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Der Jugendbund · 1928-10-01 · 10 (1.10.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
10 (1.10.1928)
Date
1928-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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D€P J^O€l^BUTNP miTTfeiLunGcn Des vecBAnoes D€P jiüDiscHen juGenov^ecine oeuTSCHLflnos 14. Jahrgang Düsseldorf, den 1. Oktober 1928 Nummer 10 Aus den Inhalt: ■Die Not der jüdischen Jugend, von 'Dr. 'Gustav Löffler, Frankfurt a. M. — Zur Technik der Heimabende, von Artur Hermanns, Düsseldorf. — Sukkaus — das Fest der Jugend, von Rabbiner Dr. Rülff, Bamberg. — Die soziale Arbeit. — Großstadt und Erziehung, von* Levy Wolff. — Jüdisch-liberale Weltkonferenz in Berlin, von Elsa Hirschel, Dresden. — Ich schäme mich, von Erich de Jonge, New York. — Tagebuch von großer Fahrt, von Hans May, Frankfurt a. M. — Die Junggruppe. — Randglosse. — Briefwechsel. — Bücherschau. — Aus dem Leben des Verbandes. — Mitteilungen der Verbandsleitung. — Spendenliste. — Anzeigen. Die Not der judischen lugend Von Dr. Guslau Löffler, Frankfurt a. m. Wenn in den verflossenen 10 Jahren mitunter von der „Not der Jugend" geschrieben oder gesprochen wurde, geschah es meistens in einem — für mein Gefühl — geradezu peinlich mitleidsvollen Tone. Man beklagte unter diesem Thema nicht nur die Unverstandenheit und verständnislose Behandlung der Jugend durch die Generation der „Alten", sondern* auch die gewiß schmerzende, aber doch durchaus seelen- und körpergesetzliche Spannung zwischen allerhand Regungen junger Menschen und dem entfalteten Leben unserer Zivilisation (Puber- . täts-Neigungen und Normen des Sittengesetzes oder jugendlicher Romantik und rauher „Wirklichkeit"). Verwunderlich war bei solcher Art der thematischen Behandlung vor allem die Tatsache, daß nicht oder nur äußerst selten die Führer bewegter Jugend gegen solche Betrachtungsweise ihres Lebens Einspruch erhoben. Mußte sich doch das überschäumende Kraftgefühl der Jugend dagegen aufbäumen, daß man die formende und stählende Macht desLeids verkannte und sie abermals verweichlichen wollte, indem man daran dachte, ihr Schmerzen zu ersparen. In dem Rufe weiter Kreise unserer Jugend nach dem „Weg zur Wirklichkeit", der in jüngster Zeit laut wurde, glaube ich erstmals ganz stark das Verlangen zu hören, auch an den Nöten dieses Daseins bewußt teilzuhaben. Darum kann es bei der meines Erachtens nicht ganz präzisen Themen-Stellung von der „Not der jüdischen Jugend" nicht die Absicht der Verbandsleitung gewesen sein, und ist zum mindesten nicht die meine, aufs neue einen Akt des Mitleids zu vollziehen. Vielmehr geht es darum, die gewaltige Not unserer Tage, an der die Aelteren augenblicklich oft mehr leiden als die heranreifenden Menschen, dem Gesichtskreis der Jugend ganz nahe zu rücken und zugleich Wege zu weisen, wie sie, ihrem Eigenstande gemäß, an der Bewältigung dieser Not teilhaben kann. Dabei ist von vornherein die endliche Erkenntnis wichtig, daß durch die seitherige Nichtbeachtung der Not unserer Zeit seitens der Jungen und die Abbiendung ihres Blickes durch wehmütig-weichliche Freunde der Jugend von dieser Not die Jugend selbst als „Bewegung", als kulturgeschichtlicher Vorgang gerade in unserem Aeon schweren Schaden erlitt und so die allgemeine Not noch steigerte. Zu lange floh sie vor der nothaften Wirklichkeit des Alltags in die Stille der Wälder und die Abgeschiedenheit des „Nests". Und so kam's, daß der Eintritt in das Leben des Kampfs und Leids einen allzu großen Gegensatz zum geträumten Leben der „Jugendbewegung" bedeutete, und daß darüber auch bei den Besten alle Zukunftssicherheit jäh zerbrach. Wie instinktsicher und darum richtig die proletarische Jugend handelte, da sie die Stadt als die Stätte heutigen Lebens bejahte und darum ihre Scharen vor dem spielerischen Ueberschwang bewahrte, hat das letzte Jahr allen klar gemacht, die nicht ganz verblendet sind. Die allgemeine Not unserer Zeit enthält aber ausgesprochene Jugendn o t auch insofern, alsgewisse Notstände ihre Schatten breit auf die Straße der Jugend werfen und sie zum Verzicht oder zu starker Einschränkung mancher, durchaus natürlicher Aeußerungen ihres Seelenlebens zwingt. Für jene Neigung der jugendlichen Seele zu fcanrahtischer Haltung, zum Schweifen, zum Abtasten der Dinge und Geschehnisse bietet die Herbheit und Hast jetzigen Seins wenig Raum. Schließlich muß auf jugendliche Gemüter auch die Erkenntnis drücken, daß bei einem Teil der Lebensnöte die Generation der Erwachsenen keine Möglichkeit der Behebung aufbringt, und daß darum schwierigste Fragen heute schon Bereitschaft der Jugend fordern. Jüdische Jugend hat ihr besonders reiches Maß an Not zu tragen, einmal insofern gewisse Erscheinungsformen des Leids aller bei der Judenheit höchstgesteigert sich zeigen; dann auch, weil sie ahnt oder weiß, daß jüdisches Schicksal und Sinn jüdischen Seins sie zur Uebernahme bestimmter, drängender und verantwortungsschwerer Aufgaben geradezu „auserwählt" hat. Wer aber mag es an unserer Jugend tadeln, wenn Unentschlossenheit und Zaghaftigkeit Nöten gegenüber sich einstellen, vor denen bisher die kühnsten Geister versagten! Und doch wird sich jüdische Jugend aus ihrer spezifischen Artung heraus nicht länger gegen die Weltnot im Ganzen und manche ihrer Aeußerungen in Sonderheit sperren können. Inwieweit sie der Not begegnen kann, ist nicht nur eine Frage des guten Willens; aber bekunden muß sich dieser Wille unserer Jugend, soll sie vor sich selbst und den Anderen, Entschlosseneren nicht belanglos erscheinen. Muß sich doch vor allem die Tatsache der so weit verbreiteten „religiösen Not" quälend auf ihr Bewußtsein legen. Kein Zweifel: das „Volk der Religion" ist in der Kraft naiver Gläubigkeit und in lebendiger Religiosität zutiefst erschüttert, vielleicht noch mehr als manche andere Gruppen von Religionsgemeinschaften. Nun scheint mir zwar die Jugend wenig dazu berufen, hier grundlegend Wandel zu schaffen, selbst wenn sie es möchte. Denn man muß schon eigene und fremde Schicksalsfügungen wahrhaft erlebt haben, muß „dem Göttlichen" in der Welt irgendwann kämpfend oder fragend begegnet sein, um wahrhaft fähig zu sein, „religiöse" Formen und Bräuche, überkommene oder in Zukunft neu zu gestaltende, als Ausdruck eigener Gottverbundenheit zu üben. Solche Gnade aber fügt sich selten vor der Höhe des individuellen Lebens. Ob es dem religiösen Verfall steuern kann, wenn man seine Gründe erkennt, muß füglich bezweifelt werden: man kann die Sphäre des Rationalen, die gerade in der

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