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Der Jugendbund · 1926-12-16 · 23 (16.12.1926) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
2 (1926)
Issue
23 (16.12.1926)
Date
1926-12-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Organ des Berlrksv er bandet ladischer Jugendvereine Westdeutschlands und de* Rheinisch-Westfälischen Beilrksverbandes lOdlschei lugendverelne JflDISCIE DUITEB Ausgabe für den UiPHind dsptudismen Jugsndvereine Dßiiisdi lands Anzeluenprels 0.19 Goldmark für die 6gespaltene mm-Zelle / Bestellungen nur bei der SchrifHeilung oder den Vereinen / Druck und Verlag A. Gerisch *J> Co.. G. m. b. H.. Düsseldorf. WaHstrase 10 Ii' Alle Einsendungen redakt. u. geschafil. Art an Dr. Klein. Dflsseidorf i Schriftleitung Rabbinei Dr. Klein. Düsseldorf. Haroldslraae 4 Fernruf Nr 7990 t». JAHRGANG / Nr. 23 I de» f ■ gjendbaade* | Düsseldorf, den 16. Dezember 1926 IS. JAHRGANG / Nr. 14 der indischen Blätter Jugend und Staat Referat von Dr. Hermann Lehmann, Bremen, anläßlich der Delegiertentagung des Nordwestdeutschen Bezirksverbande« am 10. Oktober 1926 in Braunschweig. Die Richtung de« Judentum* weist ins Allmenschliche. Nicht allein Einheit des Judentums, sondern Einheit alles dessen, was Menschenantlitz trigt, ist jüdische» Gedankengut. Eine Erörterung über Fragen, die die Beziehungen der Menschen untereinander betreffen, bedarf in diesem Kreise, im Kreise der jüdischen Jugend, keiner Rechtfertigung. Beziehungen der Menschen untereinander. Nicht Beziehung des einzelnen zum einzelnen, auch nicht die Beziehung des einzelnen zur Gemeinschaft, sondern die Beziehungen eines! bestimmte* Menschenkreises zu einer bestimmten Organi- ' sationsform der menschlichen Gesellschaft sollen uns beschäftigen, die Beziehungen der Jugend zum Staat. Die Betrachtungsweise, der wir uns bedienen wollen, soll einmal die soziologische sein. Soziologie, Gesellschaftslehre. Diese noch junge Wissenschaft soll uns Fingerzeige geben. Zum andern soll unsere Betrachtungsweise politisch aein. Ein politisch Lied, ein garstig Lied, zumal ein jüdischpolitisch Lied. Politik in den Reihen der Jugend? Ich meine, wir dürfen uns gleichwohl der politischen Betrachtungsweise bedienen, ja, wir müssen es sogar. „Politik ist die Anwendung der geeignetsten Mittel zur Erreichung bestimmter Ziele", sagt Wilh. Sauer in seinen „Grundlagen der Gesellschaft". Wir verbinden mit dem Begriff der Politik sehr zu Unrecht im allgemeinen lediglich die Vorstellung einer bestimmten Politik, der Staatspolitik. Man kann aber durchaus jedes Gebiet politisch betrar'-»»n: ' oolitik, Sozialpolitik, Rechtspolitik, Jugendpolitik, Kulturpolitik. Die politische Betrachtungsweise ist eine Betrachtungsweise unter dem Gesichtspunkte der Zweckmäßigkeit. _ Wie könnte Jugend einer derartigen Betrachtungsweise entratent Freilich, die Art der Politik, die Art der geeignetsten Mittel zur Erreichung bestimmter Ziele, die Wahl der Mittel und die Wahl der Ziele, all das zeigt, ob die Reife zur Politik, so möchte ich es nennen, besteht Möchte die Aassprache den Befähigungsnachweis jüdischer Jugend zur Anwendung politischer Betrachtungsweise erbringen. Die Erörterung von Fragen lediglich unter