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Der Jugendbund · 1927-02-10 · 3 (10.2.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
3 (10.2.1927)
Date
1927-02-10
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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- Im Westdeutschen Bezirksverband ist die Neugründung des Jagendvereins Wesel zu verzeichnen, ein erfreuliches Zeichen dafür, daO auch in den Landgemeinden des äußersten Nordens der Rheinprovinz sich wieder jüdisches Leben zu regen beginnt. — Auch in NeuB ist eine kleine Arbeitsgemeinschaft erstanden, die auf der Grundlage unseres Verbandes arbeitet. Bei der großen Rheinlandkundgebung des CV. wurde auch der Versuch gemacht, in Köln die deutsch-jüdische Jugend zu vereinen. Wie vorauszusehen war, schlug dieser Versuch fehl, da im ganzen überhaupt nur 50 Jugendliebe in dem großen Saal der Rheinland-Loge erschienen. In Württemberg ist der Landesverbandsvorsitzende, Rabbiner Dr. Cohn, Stuttgart, nunmehr mit gutem Erfolg dazu übergegangen, die einzelnen Vereine aufzusuchen Aus den Berichten geht hervor, daß es durch seine persönliche Fühlungnahme gelungen isj, in den bestehenden Vereinen die Arbeitsfreudigkeit zu erhöhen und daniederliegende Vereine wieder zu neuem Leben zu erwecken. Der Württembergische Oberrat hat dem Landesverband einen Jahreszuschuß von 400 Mark bewilligt, wodurch es dem Landesverband möglich ist, seine Arbeit etwas intensiver zu gestalten. Ein wirkliches Aktivum für die Arbeit unserer Vereine bedeutet die Vortragsreise des bekannten Vorstandsmitgliedes des Verbandes der jüdischen Lehrervereine Deutschlands, H-Tn Lehrers Steinhardt aus Magdeburg. Steinhardt hat sich uns zu einer anstrengenden Tournee in 27 Vereinen in Westfalen, Rheinland, Hessen und der Malz zur Verfügung gestellt und, wie wir aus Berichten der Vereine entnehmen, einen ganz außerordentlichen Erfolg gehabt. Wenn wir auch Von vornherein davon überzeugt waren, daß unser Freund, der sich auch in seinem Alter die jugendliche Feuerseele bewahrt hat, den Kontakt mit der Jugend ohne weiteres finden würde, so freut es uns doch, dies hier feststellen zu können und ihm unseren Dank auch an dieser Stelle ausdrücken zu dürfen. Rabbiner Dr. Hahn, Essen, berichtet von seiner badischen Reise, die ihn in die süddeutschen Vereine Geführt hat, im großen und ganzen recht befriedigt. Wir hoffen, recht bald noch mehr Verbandsredner in alle Gemeinden Deutschlands entsenden zu können. Von dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände liegt ein Bericht über eine Sitzung vom 6. Januar 1927 vor. Es handelte sich um die Verteilung der vom Preußischen Landesverband für die Zwecke der Jugendbewegung bewilligten Mittel. Die Vertreter der übrigen Organisationen traten dafür ein, die Mittel nicht an die einzelnen Verbände .zu verteilen, sondern für gemeinsame Zwecke zu verwenden, doch wurde für diesmal beschlossen, die Hälfte der bewilligten Mittel an die Verbände zur Verteilung zu bringen. Unser Verband wird jedenfalls darauf bestehen, daß auch künftig den einzelnen Verbänden die ihnen zustehenden Summen zugeführt werden. SLMI TT EILUNGEN DER VERBANDSLEITUNG Mitteilungen der Verbandsleitung. 1. Es wird an die Beantwortung der Fragebogen erinnert. Die Frist war bereits am 31. Januar abgelaufen. 2. Eb.enso wird nochmals auf die rechtzeitige Bestellung der Verbandsabzeichen aufmerksam gemacht. Preis für die Nadel 0,75 Mark. V Preis für die Brosche 0.S0 Mark. Die Einsendung erfolgt nur gegen Nachnahme. 