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Der Jugendbund · 1929-01-01 · 1 (1.1.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
1 (1.1.1929)
Date
1929-01-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Gotthold Ephraim Lessing ,Vor?00 Jahren — am 22. Januar 1729 — wurde im Pfarrhause der sächsischen Stadt Kamenz der Freund Mose Mendelssohns, der große Dichter des ..Nathan" geboren. Die Tageszeitungen werden literarische Aufsätze hierzu en masse vorsetzen. Unsre Lessingehrung soll darin bestehen, daß wir nachstehend ein paar Stellen aus seinen zahlreichen Briefen wiedergeben An Moses Mendelssohn im Dezember t755:.....Es ist mir lieb, daß man bei Hofe neugierig wird. Sie kennen zu lernen. Die Weisheit selbst hat durch die. Neugierde ihre meisten Verehrer erhalten . . ." An Johann David Michaelis. Oktober 1754: .....Er (Moses Mendelssohn) ist wirklich ein Jude, ein Mensch von etlichen zwanzig Jahren, welcher ohne alle Anweisung in Sprachen, in der Mathematik, in der W'eltweisheit. in der Poesie eine große Stärke erlangt hat. Ich sehe ihn im voraus als eine Ehre seiner Nation an. wenn ihn anders seine eignen Glaubensgenossen zur Ri ife kommen lassen, die allezeit ein unglücklicher Verfolgun'sgeist wider Leute seinesgleichen getrieben hat Seine Red'ichkeit und sein philosophischer Geist läßt mich ihn im voraus als einen zweiten Spinoza betrachten, dem zur völligen Gleichheit mit dem ersten nichts als seine Irrtümer fehlen werden ..." An seinen Vater. Mai 1749: .. . . Solange ich nicht sehe, daß man eines dir vornehmsten Gebote des Christentums, seinen Feind zu lieben, nicht besser beobachtet, solange zweifle ich. ob diejenigen Christen sind, die sich dafür ausgeben . . ." An Gleim. Dezer. ber 1758: .....Vielleicht zwar ist auch der Patriot bei mir nicht ganz erstickt, obgleich das Lob eines eifrigen Patrioten, nac meiner Denkungsart. das allerletzte ist. wonach ich geizen wür.le: des Patrioten nämlich, der mich vergessen lehrt, daß ich e'n Weltbürger sein sollte . . ." An Moses V endelssohn. Dezember 1780: .....Ich glaube nicht, daß Sie mich als i-inen Menschen kennen, der nach Lob heißhungrig ist. Aber die Kälte, mit der die Well gewissen Leuten zu bezeugen pfle; t. daß sie ihr auch gar nichts recht machen, ist. wenn nicht t>tend. doch erstarrend Daß Ihnen nicht alles gefallen, was ich seit einiger Zeit geschrieben, das wundert ^mich gar nicht. Ihnen hätte gar nichts gefallen müssen: denn für Sie war nichts geschrieben. Höchstens hat Sie die Zurückerinnerung an unsre bessren Tage noch etwa bei der und jener Stelle täuschen kennen. Auch ich war damals ein gesundes schlankes Bäumchen: und bin jetzt ein fauler, knorrichter Stamm! Ach, lieber Freund, diese Szene ist aus! Gern möchte ich Sie freilich noch einmal sprechen! . . :" Geeignetes Material ür Lessingfeierstunden ist zu beziehen durch den Kribe-Verlag. Berlin N 113. Schivelbeinerstraße 3. Rund um den Büchertisch Mit dem entzückenc sten Buch, das ich jedem unsrer Jungens und Mädels unbedingt empfehlen muß, will ich gleich diese Uebersicht beginnen: Der Kampf der Tertia von W ilhelm Speyer (Rowohlt Verlag. Berlin). W ie selten findet man in dieser Zeit, die von tausend Problemen der Jugend nur so strotzt, denn ein richtig 'S. echtes, typisches Buch für unsre jungen Menschen! Hier liegt eins vor. .237 Seiten, sauber und vornehm gedruckt, ohne übliche Sentimentalität, sondern übervoll von strahlender, jungenhafter Gesundheit. — köstlich bis zur letzten Zeile, ha irgenau in all den gezeichneten liebenswürdigen Bengels rnd mit der einzigen tipptoppen Mädchenfigur: Daniela! Ii der Tat: als ich diesen Roman in einem Zuge gelesen hatle. mußte ich sagen: so sieht die Gesellschaft aus. die zwischen Tertia und Sekunda nicht bloß den Lehrern verzwickte Rätsel aufgibt! Ein Dichter hat hier mit Röntgenstrahlen in son: t verschlossene Seelen geleuchtet. — Der Rohw ohltv erlag legt ein Sammelwerk von Kurt Pinthus \or: M e n s c h h e i t s d,ä 11 m e r u n g . Symphonie jüngster Dichtung. (Preis 3,80 M., fein gebunden.) Zwar ist hier nicht ..die" jüngste Dichtung zu finden, nicht die groß gewordenen Lyriker der Jahrgänge um 19t>0 herum, — zwjjj sind die Dichter dieser Anthologie (Zech. Li sker-Schüler, Göll, Hasenclever) schon Vierziger und Fünfziger, — trotzdem bietet das Buch einen