Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 6 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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DCP ,)UG€lTOBt'NP miFfeiLunGen Des vecßonoes D6P jüpiscHen JUGfenpv€Q€in€ DeutscHianDs 14. Jahrgang Düsseldorf, den 20. Juni 1928 Doppel-Nummer 6/7 Die siebente ordentl. Delegiertentagung des Verbandes der judischen Jugendvereine Deutschlands und 28. Mai 1928 in Dresden am 27 Niederschrift der Verhandlungen Sonntag, den 27. Mai 1928: Eröffnungsfeier Musikalisches Vorspiel (Stefan Auber, Cello — .losef Goldst|cin, Klavier) Psalm 148 gesprochen vom Sprechchor des JJV. Düsseldorf Rabbiner Dr. Albert Wolf. Dresden Das Wochenfest, das wir gestern feierten, weckt die Er üblich, daß hinaufzogen das Heilig- Kreisstädten Ruf: „Auf/ Jerusalems Kommenden allen Orten, innerung an einen alten Brauch. Ehemals war es zu diesem Fest die Bewohner des Heiligen Landes nach Jerusalem, um dort ihre Erstlingsfrüchte in tum zu bringen. Man versammelte sich in den des Landes, und am frühen Morgen erging der lasset uns hinaufziehen nach Zion in das Heilig um unseres Gottes." In feierlichem, festlich geschmücktem Zuge zog man hinauf. Priester kamen entgegen, die Bewohner standen auf von ihrer Arbeit und begrüßten die mit den Worten: „Unsere Brüder, Ihr Männer aus seid willkommen in Frieden." Auch Sie sipd aus allen Gauen unseres Vaterlandes ge kommen, und wir, die Bewohner dieser Stadt, rufejn Ihnen zu: ..Ihr Brüder und Schwestern, Ihr Freunde alle, seid in Frieden." Wie schön war einstens dieser Brauch, als das Fest die Bewohner des ganzen Landes einte. Jed< r wollte im Heiligtume Gott seine Gabe darbringen. Wenn 1er Mensch Gott dient, dann dient er ihm, wenn es aus gan :em Herzen kommt, nach eigener Weise; den jeder empfindet das Heilige anders. Aber da die Menschen hinaufzogen, da sie zusammenkamen aus Ost und West, Nord und Süd, da lernten sie sichkennen, da kamen sie sich menschlich näher, da fühlten sie alle: Wir sind Brüder. Mochte auch an einem Orte jeder das Heilige anders empfinden: mochte sich auch das Heiligtum in der Seele des einzelnen anders widerspiegeln, im Tempel empfanden sie es als ein einziges Heiligtum, dem sie alle zustrebten, das sie alle einte. So kommen wir zusammen, jeder mit einem eigenen Ideal in der Seele; wer kein Heiligtum hat für sich, der soll nicht kommen, denn der darf nicht zusammen sein mit uns. Aber indem wir uns gegenseitig kennen lernen, indem Mensch zu Mensch spricht, merken wir: Ja, es ist doch e i n Heiligtum, dem wir alle zustreben, woher wir auch kommen mögen, und was auch sonst unser Streben ist. Denn mehr noch als die Menschen getrennt werden durch Schranken, die Zeit und Kaum gesetzt haben, mehr noch werden sie getrennt durch Schranken, die der Geist aufrichtet. Diese Schranken des Geistes vor allem gilt es niederzureißen, durch die Liebe, die wir als Menschen zueinander empfinden, durch das Streben nach dem einen gemeinsamen Heiligtume. i Wenn den Landwirt in den Tempel gekommen war, stellte er seinen Korb mit Erstlingstrüchten nieder und sprach ein Bekenntnis aus, bekannte sich zu -seinen Vätern und zu seinem Gott. Das erste, was wir darbringen wollen auf dieser Tagung, sei auch ein Bekenntnis, ein Bekenntnis zum Heiligen; Das Heilige muß in uns lebendig sein. Das Zweite sei unser Bekenntnis zur Idee. Von Idealismus erfüllt, hat sich die jüdisch«. Jugend in unserem Verband zusammengeschlossen. Idealismus aber bedeutet nicht ein unklares Träumen und Schwärmen von unklaren, inhaltslosen Begriffen; Idealismus, recht verstanden, bedeutet: die Welt aus der Idee zu begreifen und die Wirklichkeit nach der Idee zu gestalten. Das sei unser Bekenntnis, daß' wir unsere Wirklichkeit gestalten wollen aus der Idee des Judentums. Unser Bekenntnis sei schließlich ein Bekenntnis zum Brudertum, zur Liebe; daß wir über alle Schranken hinweg uns die Hände reichen und uns einig fühlen als Juden und als Menschen. Das Bekenntnis des Landmannes klang aus in ein Gebet zu Gott: „Schau hernieder aus Deiner heiligen Höhe und segne Dein Volk Israel." Gebetstimmung erfüllt uns auch in dieser Stunde. Möge der Geist des Bekenntnisses alle erfüllen, die berufen und gewillt sind, aufunserer Tagung mitzuarbeiten. Möge der Geist der Liebe uns alle durchdringen, möge gottlicher Geist diese ganze Tagung erfüllen und Gottes Segen uns geleiten in unsere Wirklichkeit. Amen. Schlußchor aus „Jeremias" gesprochen vom Sprechchor des JJV. Düsseldorf; von Stefan Zweig.