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Der Jugendbund · 1926-12-30 · 24 (30.12.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
24 (30.12.1926)
Date
1926-12-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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— _ i-i WER J II IGENDBUND ORGAN DE^ BEZIKKSVERKANDES IUDISCHF.R 11.1 f, E N IJV E K El NE W E! T D1 U T >C H L A N L)> UND DES RHEINISCH-WESTFÄLISCHEN BEZIRKSVERBANDES JÜDISCHER IUGENDVEREINE ■ Sduiflleltung: Rabbiner Dr. Klein. Düsseldorf. Harold strafte 4 / Fernrut Nr. 7390 / Drude und Verlag A. Gertsdi & Co.. G. m. b. H., Düsseldorf. Wallslrafse 10 / Alle Einsendungen redaktioneller und geschäftlicher AH an. Dr. Klein. Düsseldorf / Anzeigenpreis: 0.15 Goldmark für die «gespaltene rrim-Zelle / Bezugspreis:'IS Pfennig monatlich elnsAlieolich freier Zustellung / Bestellungen nur bei der Schriffleltung oder den Vereinen / Erscheint alle 14 Tage 2. Jahrgang DUSSELDORF, DEN 30. DEZEMBER 1926 Nummer 24 Erziehungsmöglichkeiten und ihre Grenzen Referat von Edith Goldberg, Düsseldorf, Erziehung heißt, die Individualität des Kindes richtig erfühlen und erkennen und in dieser Erkenntnis die Entwicklung der betreffenden reilenden Persönlichkeit unterstützen und fördern. Erziehen heißt nicht, die Entwicklung des Kindes in irgendeine dem Erzieher beliebige Schablone pressen und das Ich im Kinde vergewaltigen. Es wird gerade in'unserer Zeit nicht selten die Frage aufgeworfen, ob denn überhaupt Erziehung notwendig ist, ob nicht jede Natur sich aus sich heraus und ohne erzieherischen EinfluS entwickeln nnd durchsetzen könne. Ich halte es deshalb für unmöglich, daß Menschen sich hemmungslos entwickeln, jedem Wunsch, jedem Trieb freien Lauf lassend, weil wir sieht nur für uns leben, sondern uns einzuordnen haben in die Institutionen, die sich im Lauie der Zeiten gebildet haben: Familie, Gesellschaft und Staat. Es ist danach aho die Aufgabe jeder Erziehung, dem zu leitenden Kinde eine möglichst natürliche, uneingeschränkte Entwicklung zu ermöglichen — vorausgesetzt, daß es keine anormalen oder I gesellschaftsfeindlichen Anlagen hat — und nur da, wo es notwendig erscheint, einzugreifen, gute Anlagen im wecken, schlechte auszumerzen oder abzuschwächen und, alles in allem, zu erstreben, daß das zu erziehende Kind ein wertvolles Mitglied der menschlichen Gesellschaft wird. Das neugeborene Kind ist nicht, wie viele noch glauben, das unbeschriebene Blatt, das Nichts, das sich erst langsam su einem mehr oder weniger bedeutsamen Etwas entwickeln wird, sondern wir müssen von Anfang an mit zwei hochbedeutsamen Faktoren rechnen, die es mit zur Welt bringt: Ererbtes und Eigenes, Neues. Und je nachdem, wie stark beim Kinde die eigene Veranlagung ist, und in welchem Grade es für die äußeren Einflüsse und Eindrücke empfänglich ist, sprechen wir von schwererziehbaren und leichterziehbaren Kindern; und während der Pädagoge von gestern das leichterziehbare, stets gefügige Kind als dankbares Erziehungsobjekt pries, zieht der Pädagoge von heute manchmal und mit Recht das schwerer erziebbare Kind dem anderen vor, weil er hier eine stärkere Individualität vermutet, die zu erziehen ihm lohnender und reizvoller erscheint als das mühelose Großziehen von