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Der Jugendbund · 1928-05-01 · 5 (1.5.1928) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
14 (1928)
Issue
5 (1.5.1928)
Date
1928-05-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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beiwünschte. Diese jüdische Welt-Jugendliga — so erwartete man — sollte die gewachsenen Besonderheiten der .luden in den verschiedenen Ländern und Völkern, die besonderen Einstellungen der jüdischen Gruppen in religiöser, weltlicher «und politischer Hinsicht als gegeben hinnehmen und achten, das allen Gemeinsame aber als spezifisch jüdische, gestaltende Kraft in der Welt erkennen, betonen und miteinander pflegen und steigern. Wenn dies gelingen sollte, so mußte mit liebendem Eifer das Einende gesucht, das Trennende gemieden werden. Sie wissen, daß Verlauf und Ergebnis jenes Kongresses die Erwartungen außerhalb Frankreichs enttäuschten. Die jüdische Presse in Deutschland betrachtete danach UUJJ. als ausgeprägt national-jüdisch-zionistischc Organisa ion, die sie als Kristallisationspunkt für einen Wcltvcrband als ungeeignet erachtete. Ich selbst habe, wie ich damals in einem Artikel des ..Jüdischen Wochenblatts" darlegte, das Vorwalten der zionistischen Note im Klangbilde jenes Kongressen keineswegs übersehen. Aber ich erkannte zugleich, daß däs Milieu der Versammlung dem Willen der Pariser Führung ^u überparteilicher Haltung nicht günstig war, da die große Mehrheit der Delegierten sich ganz offensichtlich aus jungen Studenten rekrutierte, die dem Osten Europas entstammten und jedenfalls nicht als Repräsentant der fra nz 6 si s c h-jüdischen Jugend und ihrer Meinung angesprochen werden konnte. Mehrfache eingehende Besprechungen, insbesondere mit dem weitblickenden Delegierten der portugiesisch-jüdischen Jugend, bestätigten meine Betrachtungsweise und bestärkten miejh in der Hoffnung, daß die Leitung von UUJJ. sich ihrer I Mission im Sinne der Einung über den Parteien bewußt sei^ Darum drängte ich die auf meinen Rat hörenden Führer derj größten deutsch-jüdischen Jugendorganisation, des mehr als 10 000 junge Juden umschließenden VJJD., die Beziehungen zu UUJJ. mählich auszubauen, ein wahrhaft herzliches Vertrauensverhältnis anzubahnen und mit UUJJ. zusammen die jüdische Welt-Jugendliga planvoll vorzubereiten. Zu meinem innigen Bedauern ist jedoch seit Jahr und Tag ein Fortschritt in der Annäherung von UUJJ. und VJJD. nicht zu erreichen gewesen. Die Vorstellungen meiner Freunde wegen der die Einung mit nicht-zionistischer Jugend erscheinenden grundsätzlichen Bestimmungen und Programmpunktc von UUJJ. blieben seitens des Pariser Bureaus entweder unbeantwortet oder fanden nicht das erforderliche Verständnis. Bei der Bedeutung, die auch heute noch die deutsche Judenheit und ihre Jugend in den Augen großer Teile clor Weltjudenheit besitzt, wird ein rechtes Vorwärtskommen in der Richtung auf den Weltverband jüdischer Jugend so lange nicht erfolgen können, als zwischen VJJD. und UUJJ. die Atmosphäre nicht bereinigt ist. Die fortgesetzte Lektüre des stets überaus fesselnden „Chalom" zeigt mir, daß in Paris selbst langsam, aber doch merklich der Einfluß derer im UUJJ. wächst, die Kritik an der seitherigen Richtungnahmc üben. Die März-Ausgabe mit den feinen Erklärungen von Aime Palliere in der religiösen Frage und von Yvonne Nette gegenüber den Anti-Zionisten i beweist ein rasches Anwachsen der Spannung. Der deutsche Jude erkennt hier die Wiederholung Von Vorgängen, die sich hierzulande bereits vor 25 Jahren abspielten. Drum darf er die bestimmte Prognose stellen, daß mit der Konstatierung einer „Minorität" in der Opposition die UUJJ. der Schwierigkeiten nicht Herr wird. Es gilt heute für die UUJJ., sich klar zu entscheiden, ob sie eindeutig ein nationaljüdisches Programm verfolgen soll, das sie vom Zionismus nur in unwesentlichen Nuancen unterscheidet oder aber, ob der von ihr propagierte „Judaismus' neben den in Erez Israel sich regenden neuen Kräften die ganze Fülle und Vielheit der jüdischen Kräfte zur Entfaltung bringen will, die zum großen Erneuerungs-Werk von Judenheit und Judentum beizutragen berufen sind. Verstehen Sie auch recht: Ich denke nicht daran, in die Freiheit der Entscheidung von UUJJ. dreinreden zu wollen. Die Festhaltung jener Vorgänge geschieht nur, um Ihnen und Ihren Freunden darzutun, daß die