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Der Jugendbund · 1927-02-10 · 3 (10.2.1927) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
3 (1927)
Issue
3 (10.2.1927)
Date
1927-02-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Blätter 14. JAHRGANG / Nr. 2 der Jüdischen Blatter Düsseldorf, den 10. Februar 1927 des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands E i. JAHRGANG / Nr. 3 4 e 1—Jugendbundet fl'l? ItPIH InhSlIt" Gedanken über Jugend und Judentum in Form einer Ansprache. Von Dr. Katten, Görlitz. — Die Bibel H O IlCia IHMflll. jm Heimabend. Von Dr. Jacob, Saarbrücken. — Streike*« durch die Gegenwart. Von H. Capcll, Düren. — Randbemerkungen. — Gedenktage. — Aus anderen Lagern. — Feuilleton. — Unaer Judentum. — Aus dem Leben des Verbände«. — Mitteilungen der Verbandsleitung. — Adressenverzeichnis des Verbandes. — Rednerliste. — Bücherschau. — Vereinsnachrichten. — Anzeigen. Gedanken über Jugend und Judentum in Form einer Ansprache Von Rabbiner Dr. Katten, Görlitz. Wenn man sagen soll, was das besondere Kennzeichen der Jugend sei, worin ihre psychisch-intellektuelle Grundlage anders ist als die geistige Basis der Gbrigen Lebensalter, wird man vor allem die Begeisterung nennen, jenes pathetische Bekenntnis zu etwas, das man hat oder erstrebt In der Begeisterung gelangt etwas dem Lebenskern höchst Nahestehendes, etwas ungemein Vitales zu unmittelbarer Sinnwirkung und Verselbständigung. Dem Inhalte nach Zustimmung, ist sie als psychisches Phänomen in hohem Grade mit Fähigkeiten und Energien verknüpft, für deren Trag- Und Spannweite allein die Natur haftet. Trotz ihres biologischen Herkommens, trotzdem sie schöpft und sich ergänzt aus unbestimmbaren Kraftinvestierungen der Natur, hat die Begeisterung ihren sachlichen Wert und ihre objektiven Ziele. Das geistige Wesen des Menschen findet darin seine vornehmliche Beschäftigung, mit den Dingen, die draußen sind, in* Verbindung zu treten, sie sich einzuverleiben, das Auswendige tu einem Inwendigen zu machen. Allerdings wird sich dieses zunächst verfolgte Ziel bei höherer Betrachtung als ein Mittel zu erkennen geben, als ein langsames FuBfassen in der Richtung einer gesetzmäßigen, beinahe graphisch nachzuzeichnenden Fortbewegung. Unsere geistige Natur schreitet über den Weg der Aneignung hin zur Eignung und danach zur Eigenart. Sie gestaltet sich selber, indem sie den äußeren Gestaltungen nachgebt. Sie mündet in der Freiheit und Geschlossenheit de* Individuums. In Beziehung auf die Aneignung zeigt sich ein doppelter Weg. Teils empfehlen sich die Dinge, die dem Geiste sich einen, von sich aus, durch ihr sinnliches Dasein and ihre sinnliche Einwirkung. Die initiative Kraft der geistigen Besitznahme liegt für ein Kind im frühesten Lebeasstadium durchaus beim Draußen. Die Ding« bieten sich selber an. Der andere Weg der Besitznahme entspringt isa Inneren des Menschen, hl den Erregungen seines Gemütes und der Anmeldung seiner geistigen Ansprüche. Hier stellt die Begeisterung einen mächtigen Hebel dar. Sie ist euch, <L h. dem jugendlichen Lebensalter, durch eine unerklärliche Gerechtigkeit dar Natur in besonderem Mafia verliehen worden, weil euch auch die Aufgab« der Aneignung in erster Linie zufällt. Gegenüber dem daJan h