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Der Jugendbund · 1927-09-01 · 9 (1.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
9 (1.9.1927)
Date
1927-09-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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In der Tat gelang es hier — wohl zum ersten Mal — den jungen Menschen eine Feierstunde zu schaffen, die wohl den daran Teilnehmenden lange im Gedächtnis bleiben wird als eine Zeitspanne, während der äuüere Eindrücke eine innere Rast in des Tages Sturm und Jagen geben konnten. Fritz Schwarzschild fand denn auch, nachdem einige Vorträge deklamatorischer und musikalischer Art (u. a. Gesang der Arie aus der lländelschcn Oper Xerxes. als „Largo" bekannt) den notwendigen Resonanzboden geschaffen hatten, anknüpfend an die Bedeutung des Minchagcbets, die Worte, um uns Sein und Wesen dieser Feierstunde zu erläutern. Die Art und Weise, wie uns diese Stunde der Einkehr hier geboten wurde, scheint uns dafür symptomatisch, wie wir uns die Stunde inneren Erlebnisses gestalten wollen, die wir vom Hersagen uns leider zum grollen Teil unverständlicher Gebete abgestoßen sind und die wir schon lange in.unseren Vereinen und unserem Verband nach einer äußeren Ausdrucksweise innerer Sammlung suchen. So kann an dieser Stelle gesagt werden, dall die Einfügung dieser Feierstunde in das Programm des Tages ein glücklicher, und — für die einzelnen Vereint nachahmenswerter Gedanke ' war. Kein äußerlich betrachtet, soll hier festgehalten wefden. daß es einmal möglich war. das Applaudieren der einzelnen Vorträge und das Rauchen während der einzelnen Darbietungen zu unterdrücken. Das gemeinsame Erleben dieser Feierstunde hat wohl mit dazu beigetragen, daß in den Nachmiltagssuinden' -- das Neckarland zeigte sich nun in schöner Sonncnprachl bei1 Spiel und Sport und teilweise auch in ernster Unterhaltung auf kleinen Spaziergängen erst die richtige Stimmung aufkommen konnte, die durch gegenseitiges Sichkenncnlernen den vollen Werl einer derartigen Trcffahrt erst auszumachen scheint. Mit Recht wurde allerdings auch betont, daß immer noch das steife »Sie" vorherrschend ist, während das viel näherliegende „Du" Selbstverständlichkeit sein könnte. Ein kleiner Heim„abend" vereinigte dann noch am späten Nachmittag eine Reihe Jugendbiindler zur Besprechung einiger Tagesfragen, dann aber galt es, zum Aufbruch zu rüsten; und es hätte wohl mancher dieses Treffen um einen weiteren Tag ausgedehnt sehen mögen Es soll nicht unterlassen werden, mit besonderer Genugtuung zu vermerken, daß der Ueichsverband der Jutfendvereine Deutschlands bei diesem Treffen offiziell vertrefen war und so unserer Arbeit eine wohltuende äußere Anerkennung zollte. Weiterhin soll nicht unerwähnt bleiben, daß es sich einige Verhandsfreunde aus Homburg-Saar und Landstuhl-Pialz trotz der weiten Reise nicht haben nehmen lassen, an dieser süddeutschen Treffahrt teilzunehmen. Auch aus Hamborn hatten sich einige ■lugcndbündlcr, die auf „großer Fahrt" waren und ..auf dieser Fahrt die einzelnen Verbandsvereinc aufsuchen, -eingefunden. Das Verbandswimpel wurde auf ein .lahr dem Berthold- Auerbach-Verein, Stuttgart, zuerkannt.. Höchst a. M.. 20. August 1927. Hansllerberl Würzhurger. im JJV. Höchst a. Main. Eine Einladung des Vereins „Monlefiore", Frankfurt a. M., führte in Gaimühle Gruppen der jüdischen Jugcndvertoinc aus Frankfurt. Mainz. Karlsruhe. Stuttgart, Bruchsal, Pforzheim und anderen Städten zusammen Im Programm waren sportliche Wettkämpfe am Vormittag, gemeinsames Beisammensein in geselliger Form am Nachmittag vorgesehen. Leider entsprachen die Vorbereitungen an Ort und Stelle nicht den Erwartungen, die sich an die Einladung knüpften. Die Leitung des Tages (Monlefiore. Frankfurt) hatte es versäumt, sich einen Sportplatz zu sichern, und die Teilnehmer mußten sich damit abfinden, die Sprinterkämpfe auf eine Landstraße verlegt zu sehen, die zu allem Uebel technisch in jeder Hinsicht zu Wettlaufen ungeeignet war. Der Mangel an Vorbereitungen zu'den Starts ließ keine flotte Abwicklung der einzelnen Läufe zu, so daß, als gegen 12 Uhr ein heftiger Regen einsetzte, knapp 5 Konkurrenzen ausgetragen waren, die infolge der Unzulänglichkeit der Bahn unmaßgebliche Resultateerzielten. Eine Fortsetzung dieses Fiaskos (man scheut diesen Ausdruck nicht) ergab sich weiterhin aus der Unmöglichkeit, ein gemeinsames Mittagessen zu veranstalten, da infolge fehlender Benachrichtigung keines der umliegenden Gasthäuser dem Ansturm der zahlreichen Jugend gewachsen war. Den Bemühungen tatkräftig einschreitender auswärtiger Führer gelang es, wenigstens für den Nachmittag in Eberbach einen Saal zu reservieren, der es ermöglichte, die etwa 200 Teilnehmer zusammen