Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1927-04-07 · 7 (7.4.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
7 (7.4.1927)
Date
1927-04-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/6492456-6352305-6352510--0362-4928548
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Jüdische Bläffer Mitteilungen des Verbandes Jugendvereine Deutschlands Düsseldorf, den 7. April 1927 I S. JAHRGAK ■ de* Jngei JAHRGANG / Nr. 7 ■ndbundn Renaissance. Von Rabbiner Dr. Adolf Jacobus, Berlin. — Die Beziehungen der Jugend zum Pessachfest. Von Joseph Weinsaft, .Chemnitz. — Was sagt uns das „Mah nischtannoh" für unsere Arbeit. Haigerloch. — Meine Verbands Vortrags reise. Von M. Steinhardt, Magdeburg. — Randbemerkungen. Jugendbewegung und alkoholfreie Jugenderziehung. Von Maria Lachnitt, Berlin-Dahlem. — Für unsere Jüngsten. — Sport und Wandern. —Die Geistigen und der Sport. Von Heinz Kahn. —| Das Unglück im Winkel. Von J. Raphael, Beckum. — Aus dem Leben des Verbandes. -» Bericht über die Sitzung des Verbands Vorstandes am 3. April 1927 in Düsseldorf. — Mitteilungen» der Verbandsleitungt — Zum Adressen Verzeichnis des Verbandes. — Zur Rednerliste. — Vereinsnachrichten. Ans den Inhalt: Von Gustav Spier, Renaissance Von Rabbiner D r. A d'o In Italien, dem Lande antiker Kunslscbätze, entstand im 14. Jahrhundert eine Bewegung, welche darauf abzielte, die klassische Kunst des Altertums wieder aufleben zu lassen. Diese Bewegung blieb jedoch nicht bei der Kunst des Altertums stehen, sondern wandte sich Such den literarischen Denkmälern der Antike zu und machte auch sie zu Vorbildern eigenen Schaffens. Die Bewegung überschreitet die Grenzen Italiens, ergreift ganz Europa, setzt sich in verschiedenen geistigen Bewegungen fort und wirkt lebendig bis zum heutigen läge. Man nennt diese Bewegung, deren tiefstes Motiv die Loslötung de« modernen Menschen von der Gebundenheit der mittelalterlichen Kultur durch die Rückkehr zur Antike ist, Renaissance, d. L Wiedergeburt, nämlich die Wiedergeburt des Altertumes. Auch innerhalb der jüdischen Welt spricht man von ei ier Reuaissaacebewegung. und man versteht hierunter die moderne nationale Bewegung der Juden, deren Ziel die Wiedergewinnung Palästinas ist Die Uebertragung des Begriffs der Renaissance auf diese Bewegung ist nicht ganz einwandfrei, weil das Judentum kein Mittelalter durchlebt hat wie die Völker Europas, andererseits müßte man allen Geschlechtern seit der Zerstörung des Tempels zugestehen, daß jedes für sich seine ihm eigentümliche Renaissance gehabt habe, sofern sie alle sieb immer von neuem durch die Versenkung in ihre klassische Antike, d. L die heiligen Schriften verjüngt haben. Gleichwohl hat es einen guten Sinn, von einer modernen Renaissancebewegung der Juden zu reden, wenn man unter dieser Renaissance nickt nur die Wiederbelebung des jüdischen Altertums in der neueren Zeit versteht, sondern an die durch die Emanzipation erfolgte bürgerliche und soziale Wiedergeburt der Juden vor wenig mehr als 100 Jahren denkt. Unter solchem Aspekt lassen sich, bereits drei Phasen dieser modernen Renaissancebewegung der Juden unterscheiden, von denen die beiden ersten fast abgeschlossen vor uns liegen, vorderen dritter wir heute stehen. Wir wollen diese drei Phasen kurz als die wissenschaftliche, die politische und die religiöse bezeichnen. Als von der großen französischen Revolution aus die Parole der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in die Welt hinausgerufen wurde und im Gefolge dieser Revolution auch die