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Der Jugendbund · 1927-11-01 · 11 (1.11.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
11 (1.11.1927)
Date
1927-11-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Verband herauszuziehen, damit die Trennung reinlich wird. Hoffentlich wehrt sich der gesunde Instinkt der preußischen Juden gegen diese Separationstendenz. Damit wäre der Einheitsverband der deutschen Juden endgültig erledigt, wenn es gesetzlich anerkannte verschiedene Judentümer gäbe. Aus Anlaß der T a n n e n b e r g - Affäre muß nachdrücklichst die Forderung erhoben werden, der auch schon die CV.-Zeitung Ausdruck gibt, daß Juden sich bei allgemeinen Angelegenheiten materiell und ideell nur dann beteiligen, wenn der unparteiische Charakter der Angelegenheit garantiert wird. Geld nahm man von den Juden, aber die ihnen gebührende Stelle hat man ihnen nicht eingeräumt. Unser Stolz muß. sich gegen eine solche Mißachtung auflehnen. Emile Zola 25 Jahre tot j. Wenn 25 Jahre lang Gras auf dem Grab eines Menschen wächst, der ein außerordentlich fruchtbarer Dichter war, und die nachfolgende Generation sich mehr des Menschen als des Dichters erinnert, 'so muß es etwas ganz Großes um sein Menschentum gewesen sein. — II. Germinal. Fruchtbarkeit. Arbeit und eine Unzahl anderes, sind Romane, die (die Titel klingen prophetisch modern) noch viel gelesen werden, und deren Lektüre Menschen Anregung und ein'Bild des Vaters des sozialen Romans vermitteln. — III. Die Dichterwerke mögen eine,s Tages verstaubt in Bibliotheken ruhen, der Literatenforscher (nicht von Berufs wegen!) den Namen Zolas nur aus Handbüchern und Lexikon kennen, aber immer wird der Verfasser des Briefes an den Präsidenten der französischen Republik „J'accuse" (der die Dreyfus-Affäre wieder neu aufrollte und zum glücklichen Ende führte), und des Buches „La verile en marche" allen Freunden der Wahrheit und des gesellschaftlichen Fortschritts als das große Vorbild leuchten und gelten. ,und jenes Grab, das so viel Liebe in sich schließt, das Pilgerziel Ungezählter sein, denen Wahrheit und Gerechtigkeit keine Ideale sind, die im Himmel hängen das Ziel all jener, die aus dem Stein der Erde das Antlitz Gottes zu meißeln sich unterfangen. IV. „La verite est en marche". - „Die" Wahrheit ist auf dem Wege!" V. Wann wird sie endlich ankommen, wann? Jakob Jacobs, z. Z. Luxemburg. Biicherschau Jüdisches Lexikon, ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens, in 4 Bänden, herausgegeben von Dr. G. Herlitz und Dr. Bruno Kirschner, unter Mitarbeit von über 230 jüdischen Gelehrten und Schriftstellern. Jüd. Verlag, Berlin. Bis jetzt gibt es nur eine jüdische Enzyklopädie, die in vielen Bänden in englischer Sprache in Amerika erschienen ist, für den gewöhnlichen Sterblichen unerschwinglich. Nun ist der erste Band eines Handbuches für. jüdisches Wissen in deutscher Sprache erschienen, in der Art wie der Kleine Kürschner, an dem die besten jüdischen Gelehrten mitgearbeitet haben. Namen, wie J. Elbogcn. M. Soloweitschik, F. Theilhaber, R. Weltsch, M. Wiener, L. Baeck, E. Baneth, S. Bernfeld, M. Brod, E. Cohn, H. Hahn, Fr. Kahn, S. Krauss, H. Löwe, P. Rieger, A. Rosenzweig, J. Segall, E. Toeplitz, A. Zweig bürgen für die Güte des Werkes. Ueber 2000 gute Illustrationen, Beilagen, Karten und Tabellen dienen zur Veranschaulichung und Vcrlebendigung.