Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 22 (2.12.1926)
- Date
- 1926-12-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/6492456-6352473-6352500--0273-4928467- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ORGAN DES BEZIRKS VERBANDES JÜDISCHER IUGENDVEREINE WESTDEUTSCHLANDS UND DES RHEINISCH-WESTFÄLISCHEN BEZIRKSVERBANDES IÜ Dl SC H ER IUGENDVEREINE Schritlleitung: Rabbiner Dr. Klein. Düsseldorf. Haroldsrrafce 4 7 Fernruf Nr. 7390 / Drude und Verlag A. Gerts* & Co.. G. m. b. H„ Düsseldorf. Walhtrafcc 10 / Alle Einsendungen redaktioneller und geschäftlicher Art an Dr. Klein. Düsseldorf < Anzeigenpreis: 0.1S Goldmark für die 6gespaltene mm-Zeile / Bezugspreis: 13 Pfennig monatlldi elnschlirfslich freier Zustellung / Bestellungen nur bei der Schrifilelfung oder den Vereinen f Erscheint alle 14 Tage 2. Jahrgang DÜSSELDORF, DEN 2. DEZEMBER 1926 Nummer 32 Unsere . . Ein« Chanukka-Betracbtung Ehre ron Dr. Hahn, Essen. Am Sabbat des Chanukkafestes lesen wir als Haftara jene wundervolle Stelle aus dem Propheten Secharjah, die uns den Sieg des Geistes über die rohen Kräfte der Gewalt verheißt. Eingeleitet wird diese Schau durch die hochgemuten Worte: „Juble und freue dich, Tochter Zion, denn siebe, ich komme und throne in deiner Mitte, ist der Spruch des ^Ewigen. Und es schließen sich viele Völker dem Ewigen an am selbigen Tag, und sie werden mir ein Volk sein; ich aber throne in deiner Mitte, und du wirst erkennen, daß der Ewige der Heerscharen mich zu dir gesandt hat." Die Tatsache, daß hier Gott seinem Volk in zwei aufeinanderfolgenden Sätzen versichern läßt, daß er in seiner Mitte thront, deutet einer unserer gemütvollen Bibelerklärer folgendermaßen: Wenn ein König mit seinem Gefolge nach einer fernen Stadt unterwegs ist, im Walde aber von einem so fürchterlichen Unwetter überrascht wird, daß sein Pferd nicht mehr vorwärtskommt, so ist der Herrscher froh und zufried.n, wenn er in der einzigen kleinen Hütte, die im Walde steht, Unterkunft findet. Lächerlich wäre es von dem Besitzer der Hütte, sich darob zu brüsten und zu sagen: Sehet her, wie :-b hochangesehen bin, bei mir ist der König abgestiegen; denn •s ist klar ersichtlich, daß dem König in seiner Notlage nichts anderes übrig blieb, als mit diesem bescheidenen Aufenthalt vorlieb zu nehmen. Anders ist es, wenn der König in «ine Stadt kommt, in der er viele Paläste und Schlösser sein eigen nennt und dennoch im bescheidenen Heim eines einfachen Mannes einkehrt; da erkennt jeder, daß der König dort gerne weilt und aus Liebe zu dem Eigentümer des Hause* seinen Einzug bei ihm hält. So ist es mit Gott und Israel. Einmal in grauer Vorzeit war der Ruf an es ergangen. „Juble und freue dich, Tochlr Zion, denn siehe, ich komme und thron« in deiner Mitte, ist der Spruch des Ewigen." Das war in jenen fernen Zeiten, da Gottes Herrlichkeit zum ersten Male in Israels Mitte aufleuchtete. ^Nun könnte man aber einwenden und sagen: Ja, damals war es anders; da war Gott froh, daß er wenigstens in Israel eine Zufluchtsstätte fand. Es ist ja bekannt, wie der Ewige vor der Offenbarung am Berge Sinai von Volk zu Volk ging und, bat, man möchte ihn und seine Gebote aufnehmen. Keine Nation erklärte sich aber dazu bereit, nur Israel rief mit einer Stimme: „Alles, was der Ewige geredet, wollen wir tun und es hören." Damals blieb also Gott nichts anderes übrig, als Israels gebrechliche Hütte zu seiner Wohnstätte zu erwählen. Der Prophet sieht aber eine Zeit voraus, da sich viele Völker dem Ewigen anschließen werden; und auch dann wird Gott gerne bei Israel wohnen, auf daß alle Völker erkennen, daß ts die Liebe ist, die den Ewigen mit Israel verbindet. Das alleil kann unsere Eh<e in der Welt sein. Mögen die Menschen oberer Umgebung uns auch verachten und unser Haus meiden; mögen sie die Türen unseres Heims auch oft mit schmählichen Bildern und Worten verunzieren und brandmarken. Einmal im Jahr ist aber unser Haus hell erleuchtet; weit hinaus in dieStraßen dringt der Schein der vielen Lichter. Da muß jeder erkennen, daß wir hohen Besuch bei uns beherbergen. Gott kehrt alljährlich am Chanukka bei uns ein und gibt unserem Heim seinen Sinn und seine Würde wied-r. Da wird jedes jüdische Haus zum Tempel des Makkabäers. Wer so den Herrn aller Herren und den König aller Könige bei sich sieht, der kann den Spott und die Aechtung von seilen der kleinen Herren der Erde ertragen, ohne verbittert zu werden. So wollen wir auch in diesem Jahr die Chanukkalichter wieder weit ins Land hinausleuchtcn lassen — uns zur Freude und Gott zur Ehrel Chanukka-Gedanken Von Walter W Die geschichtlichen Ereignisse sind bekannt: Die Juden, unter der Herrschaft der Syrer stehend, empörten sich gegen diese, als sie versuchten, um sie ganz in ihre Gewalt zu bekommen, sie an der Ausübung ihrer Religionsgesetze mit Waffengewalt zu hindern. Unter Führung der Makkabäer schlugen sie ihre an Zahl um das Vielfache überlegenen Feinde in den großen Feldschlachten bei Beth- Choron und Beth-Zur, vertrieben' sämtliche Syrer aus Judäa und gaben den Tempel seiner Bestimmung zurück, nachdem zirka drei Jahre lang infolge der Bedrückung und Kriegswirren «in Opferdienst in ihm nicht mehr stattgefunden hatte. Hier fand man nun ein einziges Krüglein Oel vor, das, sonst nur für einen Tag ausreichend, in wunderbarer Weise acht Tage lang brannte. Dieses geschah im Jahre 164 vor unserer Zeitrechnung. o 1 {, Gelsenkirchen. Und was können wir aus diesen geschichtlichen Tatsachen lernen? Zu einer Zeit, als die Existenz des Judentums gefährdet war, als man es an seiner Wurzel, an der Ausübung seiner Religion zu treffen versuchte, da standen Männer auf, die klar erkannten, was mit ihrem Judentum verloren zu gehen drohte und die sich der Einzigartigkeit eines vergangenen jüdischen Gemeinwesens bewußt waren, in dem Zur Beachtung! Folgende Vereine zeigen in dieser Nummer ihre Veranstaltungen am Dierdorf, Düsseldorf, Grevenbroich, Köln, Mayen, Trier, Wittttcli, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hamborn, Herne, Mülheim (Ruhr), Wattenscheid.