Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 19 (21.10.1926)
- Date
- 1926-10-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492456-6352473-6352497--0238-4928435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
BIER II IGFNDBUND ORGAN DES BEZIRKSVERBANDES JÜDISCHER IUGENDVEREINE WESTDEUTSCHLANDS UND DES RHEINISCH-WESTFÄLISCHEN BEZIRKSVERBANDES JÜDISCHER IUGENDVEREINE Schriftlei tun o: Rabbiner Dr. Klein. Düsseldorf. Harold strafte 4 / Femrul Nr. 7390 / Drudk und Verlag: A. Gerlsdi St Co.. G. m. b. H.. Düsseldorf. Wall strafe« 10 / Alle Einsendungen redaktioneller und geschäftlicher Art an Dr. Klein. Düsseldorf / Anzeigenpreis: 0.13 Goldmark für die 6gespaltene mm-Zelle / Bezugspreis: 13 Pfennig monatlich einschließlich freier Zustellung / Bestellungen nur od der Sdiriftleltung oder den Vereinen / Erscheint alle 14 Tage 2. Jahrgang DUSSELDORF, DEN 21. OKTOBER 1926 Nummer 19 Zur Geschichte der Synagogengemeinde Rheydt Von Lehrer H e Mit Erlaubnis des Verfassers, unseres Verbandsfreundes Lehrer Heymann, Rheydt, entnehmen wir folgendes der Festschrift aus Anlaß des fünfzigjährigen Bestehens der Synagoge Rheydt. Wir setzen damit die Reihe der Darstellungen zur Geschichte rheinisch-westfälischer Synagogengemeinden fort und hoffen, ' recht bald auch aus anderen Gemeinden derartige Beiträge, die zur Festigung der Anhänglichkeit an die Heimatgeineinde außerordentlich beilragen, zu erhalten. Die Schriftleitung. Die ersten Juden kamen als Gefangene im Gefolge römischer Legionen und bald auch als freie römische Bürger an den Niederrhein. Eine größere, mit besonderen Vorrechten ausgestattete jüdische Gemeinde ist in Köln urkundlich seit dem Jahre 321 nachzuweisen. Auch in späterer Zeit, zuletzt roch im neunten Jahrhundert, wurde den Juden durch Schutzbriefe Ehre, Eigentum, Freiheit des Handels, Sicherheit des Lebens zugesichert. Seit Beginn der Kreuzzüge verschlechterte •ich die bisher nicht ungünstige Lage. Der Kölner Erzbischof gewährte den Bedrängten seines Machtbereiches unter anderen Orten in Neuß, Wevelinghoven, Geldern, Xanten Schutz, so daß anzunehmen ist, daß im ganzen Gebiete, wahrscheinlich auch in Rheydt, damals schon Juden wohnten. In Gladbach bestand zu Anfang des 14. Jahrhunderts schon eine kleine jüdische Gemeinde mit eigenem Betbaus. Im Jahre 1346 bekennen sich Hermann und Gerhard von Sasserath dem Odenkirchener Juden Meyger gegenüber als Schuldner für 9 brab. Mark (nach Daverkosen). Wenige Jahre später waren zur Zeit des Schwarzen Todes wie in vielen Städten Deutschlands auch in hiesiger Gegend blutige Judenverfolgungen. Die Chronik nennt unter 44 Gemeinden auch Gladbach, Erkelenz, Neuß. Diesen schweren Heimsuchungen folgten Zwangstaufen, Austreibungen und Ansiedlungsverbote. Einzelne Familien werdet, aber trotz aller Gefahren in den Orten zurückgeblieben sein. So ist im Jahre 1571 im Ausgabenbuch der Giesenkirchener Kirchmeister von dem Juden zu Rheydt die Rede, der auch •päter noch genannt wird, obwohl ein Ausweisungsbefehl des Herzogs von Jülich vom 8. August 1595 für alle Juden seines Landes vorlag. Es ist •wahrscheinlich, daß der Herr zu Rheydt, damals Otto von Bylandt, einer jüdischen