Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 9 (5.5.1927)
- Date
- 1927-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492456-6352305-6352511--0392-4928577- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
unser Gemüt erst empfänglich für wahre Heimatliebe. Das Kampieren im Grünen fördert den Korpsgeist, läßt uns beim Bau des Lagers, beim Abkochen, Fertigkeiten neuentdecken, die uns durch Bequemlichkeit und moderne Lebensweise längst entfremdet waren und erweckt und schärft unsere Sinne für Wesentliches; die Ablehnung aller Acußcrlichkciten in Gewand und Umgang ebnet den Weg xu neuer Lebensform, läQt uns die Hohlheit des Snobismus empfinden, Unbefangenheit, Einfachheit und Innerlichkeit schätzen lernen. Nach und nach werden die so erworbenen Eigenschalten sich auch auf die Gewohnheiten des täglichen Lebens übertragen, uns innerlich bereichern, die Einfühlung in die Umwelt, den Zusammenhang mit ihr und so den Kampf ums Dasein wesentlich erleichtern. - Es wirft sich nun die Frage auf, wie weit derartige Bestrebungen sich in einem Landverein durchführen und in etwa steigern lassen. Nicht immer wird es gelingen, alle Eiuzclglieder eines Vereins aus dem angeborenen Beharrungsvermögen (Trägheit) aufzurütteln, vielfach werden auch berufliche Verpflichtungen s^h dem einzelnen hemmend in den Wegstellen. Zunächst? wird es angängig sein, allsonntäglich zumindest eine HaBtagswandcrung. in den Vereinsplan aufzunehmen, wenigstens je.'en Monat eine Ganztagswanderung vorzubereiten und diese nach Möglichkeit zu einer Treffahrt mit einem oder mehreren Nachbarvereinen auszugestalten. Die Wanderungen wiederum lassen sich meist mit leichteren Körperubungen verbinden (Freiluftgymnastik, Schwimmen, Rudern, Ballsport usw.), die Treffahrten können zu Spiel- und Sportfesten ausgebaut werden, denen selbstverständlich vorbereitendes Training vorangehen soll. Zweckmäßig wird es sein, wöchentlich einmal abends (weil tagsüber die meisten ihrem Berufe nachgehen müssen) eineinhalb Stunden in einer der genannten Sportarten, zu denen Leichtathletik hinzutreten kann, Aus dem Leben Mit dem 1. Mai ist die Winterarbeit unserer .Vereine mehr oder minder beendet. Erfreulicherweise lassen die Berichte zahlreicher Vereine darauf schließen, daß auch im kommenden Sommerhalbjahr die geistige Arbeit nicht ruhen wird. Wenn auch mit einer so starken Beteiligung wie im Winter nicht zu rechnen ist, so ist doch die Arbeit im engeren, wirklich interessierten Kreise während des Sommers die beste Vorbedingung für ein fruchtbares Schaffen im nächsten Winterhalbjahr. Ein Vorschlag zur Ausgestaltung der sommerlichen Heimabende sei auch an dieser Stelle wiedergegeben: Die Wanderungen der Vereine mögen möglichst nach einheitlichen Gesichtspunkten aufgestellt werden, dergestalt, daß die Teilnehmer während derselben Geschichte (Heimat- oder jüdische Geschichte, Naturwissenschaftliches, Kunstgeschichte und dergleichen) beobachten können. Die Beobachtungen auf mehreren solcher Wanderungen mögen dann in einem gemeinsamen Heimabend zusammengefaßt werden. Treffahrten sind allenthalben vorgesehen. Am 15. Mai treffen sich in Sachsen Chemnitz und Leipzig; in Nordwestdeutschland ist für den 8. Mai eine Treffahrt der Bezirksgruppen Ostwestfalen und Westen vereinbart, das Bezirksverbandslreffeji ist für den 19. Juni vorgesehen. Sieben Vereine des Westdeutschen Bezirksve,rbandes haben für den 15. .Mai ein Treffen in der Eifel vorgesehen. Dem Bericht Ober die Tagung des Badischen Landesverbandes am 3. April entnehmen wir, daß in erster Linie über die ' Landarbeit gesprochen wurde. Diese soll mit größter Energie aufgenommen werden, mit weitestgehender Unterstützung des L. V. sollen Vorträge gehalten bzw. Material für Vortrags- und Heimabende den Landgemeinden zur Verfügung gestellt werden. Treffahrten sollen Stadt- und Landjugend einander näherbringen. Man hofft, auf diese Weise die in Baden bereits bestehenden Landvereine, von denen Mülheim und Ihringen auf der Tagung vertreten waren, zum Anschluß an den Verband zu bewegen. Die acht Tage später stattgefundene Führertagung des Hessischen Landesverbandes In Mainz war besonders stark besucht. Die Tagung wurde mit einem Referat von Paul Eppstein über „Die jüdische Gesellschaft in Deutschland" eingeleitet, das durch seine streng soziologische Betrachtungsweise, insbesondere