Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 11 (2.6.1927)
- Date
- 1927-06-02
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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„Aus der Schattenwelt unserer Uegenwart! Ol« Tragödie eines genialen Kindes, Erschütternd von ihm selbst erzählt Ffir Jugendführer und Psychologen, Für Frauen, Erzieher und reife Menschen." Es steht fest, daß das Buch nicht von einem jungen Menschen geschrieben wurde, sondern daß eine Mutter für ihr Kind gesprochen hat. Sie hat aber nicht das tragische Schicksal ihres Kindes erzählt, sondern sie hat es erdichtet, man kann auch sagen: gefälscht. Denn sie wußte, daß das Leben ihrer jugendlichen Tochter ein Leben in der Tiefe war. Sie hat es gewußt, ja, die Staatsanwaltschatt Bremen meint sogar, sie hat es gefördert. Gegen die Verfasserin des Buches schwebt ein Verfahren wegen Verkuppelung der eigenen Tochter. Gewiß, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Die „Süßere" Wahrheit des Buches besteht hiernach nicht. Ausschlaggebend sei aber, so heißt es in der Buchbesprechung, daß die „innere" Wahrheit des Buches kaum angezweifelt werden könne. Es könne auch so gewesen sein, wie Frau Machan-Kolomak es erdichtet habe, die Möglichkeit bestände, und das sei beschämend und empörend zugleich. So meint Freund Hahn. Ich will davon absehen, daß das Buch meiner Meinung nach stilistisch furchtbar und literarisch wertlos ist. Aber ich kann mir vorstellen, daß die bewußte Verfälschung der äußeren Wahrheit in diesem Falle die innere Warheit für sich haben kann. Psychologisch und „menschlich" gesprochen. Der Wert des Buches soll doch darin liegen, daß es sich um ein Bekenntnis handelt. Das Bekenntnis ist falsch. Kann ein falsches Bekenntnis innerlich wahr sein? Die Möglichkeit bestände kaum bei der bewußten Fälschung innerer Seelen- Vorgänge, sie kann nicht bestehen bei der bewußten Verfälschung des äußeren Sachverhalts (man vergleiche die eigenen Angaben der Lisbeth bei der Polizei). Ein derartiges Buch — ich nenne es ein Machwerk — hat uns, hat zumal der Jugend nichts zu sagen. Eine gewiß sehr begrüßenswerte Besprechung kann nur zu einer Ablehnung führen. Das Problem der sexuellen Erziehung der Jugend kann uns durch derartige Bücher nicht beleuchtet werden. Doch bedeutsam ist es, daß Hahn die Besprechung zum Anlaß genommen hat, um erneut auf die unendliche Wichtigkeit dieser Frage für unsere Freunde hinzuweisen. Mag einmal in diesen Blättern ein ganzes Heft dieser Frage gewidmet sein. Mit Löfflers Aufsatz „Geschlechtlichkeit und Sittlichkeit" im 1. Heft des „Morgens" insbesondere wird sich die jüdische Jugend auseinanderzusetzen haben. Hermann Lehmann, Bremen. Hans Ludwig Held: Das Gespenst des Golem, eine Studie aus der hebräischen Mystik mit einem Exkurs über das Wesen des Doppelgängers. Allgemeine Verlagsanstalt München. Aus dem Leben Delegiertentagung des Westdeutschen Bezirksverbandes, Am Himmelfahrtstage. In Köln, Morgens Kundgebung im dichtbesetzten Saal der Rheinlandloge. Dr. Schönberger, Aachen, spricht über „Die Aufgaben der Jugend in der deutschen Judenheit", kluge und fein gewählte Worte über das Wesen des Verbandes und das Ziel -unserer Arbeit, die die Hörerschaft sichtlich in ihren Bann ziehen. Der unverwüstliche Düsseldorfer Sprechchor umrahmt die Ansprache mit seinen Vorträgen und erweckt jene Begeisterung der Jugend, welche die wahre Werbekraft in sich hat. Viele Neuanmeldungen für den Kölner Verein, . Die Tagung war sehr stark besucht. Referate und Aussprache behandelten fast ausschließlich die Methode der Vereinsarbeit nach Rundbriefen. Landarbeit und das für die Arbeit in Großstädten brennende Problem „Masse oder Auslese" tauchten immer wieder auf. Wesentlichster Gewinn der Tagung ist die Einrichtung von Führerkursen zur Vorbereitung der Winterarbeit, deren erster bereits Anfang Juli stattfindet. Trefiahrten. Die größte, ebenfalls in Westdeutschland, am 15. Mai: Dieses Buch vom Gespenst des Golem schlägt man mit dem