Famiii* das Recht verlieh, sich sogar ein« bestimmte Abgabe in seinem Gebiete aufzuhalten. Aus den ältesten standesamtlichen Sterberegistern ergibt sieb auf Grund der Nachforschungen des Chronisten unserer Gegend, Heinrich Müller, jetzt wohnhaft in Frankfurt, daß die Familie Schnock diesen Schutz seit mindestens 1700 genoß. Es ist aber anzunehmen, daß ihre Ansässigkeit noch früher zurückreicht. Ende des 18. Jahrhunderts siedelten sieb mehrere jüdische Familien in Rheydt an. So wird Isaac Markus mit seiner Frau Ester Schöne, von Korschenbroich stammend, genannt. Die älteste Tochter dieses Ehepaares heiratete 1789 Hirsch Jonas Igersheimer, der auf Grund der Bestimmungen des Napoleoniscben Gesetzbuches den Namen Heinrich Stern annahm. Um di««« Zeit lagt« sich «in y m a n n, Rheydt, anderes Mitglied der hiesigen israelitischen Familien den Namen Napoleon Kieselbach zu. Das gute Verhältnis der Juden zu den Andersgläubigen verschlechterte sich, als das Rheingebiet nach dem Befreiungskriege im Jahre 1815 unter die Verwaltung Preußens kam. Es zeigte sich bald, daß die staatliche Unduldsamkeit auch das Verhalten der Bürgerschaft ungünstig beeinflußte. Gottesdienstlich gehörten die jüdischen Einwohner zor Gemeinde Odenkirchen, doch war bereits ein eigener Friedhof auf einem Privatgrundstück an der Wateier Straße, am Combusch, vorhanden. Im Anfang der dreißiger Jahre schlössen sich die etwa 50 Seelen zählenden Familien zu einer besonderen Gemeinde zusammen. Sie kauften sich im Jahre 1834 ein Haus, jetzt Hauptstraße 178, um den Gottesdienst zu ermöglichen. Ein Lehmhäuschen war es, das aber nur als Schule und Lehrerwobnung dienen konnte. Eine zu« gehörige Schreinerwerkstätte wurde zur Synagoge umgebaut. 1835 erwarb Heinrich Stern für die Gemeinde unser jetziges Friedhofsgelände. Außer ihm werden noch als Mitbegründer der Gemeinde genannt: Jonas Stern, Benjamin Schnock, Selig Schnock, Lazarus Schnock, Abraham Schnock, Leiser Schnock. Mendel Schnock, Gottfried Struch, Abraham Struch, Samuel Salomon. Isaac Salomon, Jakob Salomen, Joseph Cahn, Alexander Cahn, Abraham Wallach, Lazarus Sasserath, Joseph Meyer, Selig Levy, Selig Frank. Die Gemeinde Rheydt wurde später dem Synagogenverband M.Gladbach und damit dem Bezirk Krefeld angegliedert. Vorsteher waren Heinrich Stern von 1835 bis 1842, Jonas Stern von 1842 bis 1867, Nathan Klein von 1867 bis 1869, David Falk von 1869 bis 1871, Joseph Struch von 1871 bis 1879. Seit dieser Zeit vertrat Moses Stern die Gemeinde und schied am 2. Januar 1924 aus dem Vorstande aus. In dankbarer Anerkennung seiner großen Verdienste übertrug ihm die Gemeinde das Amt eines Ehrenvorsitzenden und bestätigte ihm diesen Ausdruck besonderer Wertschätzung durch Ueberreichung einer Ehrenurkunde. Sein Nachfolger ist Richard Benjamin. Durch einen Brand im Hause des Joseph Struch wurden fast alle Gemeindeschriftstücke vernichtet, so daß über Ereignisse der älteren Zeit wenig berichtet werden kann. — Zur gefl. Beachtung! Folgende Vereine zeigen in dieser Nummer ihre Veranstaltungen an: Dierdorf, Düsseldorf, Grevenbroich, Hachenburg;, Jülich, Köln, Kreuznach, Mayen, Trier, Duisburg, Essen, Recklinghausen. — l —