unterzubringen. Eine Feierstunde, bei der Fritz Schwarzschild-Wicsbadcn eine inhaltlich treffende Rede hielt, schwelgte in sentimentaler Romantik. Man war erstaunt, bei dieser Gelegenheit feststellen zu müssen, daß die für die Jugendbewegung doch immerhin ereignisreichen Jahre seit 1922 mancherorts nichts geändert haben, und daß die Führer des Reichsverbandes noch immer glauben, mit Mitteln eines gesteigerten Pathos die Jugend in Fesseln schlagen zu dürfen. An den Vortrag von Liedern, Lyrik und Instrumentalmusik. ' schloß sich nun wenigstens eil gemeinsames Vesper, das in weniger pathetischem Ton als die Feierstunde verbracht wurde Her Rest des Nachmittags wurde bei gutem Wetter und erfrischenden Debatten am schönen Eberbachcr Neckar zugebracht. Zusammenfassendes Ergebnis ist die Tatsache, daß der eigentliche Zweck des- Treffens, nämlich die Annäherung fremder, in einem Verband zu gemeinsamer Arbeit zusammengeschlossener Jugend in nur minimalem Grad erreicht wurde. Man kann den Einberufern der Zusammenkunft den Vorwurf nicht ersparen, daß sie durch mangelhafte Organisation einen Erfolg unmöglich gemacht haben. Mit ein bißchen mehr Sorgfalt und Mühe hätte sich zweifellos alles \ icl positiver gestalten können. Die arrwesenden Vertreter des Berthold-Auerbach-Vereins Stuttgart haben mit Recht die Mängel der Veranstaltung gerügt, und sich erboten, im nächsten Jahre dem süddeutschen Treffen in Stuttgart Gelegenheit zu einer reibungslosen und ordentlichen Ah-. (-■w icklung eines Programms zu geben. Max G c 11 h o r n . im Berthold-Auerbach-Verein Stuttgart. saensentretten am 21. August 1927 In Dresden Man traf sich bereits Samstagabend in Dresdens gastlichen Mauern. Bis nach Mitternacht war man in hellem Frohsinn beisammen. Der Geist des Reichsverbands In Gestalt von Fritz Schwarzschild und Herbert Felsenthal."webte um das Treffen, im übrigen ein angenehmer Elbwind, der die Regenwolken in Schach hielt und die dreistündige Dampferfahrt nach Rathen sehr genußreich verlauten ließ. Doch eins nach dem andern. Aus l elscnthals Worten am Abend sei dies festgehalten: „Geselligkeit ist letzten Endes nicht Sinn und Ziel des Verbandes, unsere Arbeit hat der geistigen, kulturellen und sittlichen Hebung des einzelnen zu dienen." Rabbiner Dr. Wolf-Dresden gab dem Neu- Iralitätsprinzip vermehrte Läuterung, indem er es als den „Glauben des jüdischen Menschen an sich selbst, an das Gute, im Nebenmenschen und an die Menschheit" darlegte. Die Begrüßungsworte des. Landesverbandes sprach dessen Vorsitzender Heinrich Guttmann. „Ein Vergnügen eig ner Art ist doch eine Dampferfahrt." Für ein solches Treffen aber ist sie iweil mehr als das. Sic ermöglicht erst so recht ein Zucinahdcrkommcn der Geister, ein Diirchcinandcrwirbeln der Gcmüicr und eine allgemeine Anteilnahme am Frohsinn. Dresden. Leipzig, Chemnitz, Görlitz. Plauen, Gera. Halle — an hundert Menschen waren beisammen, geeint in dem Willen, dem Verbandsgedanken und damit der Sache des Judentums und seiner Jugend zu dienen. Dies muß nicht immer spontanen Massenausdruck finden; es wurden keine Rütlischwüre geleistet, es fehlt der jüdischen Jugend Sachsens vielleicht an der Fähigkeit zu glühender Begeisterung, wie man sie wohl in Gegenden mit temperamentvolleren Gemütern vorfindet. Es wird auch wohl noch manches getan werden müssen, manch harter Widerstand zu überwinden sein, um den starken Willen zu jüdischem Menschentum bei allen zu entfachen. Sachsen ist in dieser Hinsicht tradTtionslos. Doch gerade "solch Treffen läßt einen immer wieder auf Menschen stoßen, die zu den besten Hoffnungen berechtigen, gerade auf ganz junge Kräfte, denen es gelingen wird, die andern, soweit sie jung geblieben sind, mitzureißen. Und diese Erfahrung Fritz Schwarzschilds ist viel wertvoller, vor allem viel wichtiger als sein Gesamteindruck, der ihn manches an lebensvollem Verbandsgeist in unsern Reihen vermissen ließ. Ja. es fehlt sicher daran, und wir freuen uns, daß der Verband wieder die Kraft und den Schwung hat, alle seine Zweige neu zu beleben, mit neuem Geiste zu erfüllen. Es wird ihm auch in Sachsen gelingen, wir sind verbandslreu, und es-werden immer Kräfte da sein, die über Widerstände hinweg sich der großen Sache des Verbandes hingeben. Wie es überall Mitläufer gibt, so auch hier. Aber daß auch von diesen viele zu gewinnen sind, das bewies der Gedankenaustausch, wie er ganz unwillkürlich und von Mensch zu Mensch im Laufe des Tages sich zeigte. Darin steckte starker Jugendgeistr Daß die Natur der sächsischen Schweiz mit ihren ragenden Felsen, die weite Aussicht, auf die Windungen der Elbe bieten, wohl geeignet ist, auch das geistige Blickfeld zu erweitern, Sinn 21

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