dem Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit würde jugendlicher Auffassung und Gedankenrichtung nicht entsprechen. Die Wahl der Ziele ohne die Erwägung ihrer Erreichbarkeit kennzeichnet jugendliche Betrachtungsweise. Ich möchte mir diese Betrachtungsweise nur bedingt zu eigen machen und gleichzeitig Im allgemeinen auf die Unzulänglichkeit jeder Betrachtungsweise hinweisen. Der Redner mag sich noch so großer Objektivität befleißigen, er wird immer nur zeigen, wie (ich die Weit bei ihm spiegelL Und doch ist auch hiermit das eine erreicht: Gewinnung und Klärung der Anschauungen. Bewaffnet mit dem Rüstzeug der Soziologie and der Politik in der Erkenntnis der Unzulänglichkeit dieser Waffen nahen wir uns dem Staatsbegriff, Die soziologische Deutung des Staatsbegriffes nimmt ihren Ausgangspunkt von den Begriffen „Gesellschaft" und „G emeinsebaf t". „G esellschaft" zunächst der weitere Begriff. Dia menschliche Gesellschaft überhaupt, das Menschengeschlecht in bezug auf seine Gruppierung, auf verschiedene Gruppen, Menschengruppen innerhalb einer menschlichen Gesellschaft bilden eine Gemeinschaft, sofern zwischen diesen Menschen eine Bindung besteht. „Gemeinschaf t", ein Wort, das in unseren Kreisen so häufig im Munde geführt wird, das, laßt es mich aussprechen, vielfach zur Phrase geworden ist. Und das nicht nur bei uns. „Volks-, gemeinschaft", das Schlagwort der deutschen offiziellen Innenpolitik „Völkergemeinschaft", das Schlagwort der deutseben, und nicht nur deutschen offiziellen Außenpolitik. In Wahrheit aber? Gemeinschaft zwischen Menschen, zunächst durch Bande der Natur, Blutsgemeinschaft, Familiengemeinschaft, Sippengemeinschaft, Stammesgemeinschaft, Rassengemeinschaft' Gemeinschaft weiter zwischen Menschen durch gemeinsame* Geschick, Schicksalsgemeinschaft Die Insassen eines Eisenbahnabteils. Zunächst Vereinzelung jeder Person. Zeitung,' Buch, eine Menschengruppe ohne Bindung, ohne innere Bindung. Das gemeinsame Geschick, die gemeinsame Fahrt löst die Zungen. Man erkundigt sich nach dem Reiseziel, man verständigt sich über die Oeffnung des Fensters. Der Mitreisende, der in ein Abteil eintritt, in dem Fahrtgenossen bereits länger zusammensitzen, fühlt sich fremd, er empfindet, daß er einer Geroeinschaft gegenübersteht. Die gemeinsamen Interessen binden. Schicksalsgemeirtschaft — Interessengemeinschaft. Diese Interessengemeinschaft braucht sich aber nicht nur durch äußere Umstände zu ergeben, sie kann auch auf der inneren Uebereinstimmung der Menschen beruhen: Wesensgemeinschaft, keineswegs gleichbedeutend mit Wesensgleichheit Gemeinschaft zwischen Menschen lediglich als Ausdruck und Folge besonders ausgeprägter innerer Verständigungsmöglichkeiten. Die Gemeinschaft zwischen Redner und Hörer, die nicht auf Gleichheit der Ansiebten und Auffassungen beruht sondern darauf, daffman sie versteht. Die Gemeinschaft auf Grund gemeinsamer Weltanschauungen, gemeinsamer religiöser Vorstellungen: Weltanschauungsgemeinschaft, Religionsgemeinschaft, ausgebildet in höchster Vollendung in der Kulturgemeinschaft. Zur Beachtung! Mitteilungen der Verbandsleitung auf Seite 12 Vereinsnachrichten auf Seite 14 bis 15 -i —

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