die neuartig« begriffliche Anordnung der deutschen Judenheit in politischer und ökonomischer Beziehung, eine spätere Veröffentlichung im „Jugend- — I : zu üben. Die Leitung und Beaufsichtigung derartiger Uebungsabende übernimmt eines der turnerisch oder sportlich vorgebildeten Vercinsmitglieder. Es wird sich alsdann herausstellen, für welche Sport- oder Spielart eine Gruppe gebildet werden kann (z. B. Mädchen — Tennis-Tamburin, Jungen — Faustball, Fußball), die dann vielleicht mit der gleichgeartetcn eines Nachbarvereins verbunden werden oder in Wettbewerb tretenkann. Auch die vereinzelt in den Dörfern der Umgebung wohnenden jungen Juden soll man zuziehen. — » Nachdem so das Interesse für den Sport (der ja auf dem platten Lande bei weitem noch nicht zu der Bedeutung gelangt ist, die er in den stadionbesitzenden Großstädten hat, der also für uns kein „Massenwahn'-Schreckgcspenst ist), ausgelöst ist, nachdem sich Freude an ihm eingestellt hat und die meisten nach und nach ihre Unbcholfenheit und ihre „Minderwertigkeitsgefühle" abgelegt haben, ist der Weg frei für unsere Landjugend, zur Vervollkommnung ihrer Leistungen die allgemeinen Turn- und Sportvereine aufzusuchen, die ein Teil unserer Verbandsfreunde häufig gerade aus den erwähnten Hemmungsgründen gemieden hat. Ich bin überzeugt davon, wir werden uns dann nicht „lächerlich" machen, auch aus unseren Reihen wird dann eine ganze, Anzahl von guten und leistungsfähigen Turnern und Sportlerh hervorgehen, die den leider noch vielfach zu hörenden Vorwurf körperlicher Untüchtigkeit und sportlicher Unfähigkeit jüdischer Jugend verstummen läßt. Jedenfalls muß der Verband als solcher und jeder Einzclverein nunmehr versuchen, mehr wie bisher auch diesem Aufgabenkreise seine ganz besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und wenigstens vorbereitend wirken. Bei uns muß es heißen: Nicht nur Geist und nicht nur Körper, sondern Körper und Geist, dann wird auch das Seelische einen gesunden Boden finden. — des Verbandes bund" rechtfertigt. Dr. Löffler sprach über „Die Aufgabe des Verbandes innerhalb der deutschen Judenheit", Fritz Schwarzschild über „Praktische -Arbeit im Verbände". Die Ausspracht konzentrierte sich (wie in Baden) auf Landarbeit, sodann, im Anschluß an Eppsteins und Löfflcrs Ausführungen, auf das Problem der Masse. Das Schlußwort, die Zusammenfassung der Anregungen des Tages zur Aufgabe der Führer, sprach Hcibert Felsenthal. Der Westdeutsche Bezirks verband ruft seine Mitglieder zur diesjährigen Delegiertentagung auf den 26. Mai (Himmelfahrt) nach Köln. Vormittags spricht Dr. Paul Lazarus, Wiesbaden, in einer öffentlichen Kundgebung; die am Nachmittag beginnende eigentliche Tagung hat in der Hauptsache die Vorbereitung der Winterarbeit auf Grund der vorjährigen Erfahrungen zum Gegenstand. Einzelvereine: in Jülich wurde am vorigen Sonntag das Eigenheim des JJV., zwei besonders geschmackvoll hergerichtete Räume, eingeweiht. Dr. Schönberger, Aachen, hielt die Festrede. — Düsseldorf berichtet über eine Aufführung des dramatischen Gedichtes „Salomos Abfall", von Hedwig Caspary, die gleicherweise künstlerischen wie propagandistischen Wert hatte. — Dem Mitteilungsblatt des JJV. München entnehmen wir, daß dort, neben reger Wandertätigkeit, lebhaft geistig gearbeitet wird; am 27. April führte die Spielgruppe des JJV. Artur Schnitzlers „Liebelei" auf. — Wir möchten wünschen, daß recht viele Vereine uns in Zukunft ihre Berichte zugehen fassen, damit wir Bemerkenswertes über ihre Tätigkeit der Allgemeinheit im Verband zukommen lassen können. Neugründungen und -Beitritte: Durch Mitglieder des JJV, Euskirchen wurde der Jüdische Jugendbund Zülpich nach mehrjähriger Pause wiedererrichtet. Der JJV. Spangenberg (Hessen) hat mit dem 1. April seine Tätigkeit wieder aufgenommen und wird neben Wanderungen und sportlicher Betätigung zunächst eine Reihe von Diskussionsabenden' über „Die Aufgabe der Menschheit nach der Auffassung des Judentums" veranstalten. — Der JJV. Lübeck hat sich dem Verband angeschlossen, er ist dem Nord-Westdeutschen Bezirksverband zugeteilt worden. l. Gerade der Sommer bietet mit seinen Fahrten und Wanderungen Gelegenheit, auf dem Lande und in Kleingemeinden uns bisher fernstehende jüdische Menschen zu besuchen und für diese Arbeit zu interessieren. Nützt die kommenden Monatej^j A ■ Uli«