wundervollen Rückblick in die verworrenen, aufreibenden, hoffnungsstürmenden Tage des Kriegs und der Nachkriegszeit mit ihren Gefühlsinflationen, die uns alle damals in einen unerklärlichen Strudel mitgerissen hatten. So spiegelt sich hier das Antlitz einer ganz eigenen Zeit. Ganz abgesehen davon, daß die Verse einer Else Lasker-Schüler, eines Iwan Göll, eines Werfel grade unsre jüdischen jungen Menschen auch heute noch aufhalten sollten. Sehr interessant sind i die biographischen und bibliographischen Notizen über die modernen Dichter. — Colin Roß, der uns durch seine Weltreisebücher und Filme gut bekannt ist, hat jetzt ein streng persönliches Buch geschrieben, das in diesen Tagen in geschmackvoller Aufmachung bei F. A. Brockhaus, Leipzig (Preis Leinen 4 M.) herausgekommen ist, und das uns mancherlei Aufschlüsse über das Familienleben des Forschers gibt. Der Titel: „Mit Kamera, Kind und Kegel durch A f r i k a." Man hat sich nämlich oft genug den Kopf darüber zerbrochen, warum Colin Ross sich auf seinen abenteuerlichen Fahrten von Frau und Kindern — sein Mädel ist 13, der Junge ist 3 Jahre! — begleiten läßt. „Weitaus am schönsten ist es. — sagt er selber — wenn wir alle zusammen sind!" Der Sinn für die Familie, die unwiderstehliche Liebe zu den Seinen, — auch ein so Nüchterner wie Colin Ross kann sich dem Banne dieser menschlichen Faktoren nicht entziehen. Und wie er mit der Familie da draußen zwischen Elefantenjagden, Löwengebrüll und Diamantengräberei lebt, das schildert er außerordentlich einfach und schön in diesem Buche. — Mit reichen Gaben kommt diesmal der schon oft an dieser Stelle empfohlene Berliner A r b e i t e r j u g e n d v e r 1 a g zu uns. Ein Sammelwerk des Humors, angefangen bei Heine und beim seligen Glaßbrenner und endend bei Busch und im „Wahren Jacob", sei unseren Gruppen für heitere und — noch besser für trübe Stunden empfohlen: Lachendes Volk, zusammengestellt von Walter Eschbach und W. Hofmann, und kostet kartoniert 3 M. Ist 290 Seiten stark. Tischt nicht banale Witzeleien auf. sondern den Humor, den man am besten den klassischen nennen sollte. — Ernster schon ist das Büchlein „Die Mühle zum Toten Mann" vpn Max Barthel, auch im Arbeiterjugend>erlag. (Preis kartoniert 1,40 M.) Das unbarmherzige Erlebnis des Krieges wird uns hier gezeigt, ohne Glorie, so wie es war! Die Schrift gehört in jede Junggruppe. Sie zwingt zum Besinnen mitten in dem großen Vergessen unsrer Zeit. ■— Unsre älteren Junggruppenmitglieder seien hingewiesen auf die beiden nachfolgenden Bücher (ebenfalls Arbeiterjugendverlag) von Adolf Behne: „Die Ueberfahrt am Schreckenstein, eine Einführung in die Kunst" und „V on Kunst zur Gestaltung. Einführung in die moderne Malerei", — wahrscheinlich Gebiete, die noch mit sieben Siegeln verschlossen vor unseren Jungens und Mädels liegen. Diese beiden Schriften sind jedoch extra für Jugendliche geschaffen, enthalten viele Abbildungen und Skizzen und führen diejenigen, die interessiert sind, weiter. Kunst gehört zu unserm Dasein. — Es mag sein, daß man aus diesem Grunde sich jedes Jahr, wenn der 31. Dezember naht, einen Kunstkalender an die Wand hängt, — meist wahllos. Denn es gibt deren genug! Darum sei aufmerksam gemacht auf den neuen schi nen Kalender „Deutsches Wandern", den der Verband für deutsche Jugendherbergen. Sitz Hilchenbach i. W., herausgegeben hat. Jedem ist das Arbeitsfeld dieses Verbandes bekannt, weniger bekannt aber dürften die alljährlichen Kalender sein. Die Bilder sind unendlich frisch und belebend, man kriegt mitten im ödesten Winter Freude an dem Wirken der Naiur. Junge Menschen sollten sich diesen Abreißkalender übern Schreibtisch hängen! — Derselbe Verband gibt ein kleines Jahrbuch mit netten Beiträgen zur Pflege des Naturgenusses bei frohem Wandern und Weilen heraus. — Bei dieser Gelegenheit erinnere ich an das Reichsherbergsverzeichnis 1928/29, das auf über 400 Seiten eine Unmenge wertvoller Angaben über unsre Jugendherbergen bringt und .bloß eine Reichsmark kostet. Das Büchlein ist ein passendes Geschenk für unsre Jungwanderer. Der Verband der Jugendherbergen vertreibt auch mehrere Serien sehr feiner, künstlerisch vollendeter Postkarten, die mit den sattsam bekannten „Ansichtskarten" absolut keine Aehnlichkeit haben. — Mit einem '2

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