lächelnden Skeptizismus des erleuchteten Europäers von heute auf, beim Lesen aber erfaßt einen nicht nur bald der Schauer vor dem Unerklärlichen, sondern vielmehr der Ernst des Problems — und der Ernst der wissenschaftlichen Ergründung des Verfassers, der „in ethnologische'r Vertiefung der zu betrachtenden Tatbestände" die Deutung des Golcmproblems versucht. Durch zahlreiche Textstellen belegt Held die Geschichte des Golems, den die jüdische Legende immer wieder von ihren großen Geistesführern erschaffen läßt. Heids .Erweisung "der Wesentlichkeit des Golems", die Deutung als symbolische Gestalt und die Erklärung des mystische« und okkuHenl Gehaltes, der dem Buche angefügte Exkurs über das Wc/en des Doppclgängers, worin Held die Erklärung insbesondere des berühmten Präger Golems sieht — das alles läßt den Leser einen tiefen und fruchtbaren Einblick tun in das Geheimnisvolle des Uebersinnlichen schlechthin; aber auch von jüdischem Legendenwesen und von jüdischer Volkskunde und Kulturgeschichte wird hier ein weites Gebiet enU hüllt. Es ist ein wenn auch nicht leichtes, aber geistvolles und aufschlußreiches Buch, das wir dem Verfasser verdanken. Ho. Gustav Dort: Die Bibel in Bildern. Verlag Joseph Müller, München (Neuauflage). Seit Jahrhunderten ist die Bibel immer wieder zum Vorwurf für die Werke der bildenden Kunst verwandt worden. Daß gerade die Heilige Schrift der Juden — sieht man von der speziellen Kirchenkunst ab -™~ gerade von den großen Herren und; Meistern der Kunst illustriert wurde, ist ein« bekannte Tatsache. Kunst will zum Volke sprechen. Kleidet sie sich in biblisches Gewand, so rührt sie so nicht nur an die tiefsten Gefühle der Menschen, sondern sie wendet sich auch in einer Sprache' an sie, die weit und breit bekannt ist und verstanden wird. Denn die Bibel ist das Buch des Volkes. Auch heute noch? Nun wohl, wenn heute die Bibel den Menschen wieder näher rückt, so kann ihr die Kunst als Interpret nur recht sein. Und da ist ein Buch wie das vor« liegende, das die mehr als 150 Bilder unserer Heiligen Schrift (heben den 100 des Neuen Testamentes) von Gustav Dort künstlerisch mustergültig und in vornehmer Ausstattung wiedergibt, als ein bahnbrechendes Werk zu begrüßen und wärmstens zu empfehlen. NT, Joseph Roth: Juden auf Wanderschaft. Verlag Die Schmied«, Berlin. Wandert einer im Lande umher und sieht andere —* wandern. Vertieft sich in Wesen„ Wollen und Wirken der wandernden Juden und erkennt in mitempfindender Seele ihr« Eigenart. Und wenn er ein Buch über di« wandernden Juden schreibt, so verzichtet er ausdrücklich auf Kritik und Zustimmung, Beifall und JXUderspruch: nur ein Bericht. So soll denn das Büchlein auch mir angezeigt sein, aber es soll hinzu? gefügt werden, daß es lesenswert ist, weil es scharf beobachtet und so mancherlei Gedankengänge anregt. Ho. des Verbandes 160 Teilnehmer von sieben Vereinen, an der Urfttalsp«rre. Am selben Tage: Treffen der Westerwälder an der Seeburg (30 Teilnehmer). Landesverband Bayern. Am Himmelfahrtstage wurde für sämtliche bayerischen Jugendvereine ein« Treffahrt veranstaltet, die von Bamberg^ ihren Ausgang nahm. Es waren zwar leider infolge verschiedener mißlicher Umstände nur drei Jugendvereine vertreten — Bamberg, Kitzingen und Regens^" bürg —, aber der Verlauf der Fahrt war sehr harmonisch und ertragreich. Nach' langer Zeit trafen sich wieder einmal junge jüdische Menschen, etwa 40 an der Zahl, aüs drei verschiedenen bayerischen Städten, lernten sich kennen und tauschten Gedanken und Anregungen aus. Die Fahrt ging durch tiefen Wald zu dem Dorfe Walsdorf, wo sich einer der ältesten und interessantesten jüdischen Friedhöfe Oberfrankens befindet. Es wurden Grabsteine bis zum Jahre 1679 zurück entziffert. Rabbiner Dr. Rülf gab eine kurze Erklärung der Anlage und Geschichte des Friedhofs. Vor Beginn und bei der Rückkehr von der Fahrt wurde von den auswärtigen Gästen das schöne Bamberger Stadtbild bewundert. Als di« Fahrt beendet war und die Regensburger und Kitzinger ab-