- Das Werk umfaßt etwa 3000 Seiten Lexikonformat, der Preis siel t sich bei Subskription auf 35 Mk. (Ganzleinen) resp. 44 Mk. (Hj lbleder) pro Band, doch kann das Werk, auch in 30 Lieferungen. die monatlich erscheinen, ä 4,50 M., bezogen werden. Unseren Freunden können durch unsere Vermittlung bedeutende Ermäßig ing verschafft werden. Zum mindesten müßte jede Vereinsbil liothek dieses grundlegende Buch besitzen, das eine Fundgrube jüdischen Wissens darstellt und bei den Arbeitsgemeinschaften von unermeßlichem Wert ist. S.K. . ft * Aimc Palliere: Das unbekannte An diejenigen meiner Seiten' lesen werden, richte ruf: „Ihr, die ihr vom Judentum Heiligtum.*) christlichen Brüder, die diese ich zum Schluß noch den Mahnnur den Leib kennt und die *) Aime Palliere: Das unbekannte Heiligtum. Der Heine- Bund, eine jüdische Buchgemeinde, Berlin 1927. scheinend noch nicht gefestigt genug war, wurden wir am nächsten Tage, als wir in Hamm an der Sieg waren, alle Gesinnungslumpen, indem wir uns dort die größten Stücke Fleisch, die vorhanden waren, einverleibten. Das „Abendbrot" war überstanden, als wir mit allen andern zum Turnierplatz zogen, auf dem die Abschlußfeier der Tagung stattfinden sollte. Man saß einige Zeit friedlich zusammen und unterhielt sich mit seinen Nachbarn über die letzten Fragen, die in den Arbeitsgemeinschaften bearbeitet worden waren. Leicht war es, sich mit allen zu verständigen, wenn es auch zuweilen nur mit Hilfe eines Sprachengemisches von Deutsch, Französisch und Englisch gelang. Langsam kam die Dunkelheit und mit ihr der Gesang, den die deutsche Jugend anstimmte. Nach und nach erhoben sich auch die Stimmen der Ausländer, deren schwermütige Weisen alles aufhorchen ließen. Schwarz war inzwischen die Nacht hereingebrochen, als sich im Scheine von Wachsfackeln ein Zug bildete, der Puppen mit sich führte, die symbolisch Politik. Pädagogie, Klassen- und Rassenhaß usw., Dinge, die die Jugend gefühlsmäßig ablehnt, darstellten. Ein großes Feuer, um das sich alle Anwesenden scharten, verzehrte die Puppen zu Asche. Die Regenbogenfahne der Weltjugend, die den inneren Zusammenhang der Jugend versinnbildlichte, kletterte am Mäste empor, als die Abschiedsworte gesprochen wurden, die in dem Wunsche gipfelten, die ganze Menschheit in friedlicher Arbeit so vereint zu sehen, wie auf der Freusburg die Jugend der ganzen Welt, von den Katholiken bis zu den Anarchisten. Das Feuer verlöschte. In der Ferne zog ein Wetterleuchten auf, als wir langsam", über das Geschaute und Erlebte nachdenkend, unser Lager aufsuchten. Mit der ersehnten Ruhe war es aber nicht weit her. Strömender Regen, der plötzlich einsetzte. Blitz und Donner, ließen keinen Schlaf aufkommen. Als dann noch aus einer verborgenen Ecke eine Stimme ertönte: „Krätzchcr verzelle", war überhaupt nichf mehr an Schlafen zu denken, denn einer wußte noch mehr als der andere zu ..verzelle". Da, plötzlich Schweigen. Was war geschehen? In der Dunkelheit schrie schauerlich ein Käuzchen, den Donner übertönend. So nah klang es, daß es nur wenige Schritte von uns entfernt sein konnte. So schauerlich ließ es seine Stimme erschallen, daß es uns kalt überlief. Es schrie und schrie, und als es kein Ende nehmen "Wollte, stand ich, wütend über die Störung, auf und leuchtete den ganzen Dachboden ab. Da endlich entdeckte ich das Tierchen, das sich als ein ausgewachsener Ameiikaner entpuppte, der sich ausschütten wollte vor Lachen, daß wir ihm auf den Leim gegangen waren. Den heransausenden Wurfgeschossen, als die Stiefel, Holzstücke usw. benutzt wurden, entzog er sich durch schnelle Flucht mit einem herzlichen „good night" auf den Lippen. Die gute Nacht hatten! wir auch nötig, denn inzwischen tropfte es durchs Dach auf unsere Lagerstätten nieder. Erst als es mit Eimern herunterkam, suchte man sich die trockensten Stellen aus, um, unbekümmert ob des Regens, endlich um 2 Uhr einzuschlafen. (Fortsetzung folgt.) 11

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