Einwände meiner Freunde vom VJJD. und meine eigenen Mahnungen beim ersten Kongreß nicht aus irgendwelchen Vorurteilen, gefühlsmäßiger Enge oder gar „Unjugcndlichkeit" erfolgten. UUJJ. mit ihren französischen Sektionen und den angeschlossenen Bünden in den französischen Kolonien, in Syrien und Palästina mag im Gedanken der Zusammengehörigkeit dieses engeren Kreises jede ihm genehme Richtung wählen. Will sie aber wirklich - wie es nach meiner Kenntnis einem Ch. Nehama, den Delegierten von Lissabon, Italien und Rumänien von "vornherein als Plan vorschwebte Kerntruppe einer Well- •lugcndliga jüdischer Menschen sein, so muß sie in ganz anderem Ausmaße als bisher auf die Vielheit der Einstellungen heutiger jüdischer Menschen zum „Judaismus" Rücksicht nehmen. Wer immer den Willen zum Judesein bekundet, ist als jüdischer Bruder, als jüdische Schwester zu grüßen und von einem Weltverband zu erfassen. Jenes „Entweder — Oder", das Aime Palliere in seiner Deutung des Begriffs „Assimilation" den Fragern zuruft, hat gewiß viel Wahres an sich. Wer für sich das Judentum als religiöse oder nationale Bindung anerkennt, bleibt vor dem restlosen Aufgehen in der Umwelt bewahrt. Aber —.- einmal gibt es — zum mindesten unter den 600 000 deutschen Juden und ihrer Jugend — zahllose, die sich soziologisch als Juden wissen und bekennen, aber ans irgendwelchen, zumeist ehrlich-politischen Gründen, den Begriff der jüdischen „Nation" oder des jüdischen „Volkes" ablehnen. Und weiter trägt eine nur formale Religionsübung und ein nicht metaphysisch verankerter Nationalismus nicht wieder die Gefahr der Entfremdung vom Jüdischen und so der „Assimilation" in sich wie der heutige Indifferentismus breiter Massen junger Juden. Gewähr für Dauer bietet nür das Gebanntscin von der jüdischen Idee. Und diese ist rückwirkend nür da, wo sie als jüdische Kraft in Erscheinung tritt. Jüdische, Idee-beherrschte Kraft wird aber nifr da, wo sie sich an den großen Aufgaben von heute uns jetzt ah gestaltungsfähig erweist, in jungen jüdischen Menschen Stolz und Freude am jüdischen Sein auslösen und damit einen neuen Strom von Leben durch die Judenheit aller Länder und Zonen leiten. So gesehen, ergibt sich, im Positiven wie im Negativen, die für einen Weltvcrband jüdischer Jugend zu schaffende programmatische Grundlage. Sic und damit die Welt-Jugendorganisation' ehestens zu schaffen, halten meine Freunde mit mir deshalbMür dringend geboten, weil die Bedeutung der Judenheit Tür die Welt der nächsten Jahrhunderte sich aus dem Maße ihrer Teilnahme an der Lösung der trennenden, gewaltigen Probleme unserer Tage ergeben wird, und jüdische Kraft sich nur durch eine irgendwo -md irgendwie geballte jüdische Gemeinschaft als spezifisch erkennbare Gestaltung erweisen kann. In „negativer" Hinsicht wird unschwer eine Einigung dahin zu erzielen sein, daß man alle das Gewissen einzelner Gruppen belastenden „Bekenntnisse", alle „ismen" fortläßt. Schwieriger, aber doch meines Erachtens möglich, ist die Verständigung hinsichtlich der Rolle Palästinas im Programm der Welt-Jugendliga. Es ist nicht zu zweifeln, daß die unterschiedlichen jüdischen Jugendorganisationen gewillt sind, an. dem neuen Werden in Erez Israel, an der opferfrohen Tat der dortigen Chaluzim, zumal an irgendwelchen, dort erstehenden, für die Menschheit bedeutsamen Werken mit Geist und Herz Anteil zu nehmen. Die Verpflichtung zu materiellen Opfern für den Wiederaufbau des „heiligen Landes" wird dagegen aus der unterschiedlichen Haltung und — dem unterschiedlichen materiellen Können der jüdischen Jugendgruppen heraus eine wesentlich weitere Fassung finden müssen,als es in dem vom ersten UUJJ.-Kongreß beschlossenen Statutenentwurf vorgesehen ist. An Stelle des „jüdischen Nationalfonds" (Keren Kajemeth) müßte mindestens der „neutrale" Keren Hajessod treten und auch auf ihn könnte man nicht zu übersehende Kreise jüdischer Jugend (wenigstens in Deutschland) nicht verpflichten, Wer die zu einem gewissen Abschlüsse gelangten Kämpfe in Deutschland um diese innerjüdischen Fragen nicht kennt, mag über solches Verlangen ironisch oder verärgert den Köpf schütteln. Will er den wahren, umfassenden Weltvcrband, so muß er, sich mit der Tatsache abfinden. Im Positiven werden als Einungs-Elcmente jüdischer Jugend aller Länder und Richtungen alle, aus der Idee des Juden- 11

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