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Der Jugendbund · 1929-02-01 · 2 (1.2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
2 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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D€P JjJO€flftBlJNP miFfe'LunG€n Des vepBonoes Dep jüpiscHen judfenoveoeine peuTSCHLflnps 15. Jahrgang Düsseldorf, den 1. Februar 1929 Nummer 2 Zum Problem des Sprechchors, von Dr. ik jüdischer Jugend an Lessing, von Hermann Greid, Düsseldorf — Praktische soziale Arbeit — Die Junggruppe — Mädelsarbeit — Bücherschau — Aus dem Leben des Verbandes — Mitteilungen der Verbandsleitung — Adressenänderungen der Vereine — Spendenliste — Anzeigen. AlIC ripHI Inhalt" DieJ^&^PPentagung in Gelsenkirchen, von J. Rapliael HUd UCIII lllllllll. Kurt Eckstein, Oberhausen — Dank jüdischer Jugend an Die Junggruppentagung in Gelsenkirchen 23. bis 28. Dezember 1928 Von J. Raphael (Nach den Protokollen von Hedwig Röhn, Halle, Irma Isaacsohn und Elsbeth Capell, Düren.) L Blick über die Tagung. Nicht als kühler, kraß-objektiver Reporter steht man mit gespitztem Füllhalter in irgendeiner Ecke, auf dem Anstand des korrekten Berichterstatters, der von Beobachtungswut, Miniaturenhascherei und den üblichen Interview-Sehnsüchten erfüllt ist, und der nur gierig darauf brennt, einen möglichst schmackhaften Artikel über — eine Tagung in die Setzerei zu balanzieren. Wer kann einer Tagung der Junggruppen einzig und allein mit dem sachlichen Hirn eines Berichterstatters beiwohnen? Und bat man — ganz nebenbei und außerdem — den Auftrag, mitten in all dem Erleben und Leben dieser Junggruppenzusammenkunft so aufzupassen, um nachher, wenn wieder Ruhe herrscht, ein paar Seiten für diejenigen zu schreiben, die „nicht dabei sein konnten", dann ist es wahrhaftig keine Kleinigkeit! Wo soll man jetzt beginnen? Wer kann überhaupt einen Hauch von dem außerordentlich reizvollen, gesunden Sinn dieser Tagung verspüren, wenn er nicht das Glück hatte, diese drei feinen Tage mitzumachen? Hat hier eine Berichterstatterei eigentlich einen Zweck? Höchstens doch nur den einen, daß beim nächsten — hoffentlich recht baldigen — Junggruppentreffen auch die diesmaligen Zauderer und Wenn- und Aber-Naturen sich den inneren Ruck geben und alles daransetzen, um zu kommen! Für Junggruppenmenschen darf es eben nichts Unmögliches geben! An Tagungen herrscht heutzutage grade kein Mangel. Aber auffallend selten stößt man auf ein Sich-Zusammenfinden, das in starkem Maße die Attribute der Arbeit trägt, — Gelsenkirchen war eine Arbeit! Mit dem Ausdruck „Tagung" ist das, was an diesen drei Tagen dort geleistet worden ist, durchaus nicht gekennzeichnet. Es war kein Rendezvous der Kanonen, keine Demonstration, kein gestereiches Glänzen nach außen hin, kein parlamentarisch ausgeklügeltes, spitzfindiges Gerede zum Fenster hinaus. Nicht mal eine halbamtliche Maske störte dieses' Gewimmel freudestrahlender Gesichter, schaffenden Wollens, diese unausgesprochene Feststellung, daß unsere Junggruppenarbeit bisher nur aus Präludien bestanden und nur Mitläufer von Vorläufern gesehen hatte, — und daß Gelsenkirohen die wundervolle Kraft aufbringen koaute, endlich klar und deutlich die Wege für das Weiterschreiten zu ebnen. Vor allen Dingen: wir hatten Zeit in Gelsenkirchen. Die Unrast und Hast, und daher die Halbheit, unter der wir damals in Düsseldorf und dann, als _»ir parallel mit der Uauptvcrbandstagung in Dresden zu arbeiten versuchten, notgedrungen leiden mußten, ward hier natürlich zur Unmöglichkeit. Denn — wir hatten drei Tage ganz für uns! Daß wir diese Zeit auch bis ins Letzte ausnützen konnten, das verdanken wir nicht allein den Initiatoren der Tagung, — die Tagung war derart ausgezeichnet vorbereitet, daß das Arrangement, zu dem der bekannte Gelseukirchener Sehülerbund das weitaus meiste beigetragen hatte, bis in die Einzelheiten hinein klappte. ' * . f Wir hatten Zeit! Wir brauchten unsere Stunden nicht einfach zu opfern, um endlose Diskussionsreden, die man oft genug fertig ausgearbeitet in der Tasche herumschleppt, um sie bei Gelegenheit auf eine Tagung loszulassen, anzuhören. (.Davor graut man sich, wenn mau au die unvermeidlichen Obermeister der Diskussion denkt!) Unsere Zeit war Arbeit. Was wir in so prägnanter, eindeutiger Art von Dr. Philipp, von Schwarzschild honen, wurde mit ungewöhnlichem Geschick gemeinschaftlich erarbeitet. Oft mußte man, wenn mau abseits saß und einen Blick auf die immerhin sehr große Arbeitsgemeinschaft warf, doch erstaunt sein, daß so glatt und selbstverständlich hier eine wirklich lebendige Form der Junggruppentagung gefunden worden ist, Sie hat sich gleichkam von selber gebildet, ohne Wink von außen, ohne Debatte, ohne Abstimmung und Resolution. Zeit, Arbeit, *» alles formte sich zum Mit-Reden, Mit- Suchen, Mit-Untschließen. (Ein Mudel meinte: Wenn das so geht, dann kriegt man Lust, auch ohne Angst und Lampenfieber seine Meinung zu sagen!) * Etwa 70 junge Mcnsclien liatten sich eingefunden, mehr als die Optimisten erwartet hatten und erwarten durften. Und folgende Gruppen waren vertreten: Aachen, Düsseldorf, Düren, Eschweiler, Koblenz, Gelsenkirohen, Oberliausen, Recklinghauson, Hamborn, Ahlen, Osnabrück, Frankfurt a. M., Ü Hönbach, Ulm, Kaiserslautern, Saarbrücken, Halle, Chemnitz, i Viele andere hatten wenigstens Grüße geschickt. Der Auftakt war würdevoll. Führer der Gelsenkirchener Gemeinde, der Loge — ihr gebührt besonderer Dank, denn in ihren Räumen fand die Tagung statt —, der jüdischen Organisationen, der Lehrerschaft waren anwesend und folgten mit Interesse unserer Arbeit; Eine derartig ansehnliche Zusammenkunft hatten die Junggruppen noch nicht gehabt!

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