Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 5 (1.5.1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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tigkeitsbericht der Verbandsleitung f die zeit vom l. Juni 1926 bis 25. Mai 1928 Die 6 ordentliche Delegiertentagung des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine . Deutschlands, Pfingsten 1926 in Düsseldorf, fand gegenüber allen früheren Tagungen eine vollkommen veränderte Situation vor. Nur Reste der Verbandsorganisation in Bezirksverbänden hatten die schwierigen Jahre der deutschen Wirtschaftskrise uberdauert. „ Die menschlichen und organisatorischen Beziehungen waren größtenteils zerrissen, und Sie Vereine, die ihre Arbeit weitergeführt hatten, 'boten das bunteste Bild hinsichtlich ihres Arbeitsprogramm-, ihrer organisatorischen Form und ihrer Zusammensetzung. Die Düsseldorfer Tagung hat selbstverständlich in dieses Chaos nicht ändernd eingreifen können. Sie mußte sich vielmehr darauf beschränken, in der Aufzeigung von Richtlinien allgemeinster Art für die zukünftige Arbeit dem neugewählten Vorstand die Aufgabe zuzuweisen, in klarer Zielsetzung die Vereinheitlichung der Arbeit und ihre programmatische Durch führung in den Bünden, den organisatorischen Aus- und Aufbau und die finanzielle Sicherung durchzuführen. Das einzig Gemeinsame dieser s«v verschiedenartigen Bünde war ihre vorbehaltlose und liebevolle rjeiahung jler Gemeinschaft aller indischen Menschen und ihrer Aufgaben. Dies ermöglichte ihnen, ihre Werbung auf alle jüdischen jungen Menschen auszudehnen, auch auf den Kreis, der durch inangelnde jüdische Erziehung, Indifferenz des Elternhauses und Einfluß der Umwell schon fast alle Beziehungen zu Judentum und Judenheii verloren hatte. Diese umfassenden Erziehungsaufgaben erforderten eine weitgehende Umstellung der bisherigen Arbeit in den Vereinen. Die V erschiedenheit in den örtlichen Bünden ließ es geraten erscheinen, von der Aufstellung schematischer Arbeits Programme abzusehen. Gerade die V ielgestaltigkeit der Arbeitsmöglichkeiten sollte die Leiter der Arbeit in den einzelnen Orten in die Lage versetzen, einen aussichtsvollen \ er such zur Erfassung aller jungen jüdischen Menschen zu machen Die frühere extensive Art, der Jugendvereinsarbeit in der Durchführung von Vortragsabenden und geselligen Veranstal tungen mußte inten s-i"\ c n Erziehungmethoden , weichen Die Arbeit im kleinen Kreis, die Arbeitsgemeinschaft und dvr II ei mähendschufen Möglichkeiten der erziehlichen Beeinflussung des einzelnen jungen Menschen. Der- Verband .iah jeweils zu Beginn der Winterarbeit eine größere Anzahl von Rundbriefen heraus, die in systematischer Form Anleitung zu planmäßiger Durcharbeitung der verschiedenartigsten Stoffe boten. Iis wurden u. a. folgende Rundbriefe zusammengstellt: ..Propheten". ..Jüdische Charaklerköpfe'i ..Judentum und Christentum". „Jüdische Organisationen in Deutschland". ..Der Talmud", „Jugend und Staat". „Die Jugend in der Gemeinde". -„Erziehungsfragen" usw. Diese Rundbriefe wurden, wie aus den Berichten des größten Teileunserer Bünde hervorgeht, sehr bald Grundlage dei Jugendbundarbeit. Die V ortragsabende, aui welche nicht ganz verzichtet werden konnte, wurden möglichst eng mit den in dan Arbeitsgemeinschaften behandelten Stoffen in Verbindung gebracht. — . Für die geselligen Veranstaltungen unserer \ ereink wurden vom Verband P r o g r a m m v o r s c h 1 ä g e und Richtlinien ausgearbeitet und den Vereinen in Rundschreiben zur Kenntnis gebracht. Diese Vorschläge befaßten sich insbesondere mit der Ausgestaltung der Freitagabend-. Purim- und Chanukka-Fciern, sowie der künstlerischen Abende usw. In regelmäßiger Folge wurden den Vereinen neben den Berichten in der Verbandszeitschrift durch Rundschreiben wichtige Anregungen. Berichte aus dem Verbandsleben und sonstige interessierende Mitteilungen bekanntgegeben. Eine außerordentlich wichtige Aufgabe innerhalb unserer \ erbandsarbeit fiel der Verbandszeitschrift „Der .1 u g e n d b u n d" zu. Durch andauernden Ausbau ihres Inhaltes wurde eine rege Mitarbeit aus allen Verbandskreisen