Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 17 (23.9.1926)
- Date
- 1926-09-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ORGAN DES BEZIRKSVERBANDES JÜDISCHER JUGENDVEREINE WESTDEUTSCHLANDS UND DES RHEINISCH-WESTFÄLISCHEN BEZIRKS VERB ANDES JÜDISCHER JUGENDVEREINE Schrif Heilung- Rabbiner Dr. Klein. Düsseldorf. Harold »tre.Se 4 / Fern ml Nr. 7390 / Druck und Verlas: A. Gerisch » Co., G.m.b.H.. Düsseldorf. Wallstrase 10 / Alle Einsendungen redaktioneller und geschäftlicher Art an Dr. Klein, Dflsseidorf / Anzeigenpreis: 0.15 Goldmark fOr die 6gespaltene mm-Zelle / Dezugsprels: IS Pfennig monatlich einschließlich freier Zustellung / Bestellungen nur bei der Schriftleitung oder den Vereinen / Erscheint alle 14 Tage 2. Jahrgang DUSSELDORF, DEN 23. SEPTEMBER 1926 Nummer 17 Zum Sukkaus-Feste Von Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf. Der Schall des Schofars ist verhallt. Die' erhabenen Tage mit ihrem schweren Ernst sind vorüber. Das Sukkausfest mit seiner überquellenden Freude hält seinen Einzug und findet seinen Gipfelpunkt in dem letzten Feste des Herbstes, dem Tage der Thorafreude. Ein starker Gegensatz scheint zu bestehen zwischen den Festen der ersten Hälfte des Monats Tischri und den nun bevorstehenden. Die ernsten Tage, die unsere Gedanken nach innen richten, sich nur beschäftigen mit tiefen, religiösen und sittlichen Gedanken, die uns ganz an das Gottesbaus bannen, werden abgelöst durch Tage wahrer Festesfreude, die unsere .Gedanken auf die Schönheit der Welt richten, deren Feier mehr ihren Schwerpunkt im Familienleben hat als in der Synagoge. Die Berichte aus alter Zeit über die Feier des Laubhüttenfestes lassen uns diesen Gegensatz noch deutlicher werden. Eine freudig bewegte Menge durchwogte die Straßen der Heiligen Stadt, aus allen Teilen des Heiligen^ Landes strömten die Waller in freudigbewegter Stimmung durch die Straßen Jerusalems, sich ergötzend an den Reigentänzen del Jungfrauen in den Weinbergen, an dem herrlichen Bilde der festlich geschmückten Stadt, lauschend den Jubelgesängen der levitischen Chöre, die von den Stufen des Tempels erschallten. Ein Gegensatz, aber nur für den, der die jüdische Volksseele nicht kennt. Nach der Ueberzeugung unserer Weisen ist Sukkaus die natürliche Folge der Tage der Buße. Die von allen Beschwernissen befreite Seele freut sich ihres Daseins, freut sich des Werkes, das sie vollendet. Wahre Freude kennt der Jude nur nach getaner Pflicht. Der Gipfelpunkt der Büß« ist die Zedokoh, die Liebestat, die bewußt an dem Aufbau der Welt, an der Erhebung des Menschen arbeitet. In der Laubhütte versammeln sich nach dem Gebote der Thora mit der Familie auch Sklave und Fremdling. In dieser Betätigung des Gemeinschaftsgefühls mit allen Menschen, des Hervorrufen« der freudigen Stimmung auch bei den Gedrückten ist die wahre Versöhnung besiegelt, frei erhebt sich die Seele zur Höhe und schaut im Dache der Laubhütte die Kinder der Natur und den lachenden Himmel. Und in dieser Stimmung freuen wir uns am Ende der Feste unserer Thora, die uns gebietet: „Du sollst dich freuen an deinem Feste". Diese jüdische Art der Freude nach getaner Arbeit sollten wir uns in unserer Vereinsarbeit erzeugen. Wir sind jung. Ale junge Menschen ziemt uns die Freude an uns, an der Natur, an den Menschen. Die Jugend soll Feste feiern, soll sieb ihrea Lebens freuen, aber diese Freude soll sich erheben auf dem Grunde des Schaffens. Wenn'wir unsere Pflicht an unseren Judentum und an unserem Menschentum erfüllt haben, dann wird wahre Fröhlichkeit von uns Besitz ergreifen. Schaut in euch hinein, erwerbt euch, in heißem Bemühen das Blut eurer Väter, macht es euch zu eigen, dann wird wahre Festesfreude in euch einziehen; macht die Lehre zu eurem Besitztum, dann wird sie euch zum Segen werden! JÜDISCHES LEBEN IN RHEINLAND UND WESTFALEN s Aus den Gemeinden Ra jngeji Festgottesdienst zur 690-Jahrfeier der Stadt Ratingen in der Synagoge. Ein Zeichen der Zeit ist es, daß die schmucke Synagoge der einst blühenden Gemeinde Ratingen nur noch zu besonderen Anlässen ihre Pforten öffnet. Der Zug in die Großstadt hat es. bewirkt, daß auch in diesem Land;tädtchen, wie in so vielen anderen, die Zahl der Juden auf wenige Familien zusammengeschmolzen ist. Um so mehr hielt es die Synagogengemeinde Düsseldorf für ihre Pflicht, am Ehrentage der Stadtgemeinde im Verein mit den jüdischen Bürgern Ratingens einen Festgottesdienst zu veranstalten. Am Montag, den 13. September, fand sich in dem erst kürzlich in pietätvoller Weise neuhergestellten Gotteshausc eine stattliche Versammlung ein. Neben den Mitgliedern der Ratinger Gemeinde sah man fast vollzählig den Vorstand, die Repräsentanten und das Rabbinat der Gemeinde Düsseldorf nebst ihren Angehörigen, als Vertreter der Stadt erschienen der Bürgermeister, verschiedene Stadtverordnete und die Geistlichkeit beider christlichen Bekenntnisse. Der Chor der Düsseldorfer Synagoge leitete die Feier mit dem Gesang des Mahtauw^ ein, worauf Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher in eindringlichen Ausführungen auf die Bedeutung des Jubiläums für die Ratinger Synagogengemeinde einging. Starker Bürgersinn habe Ton jeher die Bürgerschaft dieser alten Stadt in glücklichen und in traurigen Zeiten ausgezeichnet, und dieser Bürgersinn habe stets alle Gegensätzlichkeiten überwunden. Deshalb sei es den jüdischen Bürgern stets vergönnt gewesen, an dem Gedeihen ihrer Heimatstadt, in der sie verwurzelt seien, tätigen Anteil zu nehmen. Die Geschicke der Ratinger Synagogengemeinde seien eng verknüpft mit denen der Stadtgemeinde. Wenn auch die Anfänge jüdischer Siedlung in Ratingen im dunkeln lägen, so sei csf doch gewiß, daß schon in altersgrauer Zeit, ebenso] wie es im übrigen Rheinland der Fall sei, Juden in dieser alten Stadt ansässig und tätig gewesen seien. Sie hätten stets den Satz des Propheten Jeremia sich vor Augen gehalten: „Baut Häuser, in denen ihr wohnen möget, pflanzt Gärten, daß ihr Zur gefl. Beachtung! Folgende Vereine zeigen in dieser Nummer ihre Veranstaltungen an:' Dierdorf, Düsseldorf, Jülich, Mayen Trier, Duisburg, Gelsenkirchen, Hamborn, Herne, Recklinghausen.« , — l —