Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 5 (10.3.1927)
- Date
- 1927-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Cum Schluß »ei noch auf zwei Romane von Frank T hieß hfugewieaen; „A bschied vom Paradies" und „Das Tor zur Welt" (J. Engelhorn, Stuttgart). Die beiden Bücher sind als Fortsetzungen gedacht. Im ersten wird in entzückender Weise das erste Liebeserlebnis zwischen zwei Kindern, diel sich in den Ferien treffen, geschildert. Die Vorstelltingswelt dieser Kinder wird mit einem feinen psychologischen Verständnis für die Situation, in der sich Großstadtkinder heute befinden, geschildert. Nur reden die Jungens manchmal so gescheit daher, daß man an ihrer Echtheit zu zweifeln anfängt. Der zweite Band behandelt das Abiturientenjabr eines Freundeskreises in einem kleinstädtischen Gymnasium. Letzte Fragen und Nöte des Menschen klingen auf. Die junge Generalion sieht sich von der, alten durchaus verlassen und mißverstanden. Die Jungens sind über die Wandervogelzeit längst hinaus und^ufhen im Eros der Freundschaft und in der GJot geistiger ^fTingebiing Erlösung "und Befreiung ihrer bedrückten Seelen. [Ein schwermütiger jüdischer Junge gehört auch dem Freundeskreis an. Er meint einmal: „Wir Juden werden vergleichsweise alle mit sechzig geboren." Würde er.nicht manchmal solche altklugen Bemerkungen von sich geben, so würde man übrigens an nichts merken, daß man es mit einem jüdischen Jungen zu tun hat. Liegt das an-dieser Jugend oder an dem Dichter? Die beiden Romane lassen so manche Fragen offen, geben aber im ganzen einen charakteristischen Ausschnitt aus dem Leben heutiger Jugend. Wer zwischen den Generationen steht, sollte diesen Frank Thieß mit großer Aufmerksamkeit lesen. Aus dem Leben des Verbandes Dem Monatsbericht des Badischen Landesverbandes entnehmen wir, daß trotz dem Fasching die Mehrzahl der Vereine regelmäßig und gut weiterarbeitete. Freiburg gründete gemeinsam mit dem RjF. eine Turngruppc. Aus dem Tätigkeitsbericht des Jüdischen Jugendvercins Haigerloch, welcher dem Würt'.cmbcrgischcn Landesverband ar geschlossen ist, ist zu erwähnen, daß dieser rührige LiJidverband in seineu Heimabenden zwei Stoffgebiete regelmäßig behandelt, einmal „Die soziale Ethik im Judentum" an H ird des bekannten Sammelwerkes, und dann als Einführung in die bildenden Künste „Das Bildwerk" von Max Dering. Hessen. Mainz berichtet: Im September wurde hier eine Ortsgruppe der Kadimah gegründet. Kadimah und JJV. traten von Anfang an in ein freundschaftliches Verhältnis, das besonders darin zum Ausdruck kam, daß ein Vertreter der Kadimah in unseren Vorstand gewählt wurde. Wir hoffen dadurch einen gewissen Einfluß auf die Entwicklung der -hiesigen Kadimahgituppe in neutraler ■ Richtung ausüben zu können. — Sehr lojbenswert; der Versuch entspricht dem Wunsch der Verbindsleitung, daß Kadimah die Arbeit im JJV, als Fortsetzung ihrer Erziehungsarbeit im Geiste der Neutralität ansehen möge. In Westdeutschland ist der Bericht des JJV. Dierd >rf über den Verlauf des von ihm veranstalteten Konzertes zugunsten eines Synagogenneubaucs erwähnenswert. Das Konzert war von über 400 Personen, darunter sehr vielen Christen, besucht. Das Programm brachte synagogale und jiddische Volksgesänge, Lyrik urd Dramatik moderner jüdischer Dichter. — - Eine Morgenfeier des Jüdischen Jugendvereins Düsseldorf rr il Sprechchören und Rezitationen war ebenfalls stark besucht. Die Führertagung des Rheinisch - Westfälischen Bezirksverbandes am 27. Februar war stark besucht. Dr. Krombach, Fssen, sprach über die Stellung des Verbandes zu anderen jüdischen Organisationen Deutschlands, Dr. Hahn, Essen, berichtete über unsere Stellung gegenüber den nichtjüdischen ugendverbänden. Zu beiden Punkten nahm seitens der Verandsleitung Herbert Ftlsenthal Stellung. In Uebereinstimmung it dem Referenten empfahl die Versammlung der Verbandslcilung die Aufstellung von Richtlinien für ein reibungsloses Verhältnis zu den großen jüdischen Organisationen und eine stärkere Pflege der Beziehungen zu nichtjüdiseben Jugcndterbänden. — Beide Fragen werden auf der nächsten Vcrliandsvorstandssitzung erörtert