Dutzendmenschen. Das erste Recht des Kindes und die größte Pflicht der Erzieher ist die, des Kindes Persönlichkeit als solche zu werten und zu behandeln. Es gibt nichts Verletzenderes für Kinder, •ls ihnen auf Schritt und Tritt ihr Kindsein vorzuwerfen. Wie oft hören wir von Eltern die Mahnung: „Kinder dürfen nur reden, wenn sie gefragt sind" oder: „Kinder haben nichts zu wollen" usw. Das Kind begreift: der Erwachsene kann und darf alles, and ich kann und darf nichts. Und da jedes Kind •ich selbst sehr wichtig vorkommt, entsteht oft durch diese Art Erziehung ein durchaus verständlicher,: wenn auch nicht nachhaltiger Haß gegen die Erwachsenen» | Je nachdem wie ein Kind veranlagt ist, verliert es auf dies« Weise schon in früher Jugend viel Selbstvertrauen. im Zyklus „Erziehungsfragen der Gegenwart". Wie der kinderliebe Erwachsene sich zum Kinde herabbückt, wenn er mit ihm spielt und spricht, um dadurch dia körperliche Distanz «wischen sich und dem Kind wegzutäuschen, so sollte jeder verständnisvolle Erzieher auch die geistige Distanz überbrücken und sich dadurch, daß er sich auf die kleine Gedanken- und Gefühlswelt einstellt, das Vertrauen des Kindes erobern. Er soll nicht ewig dozieren und stundenlang Ermahnungen auf das mit Recht gelangweilte Kind loslassen, sondern dies« Belehrungen, schmackhaft zubereitet, so in die allgemeine Unterhaltung einflechten, daß es das Kind gar nicht merkt. Auf diesem Wege wird sich das Kind schnell anfreunden, seine Gedanken, Pläne und Wünsche dem zuhörenden Erwachseien mitteilen, der sie teilt oder ablehnt, aber niemals gering einschätzt oder gar belacht. Ein Kind fragt alles, was es nicht versteht und will, nichf' wissend, ob das möglich ist oder nicht, auf alles eine Antwort haben. Es ist für viele sicher nicht einlach, z. B. mit einem vier- oder fünfjährigen lebhaften Kind einen Spaziergang zu machen. und bei dieser Gelegenheit alles mögliche gefragt zu werden, was sie selbst oft nicht genau wissen oder nur schwer erklären können. Die Methoden des falschen Antwortens sind verschieden. Entweder wird die lästige Frage überhört oder mit einem „das verstehst du noch nicht" beantwortet. Ein Kind kann unmöglich begreifen, daß es etwas geben soll, was es noch nicht versteht. Es läßt sich entweder einschüchtern und fragt gar nicht mehr, oder es bestürmt weiter mit Fragen, und der treffliche Erzieher ärgert und wundert sich über das ungezogene Kind. Es gibt kein« Frage, die man nicht beantworten kann, wenn man sich nur dem Grade des kindlichen Begreifenkönnens anpaßt. Ein Kind muß unbedingt gehorchen, weil es ja noch nicht die Fähigkeit hat, allein das Richtige zu tun und das Falsche zu unterlassen. Aber es ist falsch, einen blinden Gehorsam zu verlangen, denn so erzieht man sklavische, geduckte Naturen, aber keine selbstbewußten und lebenstüchtigen Menschen. Ein Kind muß aus E i n s i c h t gehorchen. Wir dürfen+ nicht irgendetwas befehlen oder verbieten, sondern müssen . Zur gefl. Beachtung! Folgende Vereine zeigen in dieser Nummer ihre Veranstaltungen an: v Bonn, Dierdorf, Düren, Düsseldorf, Grevenbroich, Hachenburg, Köln, Mayen, Trier, Wittliii, Du sburg, Gelsenkirchen, Hamborn Recklinghausen.Wattenscheid.

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