr hat. Wenn man allerdings darunter die Verneinung der Möglichkeit jüdischen' Lebens im Galuth schlechthin versteht, so gehe ich mit Fritz Schwarzschild dahin eins, daß dieser Ansicht scharf entgegengetreten werden muß. Ich bin überzeugt, daß das Judentum auch in der Galuth durch die Einwirkung Palästinas Bestand haben wird. Doch soll davon noch weiter unten die Rede sein. IL Es kommt mir zunächst darauf an, den Begriff der gesamtjüdischen Idee klarzustellen. Hierüber ist schon viel geschrieben und gesprochen worden. Vielleicht ist es bisher von den meisten unserer Verbandsfreunde noch nicht recht verstanden worden. Hahn hat auf dem letzten Verbandstage eine treffende Definition gegeben. Danach verlangt die gesamtjüdische Haltung die innere Teilnahme an allen jüdischen Geschehnissen in der Welt. Sie fordert „den Glauben an einen1 einheitlichen Körper des jüdischen Volkes und an einen jüdischen Geist. Der Blick ist auf das Ganze des jüdischen Seins gerichtet. Das Streben muß gerichtet sein auf die Schaffung einer jüdischen Weltgemeinde." Das Bekenntnis zur gesamtjüdischen Idee schließt das starke Bewußtsein von der Einheit des Judentums, den Klalgedanken, ein. Bejaht man die Existenz einer eigenen jüdischen Geisteswelt, eines eigenen jüdischen Vorstellungs- und Empfindungsvermögens und fordert man deren Weiterexistenz, so liegt darin ein Moment, das nicht scharf genug hervorgehoben werden kann. Der Wille zur Einheit und die Forderung, die jüdische Seele mit neuen jüdischen Inhalten zu füllen, ist für mich das Anzeichen dafür, daß der größte Teil unseres Führerkreises im Verbände zu ahnen beginnt, daß eine Erneuerung jüdischer Kultur heute notwendiger denn je tut und sie das Jüdischerwerden als eine brennende Frage empfindet. Deutlich hebt sich diese gesamtjüdische Haltung von der in Centralvereinskreisen vorherrschenden Auffassung vom Judentum ab. Ludwig Holländer hat in seiner letzten Broschüre „Gesinnungsverein oder Abwehrverein" ganz klar die geistigen Grundlagen des CV. substanziiert. Danach liegt der Schwerpunkt des Judentums bei aller Anerkennung einer jüdischen Gemeinschaft, die auch durch andere als religiöse Merkmale gekennzeichnet ist, dennoch auf dem' religiösen Gebiete, endet in einer Bejahung des; j e t z i g e n Ideengehaltes des Judentums und sieht in der Verbindung der religiösen Betätigung mit der Einordnung des | deutschen Juden in die deutsche Kulturwelt die Aufgabe des CV. Uebrigens sagt Ludwig Holländer selbst, daß diese! Aufgabe eine schwerere ist, als das Bekenntnis und das Ziel zum Zionismus, das für ihn sogar die, natürlichere Lösung des jüdischen Problems bedeutet. Auch lehnt er ganz deutlich das Vorhandensein einer absoluten Einheit der Gesamtjudenheit ab. Er spricht von einer „relativen Einheit". Unser Verband hat in Wahrheit durch das Bekenntnis zur gesamtjüdischen Idee einen weiten Schritt über die landläufige Meinung innerhalb der deutschen Judenheit hinausgetan. Ihn beherrscht nicht mehr die engbegrenzte, „saturierte" Auffassung des CV., die zwar nicht eine Loslösung vom Judentum, aber doch ein Beharren bei dem heutigen Zustand fordert und in der praktischen Betätigung ihren Schwerpunkt in der Assimilation an die deutsche Kultur hat. Unser Verband geht in seiner Tendenz — denn das ist eine Tendenz — darüber hinaus. Er will gerade die Erneuerung des jüdischen Geistes durch jüdische Manschen und einen Kampf gegen die Assimilation. Er bekennt sich zum Ziele der Gründung der jüdischen Weltgemeinde. Unser Verband ist in die Reihen derjenigen Bewegungen einzureihen, die für eine Renaissance des jüdischen Menschen überhaupt eintreten.

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