werden. Die erweiterte Vorstandssitzung des Nordwestdeutschen llezirksverbandes in Detmold nahm leider keinen ganz .harmonischen Verlauf. Die durch untaktische Bemerkungen-einer Diskussionsrednerin hervorgerufene Mißstimmung, ist bereits beseitigt. Für die temperamentvolle Verbandsfreundin wie für iille Diskussionsredner gilt die wahrhaft klassische Bemerkung von Siegfried Bacharach: „Improvisiere, soviel du willst, aber bereite dich gut vor!" Der Jüdische Jugendverein Hannover veranstaltete vom 31. Januar bis zum 6.. Februar eine Werbewoche. Führende Männer der Synagogen gemeinde nahmen in einer Sonderausgabe des Nachrichtenblattes für die Gemeinde zu der Aufgabe und Bedeutung des Vereins Stellung. Von den Veranstaltungen sei in Vortrag Alfred Bonnins erwähnt. Die Woche fand ihren bschhiO mit einem wohlgelungenen Festball. Sachsen: Das Mitteilungsblatt des Jüdischen Jugendbundes hemnitz wird glänzend redigiert. Die Vereinsführer sollten s bestellen, Chemnitz wie Dresden haben wie immer ein großes Programm. Aus Mitteldeutschland liegen Berichte von Forst und Sorau Vor; sie zeugen von verständnisvoller Arbeit. Die Delegierlentagung des Landesverbandes Grenzmark vom 13. Februar begann mit der Vorführung des bekannten Filmes „Ein Freitagabend". Der Landesverband versorgt die ihm angeschlossenen Vereine regelmäßig mit Redriern, die-Arbeit in den einzelnen Vereinen ist nicht zum letzten dadurch als gut zu bezeichnen. , Der geschäftsführende Vorstand hat' auf Sonntag, den 10. April, 1 Uhr nachmittags, im Jugendheim zu Düsseldorf eine Sitzung des Gesamtvorstandes und Beirates des Rcichsverbandes einberufen. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die Vorbereitungen eines Reichsführerkursu* und die internationalen und interkonfessionellen Beziehungen des Verbandes. Der Hessische Landesverband plant' für Sonntag, den 3. April, in Mainz einen Führcrkursus. Apfel, Lazarus, Schwarzschild, Dr. Herz und Felsenthal sind für die Referate vorgesehen. Der Badische Landesverband hat eine Delegierlentagung auf Sonntag, den 27. März, nach Freiburg einberufen. Samstag abend 9 Uhr: Begrüßungsabend des JJV. Freiburg. Die Tagung beginnt Sonntag um 9 Ubr. Referent: Holzer, Frankfurt. Dr. Schüftan, Erfurt, nahm als Vertreter des .Verbandes an einer Tagung des Reichsausschusses der Deutschen Jugendverbände am 2. und 3. Februar in Jena teil. Zu der Tagesordnung .werden wir noch Stellung zu nehmen haben. Ueber seine allgemeinen Eindrücke schreibt Dr. Schüftan wie folgt: Auffällig war die Tatsache, daß die eigentlichen Jugendlichen nur in ganz geringer Zahl zu sehen waren. Meistens waren es» Menschen im Alter von 30 und 40 Jahren. Im ganzen mögen wohl 70 Personen dagewesen sein. Die Verbände sind nach Gruppen geordnet und zusammengefaßt. Wir gehören zur fünften Gruppe: Allgemeine Verbände, in der alle die Verbände untergebracht sind, die man aus irgendwelchen Gründen an anderer Stelle nicht einordnen kann. Dazu gehören auch die Deutsche Turnerschaft, der Bismarckbund, Gewerkschaftsbuhd der Angestellten. Auf meine Frage, warum unser Verband nicht den religiösen Gruppen zugerechnet wird, wurde mir geantwortet, daß unser Verband, einerseits viel zu .klein sei, anderseits die katholischen bzw. evangelischen Verbände so groß seien, daß sie für sich eine Gruppe bilden müßten. Im Grunde ist mit der bisherigen Gruppeneinteilung kein Verband recht zufrieden. Man erwägt deshalb auch eine andersartige Gruppierung. Ich habe ferner die Auffassung,, daß der erste und zweite Vorsitzende in erster Linie repräsentative Bedeutung haben, während die eigentliche Arbeit im Verwaltung«- ausschuß geleistet wird. Ich halle es für unbedingt notwendig, daß wir im Verwaltungsausschuß vertreten sind. Unsere vielleicht zahlenmäßige Unterlegenheit kann nicht als stichhaltiger Grund angesehen werden* tun uns den Sitz im Verwaltungsausschuß zu verweigern. Die Verbandsleitung muß ihre ganze Kraft einsetzen, um dieses Ziel zu erreichen. JÜDISCHER JUGENDVEREIN DÜSSELDORF Wir feiern an» 10. April 1927 unser 25jähriges Stiftungs - Fest Vcrbaüdsfreiinde! Ihr kommt recht zahlreich nach Düsseldorf