unvermeidlichen Kräfte verschleiß hat sie gleichsam die Wirkemg acnes Akkumulators, der immerwährend neue Krafteström« entwickelt, welch« sucht «aar den Kapitalsverlust voll ersetzen, sondern auch die Grand summe mit ansehnlichen Zinsen zurückzahlen. Sa hat «weh die eigene Natur einen Weg zum Eigenen angewiesen, «ad «BT solltet Area Füsfaizaig Backt anheaebtet I aas an Unsere Betrachtsmg würde eines Wiliachrhi« ermangeln, •rena man n«t«rli«j«, auf da» Begeisterung •> ihrer «aechtoa Art hinzuweisen und sie bloßzustellen. Man wendet den Ausdruck Begeisterung an auf ein« starke Gefühlsreaktion nach eiaem Erlebnis von einer das Alltägliche weit übersteigenden Mächtigkeit seiner Eindruckskrait. Ihr werdet empfinden, daß das nur die rednerisch aufgebauschte Anwendung einer Bezeichnung auf einen gesteigerten Affekt ist, der mit der echten Begeisterung nur die Empfindung des Lustvollen und die pathetische Erklärung des Zufriedenseins gemein hat. Der Begeisterung im eigentlichen Sinne ist noch ein Weiteres tu eigen. Sie deckt nicht nur, zeigt in der Stimmung die Zustimmung an, sondern sie reißt auch auf, läßt Abgründe entstehen von Wünschen und Belehrungen. Die echte Begeisterung — das ist das Wunderbare an ihr — schließt zugleich ein Erfüllung und Verlangen, hat den „Geschmack" köstlichen Genusses and die grimm« Empfindung des Hunger«. Ein weiterer Fehler ist darin zu suchen, daß man die Aa- 1 lag« zar Begeisterung, ihre animalischen Bedingungen mit dieser selbst gleichsetzt Di« Leichtigkeit, einen Gefühlsaulruhr aufkommen zu lassen and sich ihm hinzugeben, oder besser, das Unvermögen, ihn durch das Mittel kraftvoller Sinngebung zu beschwichtigen, verführt dazu, eine Triebkraft für den Ausdruck eines Seins zu halten. Sie darf ihr zurückgezogenes Dasein ia der Seele satt einem weithin sichtbaren Platz der Erscheintmgswelt vertauschen, obgleich ihr kein Gegenstand vorgesetzt ist, aa dessen Formung sie sich genug tot und zur Ruhe kommt. Auf diese Weis« entsteht das peinlich« Bild einer prahlerischen Kraftgebärde. Das Wesenhafte entpuppt sich als eine Dom Quichotterie. Im besten Falle, wenn es sie mit Geist sich zu umgeben verlangt, setzt sie sich zur eigenen Idee, wird zur Begeisterung an der eigenen Begeisterung, zar Trunkenheit aa sich selber. Denn auch dieses ist ein Bestimmungszeichen hoben and echten Aufschwungs. Er ist etwas Umschlossenes and bei aller innere« Glut Geräuschlose*. Indem er «ich der Wert ia Rausch und Geriasoh aar Schau stellt, entfällt ihm jene satt« und doch zehr«ad« Stille, di« seine Wahrheit legitimiert Auch ohne Befragung des zerlegenden Verstand«« könnte au schon das Wort Begeisterung in seiner sprachliche« Bildung tagen, daß diese sucht aar ihre Richtung auf Geistige« nimmt, sondern selber vom Geistigen, Geist entnommenen ia sich hat Sic umschließt einen Ideenkem. Aus ihm zieht sie ihr tiefstes Lebe«, nimmt sie die Gewißheit ihre« Bestand««. Er verdichtet ihre diffuse, animalisch-naturhafte Stofflichkeit za einem gedrungenen and gestaltvoUea Ganzen, verhindert, daß sie ia dea leeren Raum «ich zerstreut und setzt sie überhaupt erst «a dea Staad, aaf geistig« Ziele ihren Kurs.cu Ja. «rare di—er Ideeakera voa Grund aus nickt vao a-mi-

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