Jude« Menschenrechte erhielten, schlössen sie sich dankbar den Völkern an, denen sie plötzlich als Bürger und Meeschen gleichgestellt worden waren. Der Wille eines Gesetze« mag aber noch, so stark sein, es mag Freiheit im unbeschränkten Sinne proklamieren: es hat doch nicht die Kraft, von heute auf morgen Menschen und Völker umzugestalten. Die Juden, als emanzipierte Staatsbürger den anderen Bargern gleichgestellt, blieben Juden, Menschen anderer Herkunft, anderer Kulturvergangenheit als di« Majerrtät ihrer Mitbürger. So wird da* Geschenk der Freilf Jacobus, Berlin. heit von den Völkern wieder angefochten; insbesondere in Deutschland erheben sich mächtige Kreise gegen den Eintritt der Juden in die Kulturgemeinschaft des Staatsvolkes. Diese Gegnerschaft gegen die Emanzipation löst eine zwiefach« Wirkung bei den Juden aus: die einen geben ihre gesamt« Kulturvergangenheit preis und erkaufen den restlosen Eintritt in die europäische Kulturgemeins.chaft durch die Taufe, die anderen, zu stolz, Verrat an ihrer kulturellen Vergangenheit zu üben, und in stolzer Aufwallung sich auf sich selbst besinnend, wenden sich mit Inbrunst ihrer großen Vergangenheit zu. So weit waren sie bereits in das europäische Denken hineingekommen, daß si« befähigt waren, ihr eigenes klassisches Altertum mit den wissenschaftlichen Mitteln und Methoden zu betrachten, mit denen die europäische Welt seit den Tagen der Renaissance den Kulturgütern der Antike überhaupt gegenübertrat. Es entsteht die „Wissenschaft des Judentums", eine wissenschaftliche Bewegung, welch« innerhalb der jüdischen Geschichte dem ganzen vorigen Jahrhundert, dem Jahrhundert der Emanzipation, sein Gepräge gegeben hat. Hier erlebt das Judentum sein« erst« Renaissance nach der Emanzipation. Mit voller Freiheit, wie es angesichts des Forums der allgemeinen europäischen Kultur nicht anders möglich war, macht diese Epoche die heiligen Schriften des Judentums sich zum Problem. Die kritische Besinnung dieser Epoche über sieb selbst bleibt: aber nicht bei der Betrachtung des jüdischen Schrifttums stehen, sondern auch die Geschichte dieses einzigartigen, durch die verschiedensten Kulturen hindurchgegangenen Volkes wird ein wichtiger Gegenstand dieser Selbstbesinnung. Nicht nur die Frage: wo steht das Juden tum innerhalb der übrigen Geisteskultur der Menschheit?, sondern ebenso die Frage: wo stehen wir sls Juden inmitten der übrigen Völker der Welt?, erweckt« das Interesse dieser sich selbst betrachtenden Epoche. Mehr und mehr gewinnt das zweite Problemgebiet, die Frage nach der Stellung des jüdischen Volkes inmitten der Völker, an Bedeutung. Fragte man zuerst nach dem „Woher?" und ..Wo?", so beginnt immer schärfer und schärfer die Frage nach dem „Wohin?" sich tu präzisieren. Die faktische Situation des jüdischen Volkes in den Ländern jüdischer Massensiedlungen läßt dieses Problem als eia brennendes erscheinen und heischt eine Antwort darauf. Di« wissenschaftliche Epoche hat keine befriedigende Lesung auf die Frage nach dem „Wohin?" des jüdischen Volkes, aber sie reicht die Elemente der Antwort der um die Wende* des vorigen Jahrhunderts heraufkommenden zweiten Renaissance des Judentums dar. Der wissenschaftlichen Epoche selbst ist ein Begriff charakteristisch, der aus einer anderen Begriffssphäre entlehnt war und weniger aus wissenschaftlichen als aus innerpolitischen Gründen festgehalten wurde, der Begriff der Glaubensgemeinschaft, i Entgegen diesem Begriff tritt als ein Ergebnis dar

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.