3. Der geschäftsführende Vorstand der Ze'ntralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hat den Obermagistratsrat im Lai.Jtswohlfahrts- und Jugendamt Berlin, Herrn Dr. Friedrich Ollendorff, zum Geschäftsführer gewählt. Der Amtsantritt wird am 15. Februar erfolgen. Herr Dr. Ollendorff ist uns als warmer Freund der jüdischen Jugend bekannt. 4. Die Union Universelle de la Jeuncsse Juive, Paris, mit der wir, ohne ihr angeschlossen zu sein, in freundschaftlicher Verbindung stehen, ruft zu einer Kundgebung gegen die Pogrome und Ausschreitungen in Rumänien auf. Wir wollen Zwangsjacke des lehrplanhaften Schulaufsatzes steckte, mich hingerissen hat: „Unser Schulaufsatz — ein verkappter Schundliterat." Nun ja, Schulaufsätze.' Eitle, kein erhabenes Lächeln! Le style, c'est l'hoirnc. Auf deutsch: Der Mensch ist das Prod-ikt seiner Schulaufsätzc! — Ich kriege schwungvolle Manuskripte. Meisterwerke des Pathos. Jedem gewissenhaften Oberlehrer würde das amtliche Herz höher schlagen, man würde zwei Plus zensieren, .man könnte eventuell Musterschüler werden. . . Aber Jugend, wo bleibt dein Wesen, deine Ursprünglichst, deine reizende Rücksichtslosigkeit? Was ich lese, ist ja alles Kopie. Wundervolle, naturgetreue Knpie, urd was das Journalistische sein soll — unbewußter Diebstahl aus den P-tnkelkammern einer schuldlos impotenten Prcvirzpresse. (Das Pathos ist des Stümpers liebstes Kind!) Urd wo stehen sonst die Wiegen der Gedanken? Vielleicht in der unseligen Mißgeburt, die sich deutsch-jüdische Presse nennt? (Nein, die s'ch hütet, sich so zu nennen, die aber mit einigem Recht so bezeichnet werden kann. Anm. der Red.) HSck-t^iifalli muß noch das verkerrte BT.-Fcuillcton herhalten . . . Wie lächerlich ist obendrein die andachtsvolle Angst, das Eisen arzurühren, dis nicht einmal heiß ist, obwohl's jüdische öffentliche Meinung ist. - . '•ollen und wollen wir nicht anfangen, unserem Aufsatz er i1 ich ein eigenes Wesen, eigene Gesichtszüge, eigenen Pulsschlag zu geben? Wollen wir doch ohne Einerseits—Anderseits erst aufhören, einander frach Methode) blauen Dunst vorzukompliroentieren. Gebt eurer Seele das passende Wortl Wenn wirzur Schablone werden, dann" ist aller Aufwand an Reden, Tagungen, Konferenzen umsonst vertan. Wir werden bleiben, wenn wir mutig genug sind, unserer Selbständigkeit zu vertrauen. Damm auch: Selbständigkeit des geschriebenen Wortes! Was nützt die junge Generation, ohne den Willen zur Regeneration? Es ist bequem, ausgetretene Wege zu gehen. Ich bin aber der Meinung, daß wir gesund genug sind, einen privaten Weg zu bahnenf Redaktionelle Bemerkung: UnserVerbandsireur.d Josef Weinsaft legt Wert auf die Feststellung, daß sein Gedicht in der Chanukkanummer nicht originalgetreu abgedruckt wurde. Eine Feststellung, die hiermit getroffen wird. Gamsen Von Siegfried Bacharach. Wenn ich durch jene Gas?er. wo das Elend wohnet, gehe, wenn ich das Hassen, das auf toten Blicken Ihre sehe, — i flieht Gott: Not wühlt ins Herz, stößt's erdenwärts. — In heißen Sommernächten quillt aus diesen Hütten das müde Fleisch. Urvätersünden, die sich rächten, wimmern in Greisenschritten und in verröchelndem Gekreisch. - Da — unter müden Gaslaternen die aufgeschminkten Totenköpfe verheißen giftversiißte Lust. Der Himmel sieht's mit goldnen Sternen. Und dies sind eines Herrn Geschöpfe | — Wird dir's bewußt? Not wühlt ins Herz. stößt's erdenwärts, wenn ich durch jene Gassin gehe. — %

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