erreicht. Auch in der Gruppenarbeit nahm die Zeitung mehr und mehr einen bedeutsamen Raum ein. Sie erscheint gegenwärtig in einer Auflage von 75CO Exemplaren, und gerade in letzter Zeit bewies uns die stark angewachsene Abonnentenzahl eine erfreuliche Zunahme des Interesses am „Jugendbund". Wir heben folgende Nummern besonders hervor: „Das Judentum ist der Friede", „Der Heimabend", „Die .lugend in der Gemeinde", „Jugend und Staat" und die Werbenummer. Im September und Oktober 1927 wurden in allen Bezirksv erbänden und Vereinen planmäßig vorbereitete Werbe- Wochen mit dem Thema: „Die Jugend in der Gemeinde" durchgeführt. Die vom Verband den Rednern gegebenen Anweisungen wiesen nachdrücklichst auf die Notwendigkeit der Venderung des Verhältnisses der jüdischen Gemeinden zur Jugend hin. Sie betonten, daß eine ganz andere Haltung der Gemeindekörperschaften der Jugend gegenüber nötig.sei, um «ic an der aktiven Mitwirkung im Gemeindeleben SU interessieren: von höchster Bedeutung sei hierbei die Schaffung eines Jugendheimes in jeder Gemeinde, das berechtigten Ansprüchen an Wohnlichkeit genüge. Wir stellten sämtlichen jüdischen Zeitungen Artikel von Verbandsfreunden zur Verfügung, die sich mit -dem gleichen Gegenstand befaßten. Die starken Impulse dieser Propaganda sind nicht wirkungslos geblieben und wir konnten mit Freuden feststellen, daß in einer ganzen Anzahl von Gemeinden wachsendes Verständnis für unsere Forderungen sich geltend gemacht und praktische Ergelyiissc erzielt hat. Wir haben außerdem umfangreiche statistische Erhebungen über die Heimverhältnisse der jüdischen Jugend in Deutschland angestellt, deren praktische \uswerlung für die allernächste Zeil geplant ist. , Für diese Werbewoche stellte der V erband den Vereinen genaue Anweisungen, Programmentwürfe. Werbematerial zur Verfügung und konnte ihneft außerdem eine große Anzahl Redner benennen. Die Werbenumnier. welche in einer Auflage von 13 000 Exemplaren und in bedeutend erweitertem l'miang erschien, gab ein eindrucksvolles Bild der Verbandsarbeit und wurde an alle interessierten Kreise der deutschen Judenheit versandt. Die Besprechungen in der jüdischen Presse und uns bekanntgewordene Aeußerungeii außenstehender Persönlichkeiten bezeugen die günstige Aufnahme, die diese Werbenummer gefunden hat. Auch die Veranstaltungen der Werbcwoche waren überall besonders wirkungsvoll. Neben umfangreichen Rednerlisten für die Vereine wurden durch den Verband Vortragsreisen veranstaltet, so daß während der Berichtszeit den Vereinen des Verbandes fast ausnahmslos ein, in vielen Fällen auch zwei und drei Verbandsredner, zur Verfügung standen. Hierbei ist besonders die sechswöchige Reise unseres Freundes Steinhardt durch West- und Südwcstdcutschland zu erwähnen. Besonderes Augenmerk richtet der V erband auf die Arbeit in den Kleingemeinden. Ein vom Verbandsvorstand eingerichtetes Landarbeitsdezernat versuchte mannigfache Anregungen zu geben. Es hat sich aber herausgestellt, daß die wirksamste Unterstützung der Bünde in den Klein- und Landgemeinden durch die Bezirksverbände erfolgt, die die Nöte der einzelnen Gemeinden besser zu beurteilen in der. Lage sind, als eine für ganz Deutschland geschaffene Zentralstelle. Durch häufigen Redneraustausch innerhalb der Bezirksverbände, gemeinsame Veranstaltungen näher zusammenliegender Vereine, L'eberlassung von Büchern und Abhaltung von Heimabenden durch auswärtige Verbandsfreunde ist es gelungen, in einer großen Anzahl von Kleingcmeinden die Jugcndvercinc zu dem wertvollsten Glied jüdischer Arbeit zu machen. Der erfreulichste und interessanteste F^rfolg unserer Arbeit ist das Autblühen der starken Junggruppenbew egung innerhalb des Verbandes. Die Schaffung eines Junggruppendezernates, das in engster Zusammenarbeit mit der Vcrbandslcitung die Arbeiten der Junggruppen durch regen Gedankenaustausch, Treffahrten usw. förderte und einen starken Zusammenhang der Gruppen schuf, trug dazu bei, dieser1 Bewegung weitestgehende Selbständigkeit ihrer Arbeit zu gewährleisten. Die Junggruppenfiihrertagung, welche Weihnachten 1927 in Düsseldorf stattfand, verlieh dem Willen zu 4